Archiv für November 2011

Iranische Scheindemonstranten am Werk

Am Dienstag, den 29. November 2011, stürmten iranische „Demonstranten“ die britische Botschaft in Teheran. Die iranischen Machthaber versuchen, dies als Ausdruck der Empörung von Studenten über die britische Sanktionen gegen die iranische Zentralbank darzustellen.


Der Herr im Hintergrund ist Leiter der Studenten-Bassidschis, also kein Student, sondern derjenige, der die Studentenorganisation der Bassidschi-Milizen anführt. Die Bassidschi-Milizen, die früher als Hilfstruppe für die Staatsorgane dienten, wurden inzwischen inzwischen als Organisation bei den Pasdaran (Revolutionswächtern) eingegliedert. Sie stellen somit ein staatliches Organ dar.


Der Herr im Vordergrund (rosa Kreis) ist ein Revolutionswächter in Zivilkleidung. Er heißt Karim Dschalali und gehört dem Kommando Qods (Jerusalem) an, das auch für Mordanschläge im Ausland trainiert wird. Wie man sieht, kann er und seine Kollegen problemlos an den iranischen Polizeieinheiten vorbei aufs Botschaftsgelände vordringen. Wer sehen möchte, wie iranische Ordnungshüter gegen echte Demonstranten vorgehen, kann gerne auf dieser Webseite oder jeder anderen die Fotos nach der Wahlfälschung vom Juni 2009 anschauen.


Ein weiterer Profi am Werk, der mit geübter Bewegung die Tür eintritt. Er gehört einer Spezialeinheit der Revolutionswächter an. Der Kollege, der links neben ihm zuschaut, ist Pasdar. Der Kollege rechts von ihm ebenfalls. Auch diese Herren sind im Dienst und keine Demonstranten.


Film von der Besetzung

Auch an Kameras mangelt es nicht, während die „Studenten“ auf das Botschaftsgelände vordringen. Die Gesänge sind allen Iranern aus dem Trauermonat Aschura bekannt und handeln vom Tod der Märtyrer. Iranische Form der Regierungspropaganda.
http://www.peykeiran.com/Content.aspx?ID=41484
http://www.youtube.com/watch?v=Bxz9jMY1pMU

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Erdölministerium vergiftet Bevölkerung


von der Ölverschmutzung betroffene Region im Südwesten des Irans (Deyr – Kangan – Oslawiye)

Der iranische Parlamentsabgeordnete Asgar Dschalaliyan, Mitglied des Energie-Ausschusses, hat sich jüngst gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Qanun („Gesetz“) darüber beschwert, dass die Erdöl- und Erdgasindustrie in der Region Deyr – Kangan – Oslawiye im Südwesten des Irans die Umwelt derart massiv verschmutzt, dass nicht nur 80 Prozent der Vegetation geschädigt sind, sondern auch eine erhöhte Zahl von Fehlgeburten, Geburten mit körperlichen Beeinträchtigungen und Herzerkrankungen von Neugeborenen im ersten Monat nach der Geburt zu verzeichnen sind. Verantwortlich für diesen Zustand ist das iranische Erdölministerium, dem die Industrie untersteht. Der Abgeordnete hat sich – anscheinend aus Angst vor Repressalien – nicht konkreter dazu geäußert, in welcher Form die Ölindustrie die Region vergiftet.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: noch immer kein anderes Volk in Sicht

Die iranischen Machthaber ziehen die Lehren aus den Demonstrationen von 2009, als Millionen von Menschen nach dem Wahlbetrug der Präsidentschaftswahlen auf die Straße gingen. Damals sei die Polizei „nicht gut organisiert“ gewesen, um der Massen Herr zu werden. Dem soll nun abgeholfen werden. Am Freitag und Samstag (25./26.11.2011) demonstrierten rund 50.000 Angehörige einer Spezialgarde aus Bassidschis und Pasdaran in verschiedenen Städten des Irans ihre Stärke.
Hier einige Fotos:

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Ali Akbar Dschawanfekr – Zeuge in eigener Sache

