Iran: Anleitung zur Zerstörung einer Volkswirtschaft


Asgar Dschalalian, iranischer Parlamentsabgeordneter der Region um Buschehr

Während die ganze Welt vom Atomkraftwerk in Buschehr berichtet, mit dem die iranischen Machthaber ins atomare Wettrüsten einsteigen wollen, haben die Menschen vor Ort ganz andere Sorgen.
So empört sich der Abgeordnete Asgar Dschalalian, Mitglied der Energiekommission des iranischen Parlaments und Vertreter der Gemeinden Deyr und Kangan (in der Umgebung von Buschehr), dass die jüngste Preiserhöhung für Diesel und Benzin in der Region Buschehr 100.000 Fischer arbeitslos gemacht hat. Die Fischer können sich den Treibstoff für ihre Bootsmotoren nicht mehr leisten. Da die Küste vor Buschehr fischreich ist, gehört der Beruf des Fischers dort zu einer der wichtigen Möglichkeiten, den Unterhalt einer Familie zu sichern.
Der Abgeordnete Asgar Dschalalian kritisiert, dass das Gesetz zur Abschaffung der Subventionen regional flexibel angewandt werden sollte, streift aber das eigentliche Drama, das sich im Hintergrund abspielt, nur am Rande. Er berichtet nämlich auch, dass die wenigen Fischer, die sich bei den hohen Treibstoffpreisen trotzdem aufs Meer wagen, auf ihren Fischen sitzen bleiben. Weshalb? Weil der Markt von Buschehr plötzlich mit Import-Fischen aus Neuseeland überschwemmt wird. Es ist klar, dass bestimmte Pasdar-Kreise in der Region sich dieses Importprivileg teuer von den Händlern bezahlen lassen, aber das würde der Parlamentsabgeordnete nie offen sagen.

Seehecht – Fischfilet aus Neuseeland im Iran auf dem Markt
Wer steht hinter der Firma Yanas, die diese Ware vertreibt?

Und es ist auch klar, welche Taktik dahinter steht. Würde die Regierung einfach nur die Benzin- und Dieselpreise erhöhen, könnten die verbliebenen Fischer ihre Ware teurer verkaufen, da es weniger Anbieter gibt. Dann würden aber die Preise für ein wichtiges Nahrungsmittel in der Region spürbar steigen und die übrige Bevölkerung würde unzufrieden. Also setzt die Regierung auf billige Importe. Diese Politik hat sie zuvor schon in der Landwirtschaft (Import von Kartoffeln, Reis) und in der Industrie (Import von Plastikwaren aus China etc.) praktiziert, mit dem Erfolg, dass Arbeitsplätze im Iran immer rarer werden, obwohl die Bevölkerungszahl ständig steigt und 42 Millionen Iraner unter 30 Jahren alt sind.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email