Archiv für Dezember 2008

Die längste Nacht des Jahres (persisch: Shabe Yalda)

Seit mehr als 2000 Jahren wird im Iran die Wintersonnenwende, die längste Nacht des Jahres (persisch: Shabe Yalda), gefeiert. Vor der Islamischen Revolution hatten Iraner ganz einfach gefeiert. Nach der Revolution versuchte die iranische Regierung, diese Tradition zu unterdrücken, weil es keine islamische Tradition sei. Doch die Iraner haben jedes Jahr mit zunehmenden Luxus gefeiert. Es wurden nicht nur zwei oder drei Sorten Obst aufgetragen sondern immer mehr. Obwohl Musizieren im Islam verboten ist, werden musikalische Märchen aufgeführt.

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Ahmadinejad und die Messer

Zanjan ist eine Stadt, die ca. 300 km westlich von Teheran liegt. Das Handwerk der Herstellung von Messern hat eine lange Tradition in dieser Stadt. Sie ist bekannt für die hohe Qualität ihrer Messer.

Nicht nur in der Stadt sondern auch in deren Umgebung gibt es zahlreiche kleine Produktionsbetriebe für Messer.

Neulich war Ahmadinejad zu Besuch in dieser Stadt. Seine Anhänger hatten sich in einem Sportstadion versammelt und er hielt eine Rede. Er sagte: „Bürger und Bürgerinnen von Sanjan, ihr habt unser Land während des iranisch-irakischen Krieges verteidigt und viele Opfer gegeben. Manche sind während des Krieges reich geworden und ihr Bauch wurde dick. Wir werden unseren äußeren und inneren Feinden mit euren berühmten Messern den Bauch aufschlitzen und die Hände und Füsse abtrennen.“

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Bilder von der Sortierung und Verpackung von Datteln im Iran

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Iranische Polizei und Geheimdienst verplomben Büro des Menschenrechtsvereins


Bild: Shirin Ebadi vor dem Büro des Vereins der Verteidiger der Menschenrechte

Ein Sprecher des Vereins der Verteidiger der Menschenrechte hat in einem ersten Bericht bekanntgegeben, dass die Polizei und der iranische Geheimdienst am Sonntag, den 21.12.2008, ohne offizielle Papiere vorzulegen, die Büroräume des Vereins verplombt haben. Ein großer Teil des Büros war aus den Preisgeldern des Friedensnobelpreises finanziert worden, den Shirin Ebadi im Jahr 2003 entgegen genommen hatte. Zusätzlich zu dem Büro des Menschenrechtsvereins war noch ein Verein zur Beseitigung von Landminen betroffen, dessen Räume ebenfalls verplombt wurden. Die Aktivitäten beider Vereine sind durch die Schließung ihrer Räume zum Erliegen gekommen.

Der Sprecher des Menschrechtsvereins erklärte, dass diese Aktion illegal sei. Hasan Ghashghai, Sprecher des iranischen Außenministeriums, meinte in seiner wöchentlichen Erklärung, dass dies ein vollkomen legaler Vorgang gewesen sei. Des weiteren sagte er, dass der Iran nicht wie ein Tante-Emma Laden, eine Tischlerei oder eine Bäckerei funktioniere und nicht jeder einfach so und ohne Genehmigung mit der Arbeit beginnen könne. Der Menschenrechtsverein sei 9 Jahre lang ohne Genehmigung aktiv gewesen.

Viele staaliche Medien begrüßten es, dass dieser Verein, der mit ausländischen Geldern finanziert worden sei, endlich geschlossen wurde. Dieser Verein sei ein Zentrum der Intrigen gegen die Regierung der Islamischen Republik gewesen.

Umgekehrt haben weltweit viele Organisationen, die sich für Menschenrechte einsetzen, gegen die Schließung protestiert.

