Iran: 127 Jahre Gefängnis für Facebook-Seite

Im Mai 2014 wurden acht Facebook-Mitglieder im Iran zu insgesamt 127 Jahren Gefängnis verurteilt. Ihre Haftstrafen belaufen sich auf 8 Jahre bis 21 Jahre. Die Vergehen, derer sie beschuldigt werden, sind „Propaganda gegen das System“, „Beleidigung“ oder „Versammlung und geheime Absprachen gegen die nationale Sicherheit“. Unter den Verurteilten befindet sich auch Roya Saberi Negad Nobakht.


Roya Saberi Negad Nobakht und Ehemann Daryoush Taghipoor

Im Folgenden geben wir ein Interview von Radio Farda mit ihrem Ehemann, Daryoush Taghipoor, wieder:

Bitte stellen Sie sich vor.

Ich bin Daryoush Taghipoor, Ehemann von Roya Saberi Negad Nobakht, die in den Iran gegangen war, um ihre Familie zu besuchen und wegen ihrer Facebook-Seite festgenommen wurde.

Welche Aktivitäten hatte sie in ihrer Facebook-Seite, die eine Festnahme begründen?

Meine Frau stand über ihren Computer und Facebook mit ein paar Leuten aus der Stadt Schiras in Kontakt. Als sie in den Iran kam, ging sie auch nach Schiras um diese Leute zu besuchen. Bei ihrer Festnahme wurde ihr gesagt, sie hätte damit „die rote Linie überschritten“. Ihr wurde vorgeworfen, dass sie manche Texte selbst geschrieben und andere Texte durch die „Teilen“-Funktion von Facebook übernommen hätte.

Wie hoch war das Urteil für ihre Frau?

Sie muss 20 Jahre im Gefängnis bleiben.

War Ihre Frau politisch aktiv?

Nein, nein. Ich hatte keine politische Aktivität, meine Familie nicht, Roya nicht und ihre Familie auch nicht. Wir hatten keinen Kontakt mit einer politischen Person oder einer politischen Gruppe. Wir sind ganz normale Menschen und gehen unserer Arbeit nach.

Sie und ihre Frau wohnen in Großbritannien und jetzt ist ihre Frau im Gefängnis. Haben Sie die zuständigen Behörden in Großbritannien oder im Iran um Unterstützung gebeten?

Wir sind Iraner. Nach unseren Prinzipien müssen wir unsere Probleme untereinander lösen. Ich möchte nicht als Bittsteller gegenüber Fremden (gemeint ist der britische Staat) auftreten. Ich habe an die Facebook – Accounts von Herrn Zarif (iranischer Außenminister) und Herrn Rouhani (iranischer Staatspräsident) geschrieben. An den Religiösen Führer Chamene’i habe ich einen Brief geschrieben. Ebenso an den Leiter der Judikative. Meine Frau Roya hat auch Briefe an diese Personen geschrieben.

Hat Ihre Frau einen Anwalt?
Ja, sie hat einen Anwalt. In ihrer Akte sind acht Personen genannt, im Alter von 18 bis 50 Jahren. Diese Leute haben alle nichts Besonderes in ihrer Facebookseite veröffentlicht. Ich bin 50 Jahre alt und Roya ist 48. Wenn Roya 20 Jahre im Gefängnis bleiben muss, wird unser Leben zerstört. Die Strafe, die diesen Menschen auferlegt wird, ruiniert ihr Leben. Sie waren keine bewaffneten Leute

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Versammlung von KünstlerInnen vor der Theaterverwaltung in Teheran

Am heutigen Dienstag, den 22.07.2014, haben sich bekannte KünstlerInnen, SchauspielerInnen und Kulturschaffende der Teheraner Theaterszene vor dem zentralen Gebäude der Theaterverwaltung versammelt. Sie forderten ausstehende Gehälter für Theaterbeschäftigte ein und verlangten neue Verträge für sie. Es wurde hervorgehoben, dass in diesen Verträgen auch die Zeit der Einübung der Theaterstücke als Arbeitszeit abgegolten wird. Dem stellvertretenden Leiter der Theaterverwaltung, Al Moradchani, wurde eine Frist von zwei Wochen gesetzt. Wenn sich bis dahin nichts bewegt hätte, käme man wieder – aber dann mit sehr viel mehr Leuten.

