Iran: Stolze Terroristen

Wenn von islamistischem Terror die Rede ist, empfiehlt es sich, genauer hinzuschauen, wer als Täter im Hintergrund steht. Es ist eine Sache, ob im Untergrund operierende Gruppen Anschläge vorbereiten, und eine andere, ob ein Staat, ein Regierungssystem, den Terror als Basis für seine Existenz betrachtet. Die Islamische Republik Iran ist ein solcher Staat, und den Machthabern stehen für ihre Zwecke jährliche Erdöleinnahmen in der Höhe von zig Milliarden Dollar zur Verfügung, sowie der ganze Staatsapparat, der den Terror planen und ausführen kann. Es gehört zur inneren Überzeugung der iranischen Staatsislamisten, dass es ihnen religiöse Verdienste einbringt, ihre Gegner zu ermorden. Im Inland hatten und haben sie dabei leichte Hand, wie sie mehrfach bewiesen haben. So bei den Massenverhaftungen nach Ausbruch des iranisch-irakischen Krieges 1980, bei dem großen Gefängnismassaker von 1968, bei den Serienmorden und den Überfällen auf Studenten Ende der 1990er Jahre.


Opfer von Serienmorden im Inland: Mohammad Mokhtari, Mohammad, Jafar Pouyandeh, Parvaneh Foruhar, Daryush Foruhar

Wann immer eine Gruppe von den Machthabern Abstand nimmt, gehört sie zu den nächsten Opfern des Regimes. Nach den Säuberungen unter Linken und Volksmudschahedin war es die islamische Studentenbewegung, dann kamen die islamischen Gewerkschafter dran, und jetzt die Anhänger und Vertreter voriger Regierungen der islamischen Republik. Schließlich ist Chomeinis ehemalige Premierminister Mirhossein Mussawi oder der ehemalige Parlamentspräsident Karubi einer von ihnen, einer von denen, die das „Grundgesetz“ der Islamischen Republik Iran unterstützen. Das war trotzdem kein Hindernis, nach den Wahlfälschungen von 2009 ihre Unterstützer ins Gefängnis zu werfen, zu foltern und zu ermorden. Selbst ein Cousin von Mussawi wurde von den Terroristen des iranischen Regimes auf offener Straße erschossen.

Die Politik der Vernichtung beschränkt sich freilich nicht aufs Inland. Ganz Europa wurde mit Hilfe von Terrornetzen, die unter dem Deckmantel der iranischen Botschaften ausgebreitet wurden, mit Anschlägen überzogen. Der jetzige Religionsführer Ajatollah Chamene‘i wurde vom Berliner Gericht, das den Mordanschlag auf iranische Kurdenführer in Berlin von 1991 zu verhandeln hatte, direkt als einer der Drahtzieher genannt.


Mordopfer im Ausland (Berlin): Sadegh Sharafkandi, Fattah Abdali, Homayoun Ardalan, Nouri Dehkordi

Wenn von einer Politik der Versöhnung und des Ausgleichs mit dem Islam die Rede ist, muss man sich daher stets bewusst machen, mit wem man den Frieden sucht. Es gibt genügend Muslime in Europa, die hier friedlich leben wollen und ihren Platz hier gefunden haben. Mit Vertretern von Systemen wie der Islamischen Republik Iran dagegen gibt es keinen Frieden, denn ihr Ziel ist Vernichtung des Gegners, nicht Aussöhnung. Wie es in ihren Köpfen tickt, sieht man am besten, wenn man sich die Äußerungen einiger ihrer Killer durchliest, die in der staatlichen iranischen Presse veröffentlicht werden.

Sie kennen keine Spur von Reue, wie man sehen kann, ihr Terror dient der „Guten Sache“, wie sie selbst finden.

Anis Naqasch (alias Anis Naccache), geb. 1948, aus Libanon

Anis Naqasch, in lateinischer Umschrift eher in der Version Anis Naccache geläufig, hatte die Aufgabe übernommen, Schapur Bachtijar, den letzten Ministerpräsident des Schahs, im Pariser Exil zu ermorden. Der Anschlag missglückte, worauf Anis Naqasch von der französischen Polizei verhaftet wurde. In der staatlichen iranischen Zeitung „Iran“ vom 22. Schahriwar 1389 (13.09.2010) berichtet Anis Naqasch von seinen Erfahrungen.
Als er in Haft war, wurde er von einem französischen Geheimdienstbeamten vernommen. Ihm erklärte er: „Stellen Sie sich vor, ich bin beim Geheimdienst und mein Vorgesetzter hat mir befohlen, Bachtijar umzubringen. Wie jeder andere Geheimdienstbeamte auf der Welt habe ich den Auftrag ausgeführt. Sie haben das ja auch in Algerien, der Schweiz etc. getan.“ Beim nächsten Mal habe ihn der Beamte mit: „Guten Tag, Kollege!“ begrüßt.