Der Verein hatte drei wichtige Aufgaben:

1. Kostenlose Verteidigung bei Anklagen wegen politischer Vergehen oder aufgrund der Gesinnung

2. Unterstützung der Familien von Politischen Gefangenen

3. Regelmäßige Berichte über Menschenrechtsverletzungen im gesamten Iran

Zahlreiche Dokumentationen über Menschenrechtsverletzungen stützten sich auf Berichte dieses Vereins, so u.a. auch ein Bericht von Ban-Ki-moon, dem Generalsekretär der Vereinten Nationen.

www.amnesty.org
hat am 23.12.2008 hierzu folgende Meldung veröffentlicht:
Authorities close key human rights centre in Tehran
23 December 2008
The Iranian authorities have forced the closure of the Centre for the Defence of Human Rights (CDHR) in Tehran. The Centre was co-founded by 2003 Nobel Peace Laureate Shirin Ebadi and other leading Iranian human rights activists.

The forcible closure is an extremely ominous development that threatens the country’s entire human rights movement. Amnesty International has called for the decision to be reversed without delay.

The office was closed by security officials on Sunday afternoon, shortly before the centre was to hold a commemoration marking the 60th anniversary of the Universal Declaration of Human Rights (UDHR). Dozens of police and plain clothed officials tried to enter the premises.

According to Narges Mohammadi, spokesperson for the CHRD, security officials failed to show any official order justifying their action and one told her that, if she were not a woman, he would drag her by the legs and throw her into the street.

The CHRD was co-founded in 2002 by Shirin Ebadi, Iran’s best known human rights defender. She was present at the time of the centre’s forcible closure on Sunday. The centre has sought legal registration since its formation six years ago but this has been continuously denied by the Iranian authorities, leaving Dr Ebadi and her colleagues to operate in a form of legal limbo, and under constant threat. She has previously received death threats.

It is unclear why the Iranian security authorities decided to act against the centre now. They appear to have wished to prevent a celebration of the UDHR, the founding document of modern human rights law. It seems that also want to send a powerful – and chilling – warning to Iran’s growing movement of human rights activists and defenders by targeting the organisation headed by the most internationally renowned leader of the movement.

The CHRD has three stated roles, reporting violations of human rights in Iran; providing pro-bono legal representation to political prisoners; and supporting the families of political prisoners. Its members have pursued high profile cases of impunity, and defended high profile victims of human rights violations. Some – such as lawyer Abdolfattah Soltani – have been detained in the past for no more than carrying out his duty as a lawyer.

Amnesty International has called for the CHRD to be allowed to resume its activities without delay and to be allowed legal registration. The Iranian government should abide by its obligations under international law to promote and protect human rights and should support, not attack and undermine, the work of human rights defenders.

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Schließung einer Reifenfabrik in Ardabil (Nordwestiran)

Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA berichtet, dass am Samstag, den 20.12.2008, mehr als tausend Arbeiter einer Reifenfabrik sich friedlich vor dem Gouverneursgebäude von Ardabil versammelt haben. Die Arbeitersprecher sagten, dass ihre Fabrik vor zwei Wochen geschlossen worden ist. Niemand, weder seitens der Fabriksleitung noch seitens des Staates, sei zu ihnen gekommen, um darüber zu sprechen, was man noch tun kann. Aus diesem Grund sind alle zum Prediger des Freitagsgebets, einem Vertreter von Chamenei, gegangen.

Die Fabrik war im Jahr 1996 gegründet worden und war noch vor 2 Wochen mit ihrer gesamten Kapazität ausgelastet gewesen.

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Grenzenloses Wachstum der iranischen Konsumgüterimporte

Die regierungsnahe Nachrichtenagentur ILNA veröffentlichte Zahlen, die belegen, wie sich die Importe während der dreijährigen Amtszeit von Ahmadinejad beinahe verdreifacht haben. In den letzten 3 Jahren wurden Waren im Wert von 150 Mrd. Dollar importiert, darunter nicht nur technische Waren sondern auch Obst, Getreide und Reis. Vor allem handelt es sich um Konsumgüter.

