Archiv für August 2010

Iran: Geheimdienst gegen Rechtsanwältin


Rechtsanwältin Nasrin Setude
Am Samstag, den 28. August 2010, haben 10 Beamten des iranischen Geheimdienstes eine Razzia bei der Rechtsanwältin Nasrin Setude durchgeführt und dabei nicht nur sämtliche Akten der Anwältin beschlagnahmt, sondern auch ihre persönlichen Sachen und die ihres Mannes und ihrer kleinen Kinder durchgewühlt und mitgenommen.
Nasrin Setude verteidigt unter anderem die Nobelpreisträgerin Schirin Ebadi, gegen die die iranischen Behörden ein Verfahren eingeleitet und eine Vorladung vor Gericht ausgestellt haben. Unter ihren Mandanten sind zahlreiche politische Gefangene, die nach den politischen Protesten gegen die Wahlfälschung vom Juni 2009 inhaftiert wurden.
Die Anwältin Nasrin Setude hat darüber hinaus eine Vorladung des Gerichts erhalten, das im Ewin-Gefängnis amtiert. Ihr wird „Verschwörung gegen die Sicherheit des Landes“ und „Propaganda gegen das System der Islamischen Republik“ vorgeworfen.

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Dattelernte im Iran

Nach schiitischer Tradition hat die Nacht zum Freitag eine besondere Bedeutung. Die Menschen gehen auf den Friedhof und verteilen dort Datteln an alle Passanten. Wer dazu keine Zeit findet, verteilt Datteln auf der Strasse oder in der Nähe einer Moschee. Ausserdem werden im Fastenmonat Ramadan Datteln als regelmäßige Beilage gegessen.


Aufgabe der Männer ist es, auf die Palmen zu klettern und die Datteln zu pflücken.


Frauen sind für die Auslese und Säuberung der Datteln zuständig.

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Gedenken an die Toten des Massakers im Iran von 1988


khavaran
Im Jahr 1988 erließ Chomeini ein religiöses Dekret (Fatwa), mit dem er Anweisung zu einem Massaker in den iranischen Gefängnissen erteilte. Darauf wurden mindestens 5000 Menschen in den Gefängnissen ermordet, deren „Schuld“ darin bestand, sich zu weigern, die Islamische Republik zu akzeptieren. Die Leichen wurden weit außerhalb im Osten Teherans in Chawaran verscharrt: Bulldozer hoben das Erdreich aus und die Leichen wurden lastwagenweise in die Gruben gekippt.

Jedes Jahr organisieren Exiliraner in der ganzen Welt Trauerfeiern zum Gedenken an die Toten dieses Massakers. Auch im Iran findet ein Gedenken statt. Etwa 10 km östlich von Teheran, in einem trockenen Gebiet, befindet sich eines von vielen Massengräbern im ganzen Land, in denen die Opfer dieses Massakers verscharrt wurden.

Khavaran
Jedes Jahr wird im September ein Trauerfest an diesem Ort abgehalten. Die Teilnehmer sind nur die engsten Verwandten. Trotz der Behinderungen und Absperrungen durch Geheimdienste, Pasdaran und Basiji gelangten die Verwandeten auf den Friedhof. Einige von ihnen wurden festgenommen.

Das folgende Video konnte vor Ort aufgezeichnet und später veröffentlicht werden, obwohl bei den Absperrungen Fotoapparate, Camcorder und Handies beschlagnahmt wurden.

Es wurden Reden gehalten und alte, verbotene Lieder gesungen, die viele Jahre nicht mehr zu hören gewesen sind.

