11. Februar – 22. Bahman – Jahrestag der Iranischen Revolution von 1979


Von Sadeghiye bis zum Freiheitsplatz
Im Folgenden eine vorläufige Übersicht über die Ereignisse in Teheran.
Wie schon berichtet, wurde die Strecke vom Freiheitsplatz bis zum Imam-Hossein-Platz schon im Vorfeld von den staatlichen bewaffneten Kräften in Beschlag genommen. Am dem Freiheitsplatz (Meydan-e Azadi) wollte Ahmadineschad eine Rede zum 31. Jahrestag der Revolution halten. Am Vortag, den 10. Februar, erklärte der Reformist Mehdi Karubi öffentlich, er werde sich am 11. Februar vom nördlich des Freiheitsplatzes gelegenen Viertel Sadeghiye auf den Weg zum Freiheitsplatz machen.

Massive Sicherheitskräfte stoppen die Menschen auf ihrem Weg zum Freiheitsplatz

Am 11. Februar war dieses Viertel und die ganzen Straßen, die von dort zum Freiheitsplatz führten, mit Pasdaran, Bassidschis, Polizei und „Zivilisten“ gefüllt. Trotzdem versammelten sich Tausende von Menschen in diesem Viertel, um auf Karubis Ankunft zu warten und ihn zum Freiheitsplatz zu begleiten. Solange er nicht da war, schwiegen sie.


Demonstranten m Sadeghiye-Viertel, der Film wurde heimlich gemacht und liegt im Original auf der Seite

Die „Sicherheitskräfte“ schritten trotzdem ein und verhafteten alle, die ein grünes Band oder ein anderes Zeichen der Unterstützung der Opposition trugen. Gegen 10 Uhr Vormittag erschien Karubi. Als er aus seinem Auto ausstieg, schloss sich die Menge ihm an, um zum Freiheitsplatz zu marschieren. Darauf griffen die „Zivilisten“ und direkt darauf die Uniformierten an und beschossen die Menge mit Pfeffergas. Sie schossen Mehdi Karubi das Pfeffergas direkt ins Gesicht. Die Umstehenden brachten ihn in ein Auto in Sicherheit, damit er heimfahren konnte. Die Staatskräfte zerschlugen die Scheiben des Autos mit dem Knüppel. Darauf musste er in ein anderes Fahrzeug umsteigen. Auch dort zerschlugen die Beamten die Scheiben, aber er konnte fliehen, wie sein Sohn Hossein Karubi berichtet. Ali, ein zweiter Sohn von Mehdi Karubi wurde verhaftet. Die Menge, die bis jetzt geschwiegen hatte, begann nun Parolen wie „Tod dem Diktator“ zu rufen und leistete den Angreifern Widerstand. Da sie von den Staatsorganen in mehrere Flügel gespalten wurden, machte sich einer auf den Weg zum Viertel Schahr-Ara und demonstrierte dort weiter.


Proteste in der Metro

Die Polizei schoss mit Farbmunition auf die Demonstranten, damit sie später die Getroffenen erkennen und verhaften kann.
Die Ehefrau von Mirhossein Mussawi, Sahra Rahnaward, hatte sich ins Sadeghiye-Viertel begeben und wurde ebenfalls angegriffen. Die „Zivilisten“ und Uniformierten schlugen mit Knüppeln und Fäusten auf die Frau ein. Sie wurde von der Menge gerettet und aus dem Gefahrenbereich geholt wurde.
Mohammad-Resa Chatami, ein Bruder des vorigen Präsidenten, und Frau Sahra Eshraqi, eine Enkelin von Imam Chomeini, wurden festgenommen und eine Stunde später wieder auf freien Fuß gesetzt, mussten aber den Bereich der Demonstrationen verlassen. An der Kreuzung der Dscheihun-Straße mit der Freiheitsstraße schlugen die Sicherheitskräfte die Scheiben des Autos von Seyed Mohammad Chatami ein, des Vorgängers von Ahmadineschad im Amt des Präsidenten.
Wie ein Augenzeuge berichtete, wurden am Revolutionsplatz (Meydan-e Enqelab) innerhalb einer Viertelstunde 30 Demonstranten verhaftet und abgeführt, die das grüne Symbol trugen.
Als provisorische Haftorte dienten Garagen und Schulen.


Szene aus der staatlich übertragenen Rede des Präsidenten – in diesem Moment ist die Parole Tod dem Diktator zu hören

Trotz der massiven Präsenz der Regierungskräfte gelang es den Anhängern der Grünen Bewegung den Norden des Freiheitsplatzes einzunehmen. Als Präsident Ahmadineschad seine Rede begann, riefen sie so laut „Tod dem Diktator“, dass nicht einmal die staatlichen Lautsprecher-Batterien dagegen halfen und das staatliche Fernsehen die Live-Übertragung der Rede für ein paar Minuten abbrach, weil diese Worte für die Fernsehzuschauer zu hören waren.

Ahmadineschad hat vorsorglich Militär auf dem Freiheitsplatz stationiert…

Eine andere Gruppe von Demonstranten zündete auf dem Freiheitsplatz eine Fahne der Islamischen Republik an, als Ahmadineschad gerade seine Rede hielt. Die Staatsorgane griffen rasch ein und verhafteten zwei junge Frauen.
Im Umkreis des Freiheitsplatzes und zwischen dem Freiheitsplatz und dem Revolutionsplatz hatte die Regierung Essenstände aufstellen lassen, die von Bassidschis bewacht wurden. Dort konnte jeder kostenlos Essen bekommen, wenn er dafür Mohammad und dessen Familie hochleben ließ.

Die Ahmadineschad-Zujubler senken die Köpfe, es ist ihnen nicht recht, dass man im staatlichen Fernsehen ihr Gesicht sieht

Auf dem Imam-Hossein-Platz setzte sich die Menge mit Rufen wie „Tod dem Diktator“ in drei Gruppen in Richtung Freiheitsplatz in Bewegung. Bei der Holzbrücke (Pol-e Chubi) in der Nähe zerstörten Demonstranten die riesigen Lautsprecher, die die Regierungsparolen vom Freiheitsplatz übertrugen.
Dicht über den Studentenwohnheimen der Universität Teheran kreisten Helikopter, um die Studenten einzuschüchtern. Im Studentenviertel waren überall Bassidschis anzutreffen.
Nachdem die Demonstrationen gegen das Regime im Westen Teherans ihren Ausgang genommen hatten, breiteten sie sich nach Norden aus. In den Straßen um den Vanak-Platz und der Molla-Sadr-Shirazi-Straße hatten sich so viele Demonstranten versammelt, dass es der Polizei trotz brutalen Vorgehens nicht gelang, sie zu vertreiben. Sie machte reichlich von Tränengas Gebrauch.

Eine der zahlreichen Demonstrationen in Teheran

Um 13 Uhr Ortszeit wurde die 27-jährige Leila Zare‘i auf dem Vali-Asr-Platz von den Sicherheitskräften erschossen.



Lautstarke Proteste gegen die Regierung an verschiedenen Orten von Teheran: „Tod dem Dikatator“, „Referendum – Referendum“, „Ya Hossein, Mirhossein“, …



Ein Motorrad der Sicherherheitskräfte geht in Flammen auf, während Parolen gegen Chamenei gerufen werden



„Zendaniye siyasi azad bayad gardad“ (Freiheit für die Politischen Gefangenen)

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