Teheran: Eine Stadt wird belagert

Nachdem der iranische Religionsführer Ajatollah Chamenei bei der Freitagspredigt vom 19. Juni 2009 unmissverständlich Partei für die Wahlfälscher um Präsident Ahmadineschad ergriffen und eine klare Botschaft an die bewaffneten Organe und Gruppen des Regimes gerichtet hatte, diese Ergebnisse vor dem Volk zu verteidigen, kam es am 20. Juni 2009 zu einer gewaltigen Kundgebung nicht nur in Teheran, sondern auch in zahlreichen anderen iranischen Städten, in denen sich Ähnliches abspielte.
Hier eine Skizze vom Zentrum Teherans:


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(Rote Kreise und Balken: Sperren durch die staatlichen Kräfte)
Die zentrale Achse bildet die Verbindung von drei Plätzen:
Meydane Azadi (Platz der Freiheit) – Meydane Enqelab (Platz der Revolution) und Meydane Emam-Hossein (Platz von Imam Hussein). Diese Achse war das Ziel der Proteste, alle Menschen strömten darauf zu. Um sie daran zu hindern, sperrten Polizei, Hisbollahi, Bassidschi-Milizen und Sondereinheiten zur Aufstandbekämpfung nicht nur die genannten Plätze und sämtliche Straßen ab, die auf die Verbindungsachse dieser drei Plätze zuführten, sondern auch die größeren Plätze im weiteren Umkreis wie Meydane Rah-Ahan (Eisenbahn-Platz), Meydane Khomeiny (Chomeini-Platz), Meydane Vali-Asr (Platz des 12. Imams/Hüter der Zeit), Meydane Vanak (Vanak-Platz), Meydane Fatemi (Fatemi-Platz) und Meydane Muniriye (Muniriye-Platz). Wichtige Straßenkreuzungen wurden ebenfalls abgesperrt, und auch an den Seitenstraßen und Gassen waren Leute postiert.
Auch die Universität von Teheran und sämtliche Hochschulen in der Gegend wurden von Polizei und Revolutionswächtern abgeriegelt.
Die Bürgerinnen und Bürger, die sich davon nicht abschrecken ließen, wurden an den größeren Plätzen und Straßen mit Straßensperren und Knüppeln empfangen und bekamen Prügel ab, so dass sich die Menschen gleich in Gruppen mit den bewaffneten Kräften in die Haare gerieten, andere versuchten lieber, durch Schleichwege in den Gassen ans Ziel zu gelangen, wobei sie auf Zivilbeamte (in Wahrheit Revolutionswächter) stießen und sich gegen diese durchsetzen mussten.
Trotz aller Hürden gelang es Zehntausend Menschen, sich auf dem Platz der Freiheit und dem Platz der Revolution zu versammeln, von einer Menge von vielleicht mehreren Hunderttausend Menschen, die auf die Straße gegangen war. Als die Menge sich auf diesen beiden Plätzen in Gang setzte, um auf der zentralen Verbindungsstraße zu demonstrieren, wurden gegen sie Wasserwerfer und Tränengas eingesetzt, es wurden auch Schüsse in die Luft abgegeben. Den Kräften der staatlichen Gewalt gelang es, die Menge in die Nebenstraßen und Gassen abzudrängen, so dass sie schließlich zwischen zwei Feuer gerieten. Hinter sich die Verfolger, und vor sich die Kräfte, die die Zufahrtswege blockierten.

Ein Drittel der Verfolgten waren Frauen: Als eine von ihnen, mit Vorname Neda, der staatlichen Gewalt zum Opfer fiel, waren die Demonstrierenden nicht mehr zu halten. Bis in die Nacht hinein kommt es zu Kämpfen und zahlreichen Verhaftungen.


Übersetzung der Bildunterschrift: Wo Neda begraben ist. Neda Agha Soltani, Symbol des Widerstands.

Schon vor den Demonstrationen wurden zahlreiche Sicherheitskräfte in den Krankenhäusern der Gegend stationiert, damit sie die Personalien von sämtlichen Personen aufnehmen konnten, die nach den Kundgebungen dort eingeliefert würden.

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