Wir hatten davon berichtet, dass die iranischen Justizorgane versucht hatten, Ali Akbar Dschawanfekr, den Chef der staatlichen Zeitung Iran und Verantwortlichen der Nachrichtenagentur IRNA, der zugleich der Medienberater des Präsidenten Ahmadineschad ist, festzunehmen. Sie waren am Widerstand der Mitarbeiter des Medienkonzerns und Ahmadineschads gescheitert, der sich persönlich auf den Weg machte, um seinem Mitstreiter aus der Patsche zu helfen. Dschawanfekr hat heute, den 28.11.2011, in einem Leitartikel der Zeitung „Iran“ den Vorgang aus seiner Sicht geschildert, wobei freilich nicht die Rede von irgendeinem ergangenen Gerichtsurteil ist. Er kritisiert aber, dass die Justizbeamten keinen Haftbefehl bei sich gehabt hätten und bei der Festnahme Tränengas, Pfefferspray, Knüppel und Taser eingesetzt hätten. Ein Beamter drohte sogar mit seinem Colt. Auch hätten sie die Anwesenden mit sehr vulgären Schimpfwörtern beleidigt. Dschawanfekr meinte, es sei eine Szene gewesen, von der man am liebsten glauben würde, man träume sie nur.
Selbst wenn man seine ausführliche Darstellung als Selbstinszenierung angeblichen Heldenmuts ansieht, die von den dunklen Seiten seines Tuns ablenken soll, ist auch er ein Beispiel dafür, mit welcher Rücksichtslosigkeit die Machthaber mit Medienvertretern umgehen, selbst mit solchen, die gestern noch ihre Verbündete waren.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Versuchte Verhaftung von Ali Akbar Dschawanfekr


Die Regierungszeitung „Iran“ protestiert mit weißem Titel gegen den gestrigen Angriff der Justiz auf ihren Chef Dschawanfekr

Wie am Vortag berichtet, hatten Beamte der iranischen Justiz gestern versucht, den Medienberater des Präsidenten Ahmadineschad am Sitz der von ihm geführten Zeitung „Iran“ zu verhaften. 80 bewaffnete Beamte sollen dabei im Einsatz gewesen sein. Durch den Widerstand der Mitarbeiter der Zeitung und aus anderen Gründen wurde diese Verhaftung verhindert. Die gestrige Meldung, dass bei den Protesten gegen die Stürmung des Zeitungsgebäudes durch die Justizbeamten auch der Provinzgouverneur von Teheran, Mortesa Tamaddon, verletzt worden sei, hat sich als falsch herausgestellt. Laut neuesten Nachrichten hat er zwar die Verletzten „getröstet“, aber er selbst ging unversehrt aus diesem Gefecht hervor.
Anderen Quellen zufolge soll Präsident Ahmadineschad gedroht haben, er werde kommen und seinen Berater Ali Akbar Dschawanfekr persönlich befreien, wenn einer es wage, ihn festzunehmen. Die Justizbeamten traten den Rückzug an, bevor Ahmadineschad eingetroffen war.
Von den knapp 40 Journalisten und Zeitungsmitarbeitern, die den Justizbeamten Widerstand leisteten und abgeführt wurden, sind laut jüngsten Meldungen alle noch am selben Tag wieder freigelassen worden.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

UNO fordert freie Wahlen im Iran

Der Dritte Ausschuss der Generalversammlung der Vereinten Nationen hat am 21. November in New York die iranische Regierung abermals wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen verurteilt. In einer von der Regierung Kanadas eingebrachten und von 42 weiteren Staaten, darunter Deutschland, unterstützten Resolution wird der iranischen Regierung “ernsthaft anhaltende und zahlreiche Menschenrechtsverletzungen” vorgeworfen. Die Resolution wurde mit 86 Stimmen gegen 32 gebilligt.
Das Besondere an dieser Resolution ist, dass sie nicht nur die Menschenrechtsverletzungen im Iran verurteilt, sondern auch konkrete Forderungen an die iranische Regierungen gerichtet werden.
Zu den Forderungen gehört die Freilassung aller politischen Gefangenen und die Abhaltung fairer Parlamentswahlen im Jahr 2012. Der Originaltext ist auf der unten zitierten Webseite der Bahai zu finden,


ein Auszug des Texts

http://news.bahai.org/sites/news.bahai.org/files/documentlibrary/867_Iran_human_rights_situation.pdf

