Zahedan (Balutschistan): Freitagsprediger kritisiert Hinrichtungen


Moulavi Abdolhamid Esmail-Zahi, Freitagsimam der sunnitischen Makki-Moschee in Zahedan
Während Ajatollah Jannati (Dschannati) die kürzlich erfolgte Hinrichtung zweier junger Männer ausdrücklich begrüßte, wohl wissend, dass sie unschuldig waren, weil sie zum angeblichen Tatzeitpunkt schon längst im Gefängnis saßen, regt sich aus der Provinz Widerspruch. Es dürfte kein Zufall sein, dass die Kritik aus einer Region kommt, die selbst schon lange Opfer der Teheraner Terrorpolitik ist, nämlich aus Zahedan (Sahedan), der Hauptstadt von Sistan und Balutschistan. Der Freitagsimam der sunnitischen Makki-Moschee in Zahedan, Moulavi Abdolhamid Esmail-Zahi, erklärte auf seiner Freitagspredigt am 29. Januar 2010:
„Kein Regierungssystem der Welt kann sich mit der Gewalt der Waffen erhalten. Was den Fortbestand einer Regierung sichert, ist vermehrte Gerechtigkeit und die Beteiligung der Bevölkerung am politischen Leben. (…) Das System kann bloß mit einem fundamentalistischen und einem reformistischen Flügel nicht überdauern, denn in diesem Land leben verschiedene Gruppen, Denkweisen, Völker und Religionen. (…) In vielen Staaten des Ostens wie des Westens wird die Politik geändert, wenn sie den Anforderungen nicht gerecht wird. In unserem Land genügt die Politik den Anforderungen in vielfacher Hinsicht nicht. Die Proteste und die Probleme, die in unserem Lande aufgetaucht sind, zeugen von den Forderungen, auf die man bis jetzt nicht eingegangen ist. Diese Proteste müssen Gehör finden und die falschen politischen Maßnahmen, die die Proteste ausgelöst haben, müssen geändert werden. (…) Das, was unveränderlich ist, ist der Koran und die Überlieferungen des Propheten (Hadith). Aber das Gesetz ist keine göttliche Eingebung, dass es nicht geändert werden könnte. Vielmehr müssen die Gesetze und die Politik so geregelt und reformiert werden, dass sie die Bevölkerung zufrieden stellen. Wir sollten nicht bei der kleinsten Kritik damit kommen, dass der Islam und das System in Gefahr sei. Der Islam und das System sind dann in Gefahr, wenn das Leben für die Bevölkerung darin von Tag zu Tag enger und zugeschnürter wird. (…)

sunnitische Makki-Moschee in Zahedan
Das Problem der Hinrichtungen in unserem Land ist Anlass zur Beunruhigung in der Bevölkerung geworden. Unser Land gehört zu den wenigen, in denen eine große Zahl von Hinrichtungen zu verzeichnen ist. Die Hinrichtungen sind namentlich in der Provinz Sistan und Balutschistan zahlreicher als in allen anderen Provinzen. Dabei lässt der Islam nur in Fällen des Mordes zu, das Gesetz der Vergeltung auf den Mörder anzuwenden, und auch das nur, wenn die Zahlung eines Blutgelds abgelehnt wurde. In allen anderen Fällen gibt es bessere Wege, wie das Gefängnis usw. Die Hinrichtungen können keine sozialen Probleme lösen sondern vergrößern die Probleme nur. (Die Zuhörenden rufen zustimmend: Allahu akbar). Auch sollten wir bedenken, dass in der Zeit des Propheten und der erleuchteten Nachfolger, namentlich von Imam Ali, die Zahl der Hinrichtungen sehr klein war, so dass man sie an einer Hand abzählen konnte“. (AdÜ: damit widerspricht der Geistliche direkt den Behauptungen von Regime-Mollas, die sich darauf berufen, auch unter Ali habe es viele Hinrichtungen gegeben.)
Moulavi Abdulhamid fuhr fort: „Wir sehen, dass diese Hinrichtungen in der Bevölkerung keine positiven Auswirkungen hinterlassen, und so ist es unser gutmeinender und anteilnehmender Wunsch, dass dieses Problem gelöst wird. Denn Hinrichtungen fördern weder die Sicherheit noch das Gefühl der Zusammengehörigkeit. (Die Zuhörenden rufen zustimmend: Allahu akbar). „Ein weiteres Thema, das die Menschen sehr beunruhigt, ist die Erzwingung von Geständnissen mit Druckmethoden und Folter. Weder der Islam und die Religion noch das Grundgesetz akzeptieren solche Methoden. (Die Zuhörenden rufen zustimmend: Allahu akbar).
Aus Peike Iran, 29.01.2009

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