Archiv für März 2008

Sofreje Haft Sin vor dem Teheraner Ewin-Gefängnis

Zum iranischen Neujahrsfest am 20./21. März – dem Frühlingsanfang – ist es üblich, ein spezielles Tischgedeck vorzubereiten.

Auf einer Decke werden sieben Gegenstände aufgestellt, die alle mit dem Buchstaben „s“ beginnen. Dieser Buchstabe heißt im arabisch-persischen Alphabet „sin“, deshalb heißt das Gedeck Sofreje Haft Sin (Tischdecke der Sieben S). Wobei man die „Tischdecke“ gewöhnlich auf dem Boden ausbreitet, damit sich die ganze Familie darum versammeln kann. Gemeinsam wartet man dann auf den Beginn des Neujahrs und feiert dieses.

Das Regime der Ajatollahs hat es mit sich gebracht, dass auch dieses Jahr die Angehörigen der politischen Gefangenen auf deren Beteiligung verzichten müssen. Drei Familien haben hierauf eine originelle Antwort gefunden: Sie haben die Sofreje Haft Sin vor den Mauern des Ewin-Gefängnisses gedeckt und Fotos von den inhaftierten Studenten auf das Tischtuch gelegt, damit sie wenigstens in dieser Form anwesend sein können.

Und natürlich ist es für die Teilnehmer riskant, aber die Menschen haben die Nase voll und trauen sich trotzdem.

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Madrid: Iranischer Regimekritiker ermordet


Am Donnerstag, den 21. März 2008, wurde in La Moraleja (Alcobendas), Region Madrid, der 82-jährige Iraner Manutschehr Farhangi mit drei Messerstichen in den Bauch ermordet. Manutschehr Farhangi stammt aus einer zoroastrischen Familie im Iran und hatte dort vor der Revolution von 1979 zusammen mit seinen Brüdern eines der größten Pharmaunternehmen des Landes gegründet. Als er in London war, wurde sein Unternehmen geplündert und sein Haus und seine Bibliothek in Teheran in Brand gesetzt. Manutschehr Farhangi ließ sich darauf in Spanien nieder, gründete dort eine renommierte internationale Schule und gehörte dort zu den wohlhabendsten Iranern.
Am Vortag hatte er eine Frau kritisiert, die ein Plakat aufhängte, das für die Islamische Republik Iran Propaganda machte.
Als am 21.3.2008 mittags jemand klingelte und er die Tür öffnete, versetzte ihm eine 28 bis 30-jährige Frau drei Messerstiche und flüchtete. Die Polizei hofft, dass Manutschehrs Sohn, der ihn bei dem Vorfall mit dem Plakat begleitet hatte, anhand der Videoaufnahmen aus Kameras in der Umgebung feststellen kann, ob die Täterin und die Plakatkleberin identisch sind.
Ein Kommentar bezeichnete es als verwunderlich, dass in so einem wohlhabenden Viertel wie La Moraleja ausgerechnet Plakate für die Islamische Republik Iran aufgehängt werden.
Quellen:
http://www.payvand.com/news/08/mar/1262.html

http://www.elpais.com/articulo/espana/policia/investiga/movil/politico/asesinato/millonario/irani/elpepunac/20080321elpepinac_9/Tes

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Ungereimtheiten bei Auszählung der Scheinwahlen im Iran

Am Montag hat die Website Tabnak*) über widersprüchliche Angaben aus dem iranischen Innenministerium zu den Parlamentswahlen vom Freitag, den 14. März 2008, berichtet. Eine Bildschirmkopie von der Webseite des Innenministeriums ist oben zu sehen. Angeblich erhielt Ghollamali Haddad Adel in Teheran 605.885 Stimmen, laut Innenministerium somit 37,94 Prozent der Stimmen. Er war der Kandidat Nr. 1 auf den drei wichtigsten Wahllisten. Die zweite Person war Morteza Tehrani mit 414.480 Stimmen, laut Innenministerium 33,79 Prozent der Stimmen. Rechnet man aus der ersten Prozentangabe auf die Gesamtzahl der Stimmen (100%) zurück, erhält man 1596955 Stimmen, während man bei der zweiten Prozentangabe nur eine Gesamtzahl 1226635 von Stimmen erhält. Oder anders ausgedrückt: 605.885 geteilt durch 414.480 macht 1,461, während 37,94 Prozent geteilt durch 33,79 Prozent 1,123 ergibt. Das heißt, der Kandidat Ghollamali hat nach den Stimmen 46,1 Prozent mehr als Morteza, nach der Prozentangabe nur 12,3 Prozent mehr als Morteza. Wie man es dreht, da ist der Wurm drin.