Sanktionen
Von Sanktionen ist hier noch nicht die Rede. Solche wurden jedoch gestern parallel von der britischen und französischen Regierung bekannt gegeben. Beide verhängten ein Embargo gegen Geschäfte mit der iranischen Zentralbank. Angesichts der Krise, in der das iranische Bankensystem aus ganz anderen Gründen steckt (über das Ausmaß der Korruption haben wir schon mehrfach berichtet), dürfte diese Sanktion die iranische Regierung empfindlich treffen.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Neue Pipeline umgeht Meerenge von Hormos

Wie verschiedene Quellen berichten, geht im Dezember eine neue Pipeline in Betrieb, die Erdöl aus Abu Dhabi auf dem Landweg nach Oman transportiert und damit die Meerenge von Hormos umgeht. Damit fällt es der iranischen Regierung schwerer, den Erdölexport der arabischen Golfstaaten durch eine Sperrung der Meerenge zu verhindern.


Diese Landkarte zeigt den Verlauf der Pipeline. Sie stammt von der Webseite
http://inge09.blog.de/2010/11/26/pipeline-umgehung-strasse-hormus-fertig-10059029/
auf der sich weitere Details über die Hintergründe finden.
Einzelheiten über die am Bau der Pipeline beteiligten Firmen sind unter folgender Adresse zu finden.
http://www.hydrocarbons-technology.com/projects/abu-dhabi-pipeline/

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Bricht der innere Konflikt unter den Machthabern Irans nun aus?

Ali Akbar Dschawanfekr, der Mann an der Spitze der staatlichen Zeitung „Iran“, zugleich der leitende Manager der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA und Medienberater von Präsident Ahmadineschad sollte heute verhaftet werden, nachdem er vor 15 Tagen zu einem Jahr Haft veruteilt worden ist. (Vgl. Iran: Kampf um die Medienmacht)

Die Beamten drangen in das Gebäude seiner Zeitung ein und setzten dabei Tränengas und Taser ein. Den Anhängern von Dschawanfekr gelang es vorerst, sein Abführen zu verhindern.

Verschiedene Handy-Videos, die die Szene in schlechter Qualität aufnahmen, werden kurze Zeit später im Internet verbreitet. Sie zeigen, dass ein Teil der Sicherheitskräfte, die die Festnahme vollziehen wollen, sich im Gebäude befindet, und dass das Treppenhaus von Journalisten und Mitarbeitern der Zeitung blockiert wird. Vor dem Redaktionsgebäude befinden sich weitere Polizeieinheiten und Sicherheitskräfte samt ihren Fahrzeugen:


Das Redaktionsgebäude der staatlichen Zeitung „Iran“ von Polizei umstellt.


Sicherheitskräfte vor der Tür kontrollieren die Strasse und sorgen dafür, dass der Verkehr weiter fließt und die Passanten nicht stehenbleiben.


An dieser Stelle steigt Rauch aus einer Tränengasgranate auf.


Um sich vor dem Tränengas zu schützen, hat dieser Mann ein Tuch vor sein Gesicht gebunden.


Das Feuer innerhalb des Gebäudes wurde von den Mitarbeitern gelegt, vielleicht um das Tränengas zu neutralisieren.

Obwohl der Religionsführer Chamene‘i noch vor wenigen Tagen die Losung ausgegeben hatte, dass die internen Konflikte der Machthaber nicht in aller Öffentlichkeit ausgetragen werden dürfen, schien sich heute keiner dran zu halten.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Kampf um die Medienmacht

In den Zeiten von Fernsehen und Internet ist der Einfluss auf die Medien ein wichtiges Mittel, seine Macht abzusichern, egal ob es um Bertelsmann, Berlusconi oder den iranischen Präsidenten Ahmadineschad geht. Die Methoden der Auseinandersetzung unterscheiden sich freilich von Fall zu Fall.
Derzeit wird im Iran ein neues Kapitel im Machtkampf an der Spitze der Macht eröffnet. Heute erschienen Beamten der Justizverwaltung im Sitz der staatlichen iranischen Zeitung „Iran“, um Ali Akbar Dschawanfekr zu verhaften.


