Archiv für Januar 2011

Die Rolle der Männer in Zivil im Iran und in Ägypten

Wie sich die Bilder doch gleichen! In Ländern wie Ägypten und Iran sehen wir im Verlauf der Auseinandersetzungen auf der Straße immer wieder Szenen, wo Männer in Zivil Hand in Hand mit den Sicherheitskräften Demonstranten verprügeln oder festnehmen. Offensichtlich müssen die Machthaber in jedem unterdrückerischen Regime dafür sorgen, daß der Eindruck entsteht als wären diese von oben organisierten Männer in Zivil selber ein Teil der Bevölkerung, und als würden sie -im Gegensatz zu den „gewalttätigen Demonstranten“ – für Recht und Ordnung eintreten. Doch sie unterliegen nicht den Gesetzen, sie können nicht vor Gericht gezogen werden, niemand kann diese Männer kontrollieren. Sie schlagen zu und töten und bleiben dabei unbekannt.

Nach dem Wahlbetrug im Iran und den darauf folgenden Massendemonstrationen wurden neben Iranern auch Libanesen und Iraker bei diesen Spezialkräften festgestellt. Die Grüne Bewegung konnte sie teilweise auf Fotos identifizieren. Im Iran handelt es sich zum einen um den im Iran verbliebenen Rest der „Sepahe Badr“ (Badr-Garde), die für den Einsatz im Irak ausgebildet worden war, und zum anderen um Libanesen, die bei den iranischen Pasdaran eine Ausbildung erhalten und in diesem Rahmen auch gegen Demonstranten eingesetzt werden.


Teheran 2009: Frauen befreien einen Genossen, der von Männern in Zivil angegriffen wird.


Kairo 2011: Männer in Zivil nehmen einen Demonstranten fest.

Teheran 2009: Die Waffen der Männer in Zivil sind Knüppel und Messer.


Kairo 2011: Diese Männer wollen nicht bei ihrer Arbeit fotografiert werden.


Teheran 2009: So funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Männern in Zivil.


Kairo 2011: Nicht nur Männer sondern auch Frauenund Kinder sind im Visier der Männer in Zivil.

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Tunesien: Ich bin frei. Mein Wort ist frei.


Frauen auf der Bühne in Tunesien

Dieses Video wurde am 14.01.2011 in Tunis gedreht und wird über youtube verbreitet. Es zeigt eine junge Frau, die mitten in einer Demonstration steht und ein Lied über die Freiheit singt.

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Iran – Teheran: Versammlung der Lockenköpfe im Nationalpark


In einem Land, in dem selbst das Filmen und Fotografieren mit Gefängnis bestraft wird, wenn das Gezeigte den Herrschern nicht gefällt, in dem jede Zeitung, jede Partei und jede Gewerkschaft von heute auf morgen verboten werden kann, in dem die Regierung im Namen des Islam die abartigsten Kleidervorschriften durchprügelt, ist selbst das Unpolitischste Ausdruck von Widerstand.

Wenn Bertold Brecht noch dichtete:
Wirklich, wir leben in finsteren Zeiten,
wo ein Gespräch über Bäume
fast ein Verbrechen ist,
weil es ein Schweigen
über so viele Untaten
einschließt

so ist in einem totalitären Regime die Botschaft ganz anders zu lesen. Wer über Bäume redet, obwohl die Herrschenden lieber über Kleidervorschriften, über amerikanische Spione und über Atomkraftwerke reden, der unterläuft schon ihren Machtanspruch.

Und so kam eine Gruppe von Menschen auf eine geniale Idee. Sie organisierten eine
„Versammlung der Lockenköpfe im Nationalpark (Parke Mellat) in Teheran“.
Schauen Sie selbst, hier der Link zu einem Video dieser Versammlung.
Da nicht auszuschließen ist, dass das Regime das Video von der Seite nehmen lässt, haben wir einige Szenen abkopiert.

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Chabahar – ein iranisches Kleinod der Natur

Chabahar ist eine im Südosten des Irans gelegene Hafenstadt in der Provinz Sistan Belutschistan. Aufgrund seines Status als Freihandelszone konnte diese Stadt an Bedeutung für den internationalen Handel gewinnen. Die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung sind Belutschen. Die Stadt selbst hat etwa 80.000 EinwohnerInnen, zusammen mit den sie umgebenden Dörfern sind es über 200.000 EinwohnerInnen.

