Radikalislamischer Hintergrund hinter Kunstraub in Teheran

Die Nachrichtenagentur Fars berichtete, dass im Verlauf des letzten Monats 13 in Teheran im öffentlichen Raum aufgestellte Statuen verschwunden sind. Dies hat der Oberbürgermeister von Tehran, Mohammad Bagher in einem Interview gegenüber Journalisten geäußert.


„Das Leben“

Er sagte: „Nach meinen Informationen handelt es sich bei diesen Diebstählen um eine organisierte Aktion.“ Er fügte hinzu, dass die Polizei über genug Informationen verfüge. Es würden viele Dinge aus dem Eigentum der Stadt entwendet, die allesamt wirtschaftliche Hintergründe hätten. Bei den Statuen läge der Fall jedoch anders: die Ursachen lägen tief in unserer Gesellschaft. Auf den Hinweis eines Journalisten, dass beim Transport der teils mehrere hundert Kilo schweren Kunstwerken unbedingt ein Kran erforderlich sei, sagte der Oberbürgermeister: „Genau aus diesem Grund heisst es, dass diese Werke nicht am hellichten Tag gestohlen wurden.“ Ein anderer Journalist fragte, wie er darauf reagieren wolle. Seine Antwort: „Die Sicherheit der Statuen zu gewährleisten ist nicht Aufgabe der Stadt sondern der Polizei“.


Dr. Moin, Herausgeber eines sechsbändigen persischen Wörterbuchs

Laut Fars gelang es der Polizei den Diebstahl der 700 kg schweren Statue von Abdul Reza Sufi Razi im 20. Teheraner Bezirk zu verhindern. Darüberhinaus gibt es merkwürdigerweise keine Informationen von der Polizei – weder über einen Kran, noch über die Täter oder sonstige Details. Ein Künstler namens Daneshwar hat in einem Interview gesagt: „Wenn die Diebe mit einem Kran gekommen waren, wie kommt es, dass die Polizei sie nicht erkannt hat? Und wie konnten die Diebe so schnell mit ihrem Kran fliehen? Interessanterweise ist auch eine Statue in unmittelbarer Nähe einer Polizeistation gestohlen worden. Ich bin sicher, irgendwo in der Nähe der Kunstobjekte müssen Überwachungskameras aufgebaut sein, die die Täter aufgenommen haben.“ Die Menschen in Teheran sagen, dass an jeder großen Kreuzung Kameras installiert sind, über die Menschen identifiziert und festgenommen werden können, wie man bei den Demonstrationen der letzten Monate immer wieder feststellen konnte.


Mutter und Kind

Ein ungenannter politischer Beobachter hat nun behauptet, dass die Ghadir-Stiftung hinter diesen Vorfällen stecke. Diese Stiftung hat ihren Sitz in Teheran, verfügt über eine Fraktion im iranischen Parlament und gehört dem Hojatiye-Verein. Sie hat zudem Filalen in vielen großen und kleinen Städten. Kontrolliert wird sie von Ayatollah Mezba Yazdi. Er gilt als der Theoretiker der Radikalen, der am liebsten alle Reformströmungen im Land beseitigt sehen möchte. Er ist heute Vorsitzender der Qabas-Stiftung des Imam-Chomeini-Instituts und der Haqqani-Schule.


Ayatollah Mesbah Yazdi

Seit Ahmadinejad an die Macht gekommen ist, konnte die Ghadir-Stiftung ihre Anhänger im ganzen Land verbreiten. Ein Großteil der Aktivisten dieser Stiftung sind Anhänger von Ahmadinejad. Die Stiftung ist in verschiedenen Richtungen aktiv: im Bereich der islamischen Kultur, in Bezug auf Koranausbildung und -kommentierung und die Kommentierung der Überlieferungen. Sie hat ihre eigene Politik und ein grosses Interesse an atomarer Bewaffnung des Irans.

Die Menschen dieser Stiftung glauben an die sog. Hojatije-Theorie, die besagt, dass man kein Recht habe, irgendetwas zu unternehmen, was die Ankunft des 12. Imams verzögere. Wenn die Welt zusammenbricht, die Menschen einander töten, kein Gesetz und keine Sicherheit mehr herrsche, dann würde unser 12. Imam Mehdi erscheinen und die Welt retten. Die iranische Gesellschaft dürfe sich nicht die Industrieländer zum Vorbild nehmen und industrialisiert werden. Die Kultur der Industrialisierung drohe die islamische Kultur zu vernichten. Nach dieser Theorie gelten Musik, Tanz, Abbildungen, Bildhauerei, etc. als unislamisch. Ein prominenter Vertreter dieser Theorie ist u.a. der Politkommissar der Revolutionswächter, General Jawani, wie man unschwer seiner jüngst in einer Moschee von Isfahan gehaltenen Rede entnehmen kann.


General Jawani

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