Archiv für Juni 2011

Iran: Rücktritt von Modschtaba Dhu-l-Nur


Modschtaba Dhu-l-Nur, Vertreter des Religiösen Führers bei den Revolutionswächtern

Vertreter des Religiösen Führers bei den Revolutionswächtern zurückgetreten
Ajatollah Chamene‘i, der Religiöse Führer des Iran, hat in verschiedenen Institutionen des Landes seine Vertreter eingesetzt. Modschtaba Dhu-l-Nur war sein Vertreter bei den Pasdaran (Revolutionswächtern) und galt als heftiger Kritiker von Ahmadineschad, der sich nicht scheute, Lügen und korrupte Praktiken der Regierung Ahmadineschad offen zu benennen.
Ein berühmter Ausspruch von ihm ist: „Er hat doch gar keine Stimmen bekommen, wir haben ihn zum Präsidenten gemacht.“ Das bezog sich auf die „Wahl“ von Ahmadineschad zum Präsidenten im Juni 2009.


„Er hat doch gar keine Stimmen bekommen, wir haben ihn zum Präsidenten gemacht.“
(Ahmadineschad hier neben dem wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagten Präsidenten des Sudans, Omar Baschir)

Dhu-l-Nur ist jetzt von seinem Amt zurückgetreten. Er selbst sagt, er habe vor, wichtigere Aufgaben zu übernehmen, um der islamischen Revolution zu dienen. Das wird von manchen so gedeutet, dass er als Abgeordneter fürs Parlament kandidieren will. Andere sehen seinen Rücktritt als Zugeständnis von Ajatollah Chamene‘i an Ahmadineschad.


Mit welchen Methoden der Kampf zwischen Ahmadineschad und den Anhängern von Ajatollah Chamene‘i zwischenzeitlich ausgetragen wird, verrät dieser Ausspruch von Modschtaba Dhu-l-Nur nur zu deutlich. Einige von Ahmadineschads engen Mitarbeitern, die in letzter Zeit verhaftet wurden und hier gemeinsam mit Präsident Ahmadineschad unter dem Begriff „abweichlerische Strömung“ zusammengefasst werden, werden von den Verhörbeamten offensichtlich so bearbeitet, bis sie ihr Wissen preisgeben. Es geht um Folter, nichts anderes.

Sie haben ja doch Weib und Kind…
Interessant ist in diesem Zusammenhang auch eine Stellungnahme des Religiösen Führers Ajatollah Chamene‘i, der auf einmal daran erinnert, dass die Gefangenen ja auch Frau und Kind hätten, und es deshalb nicht in Ordnung sei, ihre Namen nach der Verhaftung, im Prozess oder nach der Verurteilung publik zu machen. Das entehre auch deren Familie. Solche mahnenden Worte waren von ihm nicht zu hören, als es um die Schauprozesse gegen die Grüne Bewegung und gegen die ganzen politischen Gefangenen ging, die als Spione etc. verurteilt wurden.

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Iran: Hohe Auslastung, zu 400 Prozent belegt


Oberster Knastboss des Irans, Gholamhossein Esma‘ili

Nein, es sind nicht die Hotelbetten für Touristen in Schiras und Isfahan gemeint, hier geht es um Zahlen, die der Direktor der Verwaltung der Gefängnisse des gesamten Irans, Gholamhossein Esma‘ili, genannt hat.
Demnach haben die iranischen Gefängnisse ein Fassungsvermögen von 55.000 Gefangenen, tatsächlich sind sie aber mit 220.000 Gefangenen belegt – nach offiziellen Angaben, wohlgemerkt.
Man mag sich ausmalen, was das für so einfache Dinge wie Schlafen oder den Gang zur Toilette bedeutet.

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Hungerstreik für Hoda Saber beendet

Der aus politischen Gründen inhaftierte Journalist Hoda Saber hatte aus Protest gegen die Ermordung von Hale Sahabi Anfang Juni im Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses einen Hungerstreik durchgeführt. Angeblich soll er an einem Herzinfarkt gestorben sein, doch 64 seiner Mitgefangenen entlarvten diese offizielle Verlautbarung als Lüge: sie gaben eine Erklärung ab, in der sie klarstellten, dass Hoda Saber brutal zusammengeschlagen und zu spät ins Krankenhaus gebracht worden war.