In der Umgebung von Chabahar befindet sich eine rauhe Landschaft von großer Schönheit.

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In Gedanken bei Neda

Gestern, am 23.01.2011, haben viele Iranerinnen und Iraner, darunter viele Intellektuelle, sowohl im Iran als auch im Exil, den Geburtstag von Neda Agha-Soltan gefeiert.


Liebe Neda, dein Platz ist leer. In Erinnerung an Neda.

Am 20. Juni 2009 war Neda Agha-Soltan auf den Strassen von Teheran erschossen worden, während sie gegen den Wahlbetrug von Ahmadinejad demonstrierte. Die Nachricht verbreitete sich noch am gleichen Tag weltweit, nachdem ein Video über ihren Tod veröffentlicht wurde. Sie wurde zum Symbol der Demokratiebewegung im Iran.

In Gedanken bei Neda

Der Gott des Bösen hat
den Schießbefehl erteilt,
um dich
das Fürchten zu lehren.
Das sirrende Pfeifen
der Kugeln
hat das Blau des Himmels
zerrissen.
Aber du liebst die Freiheit
und stehst
fest wie der Damawand.
Da stand das Herz
der Welt
still.

Ali-Shirasi


Die Eltern von Neda, an ihrem Grab auf dem Friedhof von Südteheran

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Iran: 103 Hinrichtungen seit Beginn des Jahres 2011

Der Teheraner Staatsanwalt, Abbas Jafari Dolatabadi, hat heute bekannt gegeben, dass die zwei Gefangenen Jafar Kazemi und Mohammad Ali Haj Aghai hingerichtet worden sind. Beide sollen nach den Wahlen festgenommen worden sein. Sie waren angeblich Mitglieder der Volksmujahedin und hätten als Aufrührer agiert. Die Anklage lautete: Verteilen von Plakaten der Volksmujahedin sowie Fotografieren und Filmen der Unruhen nach den Wahlen.


Mohammad Ali Haj Aghai und Jafar Kazemi wurden hingerichtet

Die Frau von Kazemi hat der Internationalen Menschenrechtskampagne im Iran ein Interview gegeben, in der sie sagte, dass von beiden Gefangenen vor der Hinrichtung verlangt worden war, dass sie an einem Schauprozeß im Fernsehen teilnehmen. Beide hätten das abgelehnt. Letzten Dienstag sei es zu einer Scheinhinrichtung am Galgen gekommen. Unmittelbar danach wurde versucht, ihnen ein Geständnis abzuringen. Am Montag früh sei ihr Mann dann – ohne sie oder den Anwalt zu informieren – hingerichtet worden.


Vorbereitung einer Hinrichtung am Galgen

Die Frau beteuert, dass ihr Mann niemals ein Anhänger oder Mitglied der Volksmujahedin oder einer anderen Gruppierung gewesen sei. Nach den Wahlen hätte er, wie viele andere Menschen auch, auf den Demonstrationen fotografiert und gefilmt. Seine Hinrichtung sei heute um 16 Uhr gewesen. Es hätte keinen Grund gegeben ihren Mann hinzurichten. Sie sagte, dass nach der Verfassung, an die die Regierung selbst glaube, die Höchststrafe für Propaganda gegen die Islamische Republik Iran sich auf maximal 6 Jahre Haft belaufe.


Islamische Republik Iran – Judikative

Sie verlangte, dass der ganzen Welt berichtet wird, was die iranischen Machthaber für Mörder sind. Sie wollte wissen, wie lange die Politiker in der Welt noch Erklärungen abgeben wollen. Sie klagte, dass diejenigen, die ihren Mann hingerichtet haben, seine Leiche noch nicht herausgegeben hätten.

Neben diesen beiden Personen sind in Karaj und Teheran vier weitere unpolitische Personen hingerichtet worden.

Am 15.1.2011 war der Kurde Hossein Khezri hingerichtet worden.


Hossein Khezri

Allein im Januar 2011 hat die iranische Regierung bislang 103 Menschen hingerichtet.

Wie lange kann die iranische Regierung die Menschen im Iran noch mit Hinrichtungen in Schach halten?