Das Ergebnis dieser Handelspolitik war der Ruin der landwirtschaftlichen und industriellen Produktion im Iran. Bezogen darauf hat Ghollamali Ghorbani, ein Vorstandsmitglied des Iranischen Reisvereins in einem Interview mit der Nachrichtenagentur FARS gesagt, dass nur 30 % des iranischen Reises verkauft werden konnten, der Rest sei in den Speichern geblieben. Der Grund, warum der iranische Reis nicht verkauft werden konnte, seien die Reisimporte aus Pakistan und Indien. Allein in den ersten 7 Monaten dieses Jahres seien 620-tausend Tonnen Reis importiert worden. Der Importreis ist billiger, weswegen die Nachfrage nach Inlandsreis zurückgegangen ist.

Wie www.peykeiran.com am 23.12.2008 (ID=56134) berichtet, haben zwei iranische Parlamentsabgeordnete, die im Landwirtschaftsausschuss sitzen, die unkontrollierten Importe von Zitrusfrüchten namentlich aus Ägypten kritisiert, die dazu geführt haben, dass die Zitrusernte in der Region Mazenderan (am Kaspischen Meer) nicht verkauft werden kann.
Auch die iranische Produktion von Bananen in den Provinzen Sistan, Balutschistan, einem Teil von Kerman und Hormosgan droht zusammenzubrechen, wenn die Importe nicht reduziert werden.

Mit dieser Politik sind schon vor 2 Jahren die Teepflanzer im Nordiran bankrott gegangen. Nun haben die Reisanbauer das gleiche Problem. Beim Industriesektor werden großen Mengen aus Südkorea, Vietnam und besonders aus China importiert. Regelmässig müssen inländische Betriebe geschlossen werden.

Vgl. Iranische Pistazienproduktion drastisch gesunken

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Frauensport im Iran und in Afghanistan


Afghanistan


Iranische Mannschaft (rechts) spielt in Japan

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Einschüchterungsversuche des iranischen Geheimdienstes gegen StudentInnen

In den letzten Tagen wurden an iranischen Universitäten zahlreiche erfolgreiche Demonstrationen und Versammlungen durchgeführt. In den offiziellen Medien heisst es, dass diese Demonstrationen von antiiranischen Revolutionsfeinden organisiert würden.

Gemäß der Nachrichtenagentur Amir Kabir haben vom Geheimdienst kontrollierte iranische Sicherheitsorgane die Redner, und diejenigen, die radikale Parolen gerufen oder Flugblätter verteilt haben, auf verschiedene Weisen eingeschüchtert und bedroht. Manche StudentInnen wurden für kurze Zeit verhört, bei manchen kam es zu Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmen von Computern, manche wurden ganz direkt am Telefon mit dem Tod bedroht.

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Liebende in einem Teheraner Park, jenseits der Blicke der Polizei

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Der Hoffnungsträger Chatami ist machtlos

Chatami ist der Hoffungsträger für die westlichen Länder, obwohl er in den 8 Jahren seiner Staatspräsidentschaft nichts erreicht hat. Auch Chatami wollte anfangs am 17. Adhar (8. Dezember) eine Rede an der Universität Teheran halten, doch die Situation war sehr angespannt und und es war mit scharfer Kritk seitens der Studentenbewegung zu rechnen.

Am heutigen Montag, hielt er nun eine Rede an der Polytechnischen Universität in Teheran.

Er versuchte die wirtschaftliche und politische Situation des Iran als dramatisch und sehr gefährlich für die Islamische Revolution zu schildern. Es müsse jemand kommen, der die Islamische Revolution rettet.

Auf die kritischen Fragen, warum er in seiner 8-jährigen Amtszeit nichts verbessert habe, wich er aus und versuchte sich zu rechtfertigen.

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Warum ist die Studentenbewegung für den Religionsführer Chamenei von besonderer Wichtigkeit?

