Iran: Der Krieg beginnt

Am Montag, den 10. November 2008, hat in Teheran ein Großmanöver mit 30.000 Mann – Revolutionswächter, Polizei und Bassidschi-Milizen – begonnen, das sechs Tage andauern soll. Bei dem Manöver werden 4000 Fahrzeuge eingesetzt. Manche Beobachter fühlten sich in die Zeit nach der Revolution von 1979 zurück versetzt, als an jeder Straßenkreuzung Bewaffnete zu sehen waren.
Ein Manöver derartigen Ausmaßes hat es in Teheran bis jetzt noch nicht gegeben, und so stellt sich die Frage, nach dessen Ziel.
In sieben Monaten sind im Iran Präsidentschaftswahlen. Ahmadineschad, der derzeitige Präsident, hatte sich mit Ali Kordan einen Wunschkandidaten ins Amt des Innenministers geholt, der bei den Wahlen tatkräftig dafür gesorgt hätte, dass das Ergebnis „stimmt“. Nun hat das Parlament – in dem wohlgemerkt nur verschiedene Schattierungen von zerstrittenen „Fundamentalisten“ sitzen – ihm einen Strich durch die Rechnung gemacht, in dem es den Innenminister abgesetzt hat. An seine Stelle trat ein Uniformierter, ein ehemaliger Kommandant der Pasdaran.
Das Großaufgebot von Kräften, die Ahmadineschad unterstützen, mag dazu dienen, während der Wahlen für ein geeignetes Abstimmungsklima zu sorgen.
Dies dürfte aber nicht das einzige Motiv der Regierung sein. So wurde vor einigen Wochen der Plan, im Iran eine Mehrwertssteuer einzuführen, um die Einnahmen der Regierung zu erhöhen, durch die Streiks der Basare in verschiedenen Städten (Isfahan, Kermanschah, Teheran, Tabris,…) durchkreuzt. Die Regierung musste das Vorhaben auf Eis legen. Die Proteste der Basarhändler genossen die Unterstützung der Geistlichkeit, die ihrerseits auf die Spenden der Händler angewiesen sind. Somit war die Niederlage der Regierung Ahmadineschads in dieser Frage auch eine Niederlage gegen die Geistlichkeit, deren Korruptheit vom Präsidenten gerne attackiert wird. Die jetzt stattfindenden Manöver könnten auch eine Warnung an die Geistlichen sein, die Bevölkerung nicht zu Protesten gegen die Regierung aufzuhetzen, weil das in einem Blutbad enden könnte.
Die Regierung ist gerüstet. Das ist die Botschaft.

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1 Antwort auf “Iran: Der Krieg beginnt”


  1. 1 Die iranischen Machthaber haben Angst vor der eigenen Bevölkerung « Weblog von Ali Schirasi Pingback am 18. November 2008 um 1:01 Uhr
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