Mohammad Chatami kandidiert für das Amt des iranischen Staatspräsidenten

Im Juni 2009 wird im Iran ein neuer Staatspräsident gewählt. Nach langem hin und her hat Mohammad Chatami nun gestern, Sonntag, den 8.02.2009 seine Kandidatur gegenüber in- und ausländischen Journalisten bekannt gegeben.

Chatami war bereits in den Jahren 1997 bis 2005 Staatspräsident des Iran. In dieser Zeit war das islamische Modell in einer großen wirtschaftlichen und politischen Krise. Vor den Wahlen hatte er viele Versprechungen gemacht, die er später nicht erfüllen konnte, weswegen die Iraner ihre Illusionen über ihn verloren haben.

Viele Menschen sind während seiner Amtszeit durch Serienmorde umgekommen, die Studentenbewegung wurde niedergeschlagen und viele Studentinnen und Studenten, die Chatami unterstützt hatten, wurden ins Gefängnis geschickt.

Sieben Jahre seiner Präsidentschaft hat er den Iranern falsche Hoffungen gemacht nur um im letzten Jahr zu äußern, dass er lediglich ein Handlanger sei und keine Kraft habe, um etwas zu verändern.

Ahmadinejad hat die iranische Gesellschaft wirtschaftlich und politisch so ruiniert, dass eine Teil der iranischen Intellektuellen, besonders die Reformisten glauben, dass nur noch Chatami die Iraner aus dieser Krise führen kann.

Seine Kandidatur wirft in der Bevölkerung eine Reihe von Fragen auf:
Wird er vom Wächterrat überhaupt zur Kandidatur zugelassen?

Haben die Iraner nach ihren bitteren Erfahrungen überhaupt ein Interesse, Chatami noch einmal zu wählen?

Das Innenministerium und die Zuständigen für die Durchführung der Wahlen sind Anhänger von Ahmadinejad. Wie kann er sich an den Wahlurnen durchsetzen?

Sollte er die Wahlen gewinnen, wie kann er die wirtschaftliche Krise im Iran lösen? Wie kann er das Drogenproblem in den Griff bekommen? Wie kann er die inneren und äußeren politischen Konflikte lösen? Wie kann er sich vor der Revolutionswächterorganisation, den Milizen und Ahmadinejads Anhängern retten?

Noch nie hat Chatami einen politischen oder wirtschaftlichen Plan vorgelegt. Sein Programm lautete schlicht, die Islamische Republik Iran vor der Krise zu retten. In seinem Interview vertröstete er die Fragenden mit dem Satz: „Ich werde mein Programm bald bekanntgeben“.

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