In der Sache ändert es freilich wenig: Denn die Tochter von Ghollamali Haddad Adel ist mit dem Sohn von Ayatollah Chamenei verheiratet, und Morteza Tehrani ist ein Schüler von Ayatollah Mesbahe Yasdi (ein Konkurrent des Revolutionsführers Chamenei). Morteza Tehrani wurde von Präsident Ahmadineschad als Lehrer des Ministerkabinetts eingesetzt, der den Ministern islamische Sitten beibringen soll! Wen soll man da wählen?

Ferner behauptete das Innenministerium dass 40 % von 6.5 Mio. (d.h. 2.6 Mio. Menschen) der Wahlberechtigten in Teheran an den Wahlen teilgenommen hätten. Wie wir anhand obiger Prozentangaben ausrechnen können, haben aber nur 1,6 oder 1,2 Millionen Wähler eine Stimme abgegeben, das entspräche einer Wahlbeteiligung von 24,6% oder gar nur von 18,5%. Sofern überhaupt eine der veröffentlichten Angaben stimmt.

Ein Korrespondent des „Independent“ war vor Ort in Teheran und hat vor allem Jugendliche interviewt. Die meisten von ihnen waren Studentinnen und Studenten. Sie sagten ihm ganz offen, dass sie an diesen Wahlen nicht teilnehmen würden.

Eine unabhängige Website namens „Salam Demokrat“ hat ebenfalls berichtet, dass die Teheraner diese Wahlen weitgehend boykottiert haben und unter 30% Wahlbeteiligung erreicht wurden. Sie berief sich auf Quellen aus dem Umfeld der Regierung. Über Kurdistan berichtete „Salam Demokrat“, dass die Wahlbeteiligung in verschiedenen Städten (Sanandaj, Mahabad, Bane, …) zwischen 10 und 20 % lag. D.h. 80 bis 90% der dortigen Bevölkerung hat die Wahlen boykottiert. Zu Azerbeijan gab es ebenfalls Berichte über sehr geringe Prozentsätze der Beteiligung an den Wahlen.

*) Tabnak ist eine Website der Konservativen und steht Chamenei nahe. Bei den aktuellen Scheinwahlen hat sie die Position der sog. Prinzipientreuen Fraktion verteidigt.

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Benzinverteuerung im Iran

Vor ungefähr einem halben Jahr kostete der Liter Benzin im Iran noch 70 Toman (entspricht 7 Cents). Die Regierung musste jedes Jahr Benzin im Wert von vier Milliarden Dollar importieren. Das Benzin war hoch subventioniert.

Ahmadinejad wollte dieses Problem lösen und hatte das Benzin rationalisiert.

In den letzten Tagen hat die Regierung nun bekannt gegeben, dass ab Donnerstag, den 20. März 2008, im ganzen Iran Benzin zu einem Preis von 400 Toman pro Liter gekauft werden kann.

Bereits vor dieser Preissteigerung stiegen die Preise für alles Mögliche beinahe täglich. Jetzt ist mit einem zusätzlichen Inflationsschub zu rechnen.

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8. März in Iranisch-Kurdistan

In diesem Jahr (2008) wollten die Frauen im ganzen Iran den Internationalen Frauentag feiern. Sie erhielten keine offizielle Genehmigung von den Ordnungsbehörden. Deswegen versammelten sie sich in privaten Räumen und haben dort gefeiert. Das gilt insbesondere für Iranisch-Kurdistan. In vielen Städten und Dörfern haben die kurdischen Frauen mit Freude den 8. März gefeiert, gesungen und getanzt. Das Bild zeigt Frauen aus Kurdistan.

