Iran: Die Angst reicht bis in die Spitzen

Von der Explosion auf dem Pasdaran-Stützpunkt in Melard (45 km vor Teheran) am 12. November 2011 haben wir gestern berichtet. Einer der Toten war der Pasdar-General Hassan Moqaddam. Von den weiteren Toten, deren Zahl vom Sprecher der Revolutionsgarden General Scharif zuerst mit 27, dann mit 17 angegeben wurde, wurden die militärischen Ränge nicht bekannt gegeben. Es handelte sich aber allem Anschein nach um hochrangige Pasdaran, vom Oberst aufwärts zum Generalsrang. Die Geheimhaltung der Ränge wird wohl aus dem Grund geheim gehalten, weil die Machthaber dies als Negativpropaganda empfinden.
Von den veröffentlichten Fotos zur Trauerprozession haben wir zwei ausgewählt, die einiges über die Lage im Iran verraten.

Dieses Foto zeigt den Trauerzug mit sieben Särgen. Sieben, nicht mehr, obwohl die letzte amtliche Meldung auf 17 Tote lautete. Wer diesen Trauerzug mit anderen Anlässen vergleicht, bei denen Begräbnisfeiern für ums Leben gekommene Pasdaran abgehalten wurden, kann sich nur wundern. Es fällt dem Regime nicht schwer, zehntausend Pasdaran und Bassidschis zu mobilisieren, im Vorfeld dieser Begräbnisfeier gab es ebenfalls Aufrufe in den staatlichen Medien, zum Trauerzug zu erscheinen. Dafür ist die Zahl der Teilnehmer, die in diesem Foto fast vollständig erfasst wird, kläglich. Es dürfte sich vor allem um die Angehörigen der Toten handeln. Die angesprochenen Pasdaran scheinen wohl Angst vor weiteren Vorfällen zu haben, da die Hintergründe der Explosion bis heute nicht bekannt sind und entsprechend viele Gerüchte in der Bevölkerung kursieren. Auch fehlen die Pasdaran-Generäle und Präsident Ahmadineschad, die sonst bei solchen Anlässen zu sehen sind. Dies alles spricht dafür, dass die Angst nun auch die Spitzen der Macht erfasst hat.

Das kommt auch in diesem zweiten Foto zum Ausdruck. Hier ist der Religiöse Führer Ajatollah Chamene‘i vor den sieben Särgen zu sehen. Hinter ihm der Oberbefehlshaber der Pasdaran, General Asis Dscha‘fari, er, und sonst keiner. Während die amtlichen iranischen Medien überall verkündeten, dass auch seine Durchlaucht, der Religiöse Führer, an der Trauerprozession teilgenommen habe, sieht man im Foto, dass er nicht an der Prozession, sondern nur an der Abdankungsfeier teilgenommen hat. Diese Feier fand im Gebetshaus (Hosseiniye) in der Nähe seines Amtssitzes statt, wo er auch sonst seine Predigten zu halten pflegt. Es handelt sich um einen geschlossenen Raum mit gut kontrollierbaren Zugängen.
Auch er scheint also Befürchtungen zu hegen. Und wiederum fehlt eine Person, die sich sonst gern in den Vordergrund drängt: Präsident Ahmadineschad.
Das gibt zu denken.

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