Die 12 Hungerstreikenden aus Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses

12 seiner Mitgefangenen aus Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses haben daraufhin am vorletzten Samstag, den 18.06.2011, ebenfalls einen Hungerstreik begonnen. Er richtete sich gegen die Verletzung der Grundrechte von Gefangenen seitens der Regierung. Über eine Woche lang wurde der Streik durchgehalten, bis gestern Abend, den 26.06.2011, wo er wieder beendet wurde. Drei Tage nach Beginn des Streiks im Ewin – Gefängnis solidarisierten sich 6 Häftlinge des Gohardascht-Gefängnisses (in Karadsch, westlich von Teheran) mit ihnen und starteten ebenfalls einen Hungerstreik.


Ewin-Gefängnis, Teheran

Während der Hungerstreik noch lief, gingen von verschiedenen prominenten Personen und Organisationen im Iran und aus dem Ausland Solidaritätsadressen ein. Letzten Samstag kam es in 25 großen Städten auf der ganzen Welt zu Demonstrationen und Versammlungen. Den Hungerstreikenden wurde signalisiert, dass ihre Botschaft angekommen sei, und dass die Welt über ihr Anliegen informiert wurde. Des weiteren wurden die Hungerstreikenden gebeten, ihren Streik zu beenden und wieder Nahrung zu sich zu nehmen.

Gleichzeitig mit dem Abbruch des Streiks veröffentlichten sie eine Erklärung. In ihr beschrieben sie, wie sie misshandelt und schikaniert worden waren, wie einige von ihnen extra vor Gericht erscheinen mussten und zusätzliche Strafen für ihre Beteiligung am Hungerstreik erhalten hatten. Dies beweist, nach Meinung der Beteiligten am Hungerstreik, ein weiteres Mal die Brutalität der Regierung und die Tatsache, dass Menschleben für sie keinen Wert haben.

Die Streikenden bedanken sich ausdrücklich für die Unterstützung durch die Gefangenen des Gohardascht-Gefängnisses, die Solidarität im In- und Ausland sowie bei den Familien von Hoda Saber und Hale Sahabi.

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Teppichknüpferinnen in Turkemansahra (Nordostiran)

Turkmenistan besteht aus zwei Teilen: einem selbständigen Staat Turkmenistan und die Region Turkemansahra im Nordostiran. Diese Region ist berühmt für seine Teppiche.

Die Qualität der Teppiche ist hoch und ihr Muster aussergewöhnlich fein. Sie werden von Frauen und Kindern mit den Händen geknüpft. Die Arbeitsbedingungen sind sehr hart und führen bei den Arbeiterinnen zu schmerzenden Gliedmaßen. Die anstrengende Arbeit wird nur sehr schlecht bezahlt. Die Mittler zwischen den Arbeiterinnen und dem Markt verdienen den größten Batzen am Geschäft. Sie sind es auch, die den Teppichknüpferinnen die Arbeitsmaterialien (Rohstoffe wie Wolle, Farben und Webstöcke) vorstrecken.

Die Arbeit wird unter anderem auch deshalb schlecht bezahlt, weil diese Art Teppiche mit ihren charakteristischen Farben und Mustern mittlerweile von maschinell hergestellten Teppichen indischer und chinesicher Fabrikation Konkurrenz bekommen.

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Atal Matal Tutule: Kleine iranische Wirtschaftslehre


Auf diesem 20.000-Rial-Geldschein hat jemand einen bekannten iranischen Kinderreim verewigt, allerdings nicht ganz das Original.
Der neue Vers lautet jetzt:

Atal Matal Tutule,
Iran khanom chejure?
Ham gham dare ham ghosse,
Naftasho khordan doroste
Gazesho bordan hendestun
Ashghale chini bestun!
Hame chi shode waredat, gure pedar saderat
Ha-chin o wa-chin toulid bar-chin.

Zu deutsch:
Atal Matal Tutule (Teil des Kinderreims)
Wie geht es Frau Iran?
Sie hat Kummer und Sorgen
Ihr ganzes Öl haben sie geschluckt
Ihr Gas nach Indien gebracht
Und dafür nimm dir chinesischen Müll!
Alles ist Import geworden, das Grab des Vaters der Export.
Ha-chin o wa-chin (Teil des Kinderreims), stell die Produktion ein!