Obwohl die regierungsnahen Medien angekündigt hatten, dass Chamenei zum 16. Adhar (7. Dezember, Gedenktag anlässlich der Erschiessung von drei Studenten im Jahr 1953), an der Universität in Teheran eine Rede halten würde, fand diese Veranstaltung nicht statt. Ohne erneute Bekanntmachung in den Medien war er jedoch gestern, Sonntag, den 15.12.2008, an der staatlichen Universität für Wissenschaft und Technik und hielt eine lange Rede. In dieser Rede versuchte er, die Studentenbewegung in die Nähe der Islamischen Revolution zu rücken. Dem Publikum erklärte er, dass die Studentenbewegung die Pflicht habe, die Islamische Revolution zu verteidigen.

Die ganze Umgebung der Universität und die Universität selbst waren umgeben von Geheimdienst und Polizei. Sein Publikum setzte sich ausschliesslich aus Dozenten, Professoren, Beschäftigten der Universität sowie StudentInnen, die ausgewiesene Anhänger der Regierung waren, zusammen. Da ihre Zahl nicht ausreichte, um den Saal zu füllen, wurden weitere StudentInnen aus der Umgebung – teilweise mit Bussen – herbeigebracht. Weder in persischen Zeitungen noch in sonstigen Medien existiert ein Photo des Publikums – stets wurde nur das Konterfei des Religionsführes abgebildet.

Seit 30 Jahren versuchen die religiösen Machthaber im Iran, die Studentenbewegung mit Folter, Hinrichtungen, Gefängnis, Exmatrikulationen, etc. unter Kontrolle zu halten – und es ist ihnen nur ungenügend gelungen. Nun versuchen sie, sich selbst an die Spitze dieser Bewegung zu setzen und sie so zu vereinnahmen.

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Festung Sab bei Sarawan (Südostiran – Belutschistan)

Festung Sab (Sab-Ghaleh )

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Iran: An den Unis kocht es

Bevor wir auf die aktuellen Ereignisse eingehen, zwei kurze Anmerkungen im voraus.

Studentenbewegung ersetzt Parteien

Seit dem Putsch gegen den iranischen Präsidenten Dr. Mossadegh im Jahr 1953 gab es im Iran keine freie Parteienbildung. Aus diesem Grund waren die Studentenbewegungen die einzigen, die Zugang zum Wissen und die Beweglichkeit hatten, politische Forderungen auszuarbeiten und an die Öffentlichkeit zu tragen. Sie nehmen damit eine Rolle ein, die in Demokratien Parteien und Bürgerinitiativen ausüben.

Der 16. Adhar – ein denkwürdiger Tag

Aus diesem Grund versuchten die iranischen Machthaber stets, die Universitäten unter Kontrolle zu halten. Der Schah versuchte es mit Geheimdienst und Polizei. Am 6. Dezember 1953 wurden bei einem Polizeieinsatz gegen demonstrierende Studenten in Teheran drei Studenten erschossen. Dieser Tag – nach dem iranischen Kalender der 16. Adhar, der dieses Jahr auf den 7. Dezember fiel – wird seither von den Studenten als Gedenktag begangen. Nach der Revolution von 1979 und dem Sturz des Schahs versuchte das islamistische Regime, den Gedenktag zu verbieten, als dies nicht gelang, wollte es ihn zumindest für sich vereinnahmen.
Die Angst des Chomeini-Regimes vor den Studenten war so groß, dass er die ganzen Universitäten des Landes von 1980 bis 1982 schließen ließ und eine große Säuberung durchführte.
Danach durften die Universitäten wieder geöffnet werden, aber sie standen nunmehr den Gewinnern der islamistischen Machtergreifung offen, den Kindern der „Märtyrer“, den Kriegsversehrten, den Kindern der Geistlichen und der Neureichen. Und trotz dieser Auslese sind die Universitäten keineswegs ein Hort von Jasagern und Nachbetern.

Wir akzeptieren das illegale Parlament nicht!

