Iran: Die Henker mit Steinen verjagt

In Sirdschan im Süden Irans sollten am Montagmorgen, den 21. Dezember 2009, also kurz nach dem Tod von Ajatollah Montaseri, zwei Männer hingerichtet werden, die vom Regime „wegen Tragens und Aufbewahrens von Kriegswaffen, Banküberfalls und Schikanieren der Bevölkerung“ zum Tode verurteilt wurden. Tatsächlich waren es keine Banditen, sondern Gegner des Regimes, die in einem der zahlreichen politischen Prozesse nach der Wahlfälschung verurteilt wurden.
Die Angehörigen der beiden Verurteilten – deren Namen von der amtlichen Nachrichtenagentur Fars mit Esmail Fathizade und Mohammad Esfandyarpur angegeben wird – baten ihre Bekannten, zur Hinrichtung zu erscheinen, die an einem öffentlichen Platz in Sirdschan stattfinden sollte. Normalerweise gehen die normalen Leute, die das Regime nicht lieben, nicht zu solchen Hinrichtungen.
Insofern war es auch für das Regime überraschend, dass viele Menschen auf dem Platz erschienen. Die Angehörigen der Verurteilten begannen darauf, mit den Henkern zu diskutieren, wieso sie die beiden Männer hinrichteten, es gebe zahlreiche Diebe und Verbrecher an der Spitze des Staates, warum sie die nicht verhafteten und hinrichteten. Die Henker verteidigten sich und sagten, es sei ihre Aufgabe, die beiden hinzurichten. Darauf griff die Menge die Henker mit Steinen an und schlug die Vertreter des Regimes in die Flucht. So gelang es, die beiden Gefangenen zu befreien.

Unterdessen mobilisierte das Regime seine Kräfte in der Region Sirdschan und Kerman. Die beiden befreiten Gefangenen versuchten, nach Bandar-Abbas zu gelangen, um von dort aus dem Land zu fliehen. Unterwegs wurden sie aber rasch von Regierungskräften gefasst. Schon am Nachmittag des folgenden Tags setzte das Regime den zweiten Hinrichtungstermin in Sirdschan an. Diesmal waren sie vorbereitet und hatten ein größeres Sicherheitsaufgebot vorbereitet. Sie sperrten die Zufahrtswege nach Sirdschan ab und setzten Hubschrauber ein.

Aber auch die Menschenmenge war um ein Vielfaches größer, nach Angaben der Nachrichtenagentur Advar-News über 5000 Menschen. Sie riefen Parolen gegen das Regime und versuchten, die Gefangenen vor der Hinrichtung zu retten. Darauf eröffnete das Regime das Feuer auf die Menge. Die Menge wich nicht zurück. Vier Demonstranten starben vor Ort, 37 weitere Demonstranten wurden verletzt.


Die wütende Menge setzte mehrere Fahrzeuge der Staatskräfte und den Galgen und das Hinrichtungspodest in Brand.
Der Galgen ist schon verbrannt.

Die Henker konnten die Verurteilten allerdings noch rechtzeitig abführen und sie wurden im Gefängnis von Sirdschan gehenkt.

Ehre den politischen Gefangenen Esmail Fathizade und Mohammad Esfandyarpur
Selbst unter dem Galgen erhebt einer noch die mit Handschellen gefesselten Hände zum Protest, während der andere seine Henker anschreit.


Im Gefängnishof von Sirdschan. Die beiden politischen Gefangenen sind tot, im Hof sieht man die bewaffneten Staatskräfte, und selbst dort regt sich das V-Zeichen des Widerstands (gelber Kreis).

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email