Archiv für Februar 2011

Iran: die Kunst der Montage

Die Kunst der Montage: So wird aus einem ermordeten Oppositionellen ein Bassidschi gemacht.



Sane Zhale (Schale)

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Teheran: Die Mörder bilden den Leichenzug

Am 14. Februar 2011 (25. Bahman nach iranischem Kalender), als die Iraner zum Zeichen der Solidarität mit der Revolution in Ägypten und Tunesien auf die Straße gingen, wurden mindestens zwei Menschen von den Staatsorganen erschossen und allein in Teheran über 1500 Menschen verhaftet. Einer der beiden Toten ist Sane Zhale (Schale), ein Kurde aus Pawe, der an der Kunsthochschule in Teheran studierte. Der iranische Geheimdienst machte mit Hilfe einer Fotomontage aus dem erschossenen Kurden einen Bassidschi präsentierte einen angeblichen Bassidschi-Ausweis des Ermordeten, auf dem dieses montierte Foto zu sehen war. Diese „Beweise“ ließ der Geheimdienst den staatstreuen Medien zukommen, die daraufhin behaupteten, die demonstrierende Menge habe diesen „Bassidschi“ umgebracht. Die Spitzen der Pasdaran und der Bassidschis ließen es sich darauf nicht nehmen, zum Begräbnis des Ermordeten zu erscheinen, um dem oppositionellen Kurden nachträglich zu einer „Karriere“ in diesen Organen zu verhelfen. Die Studenten, die ihren Kollegen als Anhänger Mussawis und Ajatollah Montaseris kannten, protestierten heftig und wurden bei der Trauerfeier von den Staatskräften zusammengeschlagen.


Hier sieht man, wie die Handlanger der Mörder die Leiche des ermordeten Kurden tragen.

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Teheran: Nur eine Handvoll…


Der Polizeichef General Radan, berüchtigt als Folterer im Kahrisak-Gefängnis

Während der iranische Parlamentssprecher abfällig meinte, auf den Straßen Teherans habe nur eine Handvoll demonstriert und auch der Polizeichef Radan ins gleiche Horn blies, suchten die Angehörigen der Verhafteten heute das Ewin-Gefängnis in Teheran auf. Sie konnten eine Liste von 1500 Namen vorlegen, alles Menschen, die gestern – am 14.2.2011 – allein in Teheran verhaftet wurden.

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Iran: Auch das Parlament demonstriert


Abgeordnete, die Freunde des Henkers

Während in verschiedenen iranischen Städten am 14. Februar 2011 (25. Bahman) zahlreiche Menschen gegen das Regime protestierten, hat das iranische Parlament, das in den Händen der Pasdaran liegt, ebenfalls zu protestieren begonnen. Der Parlamentssprecher Laridschani war gerade am Sprechen, als er von den Abgeordneten unterbrochen wurde, die lauthals die Parole skandierten: „Karubi, Mussawi – Edam bayad gardad“. Karubi und Mussawi (die beiden Reformisten, die zu den Protesten aufgerufen hatten) müssen hingerichtet werden.

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Teheran: Spanischer Konsul 4 Stunden in Haft