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Frauenrechte im Gottesstaat Iran?


Ajatollah Chamene‘i, der Oberste Frauenbeschützer…

Es gehört zu den traditionellen Argumenten islamistischer Kreise, dass die Frauenrechte bei ihnen besser aufgehoben seien als im dekadenten Westen, wo die Frau zur Ware wird und überall mehr oder weniger nackt angepriesen wird. Die „islamische Moral“, die die Frauen einwickelt wie eine ägyptische Mumie, bezeuge der Frau dagegen die ihr gebührende Ehre.


der Ehrenplatz der Frau: ganz hinten, wo man nichts mehr sieht

Selbstverständlich existieren in islamischen Gesellschaften verschiedene Traditionen und Modelle, wir wollen uns darauf beschränken, wie diese Frauenbeschützer im Iran vorgehen. Diesmal ist weder die unterschiedliche Rechtsstellung von Mann und Frau im Koran und in der traditionellen Überlieferung, den Hadisen, noch die Frage der Zwangsverschleierung und der Apartheid der Geschlechter im Bus, an der Uni etc. das Thema. Es geht um etwas viel Elementareres: Das Recht, über sich selbst, über seinen eigenen Körper zu verfügen.

Wenn in der letzten Zeit aus dem Iran Meldungen über Gruppenvergewaltigungen von Frauen aus Isfahan (Zentraliran), aus Ghuzhd bei Kaschmar (Ostiran) und aus Golestan im Norden Irans eintreffen, so wollen wir uns hier nicht mit der voyeristischen Schilderung von Details beschäftigen. Es geht auch nicht darum, dass es Gruppenvergewaltigungen auch in westlichen Gesellschaften gibt, denn die Ursache ist eine ganz andere.


der Göttliche Willen und sein bewaffneter Arm

Im Iran herrscht seit 30 Jahren ein politisches System, das vom demokratischen Ausdruck des Volkswillens losgelöst ist und im Wesen eine religiöse Diktatur darstellt, die keinem Gesetz unterworfen ist. Denn die Herrscher befolgen angeblich den Willen Gottes, sie sind aber zugleich auch die einzig befugten Interpreten dieses göttlichen Willens. Es gibt kein Gesetz außer ihrem Willen. Das schließt nicht aus, dass es unter den Herrschenden blutige Meinungsverschiedenheiten gibt, aber das schafft kein Recht, sondern erhöht noch die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse.


Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb

Und weil die Herrschenden keinem Recht und keinem Gesetz unterworfen sind, können sie sich alles erlauben, was sie wollen. So hat Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb eine Frau namens Tarane Mussawi entführt, vergewaltigt, ermordet, ihre Leiche angezündet und sie dann im Wüstengelände deponiert. Er wurde nie verfolgt und noch viel weniger bestraft. Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb war Kommandeur der paramilitärischen Bassidschi-Milizen, jetzt ist er der Chef der Geheimdienstbehörde der Pasdaran (Revolutionswächter). Und vor allem: Er hat einen guten Draht zu Ajatollah Chamene‘i.


Tarane Mussawi – ihr Vergewaltiger und Mörder, Hossein Ta‘eb, ist bis heute in Amt und Würden


General Sare‘i

General Sare‘i (Zare‘i), der ehemalige Polizeichef von Teheran, wurde nackt zusammen mit sechs unbekleideten Frauen in einem Bordell festgenommen, aber ihm ist weiter nichts geschehen.


General Naghdi

Brigadegeneral Mohammad Resa Naghdi, derzeitiger Kommandeur der Bassidschi-Milizen (als Nachfolger von Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb), wird eine lange Liste von Verbrechen zur Last gelegt: Diebstahl, Erpressung, Entführung, Mord und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen. Aber er wurde nie bestraft. Den Anwälten der Opfer drohte er damit, entweder sie halten den Mund und bekommen Geld dafür, oder er bringt sie um. Nicht nur, dass er nie bestraft wurde, er wurde von Ajatollah Chamene‘i auf den Posten des Kommandeurs der Bassidschi-Milizen befördert.


