Teheran: der Tod eines Fußballstars


Im Asadi-Sportstadion

Die Unterdrückung geht weiter, der Protest auch
Für den iranischen Fußballstar Nasser Hedschasi, der am Sonntag gestorben ist, fand heute Morgen die Trauerprozession statt. Ursprünglich wollte die Regierung keine öffentliche Trauerprozession zulassen. Darauf erklärten die Angehörigen, dass die Trauernden vor ihrem Haus zusammenkommen sollten, um dem Toten von dort das letzte Geleit zum Behescht-Sahra-Friedhof zu geben. Da die Behörden befürchteten, dass diese Prozession sich in eine massive Protestkundgebung verwandeln könnte, willigten sie schließlich ein, dass die Trauernden im Freiheitsstadion (Warseschgah-e Asadi) zusammenkommen dürfen, dort hätten sie die Anwesenden wenigstens unter Kontrolle. Dafür dürfe die Leiche nur mit einem Auto zum 40 km entfernten Friedhof gebracht werden, Ansammlungen auf der Straße wurden untersagt.
Im Freiheitsstadion von Teheran, das Plätze für 100.000 Zuschauer fasst, kamen etwa 15.000 Trauernde zusammen. Einige versuchten, auf den Platz zu gelangen, auf dem der Sarg getragen wurde. Zivil gekleidete Bassidschis hinderten die Trauernden allerdings mit Prügelschlägen daran, auf den Platz zu kommen. In der Folge rief die Menschenmenge: „Niruje entesami, chedschalat, chedschalat!“ „Die Polizei soll sich schämen!“ Denn die Polizei stand untätig da und schaute zu, wie die Bassidschis auf die unbewaffneten Trauergäste einprügelte.
Später, als der Leichnam auf dem Behescht-Sahra-Friedhof eintraf, mussten die dort wartenden Trauernden feststellen, dass sie nicht in den Friedhofsbezirk Namawaran vorgelassen wurden, wo der Leichnam bestattet wurde. Die Trauer schlug in Wut um und die Menschen begannen zu demonstrieren. Sie riefen unter anderem:
„Hedschasiye ba gheyrat, scharike darde mellat.“ (Hedschasi war ein anständiger Mensch, er nahm am Leid des Volkes teil.)
„Hedschasiye ba gheyrat, harfe to, harfe mellat.“ (Hedschasi war ein anständiger Mensch, das was du sagtest, sagt auch das Volk.)
„Mussawi, Karubi, asad bayad gardad.“ (Mussawi und Karubi müssen freigelassen werden.)
„Mobarak, Ben Ali, noubate Seyyed Ali.“ (Mubarak, Ben Ali, jetzt ist Seyyed Ali an der Reihe / gemeint ist Ajatollah Chamene‘i).
Die Parolen beziehen sich unter anderem auf die kritischen Äußerungen des Fußballers zur Person von Ahmadineschad und von Ajatollah Chamene‘i.
Es wurden einige Demonstranten festgenommen.

Videos von den Trauerfeiern sind unter folgendem Link zu sehen:
http://news.gooya.com/didaniha/archives/2011/05/122414.php
Das erste Video ist vom Freiheitsstadion, die beiden anderen vom Behescht-Sahra-Friedhof.

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