Einmal mehr beweisen die iranischen Revolutionswächter und ihre Ajatollahs, dass ihnen geltende Gesetze und internationale Abkommen völlig gleichgültig sind. Am 14. Februar 2011 (dem 25. Bahman nach dem iranischen Kalender), machte der spanische Konsul Ignacio Pérez-Cambra zusammen mit dem spanischen Botschafter in Teheran einen Spaziergang durch die Revolutionsstraße (Chiyabane Enqelab). Dann begleitete er den Botschafter zu seiner Residenz und wurde vom Chauffeur des Botschafters zu seinem Büro gefahren. Kaum war er aus dem Auto ausgestiegen, wurde er von neun Beamten in Zivil umringt, die ihn zwangen, wieder ins Auto einzusteigen. Drei Polizisten stiegen dazu und nötigten den Chauffeur, zur Polizeiwache am Vali-Asr-Platz zu fahren. Den Hinweis des Konsuls, dass er diplomatischen Schutz nach des Wiener Abkommens genieße, ignorierten die Beamten. Auf der Fahrt zur Polizeiwache erhielt der Konsul mehrere Anrufe, u.a. von seiner Frau, die er von seiner Festnahme informieren konnte. Es gelang ihm noch, den spanischen Botschafter anzurufen und ihm Bescheid zu geben, dann wurde ihm verboten, das Handy weiter zu benutzen. Der Konsul wurde im vierten Stock der Wache eingesperrt, ebenso der Chauffeur, der bis dahin als Dolmetscher fungiert hatte. Als ein Oberst der Polizei den Konsul aufforderte, ihm das Handy zu geben, lehnte Ignacio Pérez-Cambra ab, wurde dann aber von einem grobschlächtigem Herrn bedroht, so dass er es vorzog, das Handy zu übergeben. Vorher setzte er aber ein Sicherheitsprogramm in Gang, das die Polizisten nicht knacken konnten, so dass sie dem Handy keine Informationen entnehmen konnten. Nach drei Stunden Inhaftierung erschien ein Protokollbeamter. Später wurde dem Diplomaten mitgeteilt, dass er gehen könne, aber die Polizisten weigerten sich, ihm das Handy herauszugeben. Darauf blieb der Konsul da und verhandelte solange, bis ihm das Handy wieder ausgehändigt wurde.
Das spanische Außenministerium hat den iranischen Botschafter in Madrid vorgeladen, um gegen die Behandlung zu protestieren. Die spanische Außenministerin Trinidad Jiménez hat der iranischen Regierung zwei Tage Zeit gegeben, sich für den Vofall zu entschuldigen.
Es wird sich zeigen, ob die Europäische Gemeinschaft ihren Namen wert ist und auch die anderen Regierungen scharf auf diese Rechtsverletzung reagieren werden oder ihre Geschäftchen mit den Herrschern vorziehen.

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Teheran im Feuer, Rauch und Steinhagel

Am 22. Bahman, also am 11. Februar 2011, war der 32. Jahrestag der iranischen Revolution von 1979. Das iranische Regime bemühte sich, seine Unterstützung unter der Bevölkerung unter Beweis zu stellen. Die Schüler wurden aus den Schulen geholt, die Amtspersonen mussten antanzen, und um das Volk zu locken, wurde an über 500 Punkten entlang der Demonstrationsroute in Teheran Essen verteilt. Ziel war der Meydane Asadi, der Freiheitsplatz, wo Präsident Ahmadineschad eine Rede vor der versammelten Menge halten wollte. Der Andrang hielt sich sehr in Grenzen, so dass die staatlichen Fotografen alle Mühe hatten, einen geeigneten Winkel für die Kamera zu finden, so dass die freien Flächen nicht sichtbar wurden.


Freiheitsplatz am 11. Februar 2011. Die Bühne von Ahmadineschad ist im Bild oben rechts zu erkennen. Wiederholt wurde von den Staatlichen Medien behauptet, dass sich hier mehrere Mio. Menschen versammelt hätten – offensichtlich ist das maßlos übertrieben.

Nur drei Tage später, am 25. Bahman, also am 14. Februar, hatten die Gallionsfiguren der Grünen Bewegung, Karubi und Mussawi, ebenfalls zu einer Kundgebung für die Revolution aufgerufen, allerdings für die in Ägypten und Tunesien. Das sollte eigentlich kein Problem sein, denn das iranische Regime redet ja ständig von seiner Unterstützung für den Befreiungskampf der Brudervölker. Aber so frei, dass man einfach seine Diktatoren stürzt, sollen die Leute auch nicht sein. Also wurde die beantragte Kundgebung in Teheran nicht erlaubt. Diesmal machten Karubi und Co. aber keinen Rückzieher. Sie erklärten, die Kundgebung werde friedlich sein und das Recht auf Versammlungsfreiheit sei in der iranischen Verfassung verankert. Die Regierung hätte lediglich für die Sicherheit der Demonstranten zu sorgen.

Die Regierung sah das anders: Sie stellte Karubi und Mussawi unter Hausarrest, schaltete Telephon, Handy usw. ab, und sorgte dafür, dass auch das Internet nur noch im Schneckentempo arbeitete.