Anis Naqasch berichtet weiter: „Im Verhör habe ich dem Geheimdienstoffizier gegenüber betont, dass der Unterschied zwischen ihm und mir der ist, dass ich den Terroranschlag aufgrund meiner Überzeugung ausgeführt habe, während er überhaupt keine Überzeugung besitze und nur die Befehle seiner Vorgesetzten ausführe.“

Anis Naqasch betont: „Ich habe das Recht, den Islam zu verteidigen.“


Mordopfer im Ausland (Paris): Shapour Bakhtiar

Dann berichtet er, wie er den Anschlag vorbereitet habe, nachdem im Iran das Todesurteil gegen den ehemaligen Ministerpräsidenten ergangen war. Weil er mehr Erfahrung besaß, übernahm er die Vorbereitungen. Nach zwei Wochen hatte er die Lage in Paris ausgekundschaftet, die Wohnung von Schapur Bachtijar ausfindig gemacht und sogar einen Interview-Termin mit Bachtijar vereinbart. Der Mordplan war schon fertig, als sich der damalige Scharia-Richter Chalchali unvorsichtigerweise öffentlich geäußert habe, dass schon ein Hinrichtungskommando entsandt worden sei. Das führte dazu, dass Bachtijars Leibwachen verstärkt und sämtliche Termine gestrichen wurden, auch das geplante Interview mit Anis Naqasch, bei dem er eigentlich erschossen werden sollte. Anis Naqasch hatte sogar schon eine Schusswaffe mit Schalldämpfer.

Aufgrund seiner damals noch unzureichenden Erfahrung, wie er sagt, sei er aber zu vorschnell vorgegangen, und wollte das Attentat trotzdem mit dieser Waffe durchführen. Dazu war es nötig, wie er sagte, einige Polizisten zu erschießen, die die Haustür von Bachtijars Wohnung bewachten. Dann versuchte er, das Schloss aufzuschießen, wobei Anis Naqasch sich durch einige Querschläger selbst verletzte. Es sei ihm schließlich gelungen, in das Haus einzubrechen, aber nicht in den Raum, in dem Schapur Bachtijar sich befand. Erst später, auf der Gerichtsverhandlung, habe er erfahren, dass diese Tür mit schusssicherem Stahl gepanzert war, weshalb seine Versuche, sie aufzubrechen, erfolglos blieben.

Mohsen Rafiqdust, geb. 1940 in Teheran

Mohsen Rafiqdust, war ein Begründer der Pasdaran, Pasdaran-Minister und Direktor der Stiftung der Entrechteten, eines der größten Konzerne im Iran. Er erinnert sich an einen Vorfall, wie er zur Schahzeit einen Sawak-Beamten (Sawak = Geheimdienst des Schahs) auskundschaftete:

„Es war Abend und gerade dunkel geworden, als ich in der Saheb-Dscham-Straße ging. Ich sah, da kommt dieser Sawak-Beamte entgegen. Man sah schon, dass er betrunken war. Ich folgte ihm und fand heraus, dass sich sein Haus in der …straße befand. Ich sah ihn noch ein, zwei Male, dann nahm ich mir vor, ihm eine Lektion zu erteilen.

Allerdings kam er sehr unregelmäßig nach Hause. Meistens zwischen halb zehn und zehn Uhr nachts. Als ich einmal nach Maschhad zu Großajatollah Milani ging, berichtete ich ihm, was ich gesehen hatte und fragte: ‚Wenn so einer wie der in die Hände eines Scharia-Richters fällt, was passiert dann mit ihm?‘ Er antwortete: ‚Leute wie der müssen mit ihrem Blut bezahlen. Das sind Unterdrücker, sie sind die Diener der Unterdrückung und des Unrechts.‘ Später sprach ich auch noch den verstorbenen Ajatollah Mottahari darauf an. Und dann noch Ajatollah Mahdawi-Kani, der gottseidank noch am Leben ist (AdÜ: er ist der stellvertretende Vorsitzende des Expertenrats).

Möge Gott ihm ein langes Leben schenken.

Aus dem, was alle drei sagten, zog ich einen Schluss, nämlich, dass dieser Mann zu töten sei. Bei einem Treffen sprach ich den verstorbenen (Seyed Ali) Andarsgu an, der meinte: „Die Leute müssen alle umgebracht werden. Aber hütet euch, etwas zu tun, dass ihr deshalb gefasst werden könntet. Denn wenn wir schon geschnappt werden, dann soll es schon wegen was Wichtigerem sein. Möge dies Gottes Gefallen finden.“

Mohsen Rafiqdust schildert dann wie er im Dunkeln, als es heftig regnete, mit dem Knüppel in der Hand auf den Sawak-Beamten wartete.

Als der Sawak-Beamte aus dem Auto stieg und in sein Haus gehen wollte, zog ich ihm eins mit dem Knüppel über den Schädel. Er fiel hin. Ich schlug noch sieben oder acht Mal (mit dem Knüppel) auf seinen Kopf und stieß ihn dann in den Straßengraben. Am nächsten Morgen hieß es dann, dass in der Schusch-Straße ein Leichnam im Wasser gefunden worden sei. Möge Gott diese Gabe annehmen.“

(aus der Internet-Basis des Zentrums für Dokumente der Islamischen Revolution / Markaz-e Asnad-e Enqelab-e Eslami, 13. Chordad 1386, entsprechend dem 3. Juni 2007)

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