Ajatollah Alam ol-Hoda

Der Freitags-Imam von Maschhad, Ajatollah Alam ol-Hoda, hat in seiner Freitagspredigt Anfang Juni 2011 öffentlich erklärt, die iranischen Frauen und Jugendlichen seien „ehrlos, verkommen, geil und Säufer“, mit anderen Worten, er hat den kirchlichen Segen für deren Vergewaltigung erteilt. Denn dann sind sie ja selber schuld und kein Täter braucht ein schlechtes Gewissen zu haben.

Wie der Herr, so’s Gscherr!
Wenn es so von der Kanzel tönt und die obersten Herrscher des Irans so ein Verhalten an den Tag legen, ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die Schlägertypen bei den Revolutionswächtern und Bassidschis dies als Freibrief für ihre Ausschweifungen lesen. Und so analphabetisch sie sein mögen, sie lesen richtig. Die hochstudierten Theologen der Islamischen Republik Iran konnten in ihren jahrzehntelangen Studien offensichtlich nicht einen Hinweis in den heiligen Schriften darauf finden, dass die Vergewaltigung ein Verbrechen ist, egal ob sie privat oder durch Amtspersonen erfolgt.

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Erinnerung an Neda, zwei Jahre nach ihrem Tod

Heute ist der 30. Chordad bzw. 20. Juni 2011. Heute vor genau zwei Jahren war die junge Iranerin Neda Agha Soltan zusammen mit mindestens hunderttausend DemonstrantInnen auf den Straßen von Teheran und protestierte gegen den Wahlbetrug anlässlich der damaligen Präsidentschaftswahlen.


Neda Agha Soltan

Sie wurde mitten auf der Straße von einem Basiji (organisierte bewaffnete Gruppierung unter der Kontrolle der Revolutionswächter) erschossen. Bis heute wurde ihr Mörder, dessen Identität festgestellt werden konnte, weder bestraft noch vor Gericht gestellt – entgegen der Forderung von zahlreichen auch internationalen Menschenrechtsorganisationen und Frauenorganisationen.


Letztjähriges Gedenken an Neda Agha Soltan in Paris
„Wir sind alle Neda – wir sind alle eine Stimme“

Neda verkörpert drei Eigenschaften der Protestbewegung des heutigen Irans:

- Erstens steht sie als eine Vertreterin der neuen Generation für eine Bewegung der Jugendlichen, die sich gegen das überkommene und seit über 30 Jahren im Iran herrschende System auflehnt.

- Zweitens steht sie als Vertreterin der Frauen im Iran für ein Aufbegehren gegen Gewalt und Unterdrückung der Frauen gemäß dem islamischen Modell im Iran.

- Drittens verkörpert sie den Wunsch nach einer modernen, freien und demokratischen Gesellschaft, die nicht nach den Gesetzen der Scharia strukturiert ist.

In dem Moment ihrer Tötung konzentriert sich der Gegensatz zwischen dem brutalen, bis an die Zähne bewaffneten, iranischen Herrschaftssystem, das auch vor Morden an seiner eigenen Bevölkerung nicht Halt macht, und einer friedlichen, unbewaffneten Massenbewegung. Die Aufzeichnung der Szene ihrer Erschießung und die verzweifelten Versuche von MitdemonstrantInnen, ihr Leben zu retten, wurde per Internet verbreitet und war kurze Zeit später weltweit in allen Medien zu sehen.

Der Mörder, der sofort nach der Tat dingfest gemacht wurde, wurde nicht, wie man vielleicht hätte vermuten können, an Ort und Stelle gelyncht, sondern konnte gehen, nachdem sein Ausweis, der u.a. eine Mitgliedschaft bei den Basiji zeigte, fotografiert und für ein späteres Gerichtsverfahren – so die Hoffnung – dokumentiert worden war. Zu diesem Verfahren kam es jedoch nie.

Nicht nur einfache Frauen wie Neda werden vom iranischen Regime verfolgt, gefoltert oder hingerichtet sondern auch Frauen aus gesellschaftlichen Gruppen wie Schülerinnen, Studentinnen, Journalistinnen, Schriftstellerinnen und Intellektuelle sind immer wieder im Visier der Herrschenden.

In den ersten Jahrzehnten des islamischen Modells Iran sind zahllose Frauen aus diesen Gruppen vor Gericht gestellt worden und in kurzen Eilprozessen ohne ausreichende Verteidigungsmöglichkeiten zu langen Haftstrafen verurteilt oder hingerichtet worden.