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Kinderarbeit im Iran







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Wahlkampf im Iran


Hier haben die gefräßigen Mollas ein Loch in die iranische Landkarte gefressen. Und weil der Herr links oben – Ayatollah Chamenei, der Führer – meint, sein Bildnis sei genug, dürfen die einzelnen Kandidaten in diesem Wahlkampf auch nicht mit ihrem eigenen Foto auf den Plakatwänden werben.
Der Wächterrat und das Innenministerium haben die Kandidatenlisten zudem so gründlich ausgesiebt, dass die meisten sogenannten „Reformer“ gestrichen wurden und nur noch eine Fraktion der Geistlichen überhaupt den Wettkampf um die Futtertröge antreten darf.
Immerhin fällt auch was fürs Volk ab:

Kinderarbeit

und Müll.
Während früher sich nur die im Ausland aktive Opposition traute, zum Wahlboykott aufzurufen, sind diesmal erstmals seit 30 Jahren auch im Iran Stimmen an die Öffentlichkeit getreten, die Ayatollah Chameinis drohende Aufforderung „Wahlbeteiligung ist ein religiöse Pflicht“ widersprachen und erklärten, dass bei einer derart zusammengestrichenen Kandidatenauswahl nicht mehr behauptet werden könne, dass das Parlament eine Volksvertretung sei. Es sei deshalb besser, die Wahlen zu boykottieren.

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Iran: Soziale Sicherheit

Es gibt Staaten, in denen man soziale Sicherheit durch ein verbessertes Schul- und Ausbildungssystem und durch die Schaffung von Arbeitsplätzen gewinnt. Die Doktrin der Islamischen Republik sieht offensichtlich anders aus:

Auspeitschen, Prügeln, Foltern, das ist ihre Form der sozialen Sicherheit.
Wohin käme man auch, wenn man die für dieses Jahr erwarteten 75 Milliarden Dollar Erdöleinnahmen für soziale Zwecke ausgeben würde?

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7. Tag der Studentenproteste in Schiras

Wie die iranische Webseite Iran-Emrooz.Net am 3. März 2008 berichtet, gehen die Studentenproteste an der Universität Schiras weiter, obwohl inzwischen zwölf Studenten vom Revolutionstribunal vorgeladen wurden.
Am 3. März versammelten sich 2000 StudentInnen zum Sitzstreik. Ihre Forderungen lauteten:
- Rücktritt oder Absetzung des Rektors Dr. Sadeqi
- Auflösung des derzeitigen Hochschulrats, in dem nur von Dr. Sadeqi eingesetzte Vertreter sitzen und Abhaltung von Wahlen für eine Neuvertretung
- Demontage der Videokameras, die die ganze Universität überwachen
- Zugang der StudentInnen zum Internet an der Technischen Fakultät
- Bessere Ausstattung und Ausbau der Wohnheime für Studentinnen
- Ausgabe von Essen an Feiertagen
- Einsetzung geeigneter Hausmeister in den Wohnheimen für Studentinnen, die sich nicht so grob und beleidigend verhalten, wie die derzeitigen
- Anstellung von fachkundigen Dozenten anstelle einer Auswahl aufgrund von „Beziehungen“
Auf dem Protest am Morgen des 3. März 2008 wurden die Forderungen der Studenten in dieser Form vorgetragen:
„Dem Kommandanten der Kaserne: Das ist unsere letzte Botschaft:
Die Studentenbewegung ist bereit für den Aufstand“
(mit ‚Kommandant der Kaserne‘ ist der Rektor der Universität gemeint)
„Auch wenn es Schüsse und Verschwörungen hagelt,
die Bewegung geht weiter!“
„Wir sind kämpferische Männer und Frauen, komm doch, dann kämpfen wir miteinander!“
„Der Korrupte muss entlassen werden!“
(auch hier ist der Rektor gemeint).

Quelle:
http://www.iran-emrooz.net/index.php?/news2/15541/

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Ausreiseverbot für Parvin Ardalan

Heute morgen, den 3. Februar 2008, wollte Parvin Ardalan, letztjährige Preisträgerin des „Olof Palme Gedächtnisfonds für internationale Verständigung und gemeinsame Sicherheit“ mit der Air France von Teheran nach Stockholm fliegen, um an der Preisverleihung teilzunehmen.

