Archiv für Dezember 2011

Iran: Zu Wasser, zu Lande und in der Luft


Iranisches Kriegsschiff im Persischen Golf

In der Luft
Wir erinnern uns: Am 12. November 2011 ist es auf dem Pasdaran-Stützpunkt in Melard (ca. 45 km vor Teheran) zu einer heftigen Explosion gekommen, bei der mehrere hochrangige Pasdar-Offiziere ums Leben kamen, unter anderem der Leiter des iranischen Raketenprogramms. Ursache war anscheinend eine missglückte Verlegung von Raketen, um sie einem möglichen US-Angriff zu entziehen. Die weißen Wolken über dem Unglücksort deuteten auf die Explosion von Raketentreibstoff hin.

Zu Lande
Am 13. Dezember 2011 traf die nächste Meldung ein. Die Explosion von angeblichen Blindgängern auf dem Gelände einer Stahlfabrik in Jasd. Die Blindgänger waren während militärischer Manöver im Westiran, eingesammelt worden. In den kurdischen Gebieten wollten die iranischen bewaffneten Kräfte offensichtlich einen westlichen Angriff über den irakischen Kurdistan simulieren.

Zu Wasser
Diesmal ist nicht von Explosionen die Rede, sondern von einem Manöver im persischen Golf. Unter dem Namen „Welayat 90″ (gemeint ist „Die Herrschaft des Rechtsgelehrten im Jahre 1390″ – also in diesem Jahr nach europäischer Zeitrechnung) üben Einheiten der iranischen Marine und der Marine der Pasdaran (Revolutionswächter) Kriegsführung, um zu beweisen, dass sie auch nach einem US-Angriff in der Lage sind, die Meerenge von Hormos zu sperren.
Die Gründe dafür sind auch in der Vergangenheit zu suchen.

Überraschungsangriff vom 18. April
Am 18. April 1988 hatten die US-Luftstreitkräfte und die US-Marine in einem überraschenden Angriff die Einheiten der iranischen Marine im persischen Golf attackiert und die halbe Marine vernichtet. Vier Tage zuvor, am 14. April, war die US-Fregatte Samuel B. Roberts, die als Raketenträger diente, auf eine Mine aufgelaufen, die von iranischer Seite gelegt wurde. Nach dem vernichtenden Schlag gegen die iranische Marine kam es zum Abschluss eines Waffenstillstands zwischen Iran und Irak.

Die Lehren aus drei Kriegen
Mittlerweile sind zwei weitere Kriege durch das Gebiet gefegt, der erste Irak-Krieg nach der Besetzung Kuwaits von 1990 und der zweite Irak-Krieg von 2003, der mit dem Sturz von Saddam Hussein endete. Die iranischen Organe haben ihre Lehren aus diesen Kriegen gezogen. Jetzt besitzt der Iran nicht mehr eine, sondern zwei Marinen. Die eine untersteht der Armee, die andere den Pasdaran. Die Marine der Armee hat die Aufgabe, „feindliche Kräfte“ in der Meerenge von Hormos und im Meer vor Oman zu beschäftigen, während die Raketen- und Schnellbooteinheiten der Pasdaran sowie die Selbstmordeinheiten die Aufgabe haben, Anschläge auf Erdölanlagen, städtische Infrastruktur und natürlich auch militärische Ziele durchzuführen.
Die Marine der Pasdaran hat drei Stützpunkte im Persischen Golf. Der vierte Stützpunkt in Ossuliye wurde gerade eröffnet. Auch die Marine der Armee hat zwei Stützpunkte am Golf, der zweite in Bandar-Dschassak wurde jetzt in Betrieb genommen.

Techno-Guerrilla
Da die iranischen Kriegsherren finanziell nicht mit ihren US-Kollegen mithalten können, sind sie es jetzt, die auf den Überraschungseffekt setzen. Die Schnellboote sind nicht nur schlecht zu erkennen, sie können sich auch in seichten Gewässern frei bewegen. Dies und der Einsatz von Boden-Boden-Rakten, die entlang der Tausend Kilometer langen persischen Küste am Golf, auf den Inseln, in Höhlen und auf Schnellbooten stationiert sind, sind die Trümpfe in den Händen der Marine der Pasdaran.