Die ersten Zeichen des Protests waren schon in der Nacht zum Montag zu hören. Die Leute gingen auf die Dächer und riefen „Allahu akbar“, wie schon in den Protesten gegen den Wahlbetrug 2009. Und wieder kündigten die Graffitis mit den Parolen gegen das Regime die Proteste des kommenden Tages an.


25. Bahman – Tod dem Diktator- von Platz Imam Hossein bis Platz Azadi, 15 Uhr

In den Bussen und Metros grüßten sich die Leute mit den Worten: „Wir sehn uns morgen.“

Die erste Meldung vom Montag war die von einem jungen Mann, der auf einen Kran kletterte, die iranische Fahne mit der Aufschrift 25. Bahman hisste und ein Plakat mit dem vergrößerten Foto von vermutlich zwei Angehörigen aufstellte, über deren Schicksal momentan noch keine Informationen vorliegen. Die Aktion war spektakulär, aber offensichtlich eine Einzelaktion. Denn der Mann wurde bald von Polizisten verhaftet. Offensichtlich waren die anwesenden Zuschauer nicht willens oder nicht in der Lage, die Polizei daran zu hindern.


Aktion am 14.2.2011 in Teheran


Die iranische Fahne trägt die Aufschrift 25. Bahman

Die Regierung blieb derweilen nicht untätig. Die Zugänge zum zentralen Straßenzug vom Imam-Hossein-Platz bis zum Freiheitsplatz wurden mit Bassidschi-Kräften und Polizei gesperrt bzw. kontrolliert. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Menge noch einmal die zentrale Verkehrsachse Teherans besetzen könnte.


Polizeieinheiten auf dem Weg zum Kundgebungsplatz

Lediglich beim Studentenpark gelang es einer mehrtausendköpfigen Gruppe, zusammenzukommen, die versuchte, zum Freiheitsplatz zu marschieren. In vielen Nebenstraßen kamen Tausende und bis zu Zehntausende Demonstranten zusammen, die dann aber nicht weiter kamen. Die Mengen versuchten an mehreren Stellen, Plätze auf der Demonstrationsroute zu stürmen, konnten sich aber nicht gegen die staatlichen Kräfte durchsetzen.

An einer Kreuzung in der Nähe des Freiheitsplatzes war die Zahl der Protestierenden so angestiegen, dass die bewaffneten Organe erst Tränengas einsetzten, dann Luftschüsse abgaben, und schließlich auf die Menschen schossen.


Tränengasnebel in den Straßen von Teheran


14.02.2011 in Teheran: Iranische Polizei greift Demonstranten an

Einige Gruppen riefen: Mubarak, Ben Ali, noubate Seyyed Ali. (Erst Mubarak und Ben Ali, jetzt ist Seyyed Ali – also Ajatollah Chamene‘i an der Reihe).


„Mubarak, Ben Ali – noubate Seyyed Ali“


Ein Basidschi versucht den Demonstranten ihr Plakat zu entwenden und wird geschlagen


Das gleiche Plakat mit dem Konterfei von Khamenei in Flammen

Andere Gruppen an anderen Stellen gingen schweigend, was die Regierungskräfte verunsicherte. So beklagte sich jemand im Polizeifunk: „Die rufen leider gar keine Parolen, was sollen wir tun?“

Von der Daneschgahe Scharif, einer Universität, die nahe der Dschejhun-Straße liegt, setzte sich ein Zug demonstrierender Studenten in Bewegung, denen es gelang, bis zur Hauptroute vorzudringen, obwohl sie von Polizisten und Motorradfahrern wüst attackiert wurden.


Freiheit für die Politischen Gefangenen

Es gibt auch schon Berichte, dass zwei Personen von bewaffneten Motorradfahrern (Polizisten) erschossen wurden. Daraufhin packte sich die Menge eine Reihe von den Motorradfahrern, zog sie vom Fahrzeug und steckte ihr Motorrad in Brand.

Szenen von Straßenschlachten in Teheran:

Auch in Isfahan, Schiras, Kermanschah und Maschhad kam es zu Kundgebungen und Zusammenstößen mit der Polizei.