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„Mit Hilfe von Menschenrechtsorganisationen und internationalen Gerichten will ich den Mörder von Neda finden“


Hajar Rostami, die Mutter von Neda Agha Soltan

Hajar Rostami, die Mutter von Neda Agha Soltan, hat in einem Interview mit der internationalen Menschenrechtskampagne im Iran erklärt, dass sie Hilfe braucht von internationalen Menschenrechtsorganisationen, internationalen Einrichtungen und vom internationalen Menschenrechtsgerichtshof in Den Haag. Nichts von dem, was sie und ihre Familie bislang unternommen haben, um den Mörder ihrer Tochter zu finden, hätte zu einem Ergebnis geführt. Sie habe ihrer Regierung nichts mehr zu sagen. Sie habe bis jetzt immer geschwiegen. Jetzt brauche sie aber die Hilfe von der ganzen Welt, um den Mörder von Neda zu finden. Ihr Kind habe sie verloren und ihr Leben sei ruiniert. Wann immer sie von Nedas Grab nach Hause komme, hätte sie das Gefühl, dass Neda gerade erst in diesem Moment getötet und begraben worden sei.

Am 20. Juni 2009 wurde Neda Agha-Soltan auf den Strassen von Teheran erschossen, während sie gegen den Wahlbetrug von Ahmadinejad demonstrierte. Die Nachricht verbreitete sich noch am gleichen Tag weltweit, nachdem ein Video über ihren Tod veröffentlicht wurde. Sie wurde zum Symbol der Demokratiebewegung im Iran.

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Warum freuen sich iranische Parlamentarier über die Amtsenthebung von ihresgleichen?


Warum freuen sich diese Parlamentarier über die Amtsenthebung von ihresgleichen?

Die Suspendierung des ehemaligen Staatsanwalts von Teheran, Sa‘id Mortasawi, und zweier Richter, Ali-Akbar Heydari-Far und Hassan Sare‘ Dehnawi, verbunden mit der Aufhebung ihrer Immunität, war ein Sieg für das iranische Parlament gegenüber Ahmadinejad. Deshalb haben 216 Abgeordnete bei der gestrigen Parlamentssitzung eine Erklärung abgegeben, in der sie der Justiz ihren Dank ausdrücken. Die Erklärung wurde vom Parlamentsmitglied Omidvar Rezai verlesen. In ihr wird der Mut des Richters, der die Suspendierungen entschieden hat, gelobt und die Hoffnung ausgedrückt, dass Sa‘id Mortasawi und die anderen vor Gericht gestellt werden und ihre gerechte Strafe bekommen.

Kommentar: Vielleicht freuen sie sich, dass nicht sie selbst zum Bauernopfer geworden sind.

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Iran: Nein zu Hinrichtung, Nein zu Steinigung

Das iranische islamische Modell sieht vor, dass die Menschen stets in Angst vor Gott leben sollen, was nicht nur für Iranerinnen und Iraner sondern für die ganze Welt gilt. Voraussetzung dafür ist ein dauernder Zustand der Krise, der die Menschen desorientiert und für die Islamisierung empfänglich macht.

In der Pasdaran-Zeitschrift Sobhe Sadeq (Übersetzt: „Richtiger Morgen“ – d.h. der Moment in dem der Imam Mahdi in der Welt erscheint ) liest sich das so, dass, je brutaler in den Medien die strikte Anwendung der Scharia vermittelt würde ( z.B. bei Steinigungen, etc. ), desto mehr Angst auch bei den westlichen Ländern verbreitet werden könne.

Bei der radikalfundamentalistischen Fraktion der Prinzipialisten legitimierte diese Theorie u.a. das extrem harte Vorgehen gegen die Demokratiebewegung nach den letzten Wahlen und auf der Basis der gleichen Theorie wurden das Ewin-Gefängnis oder das Kahrisak-Gefängnis so organisiert, dass die bekannten Verbrechen stattfinden konnten.

Im Moment steht die drohende Steinigung von Sakineh Mohammadi Ashtiani im Zeitrum der weltweiten Aufmerksamkeit. Doch es geht um viel mehr Menschen. Die Gefängnisse sind voll mit Menschen, denen die gleiche Strafe (Steinigung) oder die Hinrichtung droht. Z.B. Zeynab Jalaliyan, Mohammad Ali Saremi, Jafar Kazemi, Mohammad Ali Haj‘aghai, Ahmad Daneshpour, Mohsen Daneshpour, …

Aus diesem Grund sind Demonstrationen gegen Steinigungen und Hinrichtungen vor den iranischen Botschaften und Konsulaten in aller Welt zu begrüßen. Wer an die Menschenrechte glaubt, sollte diese Demonstrationen direkt oder indirekt unterstützen.


