Iran: Vom Trojanischen Pferd zur Eisernen Jungfrau


Der Freiheitsplatz zum Zeitpunkt von Ahmadineschads Ansprache, 11. Februar 2010

Diese Luftaufnahme von google, die u.a. auf der mit Twitter vergleichbaren Webseite www.balatarin.com zu finden ist, zeigt mehreres. Das weiße Gebilde in der Mitte des Rings (Freiheitsplatz) ist die hohe weiße Statue, die man auf vielen Fotos findet.
Im Südosten der großen Ellipse sieht man am Rande der weißen Abgrenzung eine zweite weiße Linie, dazwischen einen orange-roten Bereich. Dort ist die Tribüne, von der aus Ahmadineschad seine Rede hielt. Man sieht, dass der Freiheitsplatz trotz der Anstrengungen der Regierung nicht mal zur Hälfte gefüllt ist.

Dieses Video zeigt in einem langsamen Schwenk über den gesamten Freiheitsplatz, wie groß die Lücken in den Reihen der Anhänger von Ahmadinejad sind und wie wenig Aufmerksamkeit sie gleichzeitig seiner Rede schenken. Man sonnt sich lieber ein wenig auf der Wiese, hält ein Nickerchen oder spielt Fußball.


Hier wurden die Fahnen frisch verteilt
Hinzu kommt, dass die Regierungsanhänger verpflichtet waren, Fahnen zu tragen. Wer keine Fahne dabei hatte, machte sich aus der Sicht der Regierungskräfte schon verdächtig, der Grünen Bewegung anzugehören. Eine falsche Parole, eine falsche Bewegung mit der Hand führte rasch zur Verhaftung. So waren die Anhänger der Grünen Bewegung zum Schweigen verurteilt.


und hier haben sich schon einige der Fahnen entledigt…


Dicht an dicht stehen vor allem die vielen Reihen von Soldaten, die den Standort von Ahmadinejad von dem der Zuhörer separieren. Schön zurecht gemacht sind sie, allerdings haben sie vor allem die Aufgabe Ahmadinejad vor einer u.U. wütenden Menge zu schützen.

Vom Trojanischen Pferd
Im Vorfeld der staatlichen Feiern zum 11. Februar (22. Bahman) hatten verschiedene Vertreter der Grünen Bewegung die Idee geäußert, ihre Anhänger sollten sich die staatlichen Feiern zunutze machen, sich einschleichen, und dann wie die Krieger aus der griechischen Sage in die Öffentlichkeit treten und die Feiern zu einer Kundgebung der Opposition umfunktionieren. Der nächste Schritt in dieser Denkweise war dann der, in Massen zu den Gefängnisse zu maschieren, um die politischen Gefangenen zu befreien, die staatliche Rundfunk- und Fernsehgesellschaft Sima va Seda zu besetzen und Ähnliches.


Trojanisches Pferd

Von diesen Überlegungen gingen die Reformisten aus, wenn sie wie etwa Karubi öffentlich erklärten, sie würden sich am 11. Februar 2010 vom Sadeghiye-Viertel aus auf den Weg zum Freiheitsplatz machen.

Zur Eisernen Jungfrau
Was die Anhänger der Reformisten erwartete, war allerdings kein Spaziergang durch leere Regierungsgebäude, sondern ein waffenstarrendes Regime – die Eiserne Jungfrau des Mittelalters, in der die Gefolterten aufgespießt wurden.

Die gegnerische Menge traute sich zwar, sich der Fahnen und Poster zu entledigen, aber aus der Vogelperspektive sind solche Feinheiten nicht mehr zu sehen, alle, die sich um den Freiheitsplatz versammelten, waren erstmal ein Propagandasieg für die Regierung.

Aber das waren nicht alle

Genau in diesem Punkt zeigte die Grüne Bewegung aber auch ihre Stärke. Während man sieht, dass die fahnenlosen Demonstranten um den Freiheitsplatz eher den älteren Semestern angehören, hatte die Studentenbewegungen von Anfang darauf gesetzt, an verschiedenen Plätzen spontan aufzutauchen und sich von den staatlich besetzten Plätzen fernzuhalten. So sieht man in fast allen Fotos und Videos von den Orten, wo der Protest laut wurde, junge Menschen.
Es ist der Protestbewegung nicht gelungen, dem Regime die Revolutionsfeiern zu entreißen, aber sie hat gezeigt, dass sie selbst denkt und weiter handlungsfähig ist.

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