Ein Spaziergang durch den Iran

Wir möchten Euch einladen, uns auf eine kleine Reise durch den Iran zu begleiten. Wie üblich ist der Start unserer Reise in Teheran. Wir sind mit offenen Augen unterwegs und lassen uns von unserem Reisebegleiter übersetzen und erklären, was wir sehen.

Das erste was uns auf den Strassen Teherans ins Auge fällt, sind die Parolen an den Wänden. Persische Schriftzeichen allerorten, deren Farbe teilweise noch nicht ganz trocken ist. Was steht dort?


„Tod dem Mörder Chamenei“ steht auf diesem Elektrokasten. Und nicht nur hier! Dieser Schriftzug begegnet uns auf vielen Telefonhäuschen, in der Metro und auf Toiletten.


Unser Reisebegleiter versichert uns, dass solche Parolen auch an den Hauswänden in anderen Städten prangen und heutzutage schon zum Straßenbild gehören. Hier ein Foto mit der Parole „Tod dem Chamenei“ an der Hauswand eines Studentenwohheims in Isfahan.


„Tod dem Diktator“ ist als Sinnspruch an einem Ort der höheren Bildung, der Universität Teheran, zu lesen.


Am Gymnasium lernen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht „Tod dem Ahmadinejad“. Der Schriftzug „Neda Agha Soltani“ in Verbindung mit dem Siegeszeichen, bringt schon Schülern den Namen der jungen Frau nahe, die während der Massenproteste in Teheran auf offener Strasse erschossen wurde und deren Name nun der ganzen Welt bekannt ist.


In besonders großen Lettern ist auf der Strasse zu lesen „Nicht Gaza, nicht Libanon, ich möchte mein Leben für den Iran opfern“.

Als Touristen können wir uns einen Besuch im Bazar natürlich nicht entgehen lassen. Es wird die Ware begutachtet, verglichen und gefeilscht, bis ein Preis ausgehandelt ist. Bezahlen muss man mit Bargeld. Etwas überrascht sehen wir, auf wie vielen Geldscheinen kleine Sprüche, Parolen und sogar Bilder hinzugefügt wurden – Geld, das weiterhin im Umlauf ist. Wir fragen uns ein wenig besorgt, ob wir es annehmen können und wie gefährlich die Weitergabe ist. Der Reisebegleiter rät uns, das Geld einfach anzunehmen und wieder auszugeben – zwar werden in der Regierung bereits Stimmen laut, den Umlauf solcher Scheine zu verbieten und wie Falschgeld zu behandeln, doch noch ist es nicht soweit, dass das durchgesetzt werden kann.


Auf dem ersten Schein ist ein lustiger Reim über die „Frau Iran“ geschrieben. „Wie geht es der Frau Iran denn heute? Sie ist sehr traurig. Ihr Öl wird verkauft, ihr Gas wird verkauft. Mit den Einnahmen werden in China Waren gekauft. Die darf man bald in den Mülleimer werfen. Alles ist Import geworden. Export hat keine Bedeutung. Und Produktion? Kannst du vergessen.“

Der Stempel mit dem Victory-Zeichen darf in keinem modernen Haushalt fehlen.

Dieser Geldschein ist beidseitig verändert. Auf der einen Seite sieht man das Foto von Sorab, einem Aktivisten der Demokratiebewegung, der bei der Folter im Kahrizak-Gefängnis getötet wurde. Darunter ist zu lesen: „Unser Sorab ist nicht gestorben. Es ist die Regierung, die gestorben ist.“Die Rückseite ist mit dem Kennzeichen des staatlichen Fernsehens, einem Hakenkreuz und dem Schriftzug „Die staatlichen Medien werden von Faschisten beherrscht“ verziert.


Wegen der Arbeitslosigkeit sind die Menschen oft gezwungen, als fliegende Händler zu arbeiten. Das Geschäft ist nicht besonders einträglich und birgt Risiken: Wir können beobachten, wie immer wieder fliegende Händler von der Polizei kontrolliert werden, wie ihre Ware beschlagnahmt wird und wie sie einen Platzverweis erhalten. Szenen wie diese sieht man jeden Tag in den großen Städten.


Doch nicht nur fliegende Händler sind betroffen von polizeilichen Ermittlungen. Fällt das Auge des Gesetzes auf eine Schaufensterpuppe, ist Gefahr im Verzug: Mit großem Ernst wird die Scharia befolgt und jede aufreizend präsentierte Puppe, bei der Frauen oder Männer schwach werden könnten, vom Straßenbild entfernt.

An jeder Universität im Iran finden derzeit größere und kleinere Aktionen statt, wie dieser Sitzstreik, ausserhalb des Campus …

…oder Demonstration auf dem Universitätsgelände selbst.

Ein Besuch beim Parlament zeigt uns, was die Politiker unterdessen umtreibt.

Alles wird vom religiösen Führer angeordnet. Es bleibt nicht mehr viel zu tun. Unsere wackeren Politiker kämpfen tapfer gegen die Müdigkeit an und führen unterhaltsame Schwätzchen, während am Rednerpult die Wahrheit verkündet wird.


Die Frau weiss, dass im Parlament die Männer herrschen. Da sie ihre Ideen nicht verwirklichen kann, vertreibt sie sich die Zeit mit der Lektüre von Modezeitschriften.

Lasst uns noch schnell bei Mussawi, dem Oppositionsführer, vorbeischauen. Er kann uns leider nicht empfangen, weil er gerade in einer wichtigen Besprechung mit einigen Mullahs sitzt. Die Körpersprache sagt eigentlich alles: es herrscht große Ratlosigkeit.

Die Regierung Ahmadinejad braucht vor diesen Reformisten keine Angst zu haben. Sie muss sich gegenüber der grünen Bewegung und der Bevölkerung vorbereiten und verlässt sich dabei ganz auf ihre Militärkommandanten. „Wir haben von China genug gelernt…“ wird da geflüstert.

Aziz Jafari, Oberbefehlshaber der Revolutionswächterorganisation, hat hervorragende Leistungen bei der Niederschlagung der Demokratiebewegung gezeigt und wird dafür vom religiösen Führer mit einer Auszeichnung versehen.

Wenn wir noch mehr erfahren wollen über dieses komplizierte Land, müssen wir unsere Reise fortsetzen, vielleicht andere, weniger bekannte Regionen besuchen wie die iranisch-kurdische, aserbeidschanische, turkmenische, belutschische oder die arabische Provinz.

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