Paris


Paris


Paris


Schweden


Schweden


Brasilien, vor der iranischen Botschaft

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Iran: Macht schützt vor Strafe nicht

Man ist es leider gewohnt, dass die meisten staatlichen Verbrecher straflos ausgehen, erst recht in Staaten, in denen es keine unabhängige Justiz und keine freien Medien gibt.
Im Iran ist jetzt der seltene Fall eingetreten, dass nun selbst einige der Unantastbaren aus den oberen Etagen der Macht mit einer Strafe rechnen müssen.
Es geht konkret um drei Personen:

  • Sa‘id Mortasawi, bis vor kurzem Staatsanwalt von Teheran,
  • Hassan Sare‘ Dehnawi, bekannt als Qasi Haddad (der Richter der Vergeltung), stellvertretender Staatsanwalt von Teheran für Sicherheitsfragen,
  • Ali-Akbar Heydari-Far, Richter am Revolutionsgericht.

Alle drei hatten ihre Karriere als Richter begonnen und sich dabei einen Ruf als grausame, servile Richter im Interesse der Pasdaran und ihrer Ajatollahs erworben. Das qualifizierte sie für einen raschen Aufstieg im staatlichen Verfolgungsapparat.


Sa‘id Mortasawi

Sa‘id Mortasawi war derjenige, der die kanadische Journalistin iranischer Abstammung Sahra Kasemi eigenhändig zu Tode gefoltert hat. Selbst Kanada konnte damals nicht erreichen, dass er für diesen Mord bestraft wurde. Sa‘id Mortasawi war später Mitglied einer Delegation des Irans zur Eröffnung des Menschenrechtsrats in Genf…
Sa‘id Mortasawi war einer derjenigen, die in der zweiten Amtszeit von Chatami und in der folgenden Amtszeit von Ahmadineschad zahlreiche Reformzeitungen schlossen.
Sa‘id Mortasawi ließ auch eine gefälschte Auflage der Studentenzeitung der Amir-Kabir-Universität in Teheran herstellen, die als Vorwand diente, die Studenten Ehsan Mansuri, Ahmad Qassaban und Madschid Tawakkoli zu verhaften. Er nahm an der Folterung der inhaftierten Studenten teil, um sie zu zwingen, sich zur Herstellung dieser (gefälschten!) Auflage zu bekennen. Als sich die Angehörigen der Inhaftierten direkt an ihn wandten und ihm ins Gesicht sagten, es wisse doch jeder, dass diese Zeitungen gefälscht seien, wieso dann die Studenten gefoltert worden seien, war seine Antwort: „Bis jetzt haben wir noch keine sexuellen Folterungen durchgeführt, damit ihr endlich wisst, was Folter wirklich ist.“
Sa‘id Mortasawi verkaufte auch die Fragen der Aufnahmeprüfung an die „Freie Universität“ und verdiente so ein Vermögen. Das hatte selbst im iranischen Parlament zu Protesten geführt, in der Staatsanwalt wurde eine Akte angelegt, es hatte aber keine Folgen für ihn. Er war immun.


Hassan Sare‘ Dehnawi (alias Qasi Haddad)
Als Richter war er einer der Verantwortlichen für die Inhaftierung vieler aktiver Studenten, Menschenrechtler und Politiker.


