Ramadan im Iran: Halim für die Armen

Im islamischen Fastenmonat Ramadan ist es Brauch, unter den Armen Halim zu verteilen. Er wird dann als Halime nazri bezeichnet. Halim ist eine breiartige Speise, die aus eingeweichten Weizenkörnern, Speiseöl und Putenfleisch (oder auch Schafsfleisch) hergestellt und mit Zimt gewürzt wird. Die Weizenkörner werden unter stundenlangem Rühren gekocht, bis ein einheitlicher Brei entstanden ist. Halim wird am Schluss entweder gesalzen oder mit Zucker gesüßt, je nach Geschmacksrichtung. Die folgenden Fotos wurden vor einer Moschee in Desful (Chusestan) gemacht. Chusestan sollte eigentlich die reichste iranische Provinz sein, weil sie das Zentrum der Erdölförderung ist, aber wie man sieht, landet das Geld nur in den Taschen einiger weniger. Die Kinder jedenfalls freuen sich über die Speise, die kostenlos verteilt wird.

1- Aus der Küche der Moschee von Desful, in der Halim in riesigen Töpfen gekocht und umgerührt wird.

2- Die Wartenden vor dem Ausgabefenster der Moschee. Links die Frauen und Mädchen, rechts die Männer und Buben. Wie man sieht, fehlt die mittlere Generation, die schämt sich für ihre Armut und schickt ihre Kinder vor.

3- Durch dieses Fensterchen wird der Halim ans Volk verteilt.

4- Die schlaue Form des Schlangestehens. Die Kinder stellen einfach ihre Gefäße in der Reihenfolge des Wartens hin und spielen solange, bis sie dran kommen. Die Gefäße sind aus Plastik und aus Zink, man sieht ihnen an, dass die Besitzer nicht reich sind.

5- Die Mädchen, die hier Schlange stehen, sind noch unter sechs, sonst dürften sie in der Öffentlichkeit nicht mehr so bunte Kleider tragen. Ihre Plastiksandalen zeigen ebenfalls, dass die Eltern nicht zu den Reichen zählen. Zum Spielen und Rennen ziehen sie die Sandalen aus, denn durch den Schweiß rutscht man darin nur hin und her.

6- Die Kinder freuen sich jedenfalls!!!

7- Die Moschee verteilt Halim, sprich der Staat will die Armen an seine Ideologie binden, aber Superman lebt…

8- Zum Brei wird auch noch Fladenbrot verteilt. Nur wenn die Kinder ruhig sind, kriegen sie das Brot, sonst werden sie rausgeworfen. Das will keiner riskieren. An keinem anderen Ort, wo Kinder Schlange stehen müssen, ob in der Schule oder vor dem Bus, würden sie so ruhig warten. Aber der Hunger ist groß.

9- Die Tür zur Moschee ist geschlossen, nur das Ausgabefenster ist offen. Wer etwas bekommen hat, trägt es glücklich davon.

10- Das Mädchen freut sich, fotografiert zu werden, die Frau dagegen zieht es vor, nur den Inhalt des Topfs zu zeigen und selbst unerkannt zu bleiben. Auffällig ist, dass sie den Henkel des Topfs seitlich hält, eine reichlich unbequeme und instabile Form, einen Topf zu halten. Dies ist ein deutliches Indiz, dass die Frau nicht zufällig beim Tragen des Topfes fotografiert wurde, sondern das Foto in gewissem Sinn „gestellt“ ist. Auch der Karton, auf dem das Kind hockt, deutet darauf hin.

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