Sie hatte bereits sämtliche Formalitäten am Flughafen erledigt und saß abflugbereit auf ihrem Platz im Flugzeug. Kurz vor dem Abflug wurde plötzlich per Lautsprecher durchgesagt, dass sie das Flugzeug wieder verlassen müsse. Flughafenpolizisten transportierten sie wieder zurück ins Flughafengebäude und teilten ihr mit, dass sie nicht abreisen dürfe. Ihr wurde der Reisepass abgenommen. Parvin Ardalan muss in den nächsten Tagen beim Ordnungsamt vorsprechen, um die Gründe für das Reiseverbot zu erfahren.

Parvin Ardalan (41 Jahre alt) hatte 2007 den Olof-Palme-Gedächtnispreis erhalten für ihre Aktivitäten als Journalistin und Frauenrechtlerin im Iran. Seit ungefähr 15 Jahren schreibt sie für Zeitschriften (insbesondere für Frauenzeitschriften) und Zeitungen. In der letzen Zeit schrieb sie viel für Websites der Frauenbewegung und wurde oft von Geheimdiensten und Sicherheitskräften des iranischen Regimes bedroht und verfolgt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Olof-Palme-Preis

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Unkontrollierbare Teuerung im Iran

Das iranische Noruz-Fest, bei dem der Frühlungsanfang gefeiert wird, steht bevor. Ein paar Tage vor diesem Fest zieht der Konsum im Iran an, wodurch alles teurer wird. In den letzten Tagen haben der Agrarminister und der Handelsminister versprochen, dieses Jahr gegen die Teuerung anlässlich des Noruz-Festes vorzugehen.

Einige Waren wie z.B. Brot sind im Iran subventioniert. Laut Tabnak, einer Website der Prinzipialisten, die sich für die echten Verteidiger der iranischen Revolution halten, darf ein Laib Brot (Nan-e Sangak) nur zum Festpreis von 50 Toman verkauft werden. Obwohl es unter Strafe steht, werde Brot jedoch an verschiedenen Orten in Teheran zu deutlich höheren Preisen (100, 150 und sogar 200 Toman) verkauft. Angesichts der hohen Preise von Hühnerfleisch (laut Tabnak 2500 T. / Kilo), Schaffleisch (9000 T./Kilo), Orangen (1500 T. / Kilo) seien solche Nahrungsmittel für einfache Arbeiter kaum bezahlbar.

Gegenüber dem Versprechen der Regierung, gegen die Preissteigerung rund um den 20. März vorzugehen, meint Tabnak daher, dass man nicht das Noruz-Festes abwarten könne, um etwas gegen die Teuerung zu unternehmen. Es sei wichtig, sofort mit Maßnahmen zu beginnen.

Kommentar von Ali Schirasi: Eine vierköpfige Familie benötigt jeden Tag mindestens 10 Brote. Für eine Zimmermiete müssen täglich etwa 3000 Toman bezahlt werden. Ein einfacher Arbeiter verdient bei 10 bis 14 Stunden Arbeit pro Tag lediglich ca. 6000 Toman. Deswegen können Arbeiter sich durch ihre Arbeit alleine nicht finanzieren. Nicht wenige müssen daher nach der Arbeit in einem anderen Stadtteil von Teheran betteln gehen.

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Studentenprotest in Schiras (Iran)



Vor sechs Tagen haben die StudentInnen in Schiras mit einer Protestdemonstration begonnen. Gestern, Sonntag, den 2. Februar, haben sich die StudentInnen in der Universität Schiras versammelt und folgende Forderungen gestellt:

- Rücktritt des Rektors der Universität, Dr. Sadeghi
- Änderung der Situation in der Mensa
- Freilassung der gefangenen StudentInnen

Die Professoren haben dies unterstützt, indem sie den Unterricht einstellten und am Protest teilnahmen. Mindestens eintausend StudentInnen beteiligten sich an dem Protest.

Gestern haben 8 der StudentInnen einen Brief erhalten, der sie dazu auffordert, sich beim Revolutionsgericht in Schiras zu melden.

Die Regierung bracht eine größere Zahl von Hisbollah-Mitgliedern gegen diesen Protest in Stellung und es kam zu Schlägereien.

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