kein Foto verfügbar

Ali-Akbar Heydari-Far
Er war als Richter an der Verfolgung vieler Studenten beteiligt und hatte gute Kontakte zu den Verhörbeamten (=Folterern) des iranischen Geheimdienstes. Er nahm selbst an den Verhören und Folterungen der Studenten teil, um sie dazu zu bringen, den Text als „Geständnis“ zu schreiben, den er ihnen diktierte. Derart fabrizierte Geständnisse dienten dann dazu, die Gefolterten zu langen Haftstrafen zu verurteilen. Viele Ausreiseverbote für Frauen, die in der iranischen Frauenbewegung aktiv sind, tragen seine Unterschrift. Ali-Akbar Heydari-Far war auch derjenige, der die anfänglichen Ermittlungen gegen den 20-jährigen Arasch Rahmani führte und ihn mit unmenschlichen Methoden dazu brachte, ein „Geständnis“ abzulegen, dass dann als Grundlage für das Todesurteil und die Hinrichtung von Arasch Rahmani diente. Laut Aussagen des Anwalts von Arasch Rahmani ließ Ali-Akbar Heydari-Far die schwangere Schwester von Arasch Rahmani vorführen und drohte ihm, seine Schwester zu foltern, wenn er nicht die gewünschten Aussagen mache.

Kahrisak

Diese Verbrechen sollten eigentlich ausreichen, um alle drei vor Gericht zu stellen, aber als treue Helfershelfer von Ahmadineschad und Modschtaba Chamene‘i (dem Sohn von Ajatollah Chamene‘i) waren sie gegen alle Angriffe gefeit. Niemand konnte ihnen etwas anhaben. Bis jetzt. Denn die drei – Sa‘id Mortasawi, Hassan Sare‘ Dehnawi und Ali-Akbar Heydari-Far – spielten auch eine führende Rolle in dem berüchtigten Foltergefängnis Kahrisak.

Dr. Abdolhossein Ruh-ol-Amini (rechts im Bild)
Der Zufall wollte es, dass durch ihre Folterungen und Vergewaltigungen auch der Sohn eines einflussreichen Geistlichen und Beraters des religiösen Führers ums Leben kam, Mohsen Ruh ol-Amini. Sein Vater, Dr. Abdolhossein Ruh-ol-Amini, war nicht so einfach abzuwimmeln wie das gewöhnliche Volk. Durch seine Beziehungen brachte er erstens in Erfahrung, dass sein Sohn verhaftet wurde, zweitens, wo er verhaftet war, und drittens gelang es ihm, die Leiche seines Sohnes zu finden. Er beauftragte einen Arzt, die Todesursache festzustellen. Der Arzt fand Spuren von Folterungen und Vergewaltigungen und stellte ein entsprechendes Attest aus. Dr. Abdolhossein Ruh-ol-Amini ging mit diesem Attest direkt zu Ajatollah Chamene‘i und forderte die Bestrafung der Schuldigen. Ohne seine hohe Stellung hätte er nie Zugang erhalten. Der Arzt, der das Attest ausstellte, wurde später ermordet. Aber Abdolhossein Ruh-ol-Amini ließ nicht locker. Er gab sich auch nicht damit zufrieden, dass untere Chargen der Gefängnisbeamten vor Gericht gestellt werden, sondern forderte die Bestrafung der obersten Verantwortlichen. Die erste Reaktion von Modschtaba Chamene‘i und Ahmadineschad war es, einige Leute aus der Schusslinie zu bringen, so wurde Hassan Sare‘ Dehnawi (Qasi Haddad) im letzten Jahr zum Berater eines Strafgerichts ernannt, wodurch er wieder Immunität besaß. Sa‘id Mortasawi wurde von Ahmadineschad in das Amt eines Richters in Sachen Schmuggel eingesetzt.
Aber das Nachbohren blieb nicht umsonst.
Jetzt gab der Sprecher des iranischen Justizministeriums bekannt, dass alle drei – Sa‘id Mortasawi, Hassan Sare‘ Dehnawi und Ali-Akbar Heydari-Far – von ihrem Amt enthoben wurden, so dass sie keine Immunität mehr genießen. Es ist nicht auszuschließen, dass sie festgenommen werden. Der Machtkampf hinter den Kulissen geht weiter.

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Iran: Kulturkampf gegen CD – ein Geschäft


Vor kurzem haben wir über die medienwirksame „Vernichtung“ westlicher CDs durch die iranischen Sittenwächter berichtet. Ein Foto zeigt, wie die CDs über den Asphalt verstreut sind und eine Dampfwalze darüber rollt. Daneben liegen Säcke mit dem CD-Müll. Ein Pasdar-General in Teheran betreibt eine Firma, die vom Staat dafür bezahlt wird, Abfall zu entsorgen. Was er damit macht, fragt keiner. CDs bestehen aus Polycarbonat, einem wertvollen Kunststoff, der durch Einschmelzen wieder verwendbar ist und deshalb auch in Deutschland separat gesammelt wird. Vermutlich verdient sich der General auf diesem Weg eine goldene Nase.

