Iran: Die Ingenieure der Revolution am Werk

Iran: Die Ingenieure der Revolution am Werk
Die jüngsten Nachrichten aus dem Iran scheinen von einer Verschärfung der politischen Lage zu künden. Selbst derart gemäßigte „Oppositionelle“ wie Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi wurden verhaftet, obwohl sie stets betonen, dass die islamische Verfassung erhalten bleiben soll.
Was soll das bedeuten? Es ist klar, der Sturz von Präsident Ben Ali, von Präsident Mubarak, der Aufstand gegen Ghadhafi – bedeutet auch den iranischen Machthabern, dass ihre Tage gezählt sein könnten.

Die Buchhalter der Macht
Verschiedene Analytiker deuten die Verhaftung der beiden Reformisten und ihrer Ehefrauen so, dass Ajatollah Chamene‘i und Ahmadineschad sich fürchten, dass die beiden nun zu Sprechern der Opposition werden, dass die Menschen wie am 25. Bahman (14. Februar) auf die Straße gehen, wenn die beiden dazu aufrufen, und so die Macht allmählich in deren Hände übergehen könnte. In dieser Sichtweise ist der Schaden, der sich aus einer Inhaftierung ergeben könnte – Massenproteste, die den Funken der Revolution auslösen könnten, geringer als abzuwarten, bis Mussawi und Karubi sich als Führer der Unzufriedenen etabliert haben. Sie einzusperren bedeutet, ihren Kontakt zur Außenwelt zu kappen, dann können sie nichts mehr anrichten.

Den Sprengsatz entschärfen
Die gleichen Ereignissen können aber auch ganz anders gelesen werden. Gerade weil die Machthaber im Iran erkannt haben, dass ihr Ende gekommen ist, versuchen sie jetzt, die explosive Unzufriedenheit unter kontrollierten Bedingungen zu entschärfen. Das Regime soll eine neue Fassade bekommen, damit die Mörder und Täter von heute dort morgen ihren „wohlverdienten Ruhestand“ genießen können. Diese Art von Wechsel ist mit der echten Opposition nicht zu haben. Ganz anders die Reformisten. Sie wollen die islamische Republik am Leben erhalten und sind es zufrieden, wenn sie die Macht übernehmen dürfen. Damit das Volk also nicht eigenmächtig den Weg sucht, der es in die Freiheit führt, wird jetzt eine Alternative geschaffen. Mussawi und Karubi in Haft, und das Volk demonstriert jeden Dienstag, bis sie freigelassen werden. So sind die Richtigen im Blickpunkt, während Menschen wie der Gewerkschafter Osanlu, die Anwältin Nasrin Sotude im Gefängnis in Vergessenheit geraten und nicht einmal ins Krankenhaus gebracht werden, wenn sie an den Folgen der Haft erkranken. Die Reformisten dagegen, die zu ihresgleichen zählen, bekommen sogar Hafturlaub, wenn in der Verwandtschaft ein Hochzeit gefeiert wird.

Der Revolutionsrat im Ausland
Um dem Übergang von einer Regierung der Wölfe zu einer Regierung der Hyänen Glaubwürdigkeit zu verleihen, hat die Regierung sich etwas einfallen lassen. So wurde jetzt im Ausland der „Koordinationsrat des Grünen Weges der Hoffnung“ (Shoura-ye Hamahangi-ye Rah-e Sabz-e Omid) gebildet, der im Ausland im Namen Mussawis und Karubis Erklärungen abgibt, das Volk im Iran zu Dienstagsdemonstrationen aufruft und ihnen auch gleich vorgibt, welche Parolen sie rufen sollen. „Nieder mit der Diktatur“ oder „Freilassung aller politischen Gefangenen“ kommt dabei nicht vor. Wenn die Pasdaran nun wie heute verstärkt die Bassidschi vorschicken und sich vornehm zurückhalten, wenn mehr Tränengas als scharfe Munition eingesetzt werden, wenn die Festgenommenen nach zwei Tagen wieder auf freiem Fuß sind, dann ist das für das Volk ein Signal, dass sie sich nicht fürchten müssen. Und es werden mehr demonstrieren, bis Mussawi und Karubi frei sind und den Übergang einleiten, den die Machthaber wünschen, nicht das Volk. Das Kalkül ist nicht ganz risikofrei, denn ein Teil der Demonstrierenden hat auch heute (10. Esfand = 1.3.2011) gezeigt, dass sie keine Zensoren aus dem Ausland brauchen können und sich nicht mehr mit einem Molla-Regime abfinden wollen. Es ist abzusehen, dass die Weitsichtigen auf lange Zeit hinter Gittern verschwinden werden oder umgebracht werden, damit die Wünsche der Machthaber in Erfüllung gehen. Und trotzdem, sie können sich verrechnen. Inschallah!

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