Frauenrechte im Gottesstaat Iran?


Ajatollah Chamene‘i, der Oberste Frauenbeschützer…

Es gehört zu den traditionellen Argumenten islamistischer Kreise, dass die Frauenrechte bei ihnen besser aufgehoben seien als im dekadenten Westen, wo die Frau zur Ware wird und überall mehr oder weniger nackt angepriesen wird. Die „islamische Moral“, die die Frauen einwickelt wie eine ägyptische Mumie, bezeuge der Frau dagegen die ihr gebührende Ehre.


der Ehrenplatz der Frau: ganz hinten, wo man nichts mehr sieht

Selbstverständlich existieren in islamischen Gesellschaften verschiedene Traditionen und Modelle, wir wollen uns darauf beschränken, wie diese Frauenbeschützer im Iran vorgehen. Diesmal ist weder die unterschiedliche Rechtsstellung von Mann und Frau im Koran und in der traditionellen Überlieferung, den Hadisen, noch die Frage der Zwangsverschleierung und der Apartheid der Geschlechter im Bus, an der Uni etc. das Thema. Es geht um etwas viel Elementareres: Das Recht, über sich selbst, über seinen eigenen Körper zu verfügen.

Wenn in der letzten Zeit aus dem Iran Meldungen über Gruppenvergewaltigungen von Frauen aus Isfahan (Zentraliran), aus Ghuzhd bei Kaschmar (Ostiran) und aus Golestan im Norden Irans eintreffen, so wollen wir uns hier nicht mit der voyeristischen Schilderung von Details beschäftigen. Es geht auch nicht darum, dass es Gruppenvergewaltigungen auch in westlichen Gesellschaften gibt, denn die Ursache ist eine ganz andere.


der Göttliche Willen und sein bewaffneter Arm

Im Iran herrscht seit 30 Jahren ein politisches System, das vom demokratischen Ausdruck des Volkswillens losgelöst ist und im Wesen eine religiöse Diktatur darstellt, die keinem Gesetz unterworfen ist. Denn die Herrscher befolgen angeblich den Willen Gottes, sie sind aber zugleich auch die einzig befugten Interpreten dieses göttlichen Willens. Es gibt kein Gesetz außer ihrem Willen. Das schließt nicht aus, dass es unter den Herrschenden blutige Meinungsverschiedenheiten gibt, aber das schafft kein Recht, sondern erhöht noch die Unvorhersehbarkeit der Ereignisse.


Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb

Und weil die Herrschenden keinem Recht und keinem Gesetz unterworfen sind, können sie sich alles erlauben, was sie wollen. So hat Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb eine Frau namens Tarane Mussawi entführt, vergewaltigt, ermordet, ihre Leiche angezündet und sie dann im Wüstengelände deponiert. Er wurde nie verfolgt und noch viel weniger bestraft. Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb war Kommandeur der paramilitärischen Bassidschi-Milizen, jetzt ist er der Chef der Geheimdienstbehörde der Pasdaran (Revolutionswächter). Und vor allem: Er hat einen guten Draht zu Ajatollah Chamene‘i.


Tarane Mussawi – ihr Vergewaltiger und Mörder, Hossein Ta‘eb, ist bis heute in Amt und Würden


General Sare‘i

General Sare‘i (Zare‘i), der ehemalige Polizeichef von Teheran, wurde nackt zusammen mit sechs unbekleideten Frauen in einem Bordell festgenommen, aber ihm ist weiter nichts geschehen.


General Naghdi

Brigadegeneral Mohammad Resa Naghdi, derzeitiger Kommandeur der Bassidschi-Milizen (als Nachfolger von Hodschatoleslam Hossein Ta‘eb), wird eine lange Liste von Verbrechen zur Last gelegt: Diebstahl, Erpressung, Entführung, Mord und Vergewaltigung von Frauen und Mädchen. Aber er wurde nie bestraft. Den Anwälten der Opfer drohte er damit, entweder sie halten den Mund und bekommen Geld dafür, oder er bringt sie um. Nicht nur, dass er nie bestraft wurde, er wurde von Ajatollah Chamene‘i auf den Posten des Kommandeurs der Bassidschi-Milizen befördert.


Ajatollah Alam ol-Hoda

Der Freitags-Imam von Maschhad, Ajatollah Alam ol-Hoda, hat in seiner Freitagspredigt Anfang Juni 2011 öffentlich erklärt, die iranischen Frauen und Jugendlichen seien „ehrlos, verkommen, geil und Säufer“, mit anderen Worten, er hat den kirchlichen Segen für deren Vergewaltigung erteilt. Denn dann sind sie ja selber schuld und kein Täter braucht ein schlechtes Gewissen zu haben.

Wie der Herr, so’s Gscherr!
Wenn es so von der Kanzel tönt und die obersten Herrscher des Irans so ein Verhalten an den Tag legen, ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die Schlägertypen bei den Revolutionswächtern und Bassidschis dies als Freibrief für ihre Ausschweifungen lesen. Und so analphabetisch sie sein mögen, sie lesen richtig. Die hochstudierten Theologen der Islamischen Republik Iran konnten in ihren jahrzehntelangen Studien offensichtlich nicht einen Hinweis in den heiligen Schriften darauf finden, dass die Vergewaltigung ein Verbrechen ist, egal ob sie privat oder durch Amtspersonen erfolgt.

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