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Ramadan im Iran: Halim für die Armen

Im islamischen Fastenmonat Ramadan ist es Brauch, unter den Armen Halim zu verteilen. Er wird dann als Halime nazri bezeichnet. Halim ist eine breiartige Speise, die aus eingeweichten Weizenkörnern, Speiseöl und Putenfleisch (oder auch Schafsfleisch) hergestellt und mit Zimt gewürzt wird. Die Weizenkörner werden unter stundenlangem Rühren gekocht, bis ein einheitlicher Brei entstanden ist. Halim wird am Schluss entweder gesalzen oder mit Zucker gesüßt, je nach Geschmacksrichtung. Die folgenden Fotos wurden vor einer Moschee in Desful (Chusestan) gemacht. Chusestan sollte eigentlich die reichste iranische Provinz sein, weil sie das Zentrum der Erdölförderung ist, aber wie man sieht, landet das Geld nur in den Taschen einiger weniger. Die Kinder jedenfalls freuen sich über die Speise, die kostenlos verteilt wird.

1- Aus der Küche der Moschee von Desful, in der Halim in riesigen Töpfen gekocht und umgerührt wird.

2- Die Wartenden vor dem Ausgabefenster der Moschee. Links die Frauen und Mädchen, rechts die Männer und Buben. Wie man sieht, fehlt die mittlere Generation, die schämt sich für ihre Armut und schickt ihre Kinder vor.

3- Durch dieses Fensterchen wird der Halim ans Volk verteilt.

4- Die schlaue Form des Schlangestehens. Die Kinder stellen einfach ihre Gefäße in der Reihenfolge des Wartens hin und spielen solange, bis sie dran kommen. Die Gefäße sind aus Plastik und aus Zink, man sieht ihnen an, dass die Besitzer nicht reich sind.

5- Die Mädchen, die hier Schlange stehen, sind noch unter sechs, sonst dürften sie in der Öffentlichkeit nicht mehr so bunte Kleider tragen. Ihre Plastiksandalen zeigen ebenfalls, dass die Eltern nicht zu den Reichen zählen. Zum Spielen und Rennen ziehen sie die Sandalen aus, denn durch den Schweiß rutscht man darin nur hin und her.

6- Die Kinder freuen sich jedenfalls!!!

7- Die Moschee verteilt Halim, sprich der Staat will die Armen an seine Ideologie binden, aber Superman lebt…

8- Zum Brei wird auch noch Fladenbrot verteilt. Nur wenn die Kinder ruhig sind, kriegen sie das Brot, sonst werden sie rausgeworfen. Das will keiner riskieren. An keinem anderen Ort, wo Kinder Schlange stehen müssen, ob in der Schule oder vor dem Bus, würden sie so ruhig warten. Aber der Hunger ist groß.

9- Die Tür zur Moschee ist geschlossen, nur das Ausgabefenster ist offen. Wer etwas bekommen hat, trägt es glücklich davon.

10- Das Mädchen freut sich, fotografiert zu werden, die Frau dagegen zieht es vor, nur den Inhalt des Topfs zu zeigen und selbst unerkannt zu bleiben. Auffällig ist, dass sie den Henkel des Topfs seitlich hält, eine reichlich unbequeme und instabile Form, einen Topf zu halten. Dies ist ein deutliches Indiz, dass die Frau nicht zufällig beim Tragen des Topfes fotografiert wurde, sondern das Foto in gewissem Sinn „gestellt“ ist. Auch der Karton, auf dem das Kind hockt, deutet darauf hin.

