Universität im Iran: Schließen oder schießen?

In der iranischen Führung herrscht keine Einigkeit, wie sie mit den aufmüpfigen Studenten umgehen sollen. Nach dem Wahlbetrug vom 12. Juni 2009 waren die aktiven Studenten die ersten Opfer der staatlichen Haft- und Mordkommandos. Viele kamen ins Gefängnis. Und die Schauprozesse gegen die angeblichen „Unruhestifter“ betrafen auch viele Studenten.


Uni Teheran, frisch geöffnet

Unis schließen?
Die iranischen Machthaber waren daher geneigt, die Universitäten erst einmal für sechs Monate geschlossen zu halten, so wie ja auch Ajatollah Chomeini nach seiner Machtergreifung die Universitäten für ganze zwei Jahre geschlossen hatte (1980-1981), um sie gründlich zu „säubern“. Offensichtlich haben sich die jetzigen Regierenden aber entschlossen, die Methoden etwas abzuwandeln. So erhielten vor der Eröffnung des neuen Studienjahrs zahlreiche Studentinnen und Studenten gerichtliche Vorladungen, einige wurden vom Studium ausgeschlossen. Damit wollte man die Studenten einschüchtern und hoffte, dass sich unter diesen Vorzeichen niemand mehr trauen würde, die Universitäten als Basis für politische Forderungen zu benutzen.


Uni Teheran, Demonstration

Es kam anders
Aber es kam anders. Als die Universitäten am 26. September 2009 aufmachten, versammelten sich viele Studierende in den Innenhöfen der Uni Teheran, später auch in der Daneshgah-e Sharif (Scharif-Universität, Teheran) und in der Uni von Schiras. Und seit dem wird Tag für Tag in den Unis demonstriert. Die bewaffneten Organe des Staates haben sich vorerst darauf konzentriert, die Umgebung der Universitäten abzuriegeln und die übrigen Bevölkerung davon abzuhalten, sich den Studenten anzuschließen. Denn im Gegensatz zu früher traten die Studierenden nicht mit Forderungen an die Öffentlichkeit, die ihre Studienbedingungen betreffen, sondern äußerten sich direkt zur politischen Lage. Typische Parolen waren diesmal:
„Marg bar diktatur“ – Tod dem Diktator
„Zendaniye siyasi azad bayad gardand“ – Die politischen Gefangenen müssen freigelassen werden.
„Koshti javanane vatan, marg bar to, marg bar to“ – Du hast die Jugend unserer Heimat umgebracht, Tod über dich, Tod über dich.
„Ta Ahmadinejad e, har ruz hamin basat e“ – Solange Ahmadineschad dran ist, wird es jeden Tag das gleiche sein.

Studenten an der Scharif-Uni
Sie versehen die beiden zentralen Parolen der Islamischen Republik:
Esteqlal (Unabhängigkeit), Azadi (Freiheit) mit je einem Fragezeichen.
Der Spruch ginge weiter: Jumhuriye Eslami (Islamische Republik). Aber die ist unter den Tisch gefallen…


Kamran Daneshju, Chef der Obersten Wahlbehörde des Irans im Innenministerium


„Das Wichtigste an der Uni ist die Religion, nicht das Studium.“ (Kamran Daneshju)

Ursprünglich sollte Ahmadinejad an der Scharif-Universität auftreten, statt dessen schickte den neuen Wissenschaftsminister Kamran Daneshju vor. Noch bevor Kamran Daneshju Minister wurde, hatte er in einem Interview erklärt: „Das Wichtigste an der Uni ist die Religion, nicht das Studium.“ Nach diesem Motto beginnt er jetzt mit einer neuen Säuberungswelle unter den Dozenten. Etwa 2000 Studierende versammelten sich vor dem Ort, wo Kamran Daneshju eine Buchlesung halten sollte, und protestierten, worauf der Minister die Segel strich und ging.


Der sucht wohl die Leichen am Boden…

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