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Iran: Nourusabad – im Süden von Teheran


Nourusabad ist ein Viertel im Süden von Teheran.
Was in Europa als „Nord-Süd-Konflikt“ tituliert wird, spiegelt sich im Unterschied zwischen Nord-Teheran und Süd-Teheran wieder. Im Norden wohnen die Reichen, die Mächtigen, im Süden diejenigen, die keine Arbeit haben, oder eine Woche pro Monat. Hier wohnen die Menschen, in deren Stadtteil es keinen Metzger gibt, weil sich niemand Fleisch leisten kann, in denen man selbst beim Bäcker und beim Lebensmittelhändler in der Kreide steht, weil man kein Geld hat, zu zahlen. Oder erst, wenn man mal wieder Arbeit gefunden hat. Nicht einmal gesundes Wasser gibt es hier, dafür stinkendes Abwasser vor der Haustür. Viele Kinder werden nicht in die Schule geschickt, weil sich die Eltern nicht das Geld für die Schulkleidung leisten können. Frauen sitzen vor den Häusern in der glühenden Hitze und häkeln. Hier ist die Armut und ihr Geruch zu greifen. Um das zu ändern, haben die Iraner eine Revolution gemacht, und was ist der Lohn?

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Iran: Streik der Grubenarbeiter

In der Region Semnan streiken die Arbeiter der Kohlegrube der staatlichen Firma „Alborse scharqi“. Die Arbeiter haben sich in Schahrud vor dem zentralen Sitz der Firma versammelt, um gegen die Privatisierungspläne der Firma zu protestieren. Diese Pläne betreffen auch die Arbeiterwohnungen.

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Iran: Ausländer raus!

Schon zur Zeit der beiden Amtszeiten von Präsident Ahmadineschad gab es Razzien und Abschiebungen ausländischer Arbeitnehmer, bevorzugt von Afghanen, die aus dem Nachbarland in den Iran geflohen waren. Die Regierung von Hassan Rouhani war mit dem Spruch angetreten, sie wolle einen fairen, einen gerechten Staat. Aber der erste Stellvertreter von Hassan Rouhani hat jetzt ein Schreiben an das Arbeitsministerium verfasst, das dieses umsetzen soll. Laut diesem Schreiben ist es das Ziel der Regierung, die Zahl der beschäftigten Ausländer im Iran zu reduzieren.

Natürlich ist es richtig, dass bei der derzeitigen Wirtschaftskrise im Iran die Arbeitsplätze rar sind und dass die Arbeitgeber die Notlage von Ausländern ausnützen, um schlechtere Löhne zu zahlen und die Arbeitsbedingungen zu drücken – wie überall auf der Welt. Aber keiner kann behaupten, dass die Afghanen der Grund sind, warum die iranische Wirtschaft in den Abgrund gestürzt ist. Es war ein gewisser Ajatollah Chomeini, der seinerzeit erklärt hatte: Wirtschaft ist was für Esel!

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Iran in den Fängen der Schwarzen Hand

Seit einiger Zeit treten namentlich in Teheran Straßenkünstler unter dem Namen ‚Black Hand‘ an die Öffentlichkeit. Sie nutzen die Hauswände ähnlich wie die Grafitti-Maler, wobei ihre Kunst oft eine klare Botschaft vermittelt.

Berühmt geworden ist ihr Plakat mit einer jungen Iranerin, die in den Farben der iranischen Fahne gekleidet ist und eine Spüli-Flasche wie den Siegespokal bei den Fußballweltmeisterschaften in die Höhe hält. Ihr Gesichtsausdruck ist dabei eine Mischung von Empörung und Verachtung.
Das Plakat spielt darauf an, dass die iranischen Sittenwächtern den Frauen verboten, gemeinsam mit den Männern in der Öffentlichkeit bei der Übertragung der Fußball zuzuschauen. Die Frauen sollen brav zu Hause bleiben… Dass frau da sauer wird, versteht sich.
Sauer werden auch die Sittenwächter, die jeden Morgen die geklebten Plakate übersprühen, aber dabei überfordert sind, so dass sich die Bevölkerung schon darüber amüsiert, was sie beim Übersprühen übersehen haben.