Marine der Armee

Die Schiffe der iranischen Marine sind in der Regel um die 30 Jahre alt. Von Russland hat die Marine der iranischen Armee drei U-Boote erworben, eine unbekannte Zahl kleiner U-Boote wurde im Iran selbst gebaut. Die U-Boote dienen dazu da, dem Schiffsverkehr im Persischen Golf aufzulauern. Der Iran ist der einzige Anrainer-Staat am Persischen Golf, der über U-Boote verfügt. Außerdem hat die iranische Armee von Russland und China 2000 See-Minen gekauft.

Der Schuss kann nach hinten losgehen
Obwohl die iranischen Machthaber also auf den ersten Blick gut für einen Angriff gerüstet sind, birgt die Sperrung der Meerenge von Hormos, die ja das Ziel der Aktionen wäre, massive Nachteile für die Herrscher des Irans. So kommt die Sperrung einer Kriegserklärung gegenüber den anderen Golfstaaten gleich, deren Exporte hauptsächlich über diesen Weg gehen. Und so klein auch Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate sind, ihre Luftwaffe ist besser ausgestattet als die iranische. Gegen sie kann sich der Iran nicht verteidigen. Und mehr noch: 90 Prozent der iranischen Exporte und 85 Prozent der iranischen Importe passieren die Meerenge von Hormos. Sie zu sperren ist eine Art wirtschaftlicher Selbstmord. Das käme für die iranischen Machthaber wohl höchstens in Frage, wenn sie ihren unmittelbaren Sturz befürchten.

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Iranische „Freundschaftshilfe“: Ohrfeigen im Parlament

Vor etwa einem Jahr wurde im Iran die Einführung der „Freundschaftshilfe“ (Yarane) als Ersatz für die generelle Subvention diverser Waren (Benzin, Brot etc.) begonnen. Die „Freundschaftshilfe“ wurde als monatliche Unterstützungszahlung (also eine Art Sozialhilfe) für den ärmeren Teil der iranischen Bevölkerung angekündigt und sollte die Unzufriedenheit abfedern, die nach den absehbaren Preiserhöhungen zu erwarten war. Der voraussichtliche Kreis der Nutznießer wurde mehrmals enger gezogen, weil das iranische Budget, das vor allem auf den Erdöleinnahmen beruht, von denen ein Teil ohnehin in den Taschen der Mächtigen verschwindet, nicht ausreichte, die angekündigten Leistungen zu finanzieren.


„Freundschaftshilfe“ (Yarane)

Obiger Ausschnitt einer Webseite des iranischen Energieministeriums zur Zuteilung der „Freundschaftshilfe“ im Bereich Wasser und Strom gibt einen Eindruck von den schönen Worten, an denen bei der Einführung der „Freundschaftshilfe“ nicht gespart wurde:
„Mit Bekanntmachung durch den Präsidenten der Republik hat der Vollzug des Gesetzes zur Zuteilung der „Freundschaftshilfen“ im Lande begonnen. Mit dem heutigen Tag hat das Land mit gleichmäßigen Schritt den Weg zur Reform der Wirtschaftsstruktur in Angriff genommen, um diese goldene Gelegenheit zu nutzen und einen Schritt nach vorne auf diesem Weg zu machen, dessen strahlende Zukunft gesichert ist. (…)“

Parlamentarische Anfrage endet mit Ohrfeigen
Am Dienstag, den 27. Dezember 2011, wurde im iranischen Parlament eine Anfrage zum Thema „Freundschaftshilfe“ behandelt. Es ging um den Vorwurf, dass diese Hilfe an die Firmen im Gas-, Strom- und Wassersektor nicht ausgezahlt werde. Am Vortag hatte der Abgeordnete Mohammad Dehqan kritisiert, dass der Vollzug des Gesetzes über die Zuteilung der „Freundschaftshilfe“ zahlreiche Projekte aus dem Gas-, Wasser- und Stromsektor empfindlich gestört habe und viele Firmen aus diesem Sektor nicht nur den Forderungen ihrer Gläubiger (z.B. Lieferanten) nicht mehr nachkommen können, sondern auch Schwierigkeiten haben, den Lohn ihres Personals auszubezahlen.
Um mehr über die Auszahlung der staatlichen „Freundschaftshilfe“ zu erfahren, war der Direktor der Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe (Saseman-e Hadafmandi-ye Yarane-ha) Behrus Moradi, vom Parlament eingeladen worden. Er erklärte bei der Anhörung am Dienstag, dass die Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe das Gesetz ausführe und es keinen Grund für Erläuterungen gebe. Die Organisation für die Zuteilung der Freundschaftshilfe führe das aus, was Paragraph 12 des Gesetzes vorsehe.