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Sponge Bob statt Chomeini


Der Lakai hält dem Herrn Ajatollah die Tür auf… (Szene aus dem neuen Film über Chomeinis Leben)

Die iranische Regierung scheut keine Mühe, die Menschen zu mobilisieren. So gab sie unlängst über 4 Milliarden Tuman (ca. 2,5 Millionen Euro) für einen Film unter dem Titel: Farsande Sobh (Sohn des Morgens) aus. Der Film sollte das Leben von Ajatollah Chomeini schildern, des Gründers der Islamischen Republik Iran, von dessen Vermächtnis die heutigen Machthaber wie auch ihre Konkurrenten an der Spitze der Grünen Bewegung zehren.
Jetzt lief der Film im Iran in den Kinos an.


So sah der Zuschauerraum zur Premiere nach der Hälfte des Films aus. Gähnende Leere.
Wahrscheinlich wären mehr sitzen geblieben, wenn ein Film mit Sponge Bob gezeigt worden wäre.

Sponge Bob statt Ajatollahs! Das ist das Erbe der islamischen Revolution.

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25. Bahman – Facebook im Iran

Im Iran gibt es einige wichtige öffentliche Daten:
Der 22. Bahman ist der 11. Februar. Dies ist der Tag, mit dem die Revolution im Iran vom 11. Februar 1979 begangen wird, die das Ende des Schahregimes besiegelte. Das islamistische Regime nutzt diesen Tag seither, um seine Macht zu demonstrieren, allerdings mit immer weniger Zulauf aus der Bevölkerung.
Der 25. Chordad ist der 15. Juni. Am 15. Juni 2009 fanden im Iran Massendemonstrationen gegen die Regierung und den Wahlbetrug statt, über 4 Millionen Menschen gingen allein in Teheran auf die Straße.
Wie berichtet, haben sich die nominellen Führer der Grünen Bewegung, Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi, nun den 25. Bahman als Datum auserkoren, um vom iranischen Innenministerium eine Erlaubnis für eine Demonstration zur Solidarität mit den Menschen in Ägypten und Tunesien zu erhalten.
Dieser Vorschlag fand in iranischen Facebook-Kreisen, auf iranischen Webseiten und Weblogs rasch Unterstützung. Immer mehr fordern gleichgesinnte Menschen auf, an diesem Tag in Teheran auf die Straße zu kommen, und zwar genau auf dem Abschnitt, an dem die Menschen am 15. Juni 2009 demonstrierten.

Dieses Foto ist das Logo dieser neuen Kundgebung. Die Hand trägt ein Schild: 25. Bahman. Auf dem roten Band ist der Text: Hamrah schou, asis! (Schließ dich an, mein Freund) zu lesen. Dies ist ein Zitat aus einem bekannten Lied des Sängers Schadscharijan, der mittlerweile nicht mehr im Iran auftreten darf. Der Text des Lieds lautet weiter: Wir haben alle ein gemeinsames Leid… – gemeint ist die islamistische Diktatur.

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Aufruf zur Solidaritätsdemonstration mit der tunesischen und ägyptischen Bevölkerung am 14.2.11 in Teheran


Mehdi Karubi, Mirhossein Mussawi

Die beiden Gallionsfiguren der Grünen Bewegung, Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi haben in einem Offenen Brief das iranische Innenministerium um Genehmigung für eine Demonstration in Teheran am kommenden Montag, den 14.02.2011, gebeten.

Das Motto der Demonstration ist die Solidarität des iranischen Bevölkerung mit dem Aufstand in der arabischen Welt gegen Diktaturen, ganz besonders in Tunesien und Ägypten. Die Demonstration soll um 15 Uhr beginnen und auf der Verbindungsstraße zwischen dem Imam Hossein – Platz und dem Freiheitsplatz stattfinden.

Auf vielen Websites der Grünen Bewegung wird zu dieser Demonstration aufgerufen. Die Menschen sollen ihre Solidarität zeigen und dazu massenhaft auf die Straße kommen.

Nach dem Wahlbetrug an den IranerInnen waren am 15. Juni 2009 auf dieser Strecke ca. 4 Millionen Menschen zur Demonstration für ihre Rechte zusammengekommen.

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Streiks in der Reifenfabrik Albors, in der Nähe von Teheran

Letzten Samstag und Sonntag streikten 1300 Arbeiter der Reifenfabrik Albors. Dieser Streik wurde nötig, nachdem die Forderungen des vorangegangenen Streiks im Dezember letzten Jahres nicht erfüllt worden waren.

