Ungereimtheiten bei Auszählung der Scheinwahlen im Iran

Am Montag hat die Website Tabnak*) über widersprüchliche Angaben aus dem iranischen Innenministerium zu den Parlamentswahlen vom Freitag, den 14. März 2008, berichtet. Eine Bildschirmkopie von der Webseite des Innenministeriums ist oben zu sehen. Angeblich erhielt Ghollamali Haddad Adel in Teheran 605.885 Stimmen, laut Innenministerium somit 37,94 Prozent der Stimmen. Er war der Kandidat Nr. 1 auf den drei wichtigsten Wahllisten. Die zweite Person war Morteza Tehrani mit 414.480 Stimmen, laut Innenministerium 33,79 Prozent der Stimmen. Rechnet man aus der ersten Prozentangabe auf die Gesamtzahl der Stimmen (100%) zurück, erhält man 1596955 Stimmen, während man bei der zweiten Prozentangabe nur eine Gesamtzahl 1226635 von Stimmen erhält. Oder anders ausgedrückt: 605.885 geteilt durch 414.480 macht 1,461, während 37,94 Prozent geteilt durch 33,79 Prozent 1,123 ergibt. Das heißt, der Kandidat Ghollamali hat nach den Stimmen 46,1 Prozent mehr als Morteza, nach der Prozentangabe nur 12,3 Prozent mehr als Morteza. Wie man es dreht, da ist der Wurm drin.

In der Sache ändert es freilich wenig: Denn die Tochter von Ghollamali Haddad Adel ist mit dem Sohn von Ayatollah Chamenei verheiratet, und Morteza Tehrani ist ein Schüler von Ayatollah Mesbahe Yasdi (ein Konkurrent des Revolutionsführers Chamenei). Morteza Tehrani wurde von Präsident Ahmadineschad als Lehrer des Ministerkabinetts eingesetzt, der den Ministern islamische Sitten beibringen soll! Wen soll man da wählen?

Ferner behauptete das Innenministerium dass 40 % von 6.5 Mio. (d.h. 2.6 Mio. Menschen) der Wahlberechtigten in Teheran an den Wahlen teilgenommen hätten. Wie wir anhand obiger Prozentangaben ausrechnen können, haben aber nur 1,6 oder 1,2 Millionen Wähler eine Stimme abgegeben, das entspräche einer Wahlbeteiligung von 24,6% oder gar nur von 18,5%. Sofern überhaupt eine der veröffentlichten Angaben stimmt.

Ein Korrespondent des „Independent“ war vor Ort in Teheran und hat vor allem Jugendliche interviewt. Die meisten von ihnen waren Studentinnen und Studenten. Sie sagten ihm ganz offen, dass sie an diesen Wahlen nicht teilnehmen würden.

Eine unabhängige Website namens „Salam Demokrat“ hat ebenfalls berichtet, dass die Teheraner diese Wahlen weitgehend boykottiert haben und unter 30% Wahlbeteiligung erreicht wurden. Sie berief sich auf Quellen aus dem Umfeld der Regierung. Über Kurdistan berichtete „Salam Demokrat“, dass die Wahlbeteiligung in verschiedenen Städten (Sanandaj, Mahabad, Bane, …) zwischen 10 und 20 % lag. D.h. 80 bis 90% der dortigen Bevölkerung hat die Wahlen boykottiert. Zu Azerbeijan gab es ebenfalls Berichte über sehr geringe Prozentsätze der Beteiligung an den Wahlen.

*) Tabnak ist eine Website der Konservativen und steht Chamenei nahe. Bei den aktuellen Scheinwahlen hat sie die Position der sog. Prinzipientreuen Fraktion verteidigt.

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