Behrus Moradi, Direktor der „Freundschaftshilfe“-Behörde

Behrus Moradi, der nicht sehr auskunftsfreudige Direktor dieser „Sozialhilfe“-Behörde, rastete schließlich aus, als Hossein Hosseini, der Abgeordnete von Feriman, Zahlen über die „Freundschaftshilfe“ vortrug. „Was ist das für eine Gassen-und-Basar-Statistik, was Sie da vortragen?“ rief Behrus Moradi aus.
Der erboste Abgeordnete wollte ihm eine Ohrfeige verabreichen, traf ihn aber im Nacken, ritzte seine Haut und es floss Blut. Behrus Moradi gab darauf dem Abgeordneten Hossein Hosseini eine Ohrfeige und die anderen Parlamentarier hatten Mühe, die Streithähne auseinander zu bringen. Wie im Kindergarten üblich, kam es auch noch zum Streit darüber, wer angefangen hat.
Behrus Moradi, der an Hochdruck leidet und außerdem ein Medikament einnimmt, dass die Blutgerinnung behindert, musste von einem anwesenden Abgeordneten, der im Zivilleben Herzspezialist ist, verarztet werden.
Zum Schluss trafen sich Behrus Moradi und Hossein Hosseini beim Präsidium des Parlaments, wo sich Hossein bei Behrus entschuldigte und sich die beiden versöhnten, wie die iranischen Medien berichten.
Der Parlamentspräsident Ali Laridschani soll im übrigen in einem Brief über einen Bericht der Parlamentskommission zur Wirtschaftsreform bezüglich der Ausführung des Gesetzes zur Zuteilung der „Freundschaftshilfen“ befürwortet haben, dass die Sache an die Justiz überstellt wird.

Kommentar:
Dass ein Behördenchef einen Abgeordneten schlägt oder zurückschlägt – je nach Version, zeigt deutlich, mit was für Leuten Präsident Ahmadineschad seine Behörden besetzt hat und was für Typen im Parlament sitzen. Und dass derjenige, der über die Zuteilung staatlicher Leistungen entscheidet, wie Behrus Moradi, von diesen Leistungen etwas für sich abzweigt, wäre bei den iranischen Verhältnissen keine Überraschung. Beachtlich ist, dass die Auseinandersetzung unter den Machthabern so weit gediehen ist, dass Korruptionsfälle ins Parlament und in die Medien getragen werden. Das verstummt dann wieder, wenn Ajatollah Chamene‘i ein Machtwort spricht, und geht wenig später von neuem los.

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Iran: Das Wahlrecht bestimmen die Generäle


General Esmail Ahmadi-Moqaddam

General Esmail Ahmadi-Moqaddam, ein Schwager von Präsident Ahmadineschad und Oberbefehlshaber der Polizeikräfte, erklärte jüngst gegenüber der iranischen Nachrichtenagentur Mehr:
„Wir haben alle Vorkehrungen für eine bessere Durchführung der Wahlen getroffen. Die notwendige Abstimmung mit den Sicherheitsorganen, unter anderem dem Geheimdienstministerium, den Pasdaran, den Bassidschi-Milizen, dem Innenministerium und weiteren Institutionen, hat stattgefunden.
Die kommenden Parlamentswahlen werden sich von denen von 1388 (gemeint ist die Präsidentschaftswahl von 2009) unterscheiden. Wir müssen die Erfahrungen der vergangenen Wahlen nutzen, um möglichst umfassende Sicherheit zu gewährleisten. Diejenigen, die sich als Kandidaten für ein Parlamentsmandat registrieren lassen, müssen davon Abstand nehmen, Versprechungen zu machen, die sich nicht verwirklichen lassen, und sich davor hüten, sich gegenseitig zu unterminieren. Sie sollen vielmehr ihre Vorschläge und Ideen propagieren, wie die Region und das Land, um das es geht, vorwärts kommt. Es sollen diejenigen ins Parlament einziehen, die an das System glauben!“
Hinweis: Esmail Ahmadi-Moqaddam ist einer der 32 Iraner, die wegen ihrer Beteiligung am Massaker gegen die Bevölkerung nach den Protesten gegen die Wahlfälschung vom Juni 2009 auf die Sanktionsliste der EU gesetzt wurden.
siehe: http://alischirasi.blogsport.de/2011/04/19/eu-sanktionen-gegen-iranische-machthaber/

