„Sterne im Ewin-Gefängnis“ (Teheran)

Offenes Mikrofon am Polytechnikum Teheran

Junge sozialistische Studenten

Demo auf dem Campus des Polytechnikums Teheran

Mitte letzter Woche fand am Polytechnikum von Teheran eine Versammlung statt, bei der jeder seine Meinung frei an einem offenen Mikrofon äußern konnte. Obwohl Studentinnen und Studenten von anderen Hochschulen in Teheran teilnehmen wollten, wurde dies nur den StudentInnen des Polytechnikums erlaubt.

Der Leiter des Polytechnikums hatte zwar alles unternommen, um diese freie Tribüne zu unterbinden, die Studentinnen und Studenten konnten sich jedoch durchsetzen.

Am ‚Offenen Mikrofon‘ konnten VertreterInnen vieler Studentengruppen ihre Meinung äußern, darunter auch zweier linker Gruppen, die zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder an die Öffentlichkeit traten: die Sozialistischen Studenten des Polytechnikums und die Linken Studenten der Universität Teheran. Am Mikrofon wurde insbesondere auch die Forderung nach Freilassung der inhaftierten StudentInnen laut. Ehemalige politische Gefangene, sprich StudentInnen, die erst seit wenigen Wochen wieder frei waren, berichteten von ihren Erfahrungen mit den Verhörbeamten und der Folter. Sie waren 2006 verhaftet worden, nachdem Präsident Ahmadinejad das Polytechnikum besucht hatte und die StudentInnen als Reaktion auf seine Unfähigkeit, kritische Fragen zu beantworten, Poster mit seinem Foto zerrissen. Noch immer sind deshalb fünf Studenten im Gefängnis, die teilweise zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Seitdem ‚genießt‘ das Polytechnikum die besondere Aufmerksamkeit der Geheimdienste.

Ein Vertreter der Sicherheitsorgane (Komite-ye Enzebat) mit dem Namen Faharan verhörte in den vergangenen Tagen alle Bewohnerinnen des Studentinnenwohnheims und stellte ihnen Fragen nach ihren Freunden und Bekannten, um wieviel Uhr diese das Wohnheim betreten oder verlassen haben, etc. In der Folge erhielten acht Studentinnen schriftliche Vorladungen des Komite-ye Enzebat. Ihnen drohen sowohl disziplinarische Strafen (zeitweiliger oder vollständiger Ausschluss vom Studium) als auch strafrechtliche Verfolgung (Überstellung ans Gericht).

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