Die Illusion frisst ihre Kinder


Ajatollah Chomeini

Mehr als eine Familiengeschichte
Die Revolution gegen den Schah im Iran von 1979 wurde von der breiten Bevölkerung getragen. Dass es den Geistlichen gelang, sich auf den Sattel der Macht zu schwingen und aus dem Volk ein zweites Mal rechtlose Untertanen zu machen, ist eine traurige Geschichte. Die Geschichte der Familie Sahabi macht deutlich, wie es so weit kam.


Yadollah Sahabi

Der Großvater
Unter dem Schah von Persien waren nicht nur Mollas und Ajatollahs unter den Gegnern des Regimes zu finden, auch religiös geprägte Intellektuelle wie Ingenieur Yadollah Sahabi, ein Hochschulprofessor, bauten eine politische Bewegung auf, die später der Machtergreifung von Ajatollah Chomeini diente. So gründete Yadollah Sahabi zusammen mit Seyyed Mahmud Taleqani und Mahdi Basargan die Nehsate Asadiye Iran (Freiheitsbewegung des Irans), auch als „Religiöse Nationalbewegung“ (Nehsate Melliye Mashabi) bezeichnet. Aufgrund seiner politischen Aktivitäten musste Yadollah Sahabi unter dem Schah ins Gefängnis. In der ersten provisorischen Regierung nach dem Sturz des Schahs war er unter Mehdi Basargan beratender Minister. Sein Sohn, Esatollah Sahabi, wurde Vorsitzender der „Organisation für Planung und Budget“, die nach der Revolution die Rolle eines Finanz- und Wirtschaftsministeriums spielte.


Esatollah Sahabi

Der Vater
Esatollah Sahabi, Journalist, Ökonom, führendes Mitglied der Religiösen Nationalbewegung, war wie sein Vater unter dem Schah im Gefängnis gesessen – ganze 12 Jahre! Er war überzeugt, dass eine islamische Republik die Probleme der Zeit lösen könne, nicht der Kommunismus und nicht der Kapitalismus. Aus diesem Grund verteidigte er auch Chomeinis Modell eines islamischen Staates. Er wurde Mitglied des Revolutionsrats, Mitglied des Expertenrats in dessen ersten Amtszeit und Mitglied der Versammlung, die die Verfassung der Islamischen Republik Iran schrieb …
Aber das schützte ihn nicht vor dem Machthunger der Ajatollahs. Unter Chamene‘i musste er für drei Jahre ins Gefängnis der Islamischen Republik Iran..


Hale Sahabi

Die Tochter
Seine Tochter Hale Sahabi, Journalistin, Aktivistin der Religiösen Nationalbewegung, folgte der geistigen Familientradition. Auch sie war der Ansicht, dass der Islam die richtige Lösung biete, allerdings sah sie Reformbedarf, und so war sie im Lager der Reformisten wiederzufinden. Sie setzte sich für Frauenrechte und Menschenrechte ein, unterstützte die politischen Gefangenen im Iran und war Mitglied des Andschomane Madarane Solh (Vereins der Friedensmütter), in dem sich die Mütter von Hingerichteten zusammengeschlossen haben.
Sie hatte an der Universität Teheran Physik studiert und mit einem Diplom abgeschlossen, sie beherrschte Englisch, Französisch und Arabisch und unterrichtete Französisch. Ihr Einsatz für die Grüne Bewegung brachte auch sie ins Gefängnis. Als sie an den Protesten gegen die Wahlfälschung durch Ahmadineschad im Jahr 2009 teilnahm, wurde sie verhaftet und später zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt.


Hale Sahabi

Tod des Vaters
Am Dienstag, den 1. Juni 2011, starb Esatollah Sahabi, der Vater von Hale Sahabi, im Krankenhaus. Angesichts seines Bekanntheitsgrades wurde der 57-jährigen Tochter Hale Sahabi Gefängnisurlaub für die Beerdigung des Vaters gewährt, die am Mittwoch, den 2. Juni 2011, in Lawassan, im Norden von Teheran, stattfand. Zur Trauerfeier sollen sich dort 5000 bis 6000 Menschen versammelt haben.

Tod der Tochter
Hale Sahabi hielt ein Foto ihres Vaters in den Händen und wollte sich gemeinsam mit mehreren Frauen, die zu ihrer Rechten und ihrer Linken standen, an der Spitze der Trauergemeinde in Bewegung setzen, als sie von den Staatsorganen daran gehindert wurde. Die Beamten wollten ihr das Bild des Vaters entreißen, worauf sie protestierte und Widerstand leistete. Darauf stieß ihr ein Beamter gewaltsam mit dem Ellbogen in die Seite, so dass sie zusammenbrach. Andere Beamte traten auf die liegende Frau ein und bezeichneten sie als Simulantin. Doktor Peyman, ein enger Freund der Familie Sahabi, der kritisch zum herrschenden Regime eingestellt ist und zudem von Beruf Arzt ist, versuchte gemeinsam mit zwei weiteren Ärzten, Hale Sahabi durch künstliche Beatmung wiederzubeleben. Unterdessen holte jemand ein Auto, damit Hale Sahabi schnell ins Krankenhaus gebracht werden könne. Sie wurde auf den Rücksitz gelegt, aber ihr Bein schaute noch heraus. Die Beamte, die die Frau möglichst schnell von der Bildfläche verschwinden lassen wollten, machten sich nicht die Mühe, ihr Bein ins Auto zu schieben, sondern knallten mit der Autotür dagegen, um die Tür gewaltsam zu schließen.
Aus dem Krankenhaus wurde nur noch ihr Tod gemeldet.

Der Generaldirektor für Sicherheit und Ordnung der Großregion Teheran ließ verlautbaren, Hale Sahabi sei wegen einer Herzerkrankung verstorben…

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