Damals gab es einen Ausstand, weil die Löhne der letzten Monate nicht ausbezahlt worden waren. Die Arbeiter forderten damals, dass diese zurückliegenden Schulden beglichen und fortan die Löhne immer pünktlich gezahlt werden. Das wurde ihnen von der Direktion und einem Vertreter des Industrieministeriums auch so versprochen.

Doch das Versprechen wurde nicht gehalten. Nach Ablauf des Monats Januar steht fest, dass es wieder kein Geld gab.

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Streik der Taxifahrer in Babol, Nordiran

Mehr als eintausend Taxifahrer der Stadt Babol sind gestern, den 6.02.2011, vorübergehend in den Streik getreten. Grund war die jüngst abgebaute Subventionierung des Benzins bei gleichbleibenden Taxigebühren. Vor dem Abbau kostete ein Liter Benzin 100 Toman, jetzt zahlt man das Vierfache.

Über vier Stunden hinweg versammelten sie sich mit ihren Taxis vor dem Gebäude des Gouverneurs. Sie wurden sofort von den Sicherheitskräften angegangen und unter Druck gesetzt. Es kam zu Festnahmen und Verhören. Trotzdem gelang es den Sicherheitskräften nicht, die Versammlung aufzulösen.

Ein Vertreter des Gouverneurs trat vor die Menge der Demonstranten und versprach, dass die Probleme der Taxifahrer binnen einer Woche gelöst würden. Die Taxifahrer haben dies akzeptiert, aber gedroht, den Streik nächste Woche fortzusetzen, wenn bis dahin nichts geschehen ist.

Es wurden auch andere Forderungen aufgestellt. Einer der Demonstranten baute sich direkt vor einem Ordnungsbeamten auf und erklärte: „Machen Sie so weiter, unterdrücken Sie uns, töten Sie uns. Am Ende wird es hier im Iran so wie in Ägypten werden.“

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Tanz im Schnee und Stau im Iran

Ende Januar gab es im Iran ausgiebige Niederschläge, davon ein gut Teil auch in Form von Schnee. In höheren Lagen gab es erhebliche Behinderungen des Straßenverkehrs. So wie bei dieser Situation in der Nähe der Stadt Schiraz kam es immer wieder zu Staus, bei denen es nicht vor und nicht zurück ging.

Die jungen Leute nehmen es gelassen und nutzen die gewonnene Zeit zu einem heiteren Tänzchen zu Discomusik im Sonnenschein. Es tanzen ausschließlich die Männer, während die Frauen in ihren Autos bleiben. Offensichtlich sind sie recht geübt darin.

Es drängt sich die Frage auf, wo sie so tanzen gelernt haben. Seit 32 Jahren versucht die iranische Regierung den Iran zu islamisieren und nach der Scharia zu regulieren. Musik, als Ausdruck von Freude, ist unislamisch und verboten. Erst neulich hat die Regierung erklärt, dass selbst bei Hochzeiten oder anderen Festen keine Musik gespielt werden darf. Die Musikschulen sind geschlossen, viele Musiklehrerinnen und -lehrer sind arbeitslos. Trotzdem findet all dies weiter im Untegrund statt: Bands spielen weiter im Verborgenen, Diskos werden im westlichen Stil organisiert und die MusiklehrerInnen geben Privatunterricht. Das beantwortet ein wenig die Frage, warum die jungen Männer so schön tanzen können. Wenn die Mädchen und Frauen tanzen, ist es sogar ein wahrer Augenschmaus.

Am schönsten ist es jedoch, wenn auch junge Männer und Frauen miteinander und ungezwungen in der Öffentlichkeit tanzen können – auch das kommt im Iran durchaus vor (z.B. bei Hochzeiten und Festen), selbst wenn es verboten ist und danach zu Festnahmen kommt.


Mitten im verschneiten Gebirge stehen die Autos im Stau.


„Auch du, mein Freund, kannst tanzen.“


Ohne Angst vor der Scharia und der Sitten-Polizei


Diese junge Generation interessiert sich nicht für die Scharia sondern will leben.


Vielleicht 30 junge Menschen finden sich spontan zusammen.

Das ganze Video zum Anschauen.

