Kurdistan: Der Ajatollah ist abgewählt

Der Iran ist ein Land, in dem zahlreiche Sprachgruppen zusammenleben: Kurden, Aseri-Türken, Balutschen, Araber, Turkmenen u.a., neben den Persern, die die Staatssprache stellen.
Während die Aseri-Türken über das ganze Land verteilt sind und auch unter der Geistlichkeit und den Präsidentschaftskandidaten vertreten sind (der religiöse Führer Ajatollah Chamenei ist Aseri-Türke, der ehemalige Ex-Premier und jetzige Präsidentschaftskandidat Mir-Hossein Mussawi ist auch einer), kann man das von den anderen Minderheiten nicht behaupten. Die vier aussichtsreichsten Kandidaten für die kommende Präsidentschaftswahl – Mir-Hossein Mussawi, Ahmadineschad, Mehdi Karubi, Mohsen Resai – haben bislang in ihrem Wahlkampf alle einen Bogen um das Gebiet der Turkmenen (Zentrum Gonbad-e Kabus), der Balutschen (Sistan-Balutschistan, Zentrum Sahedan) und der Kurden (Zentren Mahabad, Kermanschah, Sanandadsch) gemacht.
Statt dessen hat Ajatollah Chameinei am 12. Mai 2009 den Kurden in Sanandadsch einen Besuch abgestattet. Natürlich nicht unvorbereitet. Seit zwei Monaten werden in der Region Pasdaran (Revolutionswächter), Bassidschi (Freiwilligenmilizen) und Militärs aus anderen Regionen zusammengezogen. Denn das Kurdengebiet gilt noch immer als unruhig. So kamen vor etwa drei Wochen bei einem bewaffneten Zusammenstoß zwischen Kämpfern der kurdischen Gruppe Peschwak (von der behauptet wird, sie sei ein iranischer Ableger der PKK) und Regierungskräften elf iranische Pasdaran ums Leben. Kein Wunder, dass Ajatollah Chamenei bei seinem Auftritt in Sanandadsch loswetterte, wie dieses Photo zeigt:

Ajatollah Chamenei ist schlecht gelaunt

Bei aller Mobilisierungskunst der Geistlichkeit scheint sie unter den Kurden wenig Erfolg gehabt zu haben. Dieses Foto, das von der staatlichen Nachrichtenagentur ISNA veröffentlicht wurde, zeigt, dass in der ganzen Menschenmenge, die Ajatollah Chamenei in Sanandadsch empfangen hat, nur ein Mann mit der typisch kurdischen Kopfbedeckung zu sehen ist (weißer Kreis).

Suchbild: Wo ist der Kurde?

Auf anderen Photos sieht man keinen. Auch die Frauen, sofern welche auf den Bildern zu sehen sind, tragen keine kurdische Kleidung, sondern sind schwarz eingesackt. Das entspricht überhaupt nicht den kurdischen Traditionen. Wenn sie jemanden empfangen, dann in ihren bunten Kleidern und ihren Musikinstrumenten. Auf keinem einzigen staatlichen Photo ist so etwas zu sehen.

Ajatollah Chameneis Schwarzer Block
(Auf diesem Photo sind die Frauen mit einem grünen Viereck eingerahmt)

Und was am meisten bei diesem „begeisterten Empfang“ durch die Menge verwundert, ist die Haltung der Ordnungskräfte:

Sie schützen das „Volk“ vor dem Volk

Die Beamten stehen mit dem Rücken zu den „demonstrierenden Anhängern Chameneis“, gegen das Volk (siehe die beiden roten Linien). So als müssten die ortsfremden Demonstranten vor Menschen geschützt werden, die man auf den Photos nicht sieht und wohl die Einheimischen, die Kurden sein dürften.
Das spricht Bände über die Verankerung des obersten iranischen Machthabers in der kurdischen Bevölkerung.

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