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Chamene‘i, der mörderische Ajatollah


Qasem Soleymani in seiner Jugend
In der Anklageschrift der libanesischen Staatsanwaltschaft im Prozess gegen die Mörder des früheren libanesischen Premierministers Rafiq Hariri taucht der Name von Ajatollah Chamene‘i als Drahtzieher des Mordes auf. Demnach soll Ali Chamene‘i einer Einheit der iranischen Revolutionswächter (Pasdaran), der Sepah-e Qods, angeordnet haben, Rafiq Hariri zu ermorden. Die Führung des Mordanschlags soll der Pasdar-General Qasem Soleymani übernommen haben. Rafiq Hariri wurde am 14. Februar 2005 mit einer Autobombe ermordet.

Murid und Pir – der Mordgeselle und sein Lehrer (Ajatollah Chamene‘i)
Die Pasdaraneinheit Sepah-e Qods ist auch für die Ermordung iranischer Oppositioneller im Ausland zuständig. Sie rekrutiert die Attentäter auch im Libanon, in Afghanistan sowie unter Afghanen, Libanesen und Algeriern, die in Europa leben. Dabei scheut die Sepah-e Qods keine Kosten. Für den Attentäter und seine Familie werden Konten eingerichtet, von den die Angehörigen leben können, falls der Attentäter ums Leben kommt. Und für den Fall, dass eine Flucht in den Iran notwendig werden sollte, steht ihnen dort ein Haus und ein gesicherter Unterhalt zur Verfügung.

Pasdar-General Qasem Soleymani

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Slumviertel von Masjed Soleyman, Südiran

Masjed Soleyman (Masdsched Soleyman), ist eine Ölstadt der ersten Stunde im Iran. Sie liegt in der südlichen Provinz Khuzestan (Chusestan) und entstand, als vor rund 100 Jahren die Anglo-Persian Oil Company in dieser Gegend nach Erdöl suchte.


Ölförderung bei Masjed Soleyman, zu Beginn des letzten Jahrhunderts

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Alle 8 Stunden wird im Iran ein Mensch hingerichtet

Seit Beginn des Jahres 2011 ist alle 8 Stunden ein Mensch im Iran hingerichtet worden. Im Verlauf der letzten 15 Tage starben im Iran 47 Menschen bei einer Hinrichtung.

Am Samstag, den 15. Januar hat die iranische Regierung einen Kurden namens Hossein Khezri im Gefängnis von Urumiyeh hingerichtet. Sein Bruder sagte in einem Interview, dass die Regierung seine Familie darüber nicht informiert habe. Als er seinen Bruder einmal besucht hatte, teilte dieser ihm mit, dass er sehr stark gefoltert worden wäre. Das, was die Verhörbeamten von ihm verlangt hatten, habe er abgelehnt. Nach seiner Hinrichtung kam es in verschiedenen europäischen Ländern sowie in den USA und in Kanada zu Protesten vor iranischen Botschaften.


Protest nach der Hinrichtung von Hossein Khezri am 15.1.2011 in Los Angeles

Am 1. Januar hat die iranische Regierung 16 Menschen in Ahwaz hingerichtet, am 5. Januar einen Menschen in Asfrayen, am 8. Januar 8 Menschen in Qom, am darauf folgenden 9. Januar 7 Menschen in Teheran, am 12. Januar 12 Menschen in Khoramabad und am darauf folgenden Tag 2 Menschen in Borujerd.

Laut der Menschenrechtskampagne ist die tatsächlichen Zahl der Hinrichtungen noch höher als die hier genannten, öffentlich bekannt gemachten.

Aus verschiedenen verlässlichen Quellen wurde bekannt, dass es in den letzten Monaten in Maschhad zu mehreren Gruppenhinrichtungen mit insgesamt mindestens einhundert Menschen gekommen ist.

Aron Ghodz, Sprecher der Menschenrechtskampagne erklärte, dass Hinrichtungen als Politik zur Lösung der sozialen und politischen Probleme im Iran dermaßen zugenommen habe, dass das Leben der Menschen nicht mehr viel wert sei.

Mindestens 14 Kurden sind akut von einer Hinrichtung bedroht.

Die Internationale Menschenrechtskampagne im Iran fordert den sofortigen Stopp aller Hinrichtungen.

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Tunesien – ein Nachbeben der Grünen Bewegung im Iran?

