Wenn die Massen dich verlassen – Überstunden für den Führer


Der Mann für alle Fälle
Die iranische Führung hat ein Problem. Egal, ob der oberste Führer Ajatollah Chamenei oder der von ihm als Präsident eingesetzte Wahlbetrüger Ahmadineschad – ihnen ist die Basis abhanden gekommen. Die Mengen erscheinen nicht mehr, wenn die Führer rufen. Abstimmung mit den Füßen nennt man so etwas. Das ist peinlich, besonders, wenn dann zu Anlässen, die bislang fest in der Hand der Regierung waren, wie am Aschura-Tag, dem höchsten Feiertag der Schiiten, die Massen aus eigenem Antrieb zu Millionen gegen die Führer demonstrieren.

Aus diesem Grund hat die Regierung landesweit ein Netz von Firmen, Vereinen und Institutionen eingespannt, die bei bestellten Kundgebungen die entsprechende Kopfzahl zur Verfügung stellen müssen. Die Aufträge für solche Demos kommen aus dem Büro des religiösen Führers Ajatollah Chamenei. An verschiedenen Arbeitsplätzen, zum Beispiel bei der Eisenbahn oder den staatlichen Busbetrieben sind die Arbeitnehmer verpflichtet, zu solchen angeordneten Kundgebungen zu erscheinen. Die Anwesenheit gilt als abgeleistete Überstunden, die bezahlt werden.

Ebenfalls beliebt ist der Einsatz von Schulkindern, die muss man nicht mal bezahlen. Auch bei den Moscheen dienen verschiedene Vereine der Anwerbung von Demonstranten. Die Demonstrationsteilnehmer erhalten auch Essenspakete, die Fahrtkosten mit dem Bus werden übernommen und auch die Plakate mit den entsprechenden Bildern und Parolen werden von den Organisatoren gedruckt und bereit gestellt. Dafür steht ihnen ein entsprechendes Budget zur Verfügung. Auf diese Art bekommt man zwar einige Tausend Stück „Volk“ zusammen, genug, wenn Ahmadineschad oder Chamenei die Provinz besuchen und ein begeisterter Empfang durch die Massen vorgespielt werden soll.

Wenn Chameneis Büro allerdings eine Demo mit mehreren Millionen Menschen bestellt, kommt man mit solchen Methoden nicht weiter. Dann sind andere Helfer gefragt: Adobe Photoshop und die staatliche Radio- und Fernsehanstalt „Sima wa Seda“. Mit Bildbearbeitungsprogrammen werden die entsprechenden Massen erzeugt und in die Bild-Dateien eingefügt, die dann als „Fotos“ in den staatlichen Medien kursieren, und „Sima wa Seda“ verfügt über ein Archiv von Filmaufnahmen vergangener Demonstrationen, die vom Hubschrauber aus gemacht wurden. Dort kann man dann die entsprechenden Szenen herausschneiden, wenn Regierungsdemos aufgepäppelt werden sollen.


… mal so

Es versteht sich von selbst, dass diese Kundgebungen keine amtliche Erlaubnis benötigen und die Teilnehmer auch nicht von Bassidschis oder Pasdaran in Zivil überfallen werden.


…mal so

Ganz andere Saiten werden aufgezogen, wenn echte Demos bevorstehen. Dann inhaftiert die Regierung im Vorfeld Angehörige religiöser oder ethnischer Minderheiten und verurteilt sie zum Tode, auch Hinrichtungen von verurteilten Straftätern werden gern auf Termine im Vorfeld solcher Demos gelegt. Das soll den Menschen Angst machen. Die Wirkung ist allerdings oft eine andere: Der Zorn der Bevölkerung über das Unrecht wird größer.


sogar im Anzug


Junge, pass auf, dass du keine Maulsperre kriegst…

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