- Zahra Kazemi (iranisch-kanadische Fotojournalistin)

Zahra Kazemi starb am 11. Juli 2003 an den Folgen von Vergewaltigung und schwerer körperlicher Misshandlung. Sie lag zu diesem Zeitpunkt bereits zwei Wochen im Koma aufgrund von schweren Schädelverletzungen. Sie wurde gefoltert weil sie auf die Fragen der Verhörbeamten keine Antwort gab und beharrlich schwieg.

- Zahra Bani Yaghub

Die hoch anerkannte Doktorin der Medizin starb unvermittelt am 13. Oktober 2007 in einem Gefängnis in Hamedan, nachdem sie von der Sittenpolizei festgenommen worden war. Ihr Fall erlangte außergewöhnliche Beachtung in der iranischen Bloggerszene aufgrund der Verwicklung der Sittenpolizei in ihren Tod.

- Shabnam Sohrabi

Im Alter von 34 Jahren wurde Shabnam Sohrabi am Ashura-Tag, den 27.12.2009, von Sicherheitskräften am hellichten Tag und auf offener Straße getötet. Augenzeugen berichteten, dass sie mehrfach von einem Fahrzeug der Sicherheitskräfte überfahren wurde. Der Familie Sohrabi wurde über 20 Tage nicht erlaubt, ihre Tochter zu sehen, bis ihr schließlich mitgeteilt wurde, dass ihre Leiche in einer Moschee aufgebahrt sei. Sicherheitskräfte schüchterten die Familie ein und verboten ihr auch nur ein Wort über die Tötung ihrer Tochter zu verlieren. Selbst das Begräbnis durfte nur unter scharfer Bewachung durch Sicherheitskräfte stattfinden.

- Hale Sahabi

Am 2. Juni 2011, befand sich die 57-jährige Hale Sahabi in Lawassan, im Norden von Teheran, beim Begräbnis ihres Vaters, Esatollah Sahabi. Zur Trauerfeier hatten sich 5000 bis 6000 Menschen versammelt. Hale Sahabi wollte sich gemeinsam mit mehreren Frauen an der Spitze der Trauergemeinde in Bewegung setzen, als sie von den Staatsorganen daran gehindert wurde. Die Beamten wollten ihr das Bild des Vaters entreißen, worauf sie protestierte und Widerstand leistete. Darauf stieß ihr ein Beamter gewaltsam mit dem Ellbogen in die Seite, so dass sie zusammenbrach. Mehrere Beamte traten auf die am Boden liegende Frau ein, ihr Bein wurde noch beim Abtransport ins Krankenhaus in einer Autotür gequetscht. Aus dem Krankenhaus wurde dann ihr Tod gemeldet.

Neben diesen in der Öffentlichkeit politisch aktiven Frauen sind immer wieder auch Frauen in ihren privaten, nichtöffentlichen Bereichen staatlicher Gewalt ausgesetzt. Ein Beispiel dafür ist folgender Vorfall in Chomeinischar in der Nähe von Isfahan (Zentraliran). Während einer privaten Feier klopften Basiji an die Haustür und verlangten Eintritt, angeblich um eine Kontrolle durchzuführen. In kurzer Zeit drangen vier Basiji ein und später kamen weitere 11 Männer über die Mauer auf das Grundstück. Die Ehemänner und Verwandten der anwesenden Frauen wurden an den Händen gefesselt und in einem Raum eingesperrt. Die Frauen wurden daraufhin vergewaltigt. Danach flüchteten die Täter.

Vergleichbare Gewalt gegen Frauen passiert regelmäßig in verschiedenen Teilen des Irans, so z.B. jüngst in dem Dorf Ghuzhd (Ghuschd, in der Nähe von Kaschmar, Ostiran), oder in Liwan (in der Nähe von Bandare Gaz, Nordiran). Alle drei Vorfälle trugen sich in der Zeit von Ende Mai bis heute zu.

Diese Vorfälle stehen exemplarisch für das islamische Modell Iran im 33. Jahr seiner Etablierung. Anstatt wie versprochen das Paradies auf Erden zu werden, zeigt sich dieses System von Jahr zu Jahr von einer immer brutaleren Seite. Insbesondere Frauen sind dieser Gewalt schonungslos ausgesetzt. Man fragt sich, was wäre, wenn es Ahmadinejad und Chamenei gelänge, dieses Modell der gesamten islamischen Welt überzustülpen.