Ein anderes Plakat lautet: „Genug gekämpft, jetzt weiter mit Diplomatie!“ Das muss nicht unbedingt auf die Atomverhandlungen gemünzt sein, sondern ist wohl eher eine Aufforderung an die Bevölkerung, den Staat unterschwellig zu unterlaufen, so dass die Repression ins Leere läuft.


Am Schluss sei noch ein drittes Plakat vorgestellt:
Ein Schild mit der Aufschrift: Übergang für Behinderte, dahinter ein Sprühbild von einem Skater.

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Iran: Die kleinen hängt man…

Es ist im Iran kein Geheimnis, dass der Erdölexport im Iran unter der Kontrolle der Pasdaran steht und für diese wie den Staatshaushalt eine der wichtigsten Einnahmequellen darstellt. Aber wehe, wenn das die verarmte Bevölkerung nachahmt. Die südlich von Bandar-Abbas gelegene Insel Qeschm war letzten Samstag Schauplatz eines brutalen Einsatzes der sogenannten Sicherheitskräfte. Diese hatten ein Lager von geschmuggeltem Treibstoff entdeckt und erschossen bei der Gelegenheit drei Menschen, mindestens sechs weitere wurden verletzt. Die Staatskräfte gingen sogar mit dem Bulldozer vor, um ein Gebäude zu zerstören. Die Bevölkerung des Ortes – er heißt Kuwe – protestierte gegen die Gewalt, aber sie konnte nichts dagegen ausrichten.

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Islamischer Staat in Syrien: 2 Frauen gesteinigt

Die bewaffnete Gruppe ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien) hat inzwischen ein Drittel des syrischen Gebiets unter ihre Kontrolle gebracht. In der vergangenen Woche hat die Gruppe zwei Frauen wegen angeblicher „unehelicher Beziehungen“ in Ruqa zu Tode gesteinigt. Da sich die lokale Bevölkerung weigerte, an der Steinigung mitzuwirken, legten die „Kämpfer“ von ISIS selbst Hand an und steinigten die Frauen zu Tode. Die eingeschüchterte Lokalbevölkerung traute sich nicht, dagegen offen zu protestieren.

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Absturz einer iranischen F4 bei Schiraz

Laut der iranischen Nachrichtenagentur Mehr ist heute, Dienstag, 15.7.2014, ein iranisches Düsenflugzeug vom Typ F4 abgestürzt. Beide Piloten kamen dabei ums Leben.

Der iranische Armeegeneral Amir Hussein Mohammadi gab bekannt, dass der Absturz während einer Ausbildungssituation in der Nähe der Stadt Schiraz passierte. Die genauen Umstände müssten noch untersucht werden.

Jäger vom Typ F4 stammen aus den USA und wurden in den 60er Jahren hergestellt. In den USA wurden die F4 vor langer Zeit außer Dienst gestellt, in anderen Ländern, wie dem Iran sind sie aber weiterhin im Einsatz. Sie wurden damals unter dem Schah beschafft. Die US-Sanktionen der letzten Jahre haben sicher den Allgemeinzustand der iranischen Luftwaffe weiter verschlechtert.

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Pressekonferenz des iranischen Außenministers Zarif in Wien

Der iranische Außenminister Mammad Jawad Zarif gab heute, Dienstag, 15.7.2014, ebenfalls eine Pressekonferenz. Nach seinen Aussagen hätte es in den Gesprächen große Fortschritte gegeben. Er fordert eine Verlängerung der Frist, bis zu der die Gespräche abgeschlossen sein müssten und wird das seinem politischen Führer vorschlagen. Er vermutet, dass seine Verhandlungspartner bei den westlichen Großmächten das gleiche bei ihren politischen Führern tun. Angesichts der Verhandlungsfortschritte würde sich das lohnen.

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Atomverhandlungen mit dem Iran

Auf der heutigen (Dienstag, 15.7.2014) Pressekonferenz in Wien bei den 5+1 Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm erklärte der US Außenminister John Kerry, dass es in wichtigen Fragen noch einen deutlichen Riss gäbe. In anderen Schlüsselfragen hätte es Fortschritte gegeben, aber es müsse noch weiter gearbeitet werden. Kerry sagte weiter, dass er den Iraner klar gemacht hätte dass die 19.000 Zentrifugen für ihr Programm zur Urananreicherung zu viel seien und die Zahl deutlich gesenkt werden müsse.