In den letzten Tagen wurde seitens der Regierung ein Erlass herausgegeben, nach dem es sämtlichen Medien im Iran, egal ob Zeitschriften, Fernsehen, Radio oder Webseiten, verboten, frei über die Vorgänge in Tunesien zu berichten. Jede Nachricht muss genehmigt werden. Die staatliche Nachrichtenagentur IRNA veröffentlichte lediglich ein paar Sätze dahingehend, dass es einen Wechsel des tunesischen Staatspräsidenten gegeben hat. Genau solche Erlasse bestehen hinsichtlich der Berichterstattung über die Grüne Bewegung und Politiker wie Karroubi, Mussawi und andere bekannte Oppositionsführer im Ausland, kurz: über „die Aufrührer“.


Demonstrationen in Tunis, 27.12.2010


Festgenommene Milizen nach der Flucht des tunesischen Präsidenten

Nichtsdestotrotz ist der Umsturz in Tunesien DAS Gespräch auf der Straße, im Taxi oder in der Metro, beim Einkaufen, etc. Ständig werden die neuesten Nachrichten ausgetauscht und diskutiert. Die Menschen interessieren sich für die Fragen, wie es dazu kommen konnte, wie es weitergeht, warum Ben Ali gezwungen war, das Land zu verlassen. Und man fragt, warum man im Iran noch nicht dazu in der Lage war, einen Wechsel herbeizuführen. Die Studenten und Intellektuellen bezeichnen bei solchen Diskussionen die Grüne Bewegung im Iran als Erdbeben und das, was derzeit in Tunis zu beobachten ist, als ein Nachbeben ein.

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Korrektur: Anis Naqasch alias Anis Naccache


Anis Naqasch als Biedermann
Für die iranische Nachrichtenagentur Fars ist Anis Naqasch zum Spezialist für Fragen des Nahen Ostens avanciert, wie aus einem Interview hervorgeht, das die Agentur am 14.05.1989 veröffentlichte. Dies ist auch die Quelle für das Foto.

Im Artikel „Iran: Stolze Terroristen“ hatten wir auch über Anis Naqasch, den aus dem Libanon stammenden Attentäter gegen Schapur Bachtijar berichtet. Sein Geburtsdatum war in der ursprünglich veröffentlichten Version fälschlich mit 1969 angegeben, was bei Berücksichtigung des Zeitpunkts des Attentats im Jahr 1980 bedeutet hätte, dass er den Anschlag als 11-Jähriger verübt hätte. Das ist Unsinn. Tatsächlich ist er nach Angaben der französischen Webseite von Wikipedia zum Thema Anis Naccache 1949 geboren, was wir jetzt korrigiert haben. Er wird in der französischen Schreibung als Anis Naccache zitiert. Wer also Internetrecherchen betreibt, sollte es unter diesem Namen versuchen.

Und da war Anis Naqasch noch etwas jünger

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Iran: Elf Jahre Gefängnis für Nasrin Sotoudeh


Rechtsanwältin Nasrin Sotoudeh

Gestern, am 10. Januar 2011, wurde die iranische Rechtsanwältin Nasrin Sotoudeh, die zahlreiche politische Gefangene verteidigt hat, unter politischen Vorwürfen zu 11 Jahren Gefängnis und zusätzlich 20 Jahren Berufsverbot und ebenfalls 20 Jahren Ausreiseverbot verurteilt. Als sie während der Beugehaft einen Hunger- und Durststreik abhielt, suchte der Staatsanwalt sie in der Haft auf und forderte sie auf, ein Geständnis nach dem Wunsch der Verhörbeamten abzulegen, sonst könne er ihr garantieren, dass sie nicht unter zehn Jahren Gefängnis bekomme.
So viel Angst haben die Machthaber im Iran also vor Menschen, die ihre eigenen Gesetze kennen! Zahlreiche Organisationen fordern die Freilassungen der Anwältin. Zum Beispiel die FIDH (Internationale Föderation für Menschenrechte), Amnesty International und viele andere. Wer die Forderungen unterstützen will, kann auf den jeweiligen Webseiten weitere Hinweise finden.

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Krise im iranischen Industriesektor

Viele ArbeiterInnen im Iran sorgen sich um ihren Arbeitsplatz aufgrund der jüngsten Preissteigerungen und Inflation.

