Größter StudentInnenprotest im Iran seit 2009

Am gestrigen Sonntag fand an der Universität Mazandaran (Nordiran) ein StudentenInnenprotest statt – der größte seit 2009.

Die Agentur daneshjoonews (Studenten-News) berichtet, dass am Sonntag, den 23.10.2011, gegen 11:30 Uhr, die StudentInnen der Universität Mazandaran ihre Essentabletts vom „Selfservice“ der Mensa genommen haben und mit ihnen zur Verwaltung gegangen sind, wo sie die Tabletts auf dem Boden abstellten.


Essenstabletts auf dem Fluren der Universitäts-Verwaltung

Dieser Protest steht im Zusammenhang mit dem Protest von letzter Woche, bei dem mehr als 1000 Studentinnen und Studenten einen Brief an den islamischen Studentenrat geschrieben hatten. Dieser Studentenrat setzt sich aus Mitgliedern der Direktion, Bassijis und Geheimdienstlern zusammen. In dem Brief beschwerten sich die StudentInnen über die niedrige Qualität und den hohen Preis des Mensaessens. Außerdem wurde die untragbare Situation in den Studentenheimen angeprangert. Die Zimmer sind überbelegt, die sanitären Anlagen sind schmutzig, es gibt wenige Festnetztelefone und kaum Internetnutzungsmöglichkeiten.

An Stelle einer vernünftigen Antwort seitens des Studentenrats wurden die Kontrollen der Sicherheitskräfte verschärft, und eine Atmosphäre der Angst aufgebaut. Jetzt, eine Woche später, haben die StudentInnen darum diesen neuen Protest organisiert.


Das Essen schmeckt nicht und man weiß nicht ob man davon krank wird

Studentische Bassijis und zivil gekleidete studentische Schläger versuchten, diese Essensproteste aufzulösen. Die Menge der StudentInnen und ihre Wut waren jedoch so groß, dass die Regimeanhänger sich zurückziehen und wieder auf die Zuschauerrolle beschränken mussten.


Im Essen ist der Wurm drin

Gegen Ende wurde von einem Studenten eine gemeinsame Erklärung verlesen. In ihr wurde erneut die niedrige Essensqualität, der hohe Preis und die Situation im Studentenwohnheim moniert. Darüber hinaus wurde das Verhältnis der Universitätsverwaltung und der Sicherheitskräfte zu den StudentInnen kritisiert und gefordert, dass sich das ändert. Wenn sich all das nicht bald bessere, würde der Kampf für ihre Rechte in eine neue Phase treten.


Es ist nicht ungefährlich, solche Videos in aller Öffentlichkeit zu drehen. Daher die schlechte Bildqualität.

Nach diesem Protest haben die Sicherheitskräfte der Universität einzelne StudentInnen in ihr Büro zitiert, andere wurde per Telefon bedroht.

Die StudentInnen, die sich an solchen Protesten beteiligen, können leicht festgenommen werde. Noch heute sitzen StudentInnen anderer Universitäten im Gefängnis. Das ist der Grund, warum die Gesichter der TeilnehmerInnen an diesen Protesten nicht im Bild zu sehen sind.

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