Iranische Machthaber in der wirtschaftlichen und politischen Krise

Die Finanz- und Bankenkrise in den Vereinigten Staaten, Europa und mittlerweile auch in Asien und die damit verbundene Gefahr einer Weltwirtschaftskrise hat zu einem dramatischen Verfall des Ölpreises geführt: Innerhalb weniger Monate brach er um 52 Prozent ein. Seit zwei Jahren haben die OPEC-Staaten ihre gesamte wirtschaftliche Basis eng an die Öleinnahmen gekoppelt und sind dadurch in eine immense Abhängigkeit vom Ölpreis geraten. In den nächsten Tagen und Wochen sind daher mehrere OPEC-Sondersitzungen geplant.

Die Geschichte der Ölpreisentwicklung zeigt ein ständiges Auf und Ab. Wirtschaftswissenschaftler sprechen von einem Schock (drastischer Preisanstieg) und einem Antischock (drastischer Preisverfall). Es gab zwei Schocks in den Jahren 1973 und 1979, bei denen der Ölpreis auf über 90 Dollar pro Barrel anstieg. In der Zeit nach
1980 sank der Ölpreis auf unter 25 Dollar (Antischock).

In den Jahren 1997 und 1999, während der Wirtschaftskrise in Asien, sank der Ölpreis unter 18 Dollar pro Barrel. Dies stellte einen harten Schlag für die Länder dar, deren wichtigstes Exportgut das Öl war, so auch für den Iran. Aus dieser bitteren Erfahrung zogen einige Länder die Lehre, in den Hochpreisphasen für die Zukunft zu sparen. Andere Länder wie der Iran legten nichts zurück und gaben das Geld mit vollen Händen aus. Ahmadinejad behauptete u.a. , dass der Ölpreis nie mehr unter die Hundert-Dollar-Grenze sinken würde.

In der derzeitigen Situation einer drohenden Rezession in USA, Europa und Japan gibt es keine Hoffnung, dass die Krise in den nächsten sechs Monaten überwunden wird. Schahab-News, eine staatliche iranische Nachrichtenagentur, fragt, was die Zukunft bringen werde, nachdem der Iran drei Jahre lang von hohen Öleinnahmen profitieren konnte, und meint dazu, dass der Iran diese goldenen Jahre verschwendet habe. Sie deutet an, dass die Einnahmen in Form von Krediten an verschiedene Gruppierungen geflossen sei und dass Geld durch unproduktive Importe und wirtschaftliche Fehlentscheidungen verschwendet worden sei.

Letztes Jahr hat der Iran Waren im Wert von 60 Mrd. Dollar importiert, für das laufende Jahr waren 70 Mrd. Dollar vorgesehen. Mahmud Bahrani, Leiter der Zentralbank , sagte am letzten Samstag, dass man jetzt sehr aufpassen müsse: Wenn der Ölpreis auf dem derzeitigen Niveau von 70 Dollar pro Barrel bliebe, fehlten 54 Mrd. Dollar an Öleinkommen. Verschärft würde dass Ganze, wenn durch die fehlenden Öleinnahmen auch nicht mehr in die Ölindustrie investiert werden könne.

Angesichts weiter fallender Öleinnahmen versucht Ahmadinejad zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Ein Vorstoß in diese Richtung war die Einführung einer Mehrwertsteuer (Wir haben berichtet). Der iranische Basar hat sehr schnell darauf reagiert: mehrere Tage lang wurden die Basare in vielen Städten bestreikt. Die praktische Einführung einer Mehwertsteuer wurde erst um 2 Monate verschoben und heute wurde bekannt, dass sie vorerst für ein Jahr auf Eis gelegt werden soll.

Es stellt sich nun die Frage, ob die iranische Regierung weiter die iranische Hisbollah und die Revolutionswächterorganisation, die Urananreicherung und die Geheimdienste, Moqtadar Sadrs Milizen im Irak, die Hamas und die Hisbollah im Libanon, sowie Hekmatyar in Afghanistan finanzieren kann.

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