Welche Rolle spielen die iranischen Revolutionsgarden im Moment?

Gleich nach der Gründung der Islamischen Republik Iran wurde die Organisation der Revolutionswächter gegründet. In kurzer Zeit konnte sie sich über das ganze Land ausdehnen und Mitglieder oder Anhänger in jeder Stadt und jedem Dorf ausbilden. Um dem regulären unter dem Schah ausgebildeten Militär, dem nach der Revolution kein Vertrauen mehr entgegen gebracht wurde, eine Gegengewicht gegenüberzustellen, wurden die Pasdaran in vollem Umfang militärisch ausgerüstet. Selbst viele Linke sahen darin eine Notwendigkeit um sich von den imperialistischen Mächten (USA) unabhängig zu machen.


Truppenparade letzte Woche mit Religionsführer Chamene‘i sowie Aziz Jafari und anderen Befehlshabern der Pasdaran

Dann kam der Krieg gegen den Irak (1980 bis 1988). Im Verlauf dieses Krieges bauten die Revolutionswächter ihre Mannschaftsstärken stark aus und bildeten eigene Truppenteile bei Heer, Luftwaffe und Marine. Nach Kriegsende wurde bei den Mitgliedern gesiebt und nur die treuesten Anhänger konnten bleiben. Ihre Zahl schrumpfte von ca. 300.000 Mann im Jahr 1988 auf heute etwa 125.000.

Die Revolutionswächter drangen mit den Jahren in den Bereich der Wirtschaft vor. Im Jahr 2004 gelang ihnen mit dem Wahlsieg von Ahmadinejad, in das Feld der Politik einzudringen. Nach und nach kontrollierten sie immer größere Teile des Parlaments. Auch wenn der der iranischen Bevölkerung die Zusammenhänge klar waren, bemühten sich die Pasadran immer darum, im Hintergrund zu bleiben. Scheinbar vollkommen neutral und unbeteiligt positionierten sie ihre Anhänger in Politik und Wirtschaft. Er vor Kurzem ließen die Pasdaran ihre Maske fallen und traten auch in die Öffentlichkeit.

Hatten die Pasdaran mit dem Staatspräsidenten Ahmadinejad eben noch einen bedeutenden Vertreter an der Spitze des iranischen Staates, so wenden sich seit wenigen Wochen die wichtigsten Repräsentanten der Revolutionswächter von ihm ab und distanzieren sich von Ahmadinejad Aziz Jafari, Oberbefehlshaber der Pasdaran, erklärte neulich, dass die Judikative den Pasdaran die Pflicht aufgetragen habe, „Abweichler“ zu kontrollieren (gemeint sind die Personen aus dem Umfeld von Ahmadinejad). Offen wird zugegeben, dass sie verfolgt, festgenommen und gefoltert werden und dass es damit immer noch weitergeht. Die Spaltung zwischen den Anhängern Ahmadinejads und führenden Personen der Pasdaran wurde in zahlreichen Geheimsitzungen ausgefochten und das Ergebnis ist, dass Ahmadinejad nun klein beigeben musste. Nachdem er sich in den letzten Wochen stets kämpferisch gezeigt hatte und gedroht hat auszupacken, falls eine Grenze überschritten würde, schweigt er nun und erklärt, dass es wichtiger sei, die Regierungsgeschäfte zu verfolgen als zu reagieren.

In der Zwischenzeit verkündet Aziz Jafari, dass die Pasdaran nicht nur militärische Pflichten hätten, sondern auch kulturelle, gesellschaftliche und politische. Man werde sich mit aller Kraft auch hier einsetzen. Vor dem Hintergrund des enormen Rückhalts der Pasdaran im Parlament und der Staatsverwaltung bekannte Jafari sich dazu, den Reformisten bei den nächsten Staatspräsidenten-Wahlen keine Chancen zu geben. Sie hätten ihre Chance bei den letzten Wahlen gehabt und dann eine rote Linie überschritten.

Massud Jasayeri, Stellvertreter Kommandeur der regulären Armee und Pasdaran, mischte sich neulich in der Zeitschrift „Sobhesadegh“ (Früher Morgen, Morgengrauen), einem Organ der Pasdaran, sogar in die iranische Außenpolitik ein: Er kritisierte das Verhalten der Türkei in Bezug auf die syrischen Flüchtlinge und syrische Opposition und bedrohte die Türkei. Wenn man sich zwischen Türkei und Syrien entscheiden müsse, dann wäre es ganz klar, dass man sich entsprechend „unserer Strategie und Ideologie“ (Anm.: der der Pasdaran) für Syrien zu entscheiden habe.

Im Moment sieht es zwar so aus, als würde Chamene‘i zusammen mit führenden Pasdaran wieder Kontrolle zurückgewinnen. Dies mag für kurze Zeit auch gegenüber Ahmadinejad der Fall sein. Sobald diese Phase aber vorbei ist, ist es sehr fraglich, ob Chamene‘i, der offiziell ja auch Oberbefehlshaber der Revolutionswächter ist, diese Kontrolle mittelfristig auch wirklich ausüben kann.

Die Iraner und Iranerinnen wissen, dass in der Praxis diese bewaffnete Partei der Revolutionswächter über die Strukturen verfügt, in allen gesellschaftlichen Bereichen, beim Militär, in der Wirtschaft, der Politik, im Parlament, in der Judikative und auch im privaten Bereich massiv Einfluss zu nehmen.

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