Dies bewiesen dieser Tage die Studenten der Universität von Schiras.
Dort war vor zwei Wochen der Präsident des Islamischen Parlaments Ali Larijani (im Westen auch als ehemaliger Verhandlungsführer in Fragen der atomaren Aufrüstung des Irans bekannt) auf Einladung der (regimetreuen) Bassidschi-Studenten zu Gast, um auf Fragen der Studenten zu antworten.
Was ihn dort erwartete, ist in den dreißig Jahren seit der Revolution noch nicht geschehen. Die Szene ist unter folgender Internet-Adresse zu sehen und zu hören:

http://ca.youtube.com/watch?v=lXeu0EnibLA
Links im Bild sieht man den Parlamentspräsidenten Ali Larijani, rechts (die Kamera schwenkt hin und her) einen Studenten mit Schnurrbart und Kinnbart vor einem blauen Vorhang. Er sagt klar und mit schneidendem Ton zu Ali Larijani: „Ich habe keine Frage an Sie, denn die Parlamentswahlen waren völlig gefälscht und das Parlament ist somit illegal. Ich akzeptiere Sie nicht als Parlamentspräsidenten, da das Parlament illegal ist.“ Später führte er aus: „Drei Dinge verabscheue ich: Erstens – Mahmud Ahmadineschad. Zweitens – die Politik des Sand-in-die-Augen-Streuens von Ahmadineschad. Drittens den Heiligenschein, mit dem er sich umgibt.“
Ali Larijani scheint nicht zu wissen, wie er reagieren soll. Er geht nicht weg, um die Sicherheitskräfte reinzuschicken, aber er sagt auch nichts.
Aus der Nähe der Kamera hört man die Worte „Chafe shou“ – „Halt’s Maul!“, was darauf hinweisen könnte, dass Sicherheitsorgane im Raum sind. Von einer Verhaftung hat man bis heute – zwei Wochen nach dem Vorfall – nichts gehört.

16. Adhar – diesmal gegen die Diktatur

Am 7. Dezember 2008 sollte der Revolutionsführer Ajatollah Chamenei an einer Universität in Teheran sprechen. Die Organisatoren hatten vor, die Teilnehmer entsprechend auszusieben, um sich vor unliebsamen Überraschungen zu schützen. Aber sie mussten wohl feststellen, dass die Proteste so weit in die islamistisch gesinnte Szene hineinreichen, dass ihr das nicht gelingen würde. Also wurde der Auftritt des Revolutionsführers kurzfristig abgesagt. An seiner Stelle wurde der Ex-Präsident Chatami angekündigt, aber auch dies wurde ein oder zwei Tage vor dem 16. Adhar abgesagt. Nun beschränkten sich die Machthaber darauf, Kundgebungen zu verbieten, und trafen Vorkehrungen, den Campus der Polytechnischen Universität von der Umgebung abzuriegeln, damit kein Austausch der Demonstrierenden zwischen drinnen und draußen stattfinden und der Funke auf die Bevölkerung Teherans übergreifen konnte.

In der Praxis sah es so aus: Die islamisch orientierten Studenten vom Büro zur Stärkung der Einheit (Daftar Tahkim-e Wahdat) riefen zu einer Kundgebung am 7. Dezember um 12 Uhr auf, die kurdischen Studenten ebenfalls. Ursprünglich sollten beide Gruppen gemeinsam auftreten, aber aufgrund der nationalistischen Gesinnung der islamischen Organisation befand die Kurdenvertretung, dass sie ihren Auftritt besser separat organisiert – allerdings zur selben Zeit und am selben Ort.

An verschiedenen Toren versuchten die Studenten durch die verriegelten Tore der Uni aufs Gelände einzudringen, wurden aber vom Sicherheitsdienst abgewehrt. Auffällig ist, dass die Ordnungskräfte an einer Stelle schließlich nachgaben und vom Sicherheitsdienst gar überzeugt wurden, das Uni-Gelände zu verlassen. Insgesamt sollen 3000-4000 StudentInnen an der Kundgebung teilgenommen haben. Die Parolen waren richteten sich gegen die Regierungsform, die schlicht als „Diktatur“ bezeichnet wurde, und immer wieder ertönte der Refrain: „Seyyed Ali Pinochet – Iran Chile nemishe“ (Seyyed Ali Pinochet – aus Iran wird kein Chile. Mit Seyyed Ali ist der Führer Chamenei gemeint).