Er versuche sich auf eine Einigung bis zum 20. Juli zu konzentrieren. Eventuell gäbe es auch nach dem 20. Juli eine Verlängerung der Gespräche.

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Iran: Radfahren als hohe Politik


Heldenhafte Flexibilität

Aus den Nachrichten ist zu erfahren, dass der iranische Außenminister Sarif gestern und heute mit seinem US-Amtskollegen Kerry zu Gesprächen zusammengetroffen ist. Es ist eine kleine Nachricht, die aber zeigt, was für bedeutende Wandlungen die iranische Außenpolitik durchgemacht hat. Gestern war die USA noch der Große Teufel, gegen den der Religiöse Führer, der vorige Präsident und die Freitagsprediger bei jeder Gelegenheit gewettert haben. Und heute sucht man das Gespräch, heimlich wie offen. Vor zwei Jahren noch hat man die Britische Botschaft in Teheran gestürmt und dort alles Wertvolle zerschlagen oder gestohlen, heute legt man Wert auf die Wiedereröffnung der Botschaft. Deutsche Handelsdelegationen werden mit Handkuss empfangen, auch wenn Sie noch nicht die erwünschten Investitionen bringen, denn man ist auf der Hut.
Das iranische Atomprogramm – offiziell zur Versorgung des Irans mit Atomstrom, de facto zum Bau der Atombombe, wurde eingestampft und die meisten Bedingungen des Westens akzeptiert. Und auch wenn man mit Europa über die Aufhebung der Sanktionen verhandelt – die iranische Regierung ebenso wie der Religiöse Führer und die Revolutionswächter sind sich bewusst, dass die eigentliche Entscheidung nicht in Europa, sondern in den USA fällt, also verhandelt man eben mit Kerry. Man könnte das Pragmatismus nennen.

US Außenminister Kerry und iranischer Außenminister Zarif in Wien

Sanktionen: Wenig Ölverkauf, wenig Geld in der Kasse
Der Grund ist einfach. Die Sanktionen haben den Ajatollahs und den Pasdar-Generälen den Geldhahn fast ganz zugedreht, und das ist sogar für die Regierenden schmerzlich. Denn selbst eine Regierung, die auf die Regierten pfeift, braucht Geld, um ihre bewaffneten Handlanger zu bezahlen – die Revolutionswächter (Pasdaran), die paramilitärischen Milizen (Bassidschi), die Sittenwächter, die Mollas. Alle haben Familie, alle wollen leben, und möglichst nicht so schlecht wie der Rest der Bevölkerung. Wenn man selbst das Geld nicht zusammenbringt, sieht es schlecht aus. Daher also die neue Nachgiebigkeit, oder mit den Worten von Ajatollah Chamene‘i: die heldenhafte Flexibilität.

Reformer und Fundis – mit einer Zunge
Ja, einen Rückzug kann man auch so nennen. Und deshalb spricht die iranische Elite – egal ob die sogenannten Reformer oder die Fundamentalisten – in Sachen Außenpolitik mit einer Zunge. Alle wissen, dass ihr Geld davon abhängt, und so stärkt der Religiöse Führer dem Außenminister der Regierung Rouhani in den Verhandlungen mit dem Westen den Rücken, auch wenn sich die beiden sonst nicht sehr nahe stehen. Denn der Westen soll wissen, dass man sich auf die Abmachungen verlassen kann. Würden die Pasdar-Generäle und Ajatollah Chamene‘i der jetzigen Regierung bei den Verhandlungen in den Rücken fallen, wären sie für den Westen wertlos, weil er dann davon ausgehen kann, dass die Vereinbarungen nicht eingehalten werden. Eine angenehme Situation für den Westen, und er kostet es aus. So verlangt Großbritannien erst eine vollständige Entschädigung für die Verluste, die durch die Botschaftsbesetzung entstanden sind. Im Iran wird in diesem Zusammenhang eine Zahl von extrem hohe Zahl als Schadensersatz genannt. Man fragt sich, was die Briten da alles in der Botschaft gehortet haben, sollte die Zahl wirklich zutreffen.