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Die Armee in Ägypten – und im Iran?


Ägyptischer Soldat auf Panzer vor Demonstranten

Die Ereignisse in Ägypten werfen die Frage auf, warum die Massendemonstrationen im Iran nach der Wahlfälschung im Juni 2009 nicht ebenso erfolgreich verliefen wie sie jetzt in Ägypten voranzuschreiten scheinen.
Ein wesentlicher Punkt sowohl beim Sturz Ben Alis in Tunesien wie auch beim jetzigen Aufstand der Ägypter gegen Mubarak besteht darin, dass die Armee sich nicht auf die Seite des Diktators gestellt hat. Vielmehr hat die Armeeführung Ägyptens am 31. Januar 2011 bekannt gegeben, dass sie nicht auf friedlich demonstrierendes Volk schießen werde.
Im Iran war das anders. Schon Monate vor dem Wahlbetrug hat Ahmadineschad aufgerüstet und Sondereinsatzkräfte in den Großstädten aufmarschieren lassen, um zu zeigen, dass die Revolutionswächter für den Tag X gerüstet sind. Und genau das ist der Unterschied. Im Iran gibt es zwar eine Armee, aber genauso, wie Adolf Hitler nach der Machtergreifung die SA und SS ausgebaut hat, um eine ideologisch treue Truppe zu haben, hat Chomeini nach seiner Machtergreifung im Februar 1979 eine bewaffnete Parallelstruktur aufgebaut – die Pasdaran, also die Revolutionswächter. Es sind die Pasdaran und die ihnen unterstellten Bassidschi-Milizen, die gegen das demonstrierende Volk im Iran eingesetzt wurden, nicht die Armee.

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Vor wem fürchten sich die iranischen Reformisten?


Millionendemonstration in Kairo, 1. Februar 2011

Der Sturz des tunesischen Diktators und der Aufstand in Ägypten wird im Iran mit großem Interesse verfolgt. Wie stehen nun die Köpfe der „Grünen Bewegung“, Mirhossein Mussawi und Karubi, zu diesen Ereignissen, was haben die beiden im Iran dazu zu sagen? Während alle Kräfte in Ägypten sich einig sind, die parteilose Jugend ebenso wie die Reformkräfte, dass Präsident Mubarak abtreten muss und das Land verlassen soll, sind dergleichen Worte nicht aus dem Munde von Mussawi oder Karubi zu hören. Sie beschränken sich darauf, den Herrschern nahezulegen, eine Lehre aus den Ereignissen in Ägypten zu ziehen und den Weg des Ausgleichs zu suchen, damit sie nicht so enden wie die arabischen Herrscher. Kein Wort davon, dass Ajatollah Chamene‘i zurücktreten und Ahmadineschads Pasdaran-Regierung die Macht abgeben soll.
Der Grund ist einfach: Diese „Reformer“ wollen das Modell der Islamischen Republik samt ihrer islamistischen Verfassung retten und nicht stürzen. Deswegen suchen sie im Zweifelsfall nicht Unterstützung beim Volk, sondern bei Ihresgleichen.


Freiheitsplatz in Kairo, 1. Februar 2011

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Demonstration, Aufstand und Revolution in der Arabischen Welt und ihre Wirkung im Iran

Es sieht so aus, als hätte der iranische Aufstand stattgefunden und nun blieben die Menschen wieder zu Hause. Wenn man jedoch den Vorhang beiseite zieht und die iranische Gesellschaft genauer betrachtet, stellt man fest, dass sowohl oben bei den Machthabern als auch unten bei der Bevölkerung viel in Bewegung ist.


Teheran nach den Wahlbetrug bei den Präsidentschaftswahlen 2009

Oben zieht sich ein tiefer Riß durch die verschiedenen Fraktionen der Herrschenden: Ahmadinejad kämpft gegen den Rat für das Staatsinteresse (Shoraye-Maslehate-Nezam) und umgekehrt. Das Parlament gegen Ahmadinejad und er wieder gegen das Parlament. Die Leute in unmittelbarer Nähe zu Chamenei gegen Ahmadinejad. Ahmadinejad versucht sich, gestützt auf die Revolutionswächter, gegen die anderen Fraktionen durchzusetzten. Wer die iranischen Medien genau liest, kann feststellen, wie diese Kämpfe an Intensität zunehmen. Seit etwa einem Monat bis zu einem Zeitpunkt kurz vor der tunesischen Revolution wurden sie sogar vermehrt in der Öffentlichkeit ausgetragen.


