Iranische Nebelwirtschaft


Teheraner Basar

Schon seit längerem plant die Regierung unter Präsident Ahmadineschad, die Subventionen für wichtige Alltagsgüter im Iran aufzuheben, so dass für Brot, Speiseöl, Benzin etc. Preise bezahlt werden müssen, die sich den Preisen auf dem Weltmarkt nähern. Als Ausgleich hat Ahmadineschad eine Art von Sozialhilfe unter dem Namen Yarane („Freundschaftsgeld“) für die armen Familien versprochen, für diejenigen, die etwas besser dastehen, sollte die Hilfe geringer ausfallen, und die Reichen sollten leer ausgehen. So Ahmadineschads Reden. Da eine Aufhebung der Subventionen zu einem drastischen Anstieg der Preise auf den Märkten (den Basaren) führen würde, wollte Ahmadineschad diese Maßnahme zuerst versuchsweise in einzelnen Regionen durchführen, mit entsprechender Unterstützung durch Pasdaran und Polizei, die Proteste aus der Bevölkerung niederschlagen sollen. Aber angesichts der miserablen Wirtschaftslage wollte er erst die Zückerchen verteilen, und dann die Peitschenhiebe. Deshalb gab er bekannt, dass in ausgewählten Gebieten die Zahlungen des „Freundschaftsgelds“ auf die Konten bedürftiger Familien bereits getätigt wurden. Aber die Einschränkung wird gleich mitgeliefert. Die Nutznießer dieses bescheidenen Geldsegens dürfen das Geld nicht vom Konto abheben. Zu Recht schimpfen die Leute deshalb, das sei alles nur Augenwischerei. Ahmadineschad ziehe das Geld aus einer Tasche und stecke es sich in eine andere. Vorher war das Geld auf den Banken, und jetzt ist es weiter dort, das Volk hat nichts davon.

die Bäume wachsen nicht zum Himmel, der Polizeistaat schon…

Wobei das auch nicht ganz stimmt, denn etwas hat das Volk schon jetzt: eine vorweg genommene Inflation. Denn die Händler auf den Basaren wissen jetzt, dass das Geld ausgezahlt wurde, und irgendwann wird es ausgegeben werden. Wann weiß keiner, da gibt sich Ahmadineschad ganz geheimnistuerisch. Die Regierung werde die Streichung der Subventionen (und damit die Freigabe des Yarane) dann bekannt geben, wenn sie es für angebracht halte. Das führt dazu, dass die Händler die Waren lieber auf Lager halten für den Tag X, an dem die Preissteigerung kommt und folglich mehr Einnahmen für die selbe Ware zu erwarten sind.
Der Staat droht deshalb den Händlern, er werde die Lager stürmen, die Händler hätten kein Recht, Waren zu horten. Im gleichen Atemzug gibt der Staat aber bekannt, dass er Reis und andere Nahrungsmittel lagere, um diese am Tage X auf den Markt zu werfen und die Preise zu drücken. Wieso, fragen sich die Händler, darf der Staat Waren horten, und wir nicht?
Das Ergebnis ist, dass die Preise auf den Märkten steigen und dass niemand im Iran sein Kapital in Produktion investieren will, weil angesichts der nebulösen Regierungserklärungen kein Mensch weiß, was in nächster Zukunft zu erwarten ist.

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