Ein Heiliger wird vom Podest gestossen – Modell Khomeinis am Ende


Bild: Chomeini kehrt am 1.2.1979, nach rund 15-jährigem Exil, in den Iran zurück

Am 16. Azar zeigte sich die grünen Bewegung insbesondere an den Universitäten im ganzen Land in überraschender Stärke in der Öffentlichkeit – mit Massendemonstrationen, Parolen gegen die Regierung und gegen Chamenei („Tod dem Chamenei“, „Tod dem Diktator“, etc.). Wir haben darüber berichtet.

Von den zahlreichen Berichten in Form von Videos war nur in einer einzigen Szene zu sehen, wie Fotos von Khomeini, Khamenei und Ahmadinejad öffentlich verbrannt wurden. Die Aufnahmen sind weitgehend anonymisiert, so dass keine Personen erkennbar sind.

In den 3 Tagen nach dem 16. Azar wurde aus diesem Detail ein Riesenaufmacher im staatlichen Fernsehen gemacht.1) Im Stundentakt wurde über den „Skandal“ der Verbrennungen der Fotos von Khomeini, Khamenei und Ahmadinejad berichtet, während die eigentlichen Studentenproteste kleingeredet und dem Feind im Ausland in die Schuhe geschoben wurden. Je mehr Zeit verging, desto mehr verlagerte sich die Berichterstattung auf die Verbrennung des ersten Fotos, das von Khomeini.

Ein Ensemble aus Revolutionswächterorganisation, Basiji und Geheimdiensten verfolgte indirekt das Ziel, mit dieser Berichterstattung die religiösen Gefühle von großen Teilen der Bevölkerung zu verletzen und das ganze Land in Rage zu versetzen. Die einfachen Menschen sollten in Stellung gebracht werden gegen die legitimen Forderungen der grünen Bewegung und der Studentenbewegung. Schon am 8. Dezember, dem Tag nach den Unruhen, wurden die Regierungsanhänger und Basiji in die Universitäten geschickt, wo sie die StudentInnen angreifen und schlagen sollten. Doch angesichts der starken Reaktion der StudentInnen, die sich sofort und in großer Zahl zur Wehr setzten, hatten sie das Nachsehen.

Am 11. Dezember sah das Regime eine weitere Gelegenheit zur Propaganda. Ausgesuchte Vorbeter des Freitagsgebets, das stets in voller Länge im Fernsehen übertragen wird, sprachen ausführlich über Khomeinis Bilder-Verbrennung und versuchten zu beweisen, dass die Täter in der grünen Bewegung zu suchen seien.

Ziel all der Anstrengungen war es, Millionen Menschen auf die Straße zu bringen und eine Demonstration gegen die Reformisten und die grüne Bewegung zu initiieren. Die geringe Resonanz bei der Bevölkerung einerseits und das Problem, dass öffentliche Demonstrationsaufrufe Regierungsanhängern ebenso wie Regierungsgegnern ein Forum für Meinungsäußerungen geboten hätte, andererseits, führten dazu, dass letztlich nur in geschlossenen Räumen und innerhalb des Mausoleums von Khomeini gegen die grüne Bewegung demonstriert wurde.

Die erste Reaktion auf diese Medienkampagne kam von religiösen Institutionen, die kritisierten, dass überhaupt das Video der Bilderverbrennungen im öffentlich-rechtlichen Fernsehen gezeigt worden ist. Wichtige Geistliche erklärten, dass allein das Zeigen dieser Videos schon das System der Rechtsgelehrten zerstöre.

Repräsentanten der grünen Bewegung wie Karroubi und Mussawi reagierten ebenfalls schnell und grenzten sich gegen die Verbrennungen von Bildern Khomeinis ab. Sie behaupteten, dass nicht sie, sondern im Gegenteil die Produzenten des staatlichen Fernsehens diese Bilder gestellt hätten, nur um sie gegen die grüne Bewegung einzusetzen – es gäbe genügend Beispiele von ähnlichen Fällen. Karroubi und Mussawi schrieben sogar einen Brief an das Innenministerium, in dem sie die Genehmigung für eine Demonstration Pro-Khomeini forderten. Bis zum heutigen Tag haben sie die Genehmigung nicht bekommen.

Während die Kontrahenten in der Politik, auf der einen Seite die Machthaber und auf der anderen Seite die Reformisten, sich gegenseitig beschuldigen, steht die iranische Bevölkerung abseits und schaut zu. Sie gehen unbeirrt ihrer täglichen Arbeit nach und kümmern sich nicht um diese Auseinandersetzung.


Bild: 7. Dezember (16. Azar) 2009

Egal, wer der tatsächliche Urheber dieses Videos ist, ob radikale Aktivisten oder das staatliche Fernsehen, wichtig ist eins: das Ziel, auf diese Weise Millionen Menschen gegen die grüne Bewegung zu mobilisieren war eine Illusion. Im Moment scheint es nicht in der Macht von Khamenei zu liegen, Millionen Iraner und Iranerinnen auf die Straße zu bringen. Er muss befürchten, dass wann immer er öffentlich zu einem massenhaften Ausdruck für das Regime aufruft, sich entweder kaum Menschen hinter dem Ofen hervorlocken lassen oder es der grünen Bewegung eine Gelegenheit für massenhafte Proteste gegen das Regime bietet. Diese Verbrennung von Khomeinis Bild mag zunächst nur wie ein unbedeutendes Ereignis erscheinen doch die Geschichte hat oft gezeigt, wie solche Ereignisse zu großen Veränderungen beigetragen haben – womöglich ist das der Anfang vom Ende von Khomeinis Modell.

1) Das staatliche Radio und Fernsehen mit dem Namen „Seda va sima“ (Stimme und Gesicht) ist fest in der Hand der Revolutionswächterorganisation, selbst der Chef des iranischen Rundfunks, Ezatollah Zarghami, ist ein wichtiges Mitglied der Sepahe Pasdaran

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