Ahmadinejad’s doppelte Niederlage: im Spiel und in der Politik

Am Samstag, den 28.3.2009, fand ein WM-Qualifikationsspiel für die Fußballweltmeisterschaft 2010 zwischen Saudi-Arabien und Iran im Azadi-Stadion von Teheran statt. Die 100.000 Plätze waren ausverkauft. Die iranische Mannschaft hat 1:2 verloren. Sowohl die Menschen hinter den BIldschirmen zuhause als auch das Publikum im Stadion waren über die Leistungen ihrer Mannschaft und insbesondere über deren Trainer Ali Daei enttäuscht.

Die Iraner wissen, dass Ali Daei seine Position als Trainer nur über seine gute Beziehung zum Staatspräsidenten Ahmadinejad erhalten konnte. Ali Daei hat Ahmadinejads Politik im In- und Ausland bei jeder Gelegenheit verteidigt, er hält sich beim Training an islamische Regeln und es werden ihm Beziehungen zum Geheimdienst nachgesagt. Mit Hilfe dieser Beziehungen gelang es Ali Daei auch, ein Unternehmen für Sportbekleidung aufzubauen, wodurch er reich wurde. Nationalspieler, die sich direkt oder indirekt positiv zu den „Reformisten“geäußert hatten, mussten bei diesem Spiel auf der Ersatzbank Platz nehmen.

Nach dieser Niederlage kamen aus verschiedenen Richtungen der Gesellschaft Proteste, die dazu führten, dass Ali Daei „von seinen Aufgaben entbunden wurde“.

Dieses WM-Qualifikationsspiel war nicht nur ein reines Sportereignis sondern auch ein Ausdruck für die poltische Konkurrenz zweier islamistischer Regierungen. Der Iran als schiitische Regierung und Saudi Arabien als sunnitische Regierung behaupten gleichermaßen Anführer der islamischen Welt zu sein. Um bei diesem Ereignis als Sieger hervorzugehen, werden auf beiden Seiten große Mengen an Kapital investiert.

Ohne es vorher bekannt gegeben zu haben, war Ahmadinejad während des Spiels persönlich im Stadion anwesend. Ihm war versichert worden, dass die iranische Mannschaft bei diesem Heimspiel gewinnen würde. Die Website Baztab berichtete, dass ein paar Minuten nach dem Anstoß Ahmadinejad auf der Tribüne erschien und die Moderation extra unterbrochen wurde, um ihn zu begrüßen. Obwohl mehrmals auf die Anwesenheit des Staatspräsidenten hingewiesen wurde, gab es im Publikum keinerlei Reaktion. In der Halbzeitpause rief der Stadionsprecher das Publikum dazu auf, sich von den Plätzen zu erheben und die iranischen Fahnen in Richtung des Staatspräsidenten zu schwenken. Wiederum gab es keine Reaktion.

Ahmadinejad unternimmt derzeit große Anstrengungen im Rahmen seiner Neu-Kandidatur für die Staatspräsidentschaft, mit dem Ziel, ab Juni 2009 für weitere vier Jahre dieses Amt auszuüben. Das Innenministerium aber auch andere Ministerien wurden in den letzten Jahren Schritt für Schritt militarisiert und mit Vertretern aus der Revolutionswächterorganisation besetzt. Der Religionsführer Chamenei unterstützte die Regierung Ahmadinejead in jeder Rede, wodurch in der Bevölkerung die Vorstellung geschaffen wurde, dass er Rückendeckung von ganz oben hat und dadurch ein zweites Mal Staatspräsident werden könnte. Die Reformisten behaupten dagegen, dass Ahmadinejads Innen- und Außenpolitik den Iran zu Grunde gerichtet hat und dass, wenn nicht bald eine Änderung geschieht, die islamische Revolution in Gefahr gerät. Und so recht scheint Ahmadinejad selbst nicht an eine weitere Legislaturperiode mit ihm an der Spitze zu glauben, wenn er wie jüngst öffentlich äußert: „es ist nicht wichtig ob man zehnmal wiedergewählt wird oder nur einen Monat im Amt ist, wichtig ist, im Interesse des Volkes und der Nation zu handeln.“

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