
Hamze Karami vor Gericht
Dass die Pasdar-Generäle, die Ahmadineschad nach den Wahlen 2009 erneut an die Macht geputscht haben, auch vor ihren Waffenbrüdern keine Gnade kennen, zeigt das Beispiel des Pasdar-Generals Hamse Karami, der u.a. auch der Generalstabschef der Pasdaran für die Region Teheran gewesen war.
Pasdar-General Hamse Karami, der sich während des iranisch-irakischen Krieges ausgezeichnet hatte, wurde vor 14 Monaten – nach den gefälschen Wahlen im Iran – inhaftiert. In der Wahlkampfzeit war er der Verantwortliche der Webseite der Reformer-Zeitung Dschumhuriyat und Mitglied des Wahlkampfstabs von Mirhossein Mussawi gewesen. Er wird derzeit wegen eines Herzinfarkts im Taleqani-Krankenhaus in Teheran behandelt.
In einem Brief an den religiösen Führer Ajatollah Chamene‘i, den er vermutlich kürzlich bei einem Besuch von Doktor Hadi Monafi, einem ehemaligen Gesundheitsminister, dem ehemaligen Präsidenten Ajatollah Rafsandschani zukommen ließ, beschreibt er, wie es ihm in den 70 Tagen Einzelhaft nach seiner Verhaftung und den folgenden 10 Monaten Haft ergangen ist.
So wurde er neben anderen Folterungen zwanzig Mal mit dem Kopf in die Toilette getunkt, um ihn dazu zu zwingen, öffentlich auszusagen, er habe illegale Beziehungen zu Frauen aus dem Kreis der Führer der „Grünen Bewegung“ (des iranischen Reformlagers) gehabt. Durch die Folterungen ließ er sich zu solchen Aussagen erpressen, allerdings nur in schriftlicher Form. Den Folterern gelang es nicht, ihn dazu zu bringen, vor laufender Kamera die gewünschten „Geständnisse“ abzulegen. Vor der 1. Instanz sprach General Hamse Karami noch nicht von den erlittenen Folterungen, offensichtlich in der Hoffnung, das Gericht als freier Mann zu verlassen. Vergeblich, er wurde zu 16 Jahren Gefängnis verurteilt. Darauf widerrief er in der Berufungsverhandlung seine früheren Aussagen und betonte, dass sie nur unter Folter abgelegt wurden. Er erhielt diesmal 11 Jahre Gefängnis und wurde aus dem Staatsdienst ausgeschlossen.
Jetzt war offensichtlich der Zeitpunkt für ein energischeres Vorgehen gekommen. Er schrieb einen fünfseitigen Brief, den er Ajatollah Rafsandschani zukommen ließ. Dieser sollte dafür sorgen, dass der Führer Ajatollah Chamene‘i auf sein Schicksal aufmerksam gemacht wird. Chamene‘i versprach Rafsandschani bei einem Treffen, die Foltervorwürfe untersuchen zu lassen, er solle ihm den Brief geben. Rafsandschani lehnte ab, er habe kein Vertrauen zu den Personen im Umkreis des Führers. Er machte den Gegenvorschlag, eine gemeinsame Untersuchungskommission mit Vertretern von Chamene‘i und von Rafsandschani zu bilden, den Brief werde er seinem Vertrauensmann in der Kommission übergeben. Chamene‘i lehnte ab und beauftragte seinerseits Mohsen Esche‘i, den ehemaligen Geheimdienstminister und jetzigen neuen Generalstaatsanwalt, die Foltervorwürfe zu untersuchen. Mohsen Esche‘i befragte zwar den Pasdar-General ein paar Male zu den Foltervorwürfen und den damaligen Ermittlern, geschehen ist aber nichts.
Auf der Reformer-Webseite Dscharas wurde jetzt über diesen Vorfall informiert, andere Webseiten griffen das Thema ebenfalls auf. Allerdings umfasst die Veröffentlichung knapp zwei Seiten, während das Original fünf Seiten umfasste. Auch werden einige Namen zurückgehalten. Der vollständige Text des Briefes von General Hamse Karami ist also bis heute nicht veröffentlicht.

Hamze Karami, dasselbe Bild. Einer kopiert es vom andern ab, aber alle haben nur eine Quelle. Auch die Suchmaschinen liefern nichts anders.

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