Iran: 16. Adhar – 7. Dezember / die Studenten schweigen nicht


Studentenproteste, 16. Adhar 1389 (7.12.2010), Ingenieurshochschule, Teheran

Vorgeschichte
Am 16. Adhar 1332 (Ende 1953) griffen die iranischen Sicherheitskräfte des Schahregimes die Universität von Teheran an, um die Studentenproteste auf dem Gelände der Universität zu unterdrücken. An der Technischen Hochschule wurden bei diesem Angriff drei bekannte Vertreter der Studentenbewegung ermordet. Es waren: Schariat Rasawi, Mohadess Qandschi und Bosorg Nija. Seit dieser Zeit begehen die Studentinnen und Studenten den 16. Adhar Jahr für Jahr als Gedenktag der Studentenbewegung. Dieses Andenken fand in der Öffentlichkeit statt, wenn die Umstände es zuließen, ansonsten im kleineren Kreise.

Und heute

- Am Vorabend des 16. Adhar fanden dieses Jahr u.a. an der Ingenieurshochschule in Teheran erste Kundgebungen zum Gedenktag der Studenten statt, die heute, den 7. Dezember 2010, an vielen iranischen Universitäten ihre Fortsetzung fanden. Natürlich versuchte auch der Staat, diesen Gedenktag für sich in Beschlag zu nehmen, aber mit mäßigem Erfolg.

- An der Universität Isfahan boykottierten die Studenten die staatlichen Reden. Stattdessen protestierten die Studenten an der Scharif-Universität, Amir-Kabir-Universität, an der Polytechnischen Hochschule in Teheran, an der Technischen Universität Sahand in Tabris, an der Chadsche-Nassir-Universität in Maschhad, an den Hochschule in Schiras und Qaswin.


Proteste am Polytechnikum in Teheran mit dem Lied „Yare Dabestani“ (Drei Freunde aus Grundschulzeiten)

- Die Uni in Arak war überraschend geschlossen, so dass die Studenten vor verschlossenen Toren standen, was sie aber nicht davon abhielt, an Ort und Stelle zu protestieren.

- Die Studentenproteste an der Universität Gilan (Nordiran) wurden mit einer verdeckt gehaltenen Kamera dokumentiert:

- Folgendes Video zeigt Bilder von einer flammende Rede, die an der Universität Sistan – Belutschistan gehalten wurde. Der Redner erinnert an die inhaftierten Studenten und fragt, weswegen sie inhaftiert wurden.

- An der Universität Hamedan versammelten sich StudentInnen und sangen Lieder, die an die Einheit auch in schweren Zeiten erinnern.


Studentenproteste an der Universität Hamedan

Einmal mehr zeigte die Studentenbewegung, dass sie sich nicht in den wissenschaftlichen Elfenbeinturm zurückzieht und die Probleme mit dem Mensa-Essen oder korrupten Universitätsrektoren ins Zentrum ihrer Forderungen stellt. Ganz im Gegenteil: Überall waren Lieder und Parolen zu hören, die das Ende der Diktatur forderten, die an die Solidarität der Studierenden appellierten, die eine Freilassung der politischen Gefangenen forderten und in Abwandlung der Lieder kurz vor dem Sturz des Schahs nun Ahmadineschad in der Rolle des Schahs einsetzten.
Es ist ermutigend, dass die Studentinnen und Studenten trotz der zahlreichen inhaftierten Schicksalsgenossen, trotz der staatlichen Drohungen und trotz der starken Präsenz der Bassidschi-Milizen und anderer Organe des Regimes weitermachen. Dies zeigt, dass die Protestbewegung lebt.

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