Schlammschlacht zwischen Ahmadinejad und Chamenei

Wie wir unter dem Titel „Islamisches Banking im Iran: das Vorbild des Großen Teufels“ berichtet haben, wurde kürzlich ein riesiger Bankenskandal im Iran öffentlich. Sieben Banken haben ca. 3 Mrd. Dollar veruntreut. Ahmadinejad und Chamenei sind ebenfalls in diesen Skandal verwickelt.

Über das Thema wird breit in verschiedenen iranischen Medien berichtet. Die Zeitungen, die Ahmadinejad nahe stehen, suchen die Schuldigen im Lager von Chamenei (ohne dessen Namen zu nennen) und umgekehrt. Noch nie wurde in der iranischen Bevölkerung derart breit über ein vergleichbares Thema diskutiert. Man diskutiert in allen Schichten, ob auf dem Land oder in der Stadt, ob auf der Straße oder im Parlament. Letzte Woche drohte Ahmadinejad in einem Interview, dass er bald Veruntreuungen von anderer Seite bekannt machen werde. Kategorisch schloss er aus, dass der Staat in irgendeiner Weise involviert sei.

Im iranischen Parlament wird dieses Thema täglich angeschnitten und rückhaltlose Aufklärung eingefordert. Gestern, den 2.10.2011, haben elf iranische Parlamentarier ihre Namen unter ein Schriftstück gesetzt, dass einer Großen Anfrage im Bundestag entspricht. Ahmadinejad soll sich hinsichtlich des aktuellen Korruptionsskandals rechtfertigen.

Auch Ajatollah Chamenei, der sich sonst gerne staatsmännisch und über den Dingen schwebend gibt, kam nicht umhin, sich in dieser Sache zu äußern. Anlässlich eines Vorbereitungstreffens für Organisatoren der Pilgerreise nach Mekka sprach er über diesen Korruptionsskandal und erinnerte, dass er schon früher stets vor Koruption gewarnt habe. Wenn man sich daran gehalten hätte, wäre laut Chamenei dieser Skandal nicht passiert.

Ein Zitat aus seiner Rede erscheint morgen in allen Zeitungen:

Ali Chamenei: „Die Judikative sollte die korrupten Personen unbarmherzig verfolgen“. (Anmerkung: Dieser Spruch wird ebenso ungehört verhallen wie der gleiche Satz, den er schon vor zehn Jahren zum Besten gab. Er ist für die einfachen, gläubigen Leute gedacht. Die genannten korrupten Personen haben nämlich beste Kontakte zu den Machthabern in Judikative, Geheimdiensten und Revolutionswächtern. )


Ali Chamenei vor Organisatoren der Pilgerreisen am 3.10.2011

Im Zusammenhang mit dieser Auseinandersetzung steht die Meldung, dass Mahmoud Khavari, Vorstandsvorsitzender und leitender Direktor der iranischen Nationalbank, eine einflußreiche Persönlichkeit, die Ahmadinejad nahe steht, sich vor einigen Tagen ins Ausland (Kanada) abgesetzt hat. Seine Bank war eine der sieben Banken, die im Namen des Korruptionsskandals genannt wurden.


Mahmoud Reza Khavari leitet eine Pro-Ahmadinejad-Demo nach dessen Wahlfälschung vom Juni 2009


Mahmoud Reza Khavari und sein neues Domizil in Kanada

Ein Bänker namens Ali Ansari, der Ajatollah Chamenei nahe steht, wird von der Gegenseite beschuldigt, in den Bankenskandal verwickelt zu sein. Das Photo unten zeigt sein imposantes Anwesen in Teheran.

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