Ali Akbar Dschawanfekr
Ali Akbar Dschawanfekr ist nicht nur der entscheidende Mann an der Spitze dieser Zeitung, er ist zugleich auch der leitende Manager der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA und Medienberater von Präsident Ahmadineschad. Er sollte verhaftet werden, weil er zum einen ein Foto, das „gegen die islamischen Sitten“ verstößt, veröffentlicht habe, zum andern, weil er in einem Interview den Generalstaatsanwalt Esche‘i und den ehemaligen Außenminister Mottaki kritisiert habe. Aus diesem Grund war er vor 15 Tagen von einem Revolutionstribunal zu einem Jahr Haft verurteilt worden. Ohne eine Ladung erhalten zu halten – das behaupten zumindest die Anhänger des Medienberaters, kamen die Beamten ins Gebäude der Zeitung, um Ali Akbar Dschawanfekr zu verhaften. Dabei setzten sie auch Tränengas und Taser (eine Schusswaffe, deren Projektile Elektroschocks versetzen) ein. Anfänglich soll er mit angelegten Handschellen in seinem Arbeitszimmer eingesperrt gewesen sein, aber seine Anhänger verhinderten erfolgreich, dass er abgeführt wurde.


Provinzgouverneur Mortesa Tamaddon

Widerstand
Bei der versuchten Verhaftung rief Dschawanfekr laut: „Tod den Gegnern der Herrschaft des Rechtsgelehrten“, worauf eine größere Zahl seiner Anhänger, Journalisten wie auch außenstehende Personen, ebenfalls Parolen riefen und das Lied „Märtyrer, wo bist du?“ sangen. Sie forderten, Dschawanfekr dürfe nicht ohne Vorladung und nicht mit Handschellen verhaftet werden, das sei ehrenrührig. Es kam sogar zu Verletzten unter den anwesenden Anhängern des Medienmachers, über 30 Personen sollen festgenommen worden sein, darunter auch Journalisten. Ein Verletzter, dessen Namen bekannt wurde, ist interessanterweise der Provinzgouverneur von Teheran Mortesa Tamaddon. Dieser Mann ist u.a. der Chef der Polizeibehörde der Provinz Teheran! Er gehörte zu denjenigen, die der Verhaftung Dschawanfekrs durch Beamte der Justiz handfesten Widerstand entgegensetzte.

Ahmadineschad interveniert
Als Ahmadineschad von der versuchten Festnahme seines Medienberaters erfuhr, verließ er eine Sitzung, um sofort zu intervenieren und seinen Lügendoktor (zu Englisch „spin doctor“) aus der Klemme zu befreien. Er soll vor Ort erschienen sein und darauf gedrungen haben, dass Dschawanfekr nicht verhaftet wird. Offensichtlich erfolgreich, denn bis jetzt konnten die Justizbeamten ihn nicht abführen.


Ajatollah Mahdawi Kani, das Gesicht der Traditionalisten

Die Fronten hinter dem Rauchvorhang
An diesem Machtkampf sind drei Gruppen beteiligt: die traditionellen Fundamentalisten um Ajatollah Mahdawi Kani, hinter denen die traditionelle Geistlichkeit, die Basarhändler und die reichen religiösen Stiftungen stehen und die derzeit das Parlament und den Justizapparat in der Hand haben (geführt von zwei Laridschani-Brüdern). Außerdem die radikalen militaristischen Fundamentalisten um Ajatollah Mesbah Jasdi, die einen Teil der Pasdaran und des Sicherheitsapparats hinter sich haben, vor allem die Leute an der Spitze dieser Apparate. Auf der Gegenseite stehen Ahmadineschads Anhänger, die die Regierung und die Verwaltung des Landes bis hinunter auf die Lokalebene in der Hand haben, sowie die einfache Mitgliederbasis der Bassidschis und der Pasdaran, also die breite Masse des Sicherheitsapparats. Wollte man die drei Gruppen nach ihrer Wirtschaftsmacht einstufen, könnte man die Leute um Mahdawi Kani als die traditionelle Wirtschaftselite bezeichnen, diejenigen um Mesbah Jasdi als die frühen Aufsteiger nach der Revolution. Diejenigen, die hinter Ahmadineschad stehen, sind erst mit seiner Machtergreifung an die Futtertröge der Macht gelangt und konnten nur Dank seiner Unterstützung im Bankenapparat, im Erdölsektor oder in einträglichen staatlichen Posten – die Korruption lässt grüßen – zu wirtschaftlicher Macht gelangen.


