Iran: Die Karten werden neu gemischt

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist der iranische Präsident Ahmadineschad als Vertreter der Pasdaran an die Macht gekommen. Mit seiner Hilfe haben die iranischen Revolutionswächter (Pasdaran) ihre Stellung so weit ausgebaut, dass sie es versuchen konnten, sowohl die Macht der Basarhändler wie einiger wichtiger Geistlicher zu beschneiden. Die Folge davon ist, dass jetzt die Betroffenen versuchen, sich anzunähern, um die Angriffe der Pasdaran abzuwehren. Die sichtbare Zielscheibe in diesem Krieg der Heckenschützen ist Präsident Ahmadineschad.
So hält er sich für seinen nächsten UN-Auftritt derzeit in den USA auf. Bei dieser Gelegenheit gab er auch der bekannten Journalistin Christiane Aminpoor ein Interview.


Journalistin Christiane Aminpoor

Das Foto zeigt die Journalistin nicht in der typisch eingeschwärzten und devoten Haltung, die so manche Patriarchen gerne sähen. Für die iranische Tageszeitung Ressalat ein gefundenes Fressen. Ressalat wird von Asgar Ouladi betrieben und ist das Sprachrohr der Basarhändler und der Hesb-e Melal-e Eslami/Fedayan-e Eslam (Partei der islamischen Völker/Fedayin des Islam). Die Zeitung titelte am 30. Schahriwar (= 21.09.2010)


„Ahmadineschad zwischen Sakine und Christiane“

Dabei kritisierte sie nicht nur seine „unpassende“ Nähe zu einer Frau, die kein Kopftuch trägt, sondern meinte, Ahmadineschad sei der Frau in die Falle gegangen. So habe er auf ihre Frage zum Schicksal von Sakine Mohammadi Ashtian, die im Iran zum Tod durch Steinigung verurteilt wurde, geantwortet, der Fall werde in den Medien nicht richtig dargestellt, es sei noch gar keine Entscheidung zu diesem Fall ergangen. Ressalat wirft ihm vor, als Politiker ungeschickt und sachlich falsch reagiert zu haben. Er sei der zweite Mann im Staate, nicht der erste, und kenne offensichtlich seine Rolle nicht. Schließlich sei er als Präsident nicht kompetent, sich zu Fragen der Scharia und der Justiz zu äußern. Er hätte als geschickter Politiker auf die Gewaltenteilung hinweisen können, habe er aber nicht.


zwischen Sakine…


und Christiane

Was die Zeitung damit andeutet: Ahmadineschad hat erstens seine Zuständigkeit überschritten, zweitens hat er die Würde seines Amts beschmutzt, indem er sich zu einem Interview mit einer unverschleierten Frau herabließ, gegen die zudem ein behördliches Einreiseverbot in den Iran existiere. Zugleich macht die Zeitung damit auch ein Zugeständnis an die Ajatollahs, indem sie diesen das Recht für solche Entscheidungen zugesteht. Genau dieses Recht aber versucht die Regierung Ahmadineschad zu beschneiden und ignoriert auch Anweisungen von Ajatollah Chamene‘i, dem Religionsführer.

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