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Schwedische Kosmetik-Firma Oriflame im Iran für illegal erklärt


Unislamische Brille, Kopftuch und Haartracht

Letzte Woche hat das Handels- und Kulturministerium die schwedische Kosmetik-Firma Oriflame für illegal erklärt und ihre Website geschlossen. Das iranische Büro von Oriflame inTeheran ist gestern, Sonntag, den 22.08.2010, geschlossen worden. Vier seiner Angestellten (nach anderen Quellen fünf Angestellte) wurden ohne genaue Angabe von Gründen festgenommen.

Die iranischen Behörden behaupten u.a., die Firma habe keine Steuern bezahlt.

Gabriel Bennet, Finanzchef von Oriflame, erklärte, dass die zuständigen Personen in der Islamischen Republik kein Interesse an ihrem Geschäftsmodell hätten. In ihrem Geschäft würden viele Verkäuferinnen beschäftigt, die die Produkte von Oriflame anböten. Sie würden als Beraterinnen fungieren. Im Iran sollen laut Bennet 40.000 Frauen allein für Oriflame als Beraterinnen arbeiten. Das sei eine grosse Chance für Frauen, die eine Beschäftigung suchen.

Im gesamten Iran wird jedes Jahr ca. 2 Mrd. Dollar für Kosmetik-Produkte ausgegeben. Damit ist der Iran nach Saudi-Arabien die Nummer 2 in seiner Region.

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Kulturkampf im Iran: Hardware gegen Software

Nach den Staatspräsidentenwahlen ging eine Welle von Demonstrationen und Unruhen durch den ganzen Iran. Personen an der Spitze der Revolutionswächter wurden nicht müde zu analysieren, dass sie nicht gelernt hätten, wie man gegen Software zu kämpfen habe. Software meint hier das Feld der Kultur, genauer: der westlichen Kultur.

Aufgrund der hohen Arbeitslosigkeit versuchen Jugendliche, sich etwas hinzu zu verdienen, indem sie westliche DVD’s und CD’s kopieren und auf der Strasse weiterverkaufen. Sogar von im Iran per Satellit empfangbaren westlichen TV-Sendungen werden Videos produziert.

Die auf den folgenden Bildern von der staatlichen Nachrichtenagentur MEHR präsentierten Szenen zeigen Jugendliche, die gefesselt auf einem grossen Platz in Teheran zusammen mit beschlagnahmten DVD’s und Computern mediengerecht an den Pranger gestellt werden.

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Die iranischen Machthaber rüsten sich für das Wintersemester

Die iranischen Universitäten waren letztes Semester wichtige Orte des politischen Protests gegen die Machthaber, der dort vor allem von der Studentenbewegung und der Grünen Bewegung getragen wurde. Und das, obwohl viele aktive StudentInnen exmatrikaliert oder festgenommen wurden – einige von ihnen befinden sich noch immer im Gefängnis. Um weiterhin die Kontrolle aufrecht zu erhalten, hat sich die Regierung für das kommende Wintersemester vorbereitet. Ein Beispiel dafür ist das folgende Flugblatt, dass an allen Universitäten aushängt und in den Massenmedien verbreitet wird:

Übersetzung:

Bekanntmachung

Diejenigen, die Parolen an die Wände schreiben, Flugblätter verteilen, an illegalen Versammlungen oder Demonstrationen teilnehmen oder die Ordnung stören, werden hart bestraft. Mindestens ein Semester lang werden sie nicht zu Prüfungen zugelassen. Intelligente und aufmerksame Studenten können Vergehen dieser Art unverzüglich an das Disziplinarkommittee melden.

Disziplinar-Kommittee der Studenten

Scheinbar war diese Maßnahme allein nicht ausreichend. Letzten Sonntag, den 22.8.2010, waren ausgewählte, regierungstreue Studenten und Studentinnen zu einem Treffen mit dem Religionsführer Ayatollah Chamenei geladen worden.

Im Verlauf seiner langen Rede betonte Chamenei die islamischen Regeln an den Universitäten; insbesondere die Disziplin wurde hervorgehoben. Wie immer, wenn der Religionsführer einen Begriff hervorhebt, kann er von den Bassiji und der Hizbollah nach ihrem Gutdünken ausgelegt werden. Diese Rede gibt ihnen die Macht, jede Kleinigkeit, die sie an den Universitäten als unislamisch beobachten, als Disziplinarverstoß auszulegen bzw. umzudeuten und entsprechende Strafen zu verhängen.

