Pasdar-General kritisiert schleppende Kahrisak-Ermittlungen


Mohsen Resa‘i (links), Dr. Abdolhossein Ruh-ol-Amini (rechts)

Am 15. Juli 2010 fand in der Hasrate-Walije-Asr-Moschee in Teheran die Trauerfeier zum 1. Todestag von Mohsen Ruh ol-Amini statt. Mohsen Ruh ol-Amini war der Sohn von Dr. Abdolhossein Ruh-ol-Amini, eines Universitätsproferssors und einflussreichen Beraters des religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i sowie Leiter des Wahlkampfstabs von Mohsen Resa‘i während der Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009. Sein Sohn war nach den Protesten gegen die Wahlfälschung verhaftet und ins berüchtigte Kahrisak-Gefängnis verlegt worden, wo er zu Tode gefoltert wurde. An der Trauerfeier nahmen nicht nur Freunde und Angehörige der Familie teil, sondern auch hochrangige Vertreter des iranischen Parlaments. Ebenfalls an der Trauerfeier anwesend waren die Angehörigen der Familien Dschawadi-Far, Kamrani und Qahramani – deren Kinder ebenfalls im Kahrisak-Gefängnis ermordet wurden.


Hodschat-ol-Eslam Mohammad Hassan Abu-Torabi-Fard
Auf der Trauerfeier ergriff auch Hodschat-ol-Eslam Mohammad Hassan Abu-Torabi-Fard das Wort, der stellvertretende Vorsitzende des iranischen Parlaments. Während seiner Rede wurde er von einem Sardar der Revolutionswächter (der Titel Sardar umfasst alles vom Oberst bis zum General) unterbrochen, der am iranisch-irakischen Krieg teilgenommen hatte.

Sardare Pasdaran
Der Sardar kritisierte wörtlich:
„Herr Abu-Torabi, es stimmt zwar, was Sie sagen, aber wie kommt es, dass trotz des konsequenten und nachdrücklichen Einsatzes des Führers und der zuständigen Organe in dieser Sache die Person, die aufgrund ihrer Verantwortung zu jenem Zeitpunkt als Hauptangeklagter in der Akte figuriert, unverzüglich vom Präsidenten der Republik in ein neues Amt eingesetzt wird, ohne dass bis heute irgend etwas zu hören wäre, dass die Vorwürfe gegen ihn untersucht werden?“
Abu-Torabi-Fard antwortete: „Sie müssen wissen, dass der Kampf gegen solche Personen, die die islamische Moral zersetzen, um ein mehrfaches schwieriger ist als der Kampf gegen Wirtschaftsverbrecher und dergleichen. Gebe Gott, dass er vom Erfolg gekrönt wird.“
Es handelt sich um die erste amtlich zugelassene Trauerfeier für ein Opfer der Repression seit einem Jahr.

Kommentar
Diese Gedenkfeier ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert.
Erstens zeigt sich an der Form, wie sie abgehalten wurde, dass die Angehörigen alle Bedingungen der Staatsorgane akzeptiert haben. Es wurden keine Parolen gegen das Regime und gegen die Täter gerufen, die Redner beschränkten sich darauf, den frommen Charakter des Ermordeten zu loben.

Die Grüne Bewegung
Sowohl anhand der Fotos von dieser Trauerfeier wie auch der im Artikel genannten Namen kann man erkennen, dass auch Anhänger der Reformisten zu dieser Trauerfeier erschienen sind, sogar Personen, die gerade Hafturlaub haben.

Mohammad Nurisad (links), im Hafturlaub
Allerdings hielten sie den Mund. Das dürfte auch die Bedingung für ihre Teilnahme gewesen sein.

Dass in diese Reden nun ein namentlich nicht genannter Oberst oder General der Pasdaran mit kritischen Äußerungen hineinplatzt, lässt tief blicken. Egal, ob der Mann im Ruhestand oder noch im Dienst ist, er würde den Mund halten, wenn er nicht Rückendeckung hinter sich wüsste. Dies deutet darauf hin, dass es auch innerhalb der Pasdaran eine Strömung gibt, die mit der jetzigen Politik unzufrieden sind. Diese Strömung scheint sich stark genug zu fühlen, sich öffentlich zu äußern.

Rechts neben dem intervenierenden Pasdar ist ein Pasdar mit Generalsstreifen am Hemd zu sehen – er ist also nicht allein

Und drittens übt der Sardar der Pasdaran deutliche Kritik an der Führung des Landes. Wenn Ajatollah Chamene‘i (der Führer) ausdrücklich Anweisung gibt, den Hauptverantwortlichen (= Mortasawi) zu verfolgen, wieso kann Präsident Ahmadineschad ihn dann wegbefördern? Hintergeht jemand den Führer? Oder ist der Führer doppelzüngig, erteilt in der Gegenwart der Angehörigen der Opfer eine Anweisung, und widerruft sie, sobald sie ihm den Rücken gekehrt haben?
Man vergleiche dies mit den jüngsten Äußerungen eines führenden Kopfes der Ansare Hesbollah (Freunde der Gottespartei), Hossein Allah-Karam, der sagte:
„Es geht nicht an, dass wir auch Modschtaba (Chamene‘i) als Handlanger, Diener und bewaffneter Arm dienen. Modschtaba erteilt ohne Absprache mit unserm Herrn seine Anweisungen. Er gibt Befehle. Er trifft sich mit den Zuständigen für die Sicherheit des Landes und bestimmt mit ihnen die politische Linie, das heißt, in Wirklichkeit führt er das Land. Das können wir nicht akzeptieren. Das Land hat nicht zwei Führer, sondern einen!“

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