Radfahren: Nach oben buckeln und nach unten treten
Ganz anders sieht das Verhalten derselben Spieler in der Innenpolitik aus. Da fordern Abgeordnete, dass der ehemalige „Reformer“-Präsident Chatami unter Rede-Verbot und Ausreise-Verbot gestellt werden soll, da schließt Ajatollah Chamene‘i im Gespräch mit dem einflussreichen Abgeordneten Ali Mottahari die Aufhebung des Hausarrests für die Präsidentenkandidaten Mehdi Karubi und Mirhossein Mussawi kategorisch aus und setzt noch eins drauf, die könnten froh sein, dass sie keine Gerichtsverhandlung bekommen haben. Da machen die Sittenwächter wieder Jagd auf „schlecht verschleierte“ Frauen, da wendet sich Ajatollah Chamene‘i öffentlich an die Verantwortlichen der Universitäten, keine Politisierung der Unis zuzulassen, da werden diejenigen, die sich nicht ans islamische Fastengebot halten, öffentlich ausgepeitscht.

Ex-Präsident Chatami

Wenn Wahlen etwas ändern würden, würden sie verboten
Dieser Spruch, der auch im Westen zu hören ist, besitzt im Iran seine volle Gültigkeit. Und wenn die Wahlen nicht verboten werden, dann werden sie eben gefälscht. Wieso kann sich der Staat das leisten? Auch hier lohnt sich der Blick in den Geldbeutel, genauer, in die Kassen des Staates. Der iranische Staat hat bis heute kein funktionierendes Steuersystem, die Bürger sind für ihn also keine Kühe, die man nicht schlachten sollte, solange man sie melken kann. Der Staat lebt von den Erdöleinnahmen, und solange die fließen, können ihm die Bürger egal sein. Das gilt nicht ganz: Ein Streik im Erdölsektor wäre der Todesstoß, aber das Regime ist sich dessen bewusst und überwacht die Arbeiter in diesem Sektor mit Argusaugen.

Wer hat Angst vor Habenichtsen?
Außer ihrer Stimme haben die Bürger also wenig zu bieten, solange sie nicht organisiert sind. 2009, als durch die Wahlkampagne von Mussawi und Karubi Wahlstäbe dieser Kandidaten über das ganze Land verteilt waren, existierte tatsächlich – neben den Studentenorganisationen – eine landesweite Organisationsform, die die Basis für eine Beteiligung der Bevölkerung an der Politik legen konnte. Aber damals schlugen die Machthaber zu. Sie brauchten über ein Jahr, um diese Bewegung zu ersticken, aber sie waren erfolgreich.

Bürgergesellschaft – Rückkehr auf leisen Sohlen
Ja, die Herrschenden waren erfolgreich darin, den Aufbau von Parteien, einer großen Gewerkschaftsbewegung oder eine großen Studentenbewegung zu zerschlagen. Aber auch die Bürger haben gelernt. Heute geht man nicht in eine Partei, ruft keine Parolen gegen den Religiösen Führer, sondern wehrt sich in lokalen Zusammenschlüssen gegen den Smog in der Großstadt, setzt sich ein für die Erhaltung des Stadtparks, macht die Vermüllung der Umwelt zum Thema, protestiert gegen die Ableitung von Wasser oder gegen das Austrocknen von Seen. Eine grüne Bewegung im westlichen Sinnne, möchte man meinen, nicht im Namen des Propheten. Von dieser Art sind inzwischen Tausende von lokalen Initiativen im Iran entstanden.

oder auf Katzenpfoten
Ja, selbst die geschundenen Haustiere, ob Hund oder Katze, sind heute Gegenstand der bürgerlichen Aufmerksamkeit und Sorge. Entlaufene Tiere werden eingesammelt, gepflegt, weiter vermittelt, zum Arzt gebracht. Es gibt etwa 2000 solcher Gruppen im Iran. Sie haben untereinander über Facebook Kontakt und tauschen sich so untereinander aus. Politische Kommentare auf solchen Seiten sind verpönt, Chamene‘i, die Pasdaran oder die Bassidschis sind tabu. Wer die Regeln übertritt, muss sich nicht wundern, ein SMS (vom Geheimdienst) zu erhalten, in dem er höflich verwarnt und aufgefordert wird, so etwas zu unterlassen.
Aber das tut der Sache keinen Abbruch, denn durch solche Aktivitäten lernen die Bürgerinnen und Bürger, untereinenander in Kontakt zu treten, sich zu organisieren und Informationen auszutauschen. So helfen die Katzen der Demokratie auf die Sprünge.