Ausstehende Löhne

Schon heute haben sie ein großes Problem: sie erhalten den ihnen zustehenden Monatslohn oft nicht oder nicht regelmäßig. Das gilt sowohl für die normalen Arbeitszeiten als auch für die Überstunden. Der Mindestlohn liegt bei 303.000 Toman (Erläuterung: ein Liter Benzin kostet ca. 700 Toman, ein Kilo Fleisch ca. 20.000 Toman und ein Laib Brot 300 Toman). Laut den offiziellen Nachrichtenagenturen und den Websites der Arbeiterorganisationen wird der Mindestlohn in vielen Betrieben nicht regelmäßig ausbezahlt und somit ebenfalls unterschritten. Die Nachrichtenagentur ILNA berichtet, dass Araya Hosseini, der Sprecher eines Arbeitervereins im Röhrenbau-Unternehmen Karchaneye Lulesazi Chuzestan, darauf hingewiesen habe, dass 500 bis 600 Arbeiter 18 Monate lang ihren Lohn nicht erhalten hätten. Ein Arbeiter des Unternehmens ergänzt, dass sie ohne ihren Lohn noch nicht mal ein Stück Brot kaufen könnten und dass das Leben für sie sehr schwierig geworden sei. Aus Sicht der Islamischen Republik möge das Problem vielleicht einfach erscheinen, doch sie wüssten nicht, wem sie dieses Problem schildern sollten.

Streiks

Wenn man die Berichte im ganzen Iran aufmerksam verfolgt, kann man jeden Tag über Arbeitsniederlegungen, Versammlungen von Arbeitern vor den Fabriken oder lokalen Parlamentsgebäuden und sogar von Streiks lesen. 3500 Arbeiter der reifenproduzierenden Fabrik Karchaneye Lastike Bares in Kermanshah, Südwestiran, streiken seit letztem Samstag, dem 8.01.2011, weil die Jahressonderzahlungen um 50.000 bis 200.000 Toman reduziert worden sind. Die Verträge zwischen Arbeitern und Unternehmern haben hier eine Laufzeit von gerade mal vier Wochen. Die Forderung der Arbeiter ist, dass ihre Verträge auf mindestens ein Jahr befristet werden. Der Leiter der Sicherheitskräfte drohte allerdings bereits mit dem Einsatz von Spezialeinheiten, falls der Streik nicht beendet würde.

Bis dato haben noch keine staatliche Medien oder lokale Zeitschriften auch nur ein Wort über diese Arbeitskämpfe berichtet.

Industriesektor am Ende

Ali Karemi, Sprecher des Arbeitervereins von Ghazvin, betont, dass 70% der Unternehmen in einem großen Industriegebiet in unmittelbarer Nachbarschaft von Ghazvin große wirtschaftliche Probleme haben. Und Sharif Hosseini, stellvertretender Leiter der iranischen Industriekommission, hat letzte Woche im Parlament deutlich gemacht, dass 23 wichtige Industrieeinheiten in Khuzestan bald aufgrund ihrer wirtschaftlichen Probleme geschlossen würden.

Die Firmen Sherkate Iranmaye (ein Chemieunternehmen in der Stadt Shariya, 40 km von Teheran entfernt), Karchaneye Motorcyclet Sazi (eine Motorradfabrik im Verwaltungsbezirk Koh Kiluye Va Boyrahmad) und Karchaneye Zobefelezat (eine Metallgießerei in Khoramdare) sind im letzten Monat Bankrott gegangen und geschlossen worden. Siebentausend große und kleine Unternehmen, Textilfabriken, Keramikhersteller, Holz- und Papierverarbeitende Unternehmen, Kupfer-, Blei und Aluminiumfabriken, Kachelhersteller, die Zucker-, Heizöl- und Chemiefirmen, Pharmaunternehmen, Glashersteller, Hersteller von Milchprodukten, etc., die nicht mehr aus eigener Kraft existieren konnten, haben im vergangenen Jahr einen staatlichen Kredit bekommen und konnten diesen bis heute nicht zurückzahlen. Der Stellvertreter des Industriebeauftragten im Parlament hat daher verlangt, dass ein Gesetzentwurf verabschiedet wird, der diesen Unternehmen verbietet, zu schließen.

Asis Akbarian, Mitglied der Industriekommission im iranischen Parlament, wies vor dem Parlament darauf hin, dass viele Fabriken wegen der schlechten wirtschaftlichen Situation ihre Waren nur noch in sehr geringer Qualität produzierten. Im Vergleich zu anderen Ländern seien die Preise zu hoch und damit nicht konkurrenzfähig. Wirtschaftsfachleute im Iran merkten an, dass viele Menschen, Anhänger der Regierung oder bestimmter Mullahs, sowie deren Kinder und Verwandte, von dieser Situation profitieren und versuchen, sie auszunutzen, indem sie Waren aus dem Ausland importieren. Neben diesen gesellschaftlichen Gruppen hätten nur noch die Revolutionswächter und die Geheimdienstmitglieder die Möglichkeit, ausländische Währungen zum offiziellen, staatlichen Kurs anzukaufen und damit aus dem Ausland importierte Waren zu realen Preisen im Inland zu verkaufen.