Ajatollah Mesbah Jasdi, Ahmadineschads Ziehvater, geht auf Distanz zu seiner Kreatur

Es wird scharf geschossen
Wir sehen den Rauch, wir hören die Namen, aber was sind die Ziele? Gehen wir einen Schritt zurück. 2009, zu den Präsidentschaftswahlen, gab es neben Ahmadineschad zwei weitere Kandidaten: Karubi und Mirhossein Mussawi. Mussawi gewann in den Wahlen die Mehrheit der Stimmen. Aber Ajatollah Chamene‘i sorgte dafür, dass sich Ahmadineschad gegen die Volksmehrheit durchsetzte. Ahmadineschad, einmal in seiner zweiten Amtsperiode bestätigt, machte sich ans Werk. Er ließ im Amt des Religiösen Führers, also von Ajatollah Chamene‘i, Wanzen und Filmgeräte installieren, und bekam über den Stellvertreter des Geheimdienstministers sämtliche vertraulichen Gespräche aus dem Zirkel der Macht zugesteckt. Kopien diese Beweismittel ließ er zur Sicherheit auch ins Ausland schaffen. Als der Geheimdienstminister, ein Mann Chamene‘is, mitbekam, was sich hinter seinem Rücken abspielte, wollte er den Stellvertreter entlassen. Ahmadineschad erlaubte es nicht. Der Minister drohte darauf mit seinem Rücktritt, Ahmadineschad akzeptierte. Darauf intervenierte Chamene‘i, und der Minister kehrte noch am selben Tag in sein Amt zurück. Aber um welchen Preis?