Die Sitzordnung der StudentInnen ist nicht dem Zufall überlassen. Neben der Trennung der Geschlechter (Männer links – Frauen rechts) gibt es eine Staffelung hinsichtlich der Nähe zu Chamenei: je weiter vorne man sitzt, desto mehr Vertrauen in die Regimetreue besteht. Die „Logenplätze“ befinden sich vorne links in der Nähe des Podiums.

Man achte auf die Menschen ab der zweiten Reihe: Diesen Typus junger Männer, einheitlich gekleidet mit hellem Hemd und dunkler Hose, kennt man von seinem teils brutalen Vorgehen bei regierungskritischen Demonstrationen.

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Irans Helfershelfer: Nokia und Siemens vor Gericht


Der inhaftierte iranische Reformer Isa Saharkhiz und sein in den USA lebender Sohn Mehdi Saharkhiz haben mit Hilfe der Anwaltsfirma Moawad & Herischi aus Maryland bei einem Gericht in den USA, dem U.S. Federal Court in Alexandria, Virginia, Klage gegen Nokia Siemens Networks (NSN) und deren Inhaber Siemens AG und Nokia Inc. eingereicht. Sie werfen NSN vor, dem iranischen Regime Technologie zur Ortung von Handys verkauft zu haben, mit deren Hilfe die staatlichen Verfolger das Versteck von Isa Saharkhiz ausfindig machen konnten.
NSN hat in einem ersten Dementi behauptet, dass die Ausrüstung zur Überwachung des Telefonverkehrs, die die Firma geliefert hat, weltweiter Standard sei.
Auf dem Weblog nokiasiemansnetworks wurde eine Stellungnahme von SNS veröffentlicht. Da heißt es, diejenigen, die Technologie missbrauchten, müssten für ihr Handeln zur Verantwortung gezogen werden. Mit so einer Argumentation kann man selbst noch den Verkauf von Foltergeräten „rechtfertigen“.
Quellen:
Text der iranischen Opposition (englisch)
Zitat von Firmen-Dementi
Nokia Siemens Networks
Anwaltskanzlei Moawad & Herischi
Radio Free Europe

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Iran: Kurdische Wanderarbeiter mit Kind und Kegel

Während die Direktoren der staatlichen Medien im Iran sich nicht eben in gewissenhaftem Journalismus hervortun und ihre „Talente“ in ganz anderen Bereichen zu finden sind, die einer gerichtlichen Würdigung wert wären, sollte man nicht übersehen, dass es auch in diesen offiziellen Agenturen Menschen gibt, die sich bemühen, die Wirklichkeit jenseits der Propaganda wiederzuspiegeln.

Ein Beispiel hierfür ist folgender Bericht über kurdische Wanderarbeiter. Leider sind weder die Namen der Reporter/in noch der Person, von der die Fotos stammen, genannt. Urheberrechte zählen im Iran nicht viel…

Der Bericht beginnt mit den Worten eines kurdischen Jungen aus dem Westen des Irans: „Wie immer beginnt der Sommer und es gibt für drei Monate keinen Unterricht und keine Schule. Mein Freund sagt, dass seine Familie dieses Jahr vorhat, den Pilgerort Maschhad zu besuchen, und auf dem Rückweg wollen sie über den Nordiran fahren. Er findet, dass es im Norden sehr schön ist, Wälder, Meer und Flüsse, Bootsfahrten und ganz verschiedene Arten von Essen. Jedenfalls hat er schon so viel von seinen Reisen erzählt, die er jedes Jahr macht, dass ich den Norden schon ein paar Mal im Traum gesehen haben.

Und ich? Darf ich nur davon träumen? Wir, das heißt mein Vater, meine Mutter und Geschwister und ich packen jedes Jahr zu Beginn des Sommers zusammen mit unseren Nachbarn und Verwandten unsere Sachen, so wie es üblich ist, und lassen die frische Luft und das saubere Wasser unseres Dorfs in Kurdistan einige Hundert Kilometer zurück. Wir ziehen wie die Nomaden, was für ein Unterschied zwischen meinen Reisen und den Reisen meiner Schulfreunde!