Tränengas in Hamedan

Auch in Hamedan wurde an den 16. Adhar erinnert. Dort gelang es dem Sicherheitsdienst der Uni zusammen mit den Ordnungskräften allerdings unter Einsatz von Tränengas, die Kundgebung aufzulösen.

Und harte Worte in Schiras

An der Universität in Schiras kam es ebenfalls zu Demonstrationen. Dort versuchten die Bassidschis und der Sicherheitsdienst, das Ton-System der Studenten außer Gefecht zu setzen, indem sie Kabel wegrissen etc., aber sie schafften es nicht. Dadurch konnten sich die Studenten in der Menge Gehör verschaffen und traten mit ihren Forderungen an die versammelte Öffentlichkeit. Ein Student erklärte vor diesem Forum, dass das Regime mit jeder Maßnahme, die ihre Proteste unterbinden solle, nur noch heftigere Gegenreaktionen hervorrufe. Er sagte, wenn das Regime ihnen nicht die Gelegenheit zum Protest lasse, würden sie zu den Waffen greifen. Dies mag eine extreme Stimme sein, aber in so einer Situation entstanden auch die bewaffneten iranischen Modschahedin und die Volksfedayin unter der Schahregierung.

16. Adhar in der technischen Universität Babol (Nordiran)

Am Montag haben die StudentInnen sich – wie auch in den vorangegangenen Jahren – vor der Universität gesammelt. Der Geheimdienst und die Polizei wollten das verhindern und es kam zu Auseinandersetzungen. Mehrere StudentInnen wurden verletzt. Am Ende konnten die StudentInnen es schaffen, ihre Bühne aufzubauen, am Mikrofon ihre Reden halten und ihre zumeist gegen Ahmadinejad gerichtete Parolen rufen.

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Ironie oder Wahrheit? Ein Tag beim Amtsgericht

Wir hatten geschrieben, wie Abbas Ali Alizadeh, stellvertretender Leiter der Judikative, in einem Interview sagte, dass einer von acht Iranern eine Akte bei Gericht besitze. Eine Illustration dieser Verhältnisse gibt folgender persönliche Erfahrungsbericht:

„Ich war gerade mit meinen eigenen Schwierigkeiten zu Hause beschäftigt, als ein Freund von mir anrief. Er sagte: Mein Auto ist gestohlen worden. Ich habe ihn gefragt, ob er sein Auto richtig abgeschlossen habe. Er antwortete, dass ich nicht der erste Mensch sei, der ihm diese Frage gestellte habe, und zweitens fragte er mich, ob ich ihn zum Amtsgericht begleiten könne.

Auf den Fluren des Gerichts sah es aus wie beim Jüngsten Gericht. Die Ein- und Ausgänge waren voller Menschen in Handschellen, die in einem fort kamen und gingen. Mein Freund und ich kamen in ein Zimmer, wo mein Freund viele Fragen zu seinem gestohlenen Auto beantworten musste. Irgendwann in der Mitte der Vernehmung wurde ich gefragt, wer ich sei und was ich hier zu tun hätte – ich musste den Raum verlassen. Ich fand einen leeren Stuhl und setzte mich hin.

