Kampfabstimmung im Expertenrat

Der 83-köpfige Expertenrat (Madschles-e Chobregan) ist eins der wichtigsten Gremien der Islamischen Republik Iran, da er den religiösen Führer wählt und die großen politischen Leitlinien der Islamischen Republik festlegt. Aus diesem Grund herrschte schon seit Ayatollah Chomeini das Bestreben, die Entscheidungen in diesem Rat einstimmig zu fällen und sich von der Tagespolitik fernzuhalten. Diese „Idylle“ ist jetzt dahin. Seit dem Tod von Ayatollah Meshkini vor drei Monaten ist der Posten des Vorsitzenden des Expertenrats vakant. Normalerweise wäre Meshkinis Stellvertreter, Ayatollah Rafsanjani (Rafsandschani) nachgerückt, der Vorgänger von Präsident Khatami. Rafsanjani war offiziell mit über einer Million Stimmen in den Expertenrat gewählt worden. Aber aufgrund seiner politischen Vorgeschichte stemmten sich viele Geistliche gegen dessen Amtsübernahme, zumal Rafsanjani von Hause aus kein religiöser Rechtsgelehrter ist, sondern eben ein Politiker und Geschäftsmann, der sich die religiösen Würden eines Ayatollah erst nachträglich angeeignet hat. Deswegen wurden verschiedene Ayatollahs angefragt, ob sie bereit wären, das Amt des Vorsitzenden des Expertenrats zu übernehmen. Mancher winkte ab, Ayatollah Jannati (Dschannati) dagegen, zugleich auch der Vorsitzende des Wächterrats (Shoura-ye Negahban), hatte großes Interesse daran.
Am Dienstag, den 3. September 2007, kam es dann erstmals zu einer Kampfabstimmung im Expertenrat: Von 83 Mitgliedern stimmten 41 für Rafsanjani, 34 für Jannati, die übrigen waren abwesend, einer enthielt sich der Stimme. Somit ist Ayatollah Rafsanjani der neue Vorsitzende des Expertenrats. Damit wurde der Spaltpilz auch in eine zentrale Institution der Islamischen Republik getragen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email