Wo ist der irakische Schiitenführer Moqtada Sadr?

Nachdem die irakische Regierung begonnen hat, gegen die 30.000 Mann umfassenden Milizen des vom Iran unterstützten Schiitenführers Moqtada Sadr vorzugehen, kamen verschiedentlich Gerüchte auf, er habe sich im Iran in Sicherheit gebracht. Diese Behauptung wird nun durch eine Äußerung von Dr. Mohammad-Ali Moqtadi, eines Nahost-Spezialisten an der Akademie für internationale Beziehungen des iranischen Außenministeriums,
bestätigt, der erklärte, dass Moqtada Sadr sich in der Hauptstadt der iranischen Geistlichkeit in Qom befinde und dort sein theologisches Studium fortsetze.
In einem Interview mit der Zeitung Aftab (Sonnenschein) antwortete er auf die Frage, ob sich Moqtada Sadr im Iran aufhalte: „Die Anwesenheit von Moqtada Sadr im Iran dient einzig dem Zweck, sich theologisch fortzubilden.“ Auf die Frage des Journalisten, warum er im Iran und nicht im Irak studiere, antwortete Dr. Mohammad-Ali Moqtadi: „Der Grund sind die Ereignisse im Irak und die Tatsache, dass er keine Gelegenheit hat, im Irak zu studieren. Aus diesem Grund hat sich Moqtada Sadr aus der Politik zurückgezogen, um im Kreis der Gelehrten (=in Qom) zu studieren.“

Kommentar: Dieser Rückzieher wird verschiedentlich als Anzeichen dafür gewertet, dass die irakische Regierung, die US-Regierung und die iranische Regierung hinter den Kulissen überein gekommen sind, Moqtada Sadr einstweilig aus dem Verkehr zu ziehen. Wobei die Fortbildung in Qom letztlich dazu dienen dürfte, seine religiöse Autorität zu stärken, so dass er eines Tages selbst als „Marja‘e taqlid“ für seine Anhänger verbindliche religiöse „Gutachten“ (Fatwas) erlassen kann.

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