Massendemonstration in Tunesien

Die Bevölkerung trifft sich dagegen nicht mehr öffentlich um auf der Straße zu protestieren sondern bei vielfältigen Gelegenheiten in privatem Kontext, bei Familienfeiern, beim Abendessen, bei Gedichtabenden, Gebetsritualen, Hochzeiten, etc. und diskutiert darüber, wie man das Regime loswerden kann. Dazu gehören auch Treffen im Untergrund von Intellektuellen, Studentinnen und Studenten, politischen Gruppen etc. Auch früher sich feindselig gegenüber stehende Gruppen wie ehemalige Anhänger der Monarchisten, der Volksmujahedin, der Volksfedayin oder von anderen linken Gruppen sitzen heute an einem Tisch – eine völlig neue Qualität. Berichte über plötzliche Festnahmen von allen Teilnehmern eines Untergrund-Konzerts, eines privat organisierten Theaterstücks oder von ganzen Hochzeitsgesellschaften geben eine Ahnung davon.


Das Konterfei von Mubarak wird entfernt

Während oben geklagt wird, dass viel zu viele Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fraktionen der Machthaber öffentlich ausgetragen werden und man vermehrt appelliert, zu internen Debatten zurückzukehren oder einfach nur still zu sein, ist es auf der Straße ganz und gar nicht ganz still, im Gegenteil. Überall, an jeder Straßenecke, im Bus, bei der Arbeit oder beim Bäcker hört man Gespräche über die tunesische Revolution und den Aufstand in Ägypten. Es wird gleich bei der Begrüßung nach den neuesten Informationen gefragt.


Massendemonstrationen in Ägypten im Januar 2011

Die Machthaber haben ebenfalls ein großes Interesse an Informationen über die aktuellen Vorgänge in der Arabischen Welt. Doch jede Fraktion interpretiert sie anders, ganz nach ihrem Geschmack und biegt sich die Wahrheit jeweils zurecht. Die Ahmadinejad nahe stehende Nachrichtenagentur IRNA berichtete z.B., dass die Menschen auf der Straße die Geschäfte anzündeten und plünderten und da Mubarak die Kontrolle nicht habe wiederherstellen können, israelische Spezialeinheiten angefordert werden mussten, die die Menschen auf der Straßen von Kairo und Alexandria schlügen und festnähmen. Folgerichtig mobilisierte Ahmadinejad gestern, den 30.01.2011, seine Anhänger vor die ägyptische Botschaft in Teheran und liess sie Sprüche wie „Mubarak, Mubarak, steig runter von deinem Thron“ rufen.

Sowohl Ahmadinejad und seine Anhänger als auch andere Fraktionen betonen in den Medien oder beim Freitagsgebet immer wieder, dass die Tunesier und die Ägypter von der Islamischen Revolution des Jahres 1979 gelernt hätten, wenngleich mit einer Verspätung von 30 Jahren. Es heisst dann im gleichen Atemzug, dass sich bald ein islamisches Modell in Tunesien, in Ägypten und in der gesamten Arabischen Welt durchsetzen würde, so wie das islamische Modell einst im Iran.

Verdächtig ist auch das Versprechen Ahmadinejads im Parlament und in Interviews über das derzeit in allen Medien berichtet wird. Es lautet, dass die derzeitige Phase der rasant steigenden Preise in Kürze, genauer gesagt am 21.03.2011 (Avale Farvardin), dem Tag des Neujahrsfestes, vorbei sei und dass danach die Preise wieder fallen würden. Es kann nur einen Grund für dieses unhaltbare Versprechen geben: die Machthaber im Iran fürchten sich vor einem Aufstand im Iran. Jeder Iraner und jede Iranerin im Iran weiss, ohne ein Experte für Ökonomie zu sein, dass das nicht der Fall sein wird, sondern die Preise weiter steigen werden. Es sei denn, die Subventionskürzungen werden wieder zurückgenommen.

Wie lange dauert es noch, bis der iranische Vulkan wieder ausbricht?

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