Und die Minderheiten?
Die Aussichten sind düster. Die Balutschen im Süden, die Araber im Südwesten, die Kurden im Westen, die Aserbaidschaner im Nordwesten, alle leben unter Besatzung. Die Araber von Ahwas, obwohl Schiiten, werden im Land behandelt wie unerwünschte Ausländer. Die öffentlichen Hinrichtungen in Ahwas, in Kurdistan oder auch in Sahedan (Sistan und Balutschistan) sollen Stärke demonstrieren, aber die Wirkung könnte das Gegenteil sein. Denn auf der anderen Seite der Grenze, in Pakistan, werden die Autonomieforderungen der Balutschen stärker, die Kurden im Irak treffen Vorbereitungen, dem Chaos im Irak durch die Gründung eines eigenen Staates zu entfliehen, und das wird den iranischen Kurden eine Rückzugsmöglichkeit bieten.

Schlange mit gespaltener Zunge
So einig wie sich die iranische Elite in der Außenpolitik ist, so gespalten ist sie in der Innenpolitik. Egal ob es um kulturelle Freiheiten für die Bürger geht, um die Beendigung der religiösen Schikanierung und Unterdrückung, um das Verhalten gegenüber den Minderheiten. Während Politiker wie Rouhani, Chatami oder Rafsandschani hier mehr Freiheit fordern, weil sie Angst haben, dass die Islamische Republik sonst völlig weggefegt wird, klammern sich Chamene‘i und die Pasdaran an die Macht. Denn für sie birgt jedes Zugeständnis die Gefahr, dass sie entmachtet und für ihre Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Für sie steht nicht der Erhalt der Islamischen Republik im Vordergrund, sondern der Erhalt ihrer wirtschaftlichen Pfründe und ihrer Straflosigkeit. Bis zum bitteren Ende.
Und so bekriegen sich beide Parteien in diesen Fragen bis aufs Blut, so dass die Frage ist, ob der Iran nicht bald den Weg des Zerfalls gehen wird wie heute der Irak.

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Iran: Gefängnis für Baha‘i-Anhänger

Afaq Ruhollah Fada, die Mutter von Schamis Mohadscher, berichtete gegenüber iranischen Menschenrechtsaktivisten, dass ihre Tochter unter dem Vorwurf der „Propaganda gegen das System“ von dem berüchtigten Richter Maqisse zu einem Jahr Gefängnis verurteilt wurde und derzeit im Ewin-Gefängnis in Teheran inhaftiert ist. Ihre Tochter hatte sich zum Beten mit anderen Baha‘is getroffen, aber nicht missioniert, da dies nicht zu den religiösen Geboten der Baha‘is gehört. Der Ehemann von Schamis Mohadscher, Schahab Dehqani, auch er ein Baha‘i, war schon davor wegen „Verbrechen gegen die Nationale Sicherheit“ zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden und ist derzeit in Radscha‘i-Schahr inhaftiert. Afaq Ruhollah Fada meinte, zumindest sei ihre Tochter im Ewin-Gefängnis nicht allein, denn dort sind acht weitere Anhänger des Baha‘i-Glaubens im selben Trakt inhaftiert.

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Syrien – ISIS: Der Islam, den sie meinen


ISIS in Syrien: Fastenzeit nicht eingehalten, am Kreuz aufgehängt

Die islamistische Bewegung ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien), die jüngst im Irak große Gebiete unter ihre Kontrolle bringen konnte und sich jetzt auch auf Syrien ausgebreitet hat, macht deutlich, was sie unter Islam versteht. Sie hat einen Minderjährigen ans Kreuz gehängt und dort einige Stunde in der Sonne braten lassen, weil er das Fastengebot nicht eingehalten hatte. „Das soll allen eine Lehre sein“, meinten sie.

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Iran: Bei Tageslicht essen – 80 Peitschenhiebe


Fastenzeit nicht beachtet – 80 Peitschenhiebe

In Schiras, dem Zentrum der iranischen Region Fars, wurden kürzlich laut Angaben des Kommandanten der Sicherheitskräfte von Fars, Ahmad-Ali Gudarsi, zwei Personen öffentlich ausgepeitscht, weil sie zur Fastenzeit in der Öffentlichkeit gegessen hatten. Sie wurden mit 80 Peitschenhieben gefoltert.

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