Wenn ich 60% ausplaudere
Ahmadineschad erklärte jüngst öffentlich, wenn man ihn absägen wolle, solle man eins nicht vergessen. Es ging um den aktuellen Bankenskandal im Iran, wonach über das Bankensystem 3 Milliarden Dollar in die Taschen der Machthaber umgeleitet wurden. Ahmadineschad deutete an, dass dieser Transfer letztlich in die Taschen von Modschtaba Chamene‘i, des Sohns von Ajatollah Chamene‘i erfolgte. Und er erklärte: Jetzt sage ich nur 10% von dem, was ich weiß. Wenn ich 25% Prozent davon verraten würde, dann würden selbst Mauselöcher, in denen man sich verstecken könnte, eine kostbare Sache. Und wenn ich die übrigen 60% ausplaudern würde (Mathe scheint nicht seine Stärke), dann würde die Islamische Republik in ihren Grundfesten erschüttert. Mit seinem Plan, vom nahenden Imam Mahdi zu künden und damit die Rolle des Religiösen Führers zunichte zu machen, attackierte er direkt das symbolische Zentrum der Macht, das Amt des Religiösen Führers, also von Ajatollah Chamene‘i. Angesichts der heiklen Informationen, die Chamene‘i in der Hand des Präsidenten weiß, versucht er seine Stellung so gut es geht zu wahren und bemüht sich, die beiden anderen Flügel um Ajatollah Mesbah Jasdi und um Ajatollah Mahdawi Kani um sich zu scharen. Er weiß, wenn er zu hart gegen Ahmadineschad vorgeht, ist es um seine Macht geschehen. Also hält er die beiden anderen Fraktionen dazu an, Ahmadineschad in Ruhe zu lassen, er sei ja nur noch zwei Jahre in seinem Amt. Diese beiden Fraktionen sehen durchaus die Gefahr, die von Ahmadineschad für ihre Position ausgeht, zumal auch sie tief in diesem korrupten System integriert sind und sich ausrechnen können, dass sie nach dem Sturz des Religiösen Führers als nächste in der Ziellinie Ahmadineschads stehen werden.
Aber die Aussicht, dass Chamene‘i entmachtet wird, schreckt sie keineswegs. Im Gegenteil, dann würde der Weg frei für einen aus ihren beiden Fraktionen. Daher halten sie sich nicht an das Machtwort Chamene‘is, Ahmadineschad in Ruhe zu lassen, und versuchen über ihren Einfluss auf die Justiz, empfindliche Schläge gegen Ahmadineschad zu versetzen, indem sie der Reihe nach seine engsten Mitarbeiter verhaften. Der Angriff auf seinen Medienberater und den Chef der wichtigsten iranischen Nachrichtenagentur ist ein solcher Schlag. Wenn Chamene‘i über die Gegenreaktion von Ahmadineschad stürzt, wird die nächste Runde im Machtkampf eingeläutet. Dann werden sich die heute verbündeten Fraktionen gegenüber stehen. Und sie werden direkt mit ihrem dritten Gegner konfrontiert sein. Deshalb sprechen sie offen von zwei Verschwörungen: Der von 2009 – gemeint ist die Grüne Bewegung, und der Verschwörung der „Abweichler“, gemeint ist Ahmadineschad. Der Kampf gegen die „Abweichler“ werde wesentlich blutiger ausfallen als die Niederschlagung der „Verschwörung von 2009″, warnen sie, denn die „Abweichler“ seien bewaffnet. Und sie haben Recht. Der Provinzgouverneur Mortesa Tamaddon ist nur ein Beispiel dafür…

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Explosion im Raketensilo?


Die Explosion vom 12.11.2011 im Pasdar-Stützpunkt Melard hat im Iran zahlreiche Spekulationen ausgelöst, deren Wahrheitsgehalt schwer überprüfbar sind. Deshalb wollen wir uns auf die wenigen Details beschränken, die nachprüfbar sind. So wird auch durch Fotos bestätigt, dass vom Ort der Explosion oder Explosionen eine große weiße Rauchwolke aufgestiegen ist, was darauf hinweisen könnte, dass es sich nicht um einen kohlenstoffhaltigen Sprengstoff oder Brennstoff handelte.
Der zweite Punkt ist, dass auf dem Stützpunkt Melard Raketen des Typs Sadschil und Schahab III gelagert wurden. Die Rakete Sadschil ist auf einer fahrbaren Plattform montiert, Schahab III soll eine Reichweite von 2000 km haben. Angesichts der jüngsten Drohungen gegen den Iran im Zusammenhang mit dem Atombombenprogramm ist es plausibel, dass die Pasdaran-Führung unter General Hassan Moqaddam versuchte, die Raketen aus der Ziellinie möglicher Angriffe zu bringen und an andere Orte zu verteilen. Die weißen Rauchwolken könnten dann auf explodierenden Raketenbrennstoff zurückgehen.
Der dritte Punkt ist, dass angeblich bei einem Luftabwehrstützpunkt 3 km von diesem Standort entfernt ebenfalls eine Explosion stattgefunden haben soll, die auch von den Pasdaran bestätigt worden sein soll. Eine solche Bestätigung konnten wir bislang nicht finden.
Als Reaktion auf die Explosionen soll an einem weiteren Raketenstandort namens Partschin (ca. 50 km östlich von Teheran) Alarmbereitschaft ausgelöst worden sein.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran – Türkei – Syrien: Überfall auf iranischen Bus