Zwei Polizisten führten einen jungen Mann – so um die 20 – in Handschellen vorbei. Er war aus dem Gefängnis hergebracht worden. Zwei Männer und eine Frau näherten sich ihm. Ich bin sicher, dass es seine Verwandten waren. Der Junge hatte ein blaues Auge. Aus ihrem Gespräch konnte ich erfahren, dass er etwas ( ein Motorrad) behalten hatte, das ihm aber nicht gehörte. Das sagten seine Verwandten. Er hatte es sich ausgeliehen, um ein wenig anzugeben. Er wusste nicht, dass das Motorrad gestohlen war. Die Polizei hatte kurz davor erfahren, dass das Motorrad gestohlen worden war, und suchte es. Die Mutter des Jungen war direkt neben mir. Ich habe sie angesprochen und gesagt, dass ihr Sohn doch sicher wisse, von wem er das Motorrad erhalten habe, und ohne weiteres sagen könne, wer es sei und wo er sich versteckt halte. Die Mutter antwortete, dass der Junge das nicht sagen solle. Die Familie wisse natürlich, um wen es sich handle und wo er sich aufhalte. Ich hatte das Gefühl als würde mir Spinat aus dem Kopf wachsen, so unglaublich war das. Die Mutter sagte, dass ihr eigener Bruder involviert sei. Er sei mit illegalen Dingen im großen Maßstab beschäftigt. Der Bruder habe den Mann, der nicht genannt werden solle, angewiesen, das Motorrad zu stehlen.

Von der anderen Seite kam eine hoch gewachsene, schöne Frau mit einem hübschen, farbigen Kopftuch – etwa 30 Jahre alt. Ihre rechte Hand war mit Handschellen an eine Polizistin gekettet. Ihnen folgten drei Männer. Sie warteten vor einer Tür. Es stellte sich heraus, dass diese Frau eine Heiratsschwindlerin war, die es geschaffft hatte, gleichzeitig mit drei Männern verheiratet zu sein. Die Männer lebten in verschiedenen Städten und kamen pro Monat nur einmal nach Teheran. Unter drei verschiedenen Namen gelang der Frau die Heirat und die Organisation der drei Beziehungen per Handy. (Anm.: Die nach der Scharia übliche Strafe hierfür ist Steinigung.)

Plötzlich kam lautes Geschrei und Weinen auf dem Flur auf. Ein schön gewachsener junger Mann, zwischen 18 und 19 Jahren alt, wurde in Handschellen gebracht. Die Frau, die schrie und weinte, war auf dem Boden zusammengebrochen. Drei Männer versuchten den jungen Mann zu attackieren, was durch die Polizisten verhindert werden konnte. Die Männer waren der Vater und die Brüder eines dreizehnjährigen Mädchens, das von dem jungen Mann vergewaltigt worden worden war, die Frau war die Mutter des Mädchens. (Anm.: Der junge Mann hat vor Gericht nichts zu befürchten, wenn er einwilligt, das 13- jährige Mädchen zu heiraten.)

Die Islamische Revolution wollte ein islamisches Paradies in dieser Welt gründen. Nach 30 Jahren sieht so das islamische Paradies in Teheran aus.

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Tagung fundamentalistischer Kampfzellen im Iran

Die Nachrichtenagentur Kargosaran berichtet von einer dreitägigen Tagung mit dem Titel „Internationale gleichgesinnter islamischer Studenten“. Unklar ist wo sie stattfand, wer sie organisiert hatte und durch wen sie unterstützt wurde. Aller Erfahrung nach haben Vertreter vieler islamistischer Staaten teilgenommen.

Ergebnis dieser Tagung war jedenfalls eine Erklärung, die an erster Stelle die Forderung der Gründung einer Kampfzelle gegen die „internationale Arroganz“ (eine Bezeichnung für den Westen) und ihre Anhänger beinhaltete. Es ist offenbar diskutiert worden, wie mit dieser Kampfzelle der Widerstand organisert werden kann, um letzten Endes einen weltweiten Gottesstaat zu errichten.

Bedenkt man, dass im Iran weder Lehrer noch Studenten die Erlaubnis bekommen, sich legal zu versammeln, dass selbst die Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi vom Geheimdienst daran gehindert wird, öffentlich über die Frauenrechte zu sprechen, spricht allein schon die Tatsache, dass so eine Tagung im Iran stattgefunden hat, Bände. Die Bombenleger der Zukunft können also auf die Unterstützung Teherans zählen.

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