Teheran im Feuer, Rauch und Steinhagel

Am 22. Bahman, also am 11. Februar 2011, war der 32. Jahrestag der iranischen Revolution von 1979. Das iranische Regime bemühte sich, seine Unterstützung unter der Bevölkerung unter Beweis zu stellen. Die Schüler wurden aus den Schulen geholt, die Amtspersonen mussten antanzen, und um das Volk zu locken, wurde an über 500 Punkten entlang der Demonstrationsroute in Teheran Essen verteilt. Ziel war der Meydane Asadi, der Freiheitsplatz, wo Präsident Ahmadineschad eine Rede vor der versammelten Menge halten wollte. Der Andrang hielt sich sehr in Grenzen, so dass die staatlichen Fotografen alle Mühe hatten, einen geeigneten Winkel für die Kamera zu finden, so dass die freien Flächen nicht sichtbar wurden.


Freiheitsplatz am 11. Februar 2011. Die Bühne von Ahmadineschad ist im Bild oben rechts zu erkennen. Wiederholt wurde von den Staatlichen Medien behauptet, dass sich hier mehrere Mio. Menschen versammelt hätten – offensichtlich ist das maßlos übertrieben.

Nur drei Tage später, am 25. Bahman, also am 14. Februar, hatten die Gallionsfiguren der Grünen Bewegung, Karubi und Mussawi, ebenfalls zu einer Kundgebung für die Revolution aufgerufen, allerdings für die in Ägypten und Tunesien. Das sollte eigentlich kein Problem sein, denn das iranische Regime redet ja ständig von seiner Unterstützung für den Befreiungskampf der Brudervölker. Aber so frei, dass man einfach seine Diktatoren stürzt, sollen die Leute auch nicht sein. Also wurde die beantragte Kundgebung in Teheran nicht erlaubt. Diesmal machten Karubi und Co. aber keinen Rückzieher. Sie erklärten, die Kundgebung werde friedlich sein und das Recht auf Versammlungsfreiheit sei in der iranischen Verfassung verankert. Die Regierung hätte lediglich für die Sicherheit der Demonstranten zu sorgen.

Die Regierung sah das anders: Sie stellte Karubi und Mussawi unter Hausarrest, schaltete Telephon, Handy usw. ab, und sorgte dafür, dass auch das Internet nur noch im Schneckentempo arbeitete.

Die ersten Zeichen des Protests waren schon in der Nacht zum Montag zu hören. Die Leute gingen auf die Dächer und riefen „Allahu akbar“, wie schon in den Protesten gegen den Wahlbetrug 2009. Und wieder kündigten die Graffitis mit den Parolen gegen das Regime die Proteste des kommenden Tages an.


25. Bahman – Tod dem Diktator- von Platz Imam Hossein bis Platz Azadi, 15 Uhr

In den Bussen und Metros grüßten sich die Leute mit den Worten: „Wir sehn uns morgen.“

Die erste Meldung vom Montag war die von einem jungen Mann, der auf einen Kran kletterte, die iranische Fahne mit der Aufschrift 25. Bahman hisste und ein Plakat mit dem vergrößerten Foto von vermutlich zwei Angehörigen aufstellte, über deren Schicksal momentan noch keine Informationen vorliegen. Die Aktion war spektakulär, aber offensichtlich eine Einzelaktion. Denn der Mann wurde bald von Polizisten verhaftet. Offensichtlich waren die anwesenden Zuschauer nicht willens oder nicht in der Lage, die Polizei daran zu hindern.


Aktion am 14.2.2011 in Teheran


Die iranische Fahne trägt die Aufschrift 25. Bahman

Die Regierung blieb derweilen nicht untätig. Die Zugänge zum zentralen Straßenzug vom Imam-Hossein-Platz bis zum Freiheitsplatz wurden mit Bassidschi-Kräften und Polizei gesperrt bzw. kontrolliert. Dadurch sollte verhindert werden, dass die Menge noch einmal die zentrale Verkehrsachse Teherans besetzen könnte.


Polizeieinheiten auf dem Weg zum Kundgebungsplatz

Lediglich beim Studentenpark gelang es einer mehrtausendköpfigen Gruppe, zusammenzukommen, die versuchte, zum Freiheitsplatz zu marschieren. In vielen Nebenstraßen kamen Tausende und bis zu Zehntausende Demonstranten zusammen, die dann aber nicht weiter kamen. Die Mengen versuchten an mehreren Stellen, Plätze auf der Demonstrationsroute zu stürmen, konnten sich aber nicht gegen die staatlichen Kräfte durchsetzen.

An einer Kreuzung in der Nähe des Freiheitsplatzes war die Zahl der Protestierenden so angestiegen, dass die bewaffneten Organe erst Tränengas einsetzten, dann Luftschüsse abgaben, und schließlich auf die Menschen schossen.


Tränengasnebel in den Straßen von Teheran


14.02.2011 in Teheran: Iranische Polizei greift Demonstranten an

Einige Gruppen riefen: Mubarak, Ben Ali, noubate Seyyed Ali. (Erst Mubarak und Ben Ali, jetzt ist Seyyed Ali – also Ajatollah Chamene‘i an der Reihe).


„Mubarak, Ben Ali – noubate Seyyed Ali“


Ein Basidschi versucht den Demonstranten ihr Plakat zu entwenden und wird geschlagen


Das gleiche Plakat mit dem Konterfei von Khamenei in Flammen

Andere Gruppen an anderen Stellen gingen schweigend, was die Regierungskräfte verunsicherte. So beklagte sich jemand im Polizeifunk: „Die rufen leider gar keine Parolen, was sollen wir tun?“

Von der Daneschgahe Scharif, einer Universität, die nahe der Dschejhun-Straße liegt, setzte sich ein Zug demonstrierender Studenten in Bewegung, denen es gelang, bis zur Hauptroute vorzudringen, obwohl sie von Polizisten und Motorradfahrern wüst attackiert wurden.


Freiheit für die Politischen Gefangenen

Es gibt auch schon Berichte, dass zwei Personen von bewaffneten Motorradfahrern (Polizisten) erschossen wurden. Daraufhin packte sich die Menge eine Reihe von den Motorradfahrern, zog sie vom Fahrzeug und steckte ihr Motorrad in Brand.

Szenen von Straßenschlachten in Teheran:

Auch in Isfahan, Schiras, Kermanschah und Maschhad kam es zu Kundgebungen und Zusammenstößen mit der Polizei.

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