Ein iranischer Bus, der 40 Passagiere transportierte, wurde in der türkischen Ostprovinz Van von Unbekannten unter Beschuss genommen. Eine Person soll dabei ums Leben gekommen sein, mindestens sechs weitere wurden verletzt. Der Fahrer des Busses hatte trotz einer Kopfverletzung den Bus mit hoher Geschwindigkeit aus dem Hinterhalt gerettet und bis zu einer Polizeiwache gebracht. Der Bus hatte Syrien als Reiseziel. Das ist insofern bemerkenswert, weil die Ereignisse in Syrien im iranischen Nachbarland aufmerksam verfolgt werden und kein normaler iranischer Bürger unter solchen Umständen nach Syrien reisen würde.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Die Angst reicht bis in die Spitzen

Von der Explosion auf dem Pasdaran-Stützpunkt in Melard (45 km vor Teheran) am 12. November 2011 haben wir gestern berichtet. Einer der Toten war der Pasdar-General Hassan Moqaddam. Von den weiteren Toten, deren Zahl vom Sprecher der Revolutionsgarden General Scharif zuerst mit 27, dann mit 17 angegeben wurde, wurden die militärischen Ränge nicht bekannt gegeben. Es handelte sich aber allem Anschein nach um hochrangige Pasdaran, vom Oberst aufwärts zum Generalsrang. Die Geheimhaltung der Ränge wird wohl aus dem Grund geheim gehalten, weil die Machthaber dies als Negativpropaganda empfinden.
Von den veröffentlichten Fotos zur Trauerprozession haben wir zwei ausgewählt, die einiges über die Lage im Iran verraten.

Dieses Foto zeigt den Trauerzug mit sieben Särgen. Sieben, nicht mehr, obwohl die letzte amtliche Meldung auf 17 Tote lautete. Wer diesen Trauerzug mit anderen Anlässen vergleicht, bei denen Begräbnisfeiern für ums Leben gekommene Pasdaran abgehalten wurden, kann sich nur wundern. Es fällt dem Regime nicht schwer, zehntausend Pasdaran und Bassidschis zu mobilisieren, im Vorfeld dieser Begräbnisfeier gab es ebenfalls Aufrufe in den staatlichen Medien, zum Trauerzug zu erscheinen. Dafür ist die Zahl der Teilnehmer, die in diesem Foto fast vollständig erfasst wird, kläglich. Es dürfte sich vor allem um die Angehörigen der Toten handeln. Die angesprochenen Pasdaran scheinen wohl Angst vor weiteren Vorfällen zu haben, da die Hintergründe der Explosion bis heute nicht bekannt sind und entsprechend viele Gerüchte in der Bevölkerung kursieren. Auch fehlen die Pasdaran-Generäle und Präsident Ahmadineschad, die sonst bei solchen Anlässen zu sehen sind. Dies alles spricht dafür, dass die Angst nun auch die Spitzen der Macht erfasst hat.

Das kommt auch in diesem zweiten Foto zum Ausdruck. Hier ist der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i vor den sieben Särgen zu sehen. Hinter ihm der Oberbefehlshaber der Pasdaran, General Asis Dscha‘fari, er, und sonst keiner. Während die amtlichen iranischen Medien überall verkündeten, dass auch seine Durchlaucht, der Religiöse Führer, an der Trauerprozession teilgenommen habe, sieht man im Foto, dass er nicht an der Prozession, sondern nur an der Abdankungsfeier teilgenommen hat. Diese Feier fand im Gebetshaus (Hosseiniye) in der Nähe seines Amtssitzes statt, wo er auch sonst seine Predigten zu halten pflegt. Es handelt sich um einen geschlossenen Raum mit gut kontrollierbaren Zugängen.
Auch er scheint also Befürchtungen zu hegen. Und wiederum fehlt eine Person, die sich sonst gern in den Vordergrund drängt: Präsident Ahmadineschad.
Das gibt zu denken.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Maschhad: Mutmaßliche Verhaftungen von Pasdaran

