Wenn die Männer Schleier tragen


Madjid Tavakoli


Madjid, gedemütigt im im iranischen Fernsehen


Die Kampagne im Internet

Wundern Sie sich nicht, wenn Sie im Internet unter verschiedenen Webadressen Bilder entdecken, die Ihnen seltsam vorkommen. Hunderte junge iranische Männer haben sich selbst mit Kopftüchern abgelichtet. Sie müssen wissen, dass die Männer, die sich Frauenkopftücher umgebunden haben, sich in große Gefahr begeben. Trotzdem werden täglich mehr solcher Bilder im Internet veröffentlicht.

Was bedeutet das?

Am 7. Dezember 2009 gab es an allen iranischen Universitäten Proteste gegen die Regierung. Einer der Studenten, der an der Amir Kabir Universität in Teheran eine Rede gehalten hatte, war Madjid Tavakoli, ein mutiger Student, der immer wieder wegen seiner politischen Aktivitäten inhaftiert worden war. Er ist unter den Studenten sehr bekannt und beliebt.

Seine Rede hat bei den StudentInnen großen Anklang gefunden. Aus Angst, von der Polizei fest genommen zu werden, haben seine Freunde ihn heimlich raus geschleust. Trotzdem haben die Beamten auf der Straße ihn erkannt und festgenommen. Die Nachricht über seine Inhaftierung wurde über die staatlichen Nachrichten verbreitet, und zwar mit einen Foto, auf dem er mit einem Frauenschleier abgebildet war. In beleidigender Form wurde es so dargestellt, als ob Madjid Tavakoli so feige sei , dass er sich wie eine Frau bekleidet habe, um nicht erkannt zu werden.

Nicht nur seine Inhaftierung, sondern die Lüge und offensichtliche Irreführung der Öffentlichkeit hat den Zorn der StudentInnen noch verstärkt.

Am nächsten Morgen gab es zahlreiche Solidaritätskundgebungen in vielen Universitäten. Einige männliche Studenten banden sich Kopftücher um und riefen Parolen wie: „ Ob in Männer – oder Frauenkleidung – wir kämpfen weiter gegen Diktatur!“
Der Zorn der StudentInnen bezog sich nicht nur auf die Inhaftierung von Madjid, sondern der Bericht bedeutete eine Beleidigung der Frauen. In ihren Parolen drückten sie aus: „Unsere Frauen sind unsere Heldinnen, wir tragen ihre Kleidung mit Stolz“.

Besonders empörend dabei war, dass man Madjid mit dem vollen islamischen Schleier bekleidet hatte. Deshalb richtete sich der Zorn der StudentInnen darüber hinaus gegen 30 Jahre Zwangsverschleierung der iranischen Frauen. Deshalb haben sich viele Männer komische Kopftücher umgebunden und riefen:“ Zwangsverschleierung ist eine Schande, nicht Frauenkleidung“.

Am selben Tag haben viele Studenten ihre Bilder ins Internet gestellt, eine Kampagne gegründet und alle Männer aufgefordert, ebenfalls solche Fotos mit Kopftuch zu veröffentlichen. Diese Kampagne sieht sich als Teil der Demokratiebewegung im Iran.

Solale Schirasi, Südkurier, 28.12.2009

Ergänzung vom 29.01.2010:

Laut Nachrichtenagentur Fars wurde Madjid Tavakoli am 20. Januar wegen „Gefährdung der nationalen Sicherheit des Landes“ und „Beleidigung hochrangiger Vertreter der Islamischen Republik“ zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

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