Die Website ‚Aftab‘, die Ali Akbar Hashemi Rafsanjani nahesteht, dem Vorsitzenden des Expertenrates und des Schlichtungsrates im Iran, schrieb, dass die jüngste Maßnahme von Ahmadinejad, die Subventionen zu kürzen, den Effekt habe, die Energiepreise im Verhältnis zum Rest der Welt dramatisch zu erhöhen. Der wichtige Industriesektor verbrauche 33% des im Iran hergestellten Stroms, 27% des geförderten Gases und 38% des Heizöls und würde aufgrund dieser Preissteigerung bald in eine große Krise geraten. Was, so fragt Aftab, wolle der Staat mit den ganzen Arbeitslosen machen, die dann auf der Straße stünden.

Entlassungen

Ein Kleinunternehmer aus Teheran hat letzte Woche geklagt, dass er vor den jüngsten Subventionskürzungen noch 20 Arbeiter zum Teil schon seit über 10 Jahren beschäftigt habe (die ihrerseits 110 Angehörige unterhalten!). Nun war er gezwungen, 15 von ihnen zu entlassen, und musste selbst wieder die Arbeitsmontur anzuziehen, um mit den verbliebenen 5 Arbeitern den Betrieb irgendwie am Laufen zu halten. Er sagt: „Herr Ahmadinejad, ich sage Ihnen, so ist die Situation in meinem Betrieb, und Leute wie mich finden Sie viele im Iran. Wir alle steuern auf einen Bankrott zu.“

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Flugzeugabsturz im Iran und Ursachenforschung


Am gestrigen Sonntag, den 9.01.2011, ist im Iran eine Boeing 727 abgestürzt. Sie befand sich mit über einhundert Passagieren an Bord auf dem Weg von Teheran nach Urumiye, Nordwestiran. Noch bevor Rettungskräfte eintrafen, half die lokale Bevölkerung vor Ort und versuchte, Verletzte zu bergen. Über 77 Menschen sind nach letzten Nachrichten gestorben, 27 weitere wurden verletzt, sechs davon schwer.

Das staatliche Fernsehen ließ die Angehörigen und die Öffentlichkeit lange im Ungewissen und brachte die Meldung über den Flugzeugabsturz und die Anzahl der Toten erst ca. 8 Stunden später, während ausländische Medien schon nach etwa einer Stunde berichteten.

Worüber sie nicht berichteten, war das, was im Iran allgemein bekannt ist: bei den iranischen Fluglinien kommen Flugzeuge aus amerikanischer Produktion zum Einsatz. Sie sind veraltet, werden schlecht gewartet und haben aufgrund jahrelanger Embargos Probleme bei der Versorgung mit Ersatzteilen. Diese Situation hat sich insbesondere nach den jüngsten Sanktionen seitens des Sicherheitsrates vom 9. Juni 2010 weiter verschärft, nachdem selbst aus Ländern wie der Türkei oder Pakistan die Ersatzteillieferung kaum noch möglich ist.

Eine SMS mit einem groben Scherz macht derzeit im Iran ihre Runde: Dort wird behauptet, dass der Pilot, und nur der Pilot, an dem Unglück Schuld sei, weil er es versäumt habe, ein Bild von Ahmadinejad im Cockpit aufzuhängen. (Anm.: Das verweist ironisch auf Ahmadinejads Lösung für alle Probleme: da er jederzeit vom 12. Imam Mahdi beschützt werde, gelte das auch für all diejenigen, die ein Bild von ihm, Ahmadinejad, mit sich trügen.)

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Neues Interview mit Ali Schirasi

Charlotte Hinze hat Ende Dezember 2010 ein Interview mit Ali Schirasi durchgeführt. Ali Schirasi geht auf die Stellung der Frau im Iran und die Potentiale der Grünen Bewegung ein.

Die Abschrift befindet sich hier:

Wie können internationale Akteure und Regierungen die Grüne Bewegung unterstützen?

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