Wie die Webseite pyknet.net am 9. und 10. November 2011 berichtet, wurden am 7. November mehrere Pasdaran verhaftet und mit verbundenen Augen in einen Pasdar-Stützpunkt nach Maschhad verlegt. Auch aus Teheran sollen mehrere verhaftete Pasdaran mit verbundenen Augen mit dem Flugzeug nach Maschhad gebracht worden seien. Darauf seien sämtliche Festnetz-Telefone und Handys in Maschhad für mehrere Stunden außer Betrieb gewesen, es habe auch keine telefonische Verbindung nach Teheran gegeben.
Angesichts der Gerüchte, die diese Verhaftungen umgeben, werden wir abwarten, bis zuverlässige Einzelheiten bekannt werden. Angeblich handelt es sich bei den Verhafteten um Pasdar-Generäle, die als Gegner von Ajatollah Chamene‘i gelten.
Quellen:
http://www.pyknet.net/1390/05aban/18/index18.htm
http://www.pyknet.net/1390/05aban/19/page/31Mashahd.php

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran – Dubai: mysteriöser Todesfall an der Spitze


Mohsen Resa‘i und Ahmad Resa‘i

Mohsen Resa‘i, ehemaliger Oberbefehlshaber der Pasdaran, jetzt Generalsekretär des Rats zur Wahrung der Interessen des Systems (Shoura-ye maslehat-e Nezam), gehört zu den einflussreichen Personen des iranischen Regimes. Jetzt wurde sein Sohn Ahmad Resa‘i tot in einem Hotel von Dubai tot aufgefunden. Seine Hand wies eine tiefe Schnittwunde auf, es sollte wohl der Eindruck eines Selbstmords erweckt werden. Neben ihm lag ein Koran und ein Stück Stoff mit den Namen Gottes. Ahmad Resa‘i wurde erst drei Tage nach seinem Tod in seinem Hotelzimmer in Dubai aufgefunden. Zwei Monate davor hatte er sich bei einem Treffen auf der iranischen Insel Kisch beklagt, er werde in Dubai beschattet.
Ali Resa‘i, der nach Dubai gereist war, um die Leiche seines Bruders in Empfang zu nehmen, fragte im Hotel, wieso sie das Zimmer nicht gereinigt hätten, dann hätten sie den Toten doch bemerken müssen. Die Hoteldirektion verweigerte jegliche Auskunft.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email

Iran: Explosion – Korrespondent verhaftet


Der iranische Journalist Hassan Fathi

Der iranische Journalist Hassan Fathi, der als Korrespondent für BBC arbeitete, wurde laut einer Meldung vom 13. November 2011 von den iranischen Revolutionswächtern (Pasdaran) verhaftet, weil er in einem Interview mit BBC über die Explosion in Melard bei Schahrijar/Karadsch (Großraum Teheran) berichtet hatte, bei der auch der Pasdar-General Hassan Moqaddam ums Leben kam. In der Regierungslesart lautet der Vorwurf gegen Hassan Fathi, er habe mit der „illegalen Nachrichtenagentur“ BBC zusammengearbeitet, Lügen verbreitet und zur Beunruhigung der Bevölkerung beigetragen. Ihm wurde insbesondere vorgeworfen, „zionistische Behauptungen über den Iran“ verbreitet zu haben.
Hassan Fathi hatte im Interview mit BBC erklärt, dass die Bevölkerung in Teheran wegen der militärischen Drohungen gegen den Iran beunruhigt sei und dass sich nach der Explosion auf dem Pasdar-Stützpunkt in Melard rasch zahlreiche Gerüchte verbreitet hätte. Es sei auffällig, dass vom Ort der Explosion eine weiße Rauchwolke ausging und dass den Erste-Hilfe-Rettern der Zugang zum Ort der Explosion verweigert worden sei, vermutlich, um Augenzeugen fernzuhalten. Die Explosion, die sich in einer Entfernung von 20 km von Teheran ereignete, soll noch in Teheran wahrnehmbar gewesen sein. Der gestorbene Pasdar-General Hassan Moqaddam ist für seine Mitarbeit am militärischen Raketenforschungsprogramm des Irans bekannt, so dass der Verdacht besteht, er könne bei einem missglückten Test ums Leben gekommen sein. So würden sich auch die massive Geheimhaltungsbemühungen der Behörden erklären, die bei einem einfachen Munitionsunfall keinen Grund hätten, Meldungen zu unterdrücken.

Bookmark speichern oder einem Freund mailen
  • Facebook
  • Twitter
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • del.icio.us
  • email