Grosser Konflikt zwischen dem iranischen Parlament und Ahmadinejad


Bild: Ali Kordan

Morgen, Dienstag, den 4. November 2008, wird Ali Kordan, Innenminister von Ahmadinejads Kabinett, im iranischen Parlament angehört. Anschliessend wird darüber abgestimmt, ob er seinen Hut nehmen muss. Er soll über seine Lügen, seine Hochstapelei sowie zu seinem durch Betrug erzielten Einkommen befragt werden.


Bild: Ahmadinejad

Vor etwa zwei Monaten musste der letzte Innenminister Pourmohammadi zurücktreten. Ali Kordan wurde von Ahmadinejad als Innenminister eingesetzt und vom Parlament in einer knappen Abstimmung bestätigt. Schon damals gab es einen Parlamentarier (Hosseinian) der wusste, dass Ali Kordan seinen Doktortitel erschwindelt habe – jedoch ohne es beweisen zu können. Ali Kordan behauptete, seine Doktor an der renommierten britischen Universität in Oxford gemacht zu haben. Viele Jahre lang unterrichtete er im Iran als Professor.

Später strengten die Abgeordneten, die gegen Kordan waren, eine Untersuchung an und auch das iranische Parlament wollte die Wahrheit wissen. Es wurden Briefe nach Oxford geschickt und nachgefragt. Die Universität Oxford erklärte, dass Ali Kordan niemals in Oxford gewesen sei, geschweige denn seinen Doktor dort gemacht habe. In der Folge kam heraus, dass Ali Kordan sich nicht nur einen Doktortitel erschwindelt hatte sondern ebenso das Diplom. Er war nicht mal an einer Universität eingeschrieben gewesen und hat vermutlich nur ein Abitur. Zusätzlich wurde eine Gerichtsakte gefunden, dass Kordan ein Mädchen vergewaltigt hatte. Die Klage der Eltern wurde aber archiviert, weil Kordan entsprechende Beziehungen hatte.

Nach all diesen Entdeckungen war Kordan in den Augen der Parlamentarier nicht mehr tragbar als Mitglied der Regierung. Er schade dem Ansehen des Iran im In- und Ausland. Aus diesem Grund müsse er zurücktreten.

Jeden Tag kamen diese Informationen in allen Medien und wurden breit diskutiert: Fernsehen, Radio und Zeitungen. Irgendwann schrieb Kordan einen Brief an Ahmadinejad, in dem er versuchte, sich darauf hinauszureden, dass derjenige, der ihm den Doktortitel vermittelt hatte, ein Betrüger sei und er nichts davon gewusst hatte.

Ahmadinejad beabsichtigte, Ali Kordan für seine zukünftigen Staatspräsidentenwahlen in seinem Kabinett zu behalten. In der Funktion eines Innenminister könnte Kordan ihm bei den Wahlen sehr behilflich sein. Kordan wurde von Ahmadinejad ganz direkt unterstützt mit Aussagen wie „Wenn jemand im Islam etwas Gutes machen möchte, spielt Papier keine Rolle, und Kordan ist ein echter Moslem“.

Obwohl von vielen Seiten ein starker Druck gegen ihn ausgeübt wurde, sagte Kordan stets, dass er nie zurücktreten werde. Aus diesem Grund haben die Gegner von Kordan im iranischen Parlament diese Anhörung organisiert.

Ahmadinejad hat daraufhin durch seinen Vertreter, Herrn Abassi, mehreren Abgeordneten einen Scheck im Wert von 5 Mio. Tuman (das entspricht ungefähr 3.500 Euro) vorgelegt, um die Anhörung doch noch zu verhindern. Dabei wurde von den Abgeordneten die Unterschrift unter eine Empfangsbestätigung in zweifacher Ausfertigung verlangt. Die Zweitkopie war jedoch ein ganz anderer Text, in dem die Abgeordneten ihre Vorladung des Innenministers zur Anhörung im Parlament zurücknahmen. Als ein Abgeordneter diese angebliche Kopie durchlas, flog der Schwindel auf, der Vorgang wurde gefilmt und kam in den Medien.
Abassi wurde mittlerweile von Ahmadinejad rausgeworfen, weil er angeblich eigenmächtig gehandelt habe.


Bild: Larijani, Leiter des iranischen Parlaments

Gestern hat Ahmadinejad in einem Interview gesagt, dass er selbst nicht bei der Anhörung anwesend sein werde, weil das, was das Parlament da mache ungesetzlich sei. Das, was dort gesprochen würde, seien lediglich Wiederholungen. Heute hat Mohsen Kuhkan, ein Abgeordneter, bekannt gegeben, dass Ali Larijani, der Leiter des Parlaments verfügt habe, dass nur der Staatspräsident, seine Stellvertreter, die Minister und ihre parlamentarischen Stellvertreter bei der Anhörung anwesend sein dürfen.

Die staatliche Zeitung Resalat hat heute geschrieben: „Im Moment ist in unserem Land die Atmosphäre sehr angespannt. Alle Iraner diskutieren über das gefälschte Dokument, lachen über den Innenminister. Die Auseinandersetzung um den Innenminister schwächt unsere Position gegenüber dem Volk weiter. “

Im ganzen Land verbreitet sich eine SMS- Nachricht wie eine Lawine von Handy zu Handy: „Mein lieber Sohn! Wenn ich gewusst hätte, dass du eines Tages Minister wirst, hätte ich dich in die Schule geschickt.“

Ein Abgeordneter meinte zu den Vorkommnissen: „Wenn einer so einfach lügt, wie kann man dann Vertrauen haben, dass er die nächsten Wahlen korrekt durchführt?“

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