Urumijeh-See: Ist die iranische Regierung in einer Sackgasse?

Der Urumijeh See ist mit 50.892 km² der größte Binnensee im Mittleren Osten. Er bedeckt 3% der Fläche des gesamten Irans. Rund um den See und auf seinen mehr als 100 großen und kleinen Inseln sind über 100 Pflanzenarten und ebenso viele Vogelarten beheimatet. Das gleiche gilt für zahlreiche Amphibien. Je nach Jahreszeit leben hier viele Pelikane und Flamingos. Der See ist von Austrocknung bedroht.


Schrumpfung des Urmiasees von 1984 bis 2003 (Wikipedia)

Der Salzgehalt des Sees steigt beständig und damit auch der des Grundwassers. Damals waren in jedem Liter 380 Gramm Salz enthalten – heute sind es bereits 400 Gramm. An manchen Stellen hat sich das Wasser 10 km zurückgezogen. Von der o.g. Wasserfläche sind mittlerweile 2700 km² nur noch Salzwüste. Sollte der See ganz austrocknen, würden 8-10 Mrd. Tonnen Salz zurückbleiben, was die Natur und Zivilisation in der gesamten Umgebung zerstören würde. Mehr als 14 Mio. Menschen würden ihre Lebensgrundlage verlieren. Viele Dörfer in der Umgebung des Sees werden unbewohnbar. Schon heute wurden viele Dörfer verlassen.

Seit viel zu langer Zeit hat die islamische Regierung im Iran das Problem mit Desinteresse behandelt und der Wasserspiegel sank kontinuierlich. Von 1995 bis heute um sechs Meter.

Alle Menschen in der Region wissen, dass die Flora vernichtet wird, falls der See austrocknet, doch die Machthaber haben nicht reagiert oder die falschen Projekte verfolgt. Zum Beispiel wurden für kurzfristige Bewässerungsprojekte unvernünftige Staudämme bei den Zuflüssen des Sees errichtet. So wurden allein 36 Staudämme an 15 großen Flüssen gebaut. Trotz der offensichtlichen Umweltprobleme sind zur Zeit zwölf weitere Staudämme im Bau. Darüber hinaus wird derzeit an über zehn weiteren Staudamm-Plänen gearbeitet. Iranische Umweltexperten beklagen, dass durch die bereits errichteten Staudämme ca. 80% des Wasserzuflusses des Urumijeh-Sees blockiert wird. Der Plan der Regierung wurde jedoch trotz der Proteste aus der Bevölkerung und seitens der Umweltexperten keinen Deut geändert.

Wird das derzeitige Vorgehen beibehalten, wird der See mit Sicherheit austrocknen. Die Machthaber kümmern sich nicht um die Umwelt und die Probleme der Menschen sondern konzentrieren sich auf die Unterdrückung der Proteste. Das Denken in kurzfristigen Lösungen ist geradezu symptomatisch für das generelle Vorgehen der iranischen Machthaber. Egal ob bei landwirtschaftlichen Problemen (der durch Lebensmittelimporte behandelt wird) oder bei Problemen in der industriellen Entwicklung (auch hier wird lieber importiert als die eigene Wirtschaft zu stärken) stets wird nur in kurzen Zeithorizonten gedacht. Ebenso wenig hat die Regierung Interesse, der Unzufriedenheit in der Gesellschaft (Arbeitslosigkeit, Drogenprobleme, Rechtlosigkeit der Frauen, …) durch grundlegende Veränderungen zu begegnen, viel leichter ist es, die Proteste zu unterdrücken und die Menschen in Gefängnisse zu sperren oder gleich zu erschießen. Das Ergebnis dieser kurzfristigen Politik ist, dass aus dem gesamten Iran eine Kaserne geworden und die Regierung selbst in eine Sackgasse geraten ist.

Das Problem des Umrumijeh-Sees betrifft nicht nur die 14 Mio. Menschen in der Region sondern Menschen weit darüber hinaus. Die Proteste der Studenten- und Umweltgruppen dieser Region waren anfangs klein und stießen auf wenig Zuspruch. Langsam wurde die Bevölkerung jedoch sensibilisiert und immer mehr Menschen kamen auf die Straßen. Letzte Woche gab es gleichzeitig Massen-Proteste in Urimijeh (nach inoffiziellen Berichten mehr als 50.000 Menschen) und Tabriz (mehr als 10.000 Menschen). Auch in Teheran werden inzwischen Flugblätter verteilt.

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