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In Gedenken an Hoda Saber (Journalist)


Journalist Hoda Saber, ehemaliger Verantwortlicher der Zeitung Iran-Farda

Der aus politischen Gründen inhaftierte Journalist Hoda Saber, der nach der Wahlfälschung von 2009 erneut verhaftet wurde, hatte aus Protest gegen die Ermordung von Hale Sahabi – wir berichteten darüber – im Gefängnis den Hungerstreik erklärt. Er war im Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses in Teheran inhaftiert. Die staatlichen Medien meldeten darauf, dass er infolge eines Herzinfarkts gestorben sei. Zugleich verhinderten die staatlichen Behörden aber, dass die Angehörigen des verstorbenen Gefangenen eine unabhängige Obduktion zur Feststellung der Todesursache durchführen konnten und begruben ihn unter massiven Sicherheitsvorkehrungen.


Hoda Saber

Herzinfarkt klingt besser als Foltertod
64 Mitgefangene aus dem Trakt 350 des Ewin-Gefängnisses haben nun eine Erklärung abgegeben, in denen sie die Hintergründe des Todesfalls beleuchteten. Sie berichteten, dass der hungerstreikende Hoda Saber um 4 Uhr morgens aus der Zelle geholt und in die „Gesundheitsstation“ des Traktes gebracht wurde. Zwei Stunden später kam er wieder zurück und krümmte sich vor schmerzen. Hoda Saber berichtete, dass er in der Gesundheitsstation von Personen, die die Kleidung des Pflegepersonals trugen, brutal zusammengeschlagen wurde. Später wurde er zur Behandlung in ein externes Krankenhaus gebracht, aber dies wurde von den Behörden so lange herausgezögert, dass er dort verstarb. Die Gefangenen wiesen in ihrer Erklärung darauf hin, dass Hoda Saber während seiner Haft regelmäßig Sport betrieben habe und auch an Wettkämpfen mit jüngeren Gefangenen teilgenommen habe. Dies wirft ein schräges Licht auf die Behauptung der Behörden, er sei an einem Herzinfarkt gestorben.

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Iran: Polizei gegen Partys

Masandaran
Der Polizeikommandant des Bezirks Nur (Region Masandaran am Kaspischen Meer), gab kürzlich zwei große Erfolge seiner Sicherheitsorgane bekannt. Sie haben zwei Partys aufgedeckt und die Täter verhaftet! In einem Fall hätten die Feiernden Alkohol getrunken, getanzt und seien „halb nackt“ gewesen. Es hätten gar welche versucht, Flaschen auf die Sicherheitskräfte oder in Nachbargärten zu werfen. Insgesamt seien 15 Männer und Frauen festgenommen worden. Der zweite Erfolg des Kommandanten war das Auffliegen eines Jazzclubs. Dort traf er 16 Männer und Frauen an, die Jazz-Musik spielten! Auch diese hätten Alkohol getrunken. Alle 16 wurden festgenommen.

Isfahan
Während hier die sogenannten Ordnungshüter wenigstens ihre Taten öffentlich bekennen, gibt es auch Chomeini-Schahr in der Nähe von Isfahan einen wesentlich schlimmeren Vorfall zu melden. Dort fand ebenfalls eine Party in einem Garten statt. 11 Männer in Zivil klopften am Gartentor an und begehrten Einlass. Sie erklärten, Pasdaran – also Revolutionswächter – zu sein, sperrten die feiernden Männer ein und vergewaltigten die anwesenden Frauen, auch vor einer Schwangeren machten sie nicht Halt. Als die Gefangenen die Polizei alarmierten, behauptete die Polizei, das seien keine Pasdaran gewesen, sie würden aber in der Sache ermitteln. Tatsache ist, dass die Opfer einige der Täter erkannt hatten, und ihnen diese sehr wohl als Pasdaran bekannt waren.