Genau, wegen unserer Armut, die mein Vater noch von meinem Großvater geerbt hat, und aus anderen Gründen müssen wir die drei Sommermonate über in den Obstplantagen und auf den Äckern schuften, besonders in diesem Jahr… die Obsternte, die Kartoffelernte, die Tomatenernte…

Ob Hamedan, Teheran, Isfahan oder Schiras, egal wo, wir müssen die Aussteuer für die Hochzeit meiner Schwester irgendwie zusammenkriegen. Denn wenn meine Schwester mit leeren Händen zu ihrem Bräutigam geht, ist unser Ruf unter den Nachbarn und in der weiteren Familie ruiniert.

Nun, Gottseidank, dieses Jahr gibt in der Gegend um Hamedan eine Menge Arbeit auf den Kartoffeläckern, so dass wir alle Hände voll zu tun haben. Aber weil ich noch jung bin, bekomme ich nur den halben Lohn wie die anderen Tagelöhner. Ich finde das zwar seltsam, was können die, was ich nicht auch kann? Aber ich bin es zufrieden.

Zumindest bekomme ich dieses Jahr keine gerötete Haut vom „Schwefelpulver“ wie letztes Jahr auf den Tomatenfeldern, und es brennt auch nicht. Mein Körper ist auf das Schwefelpulver empfindlich. Letztes Jahr musste ich jeden Tag mittags im schlammigen Wasserkanal neben dem Feld baden, damit das Brennen etwas erträglicher wurde. Und deshalb bin ich damit zufrieden, wie es jetzt ist.

Manchmal steckt sich mein Vater bei der Arbeit eine Zigarette an und beginnt plötzlich zu singen, und dann hört er so bald nicht mehr auf. Und meine arme Mama muss zusätzlich zur Arbeit auf dem Feld, und das bei dieser Hitze, mit den wenigen Mitteln, die wir haben, für mich und meinen kleinen Bruder und meine Schwester und meinen Vater Brot backen und Essen kochen. Sie tut mir wirklich leid.

Aber wir sind unter uns, und das Leben im Zelt hat auch seine schöne Seiten. Wenn ich mich abends völlig kaputt im Zelt hinlege, vermisse ich unser Haus und meine Freunde schon manchmal.“

Anmerkung: „Schwefelpulver“ ist eine Bezeichnung im Volk für Pestizide, die beim Anbau von Tomaten eingesetzt werden.

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Iran: Hassan Ghaschgha‘i, Tod im Gouhardascht-Gefängnis


Der 35-jährge Hassan Ghaschgha‘i, der dem iranischen Nomadenstamm der Ghaschgha‘i angehört, wurde vor fünf Jahren in Varamin verhaftet, weil er sich gegen willkürliche Übergriffe der staatlichen Organe gewehrt hatte.
Am Mittwoch, den 11. August 2010, war er aus dem Gerichtssaal ins Gouhardascht-Gefängnis (im Ortsteil Radscha‘i der Stadt Karadsch) zurück verlegt worden.
Die Wärter sperrten ihn dort in eine der als „Sagduni“ berüchtigten Zellen des Trakts Nr. 1 ein. Die Zellen sind dort so klein wie eine Hundehütte, so dass man nicht einmal seine Glieder ausstrecken kann. Hassan Ghaschgha‘i wurde derart brutal gefoltert, dass er an den Folgen gestorben ist.
In solchen Fällen versucht die Gefängnisleitung noch nach dem Tod der Gefangenen, dies zu vertuschen, indem sie behauptet, der Gefangene habe Selbstmord begangen oder sei an einer Überdosis von Drogen gestorben.
Von Hassan Ghaschgha‘i ist im Internet kein Foto zu finden.
Auch seinen Tod haben Ahmadineschad, Chamene‘i und ihre Unterstützer auf dem Gewissen.

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