Freitagsprediger verteidigt Vergewaltiger
Der Freitagsprediger von Isfahan dagegen versuchte nicht einmal, die Täterschaft des Staates zu vertuschen. Er erklärte auf seiner Predigt: „Wenn die Frauen sich so aufreizend bekleiden, braucht man sich nicht zu wundern, dass dann die jungen Männer so reagieren.“

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22. Chordad (12. Juni): 2. Jahrestag des Wahlbetrugs

Am Sonntag, den 12. Juni, jährte sich der Wahlbetrug von „Präsident“ Ahmadineschad und seiner Mannschaft zum zweiten Mal. Das Regime tat alles, um erneute Proteste zu unterbinden. Auf einer zentralen Verkehrsachse von Teheran, der Wali-Asr-Straße, herrschte der Belagerungszustand. Dr. Mehdi Chas‘ali, der Sohn eines bekannten Ajatollahs, beschreibt, was er an diesem denkwürdigen Tag selbst in der Wali-Asr-Straße gesehen hat. Das Regime hatte die Läden gezwungen, ihr Geschäft zu schließen, damit nicht so viel Leute unter dem Vorwand des Einkaufs auf die Straße kämen. Und genau das ist der Erfolg der Politik des Regimes: Das ganze Land steht still. Die Fabriken, die Geschäfte, nichts geht mehr.
Die Menschen auf dem Trottoir gehen schweigend, keine Parolen, keine Plakate. Überall lungern Typen in Zivil herum, die ein Auge auf die Passanten haben. Auf der Straße herrschen die Motorradfahrer und die Autos der Pasdaran. Ein Mann erhält einen Anruf auf dem Handy, wo er gerade sei: „Wali-Asr-Straße, Hemmat-Brücke“, antwortet er knapp. Das genügt. „Aha, du holst die Leute herbei, damit sie hier demonstrieren?“ sagt ein Herr in Zivil. Verhaftet und in einen Arrestwagen gesteckt. Der Mann ist ein Freund von Dr. Mehdi Chas‘ali, der sich den Mund fuselig reden muss, damit man seinen Freund freilässt. Unterdessen hat Mehdi Chas‘ali das Treiben der sogenannten Sicherheitskräfte im Augen. Er kann nicht feststellen, woran es liegt, dass jemand festgenommen und in einen Polizeibus gesperrt wird, aber was er sehen kann, sind es vor allem hübsch aussehende junge Iranerinnen, die es trifft. Das also ist die islamische Moral, die das Regime predigt…

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Badab-Surt: Pamukkale im Iran

Während die Sinterterrassen in Pamukkale in der Türkei als touristische Schönheiten weltbekannt sind, gibt es im Iran vergleichbare Sehenswürdigkeiten, von denen selbst die meisten Iraner nichts gehört oder gesehen haben.
Hier die Sinterterrassen Badab-Surt in der Nähe von Sari (Region Masandaran), es gibt weitere in der Gegend von Damghan (Region Semnan).






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Die Illusion frisst ihre Kinder


Ajatollah Chomeini

Mehr als eine Familiengeschichte
Die Revolution gegen den Schah im Iran von 1979 wurde von der breiten Bevölkerung getragen. Dass es den Geistlichen gelang, sich auf den Sattel der Macht zu schwingen und aus dem Volk ein zweites Mal rechtlose Untertanen zu machen, ist eine traurige Geschichte. Die Geschichte der Familie Sahabi macht deutlich, wie es so weit kam.


Yadollah Sahabi

Der Großvater
Unter dem Schah von Persien waren nicht nur Mollas und Ajatollahs unter den Gegnern des Regimes zu finden, auch religiös geprägte Intellektuelle wie Ingenieur Yadollah Sahabi, ein Hochschulprofessor, bauten eine politische Bewegung auf, die später der Machtergreifung von Ajatollah Chomeini diente. So gründete Yadollah Sahabi zusammen mit Seyyed Mahmud Taleqani und Mahdi Basargan die Nehsate Asadiye Iran (Freiheitsbewegung des Irans), auch als „Religiöse Nationalbewegung“ (Nehsate Melliye Mashabi) bezeichnet. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten musste Yadollah Sahabi unter dem Schah ins Gefängnis. In der ersten provisorischen Regierung nach dem Sturz des Schahs war er unter Mehdi Basargan beratender Minister. Sein Sohn, Esatollah Sahabi, wurde Vorsitzender der „Organisation für Planung und Budget“, die nach der Revolution die Rolle eines Finanz- und Wirtschaftsministeriums spielte.


Esatollah Sahabi

Der Vater
Esatollah Sahabi, Journalist, Ökonom, führendes Mitglied der Religiösen Nationalbewegung, war wie sein Vater unter dem Schah im Gefängnis gesessen – ganze 12 Jahre! Er war überzeugt, dass eine islamische Republik die Probleme der Zeit lösen könne, nicht der Kommunismus und nicht der Kapitalismus. Aus diesem Grund verteidigte er auch Chomeinis Modell eines islamischen Staates. Er wurde Mitglied des Revolutionsrats, Mitglied des Expertenrats in dessen ersten Amtszeit und Mitglied der Versammlung, die die Verfassung der Islamischen Republik Iran schrieb …
Aber das schützte ihn nicht vor dem Machthunger der Ajatollahs. Unter Chamene‘i musste er für drei Jahre ins Gefängnis der Islamischen Republik Iran..


Hale Sahabi

Die Tochter
Seine Tochter Hale Sahabi, Journalistin, Aktivistin der Religiösen Nationalbewegung, folgte der geistigen Familientradition. Auch sie war der Ansicht, dass der Islam die richtige Lösung biete, allerdings sah sie Reformbedarf, und so war sie im Lager der Reformisten wiederzufinden. Sie setzte sich für Frauenrechte und Menschenrechte ein, unterstützte die politischen Gefangenen im Iran und war Mitglied des Andschomane Madarane Solh (Vereins der Friedensmütter), in dem sich die Mütter von Hingerichteten zusammengeschlossen haben.
Sie hatte an der Universität Teheran Physik studiert und mit einem Diplom abgeschlossen, sie beherrschte Englisch, Französisch und Arabisch und unterrichtete Französisch. Ihr Einsatz für die Grüne Bewegung brachte auch sie ins Gefängnis. Als sie an den Protesten gegen die Wahlfälschung durch Ahmadineschad im Jahr 2009 teilnahm, wurde sie verhaftet und später zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.


Hale Sahabi

Tod des Vaters
Am Dienstag, den 1. Juni 2011, starb Esatollah Sahabi, der Vater von Hale Sahabi, im Krankenhaus. Angesichts seines Bekanntheitsgrades wurde der 57-jährigen Tochter Hale Sahabi Gefängnisurlaub für die Beerdigung des Vaters gewährt, die am Mittwoch, den 2. Juni 2011, in Lawassan, im Norden von Teheran, stattfand. Zur Trauerfeier sollen sich dort 5000 bis 6000 Menschen versammelt haben.

Tod der Tochter
Hale Sahabi hielt ein Foto ihres Vaters in den Händen und wollte sich gemeinsam mit mehreren Frauen, die zu ihrer Rechten und ihrer Linken standen, an der Spitze der Trauergemeinde in Bewegung setzen, als sie von den Staatsorganen daran gehindert wurde. Die Beamten wollten ihr das Bild des Vaters entreißen, worauf sie protestierte und Widerstand leistete. Darauf stieß ihr ein Beamter gewaltsam mit dem Ellbogen in die Seite, so dass sie zusammenbrach. Andere Beamte traten auf die liegende Frau ein und bezeichneten sie als Simulantin. Doktor Peyman, ein enger Freund der Familie Sahabi, der kritisch zum herrschenden Regime eingestellt ist und zudem von Beruf Arzt ist, versuchte gemeinsam mit zwei weiteren Ärzten, Hale Sahabi durch künstliche Beatmung wiederzubeleben. Unterdessen holte jemand ein Auto, damit Hale Sahabi schnell ins Krankenhaus gebracht werden könne. Sie wurde auf den Rücksitz gelegt, aber ihr Bein schaute noch heraus. Die Beamte, die die Frau möglichst schnell von der Bildfläche verschwinden lassen wollten, machten sich nicht die Mühe, ihr Bein ins Auto zu schieben, sondern knallten mit der Autotür dagegen, um die Tür gewaltsam zu schließen.
Aus dem Krankenhaus wurde nur noch ihr Tod gemeldet.

Der Generaldirektor für Sicherheit und Ordnung der Großregion Teheran ließ verlautbaren, Hale Sahabi sei wegen einer Herzerkrankung verstorben…

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