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Irans Reformisten: Nein zu Scheinwahlen

Die wichtigste Partei der iranischen Reformisten, die Dschebheje Moscharekate Irane Eslami, hat bekannt gegeben, dass sie an den Wahlen zur neunten Legislaturperiode des iranischen Parlaments (Madschles) nicht teilnehmen wird. Die Reformisten beschuldigen die Machthaber, sie habe vor, das nächste Parlament mit Leuten zu besetzen, die nur noch absegnen, was die Regierung ihnen vorlegt. In einer jüngst veröffentlichten Erklärung schreibt die Partei: „Man kann nicht an Wahlen teilnehmen, die nicht in einer Atmosphäre der Freiheit abgehalten werden, in denen die Kandidaten des Volkes nicht zum Wahlkampf zugelassen werden, und – wichtiger noch – in denen die Stimmen des Volkes ignoriert werden. Aus diesem Grund geben wir dem iranischen Volk unseren Beschluss bekannt, nicht an den Parlamentswahlen teilzunehmen.“
Die Parlamentswahlen, die am 12. Esfand 1390 (Anfang März 2012) stattfinden sollen, sind die ersten Wahlen seit den Präsidentschaftswahlen vom Juni 2009, aus denen Ahmadineschad nicht Dank der Mehrheit der Stimmen, sondern Dank massiver Wahlfälschung und der nachfolgenden brutalen Unterdrückung der Proteste als Sieger hervorging.
Während die Reformisten also die Mitwirkung an der nächsten Wahl-Show ablehnen, zeichnen sich im Lager der „Prinizipialisten“ (Ossulgerajan) immer deutlichere Spaltungen an. So lehnt die Dschebheje Pajdarije Enqelabe Eslami (Front zur Unterstützung der Islamischen Revolution), die von ehemaligen Ministern und Behördenleitern Ahmadineschads gebildet wurde und unter der Führung von Ajatollah Mohammad-Taqi Mesbah Jasdi steht, das Ansinnen ab, eine Koalition mit anderen fundamentalistischen Kräften unter der Führung von Ajatollah Mahdi Kani und Mohammad Jasdi einzugehen.

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Tabris: Autofabrik schließt – Massenarbeitslosigkeit

Laut einer Meldung der amtlichen iranischen Nachrichtenagentur IRNA hat das Montagewerk für ein Modell der iranischen Marke „Peykan“ in Tabris (Nordwestiran) die Einstellung der Produktion bekannt gegeben. Dadurch werden auf einen Schlag 1500 Montagearbeiter arbeitslos. Weitere 10.000 Arbeiter in der Ersatzteil- und Zuliefererindustrie werden ebenfalls arbeitslos. Derzeit stehen 40.000 Autos des produzierten Modells auf Halde.

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Iran: Im Reich des Dollars und des britischen Pfunds

Während die Bassidschi-Milizen auf Ajatollah Chamene‘is Geheiß die britische Botschaft gestürmt haben, sinkt das Vertrauen in die heimische Währung (Rial/Tuman) im Lande immer mehr. Für ein Land, dessen Einnahmen wesentlich durch den Verkauf von Erdöl bestimmt werden, bedeutet ein Bankembargo zugleich auch ein Zahlungsembargo, weil selbst ausländische Kunden, die iranisches Erdöl gekauft haben, keine Bank finden, mit deren Hilfe sie ihre Schulden bezahlten können. Dadurch wird ausländische Währung rar, der Wert des Tuman fällt. Die Iraner, die Geld haben, stehen schon in den frühen Morgenstunde Schlange vor den Banken, um das Geld gegen Goldmünzen zu tauschen und Fremdwährung wie Dollar und Pfund zu kaufen. Der wirkliche Wechselkurs für ein britisches Pfund liegt inzwischen in Teheran bei 2190 Tuman.

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Die Machthaber im Iran verlieren ihre Anhänger

Nach dem Sturm von Pasdaran und Basiji auf die britische Botschaft in Teheran kam es zu scharfen Reaktionen in der ganzen Welt, besonders in Europa und den Vereinigten Staaten. Im Iran kam es zu einer Spaltung unter den Machthabern: Ein Teil fand die Aktion gut, ein Teil kritisierte sie. Der Religiöse Führer Chamene‘i und der Präsident Ahmadinejad vermieden es, klar Position zu beziehen. Heute ist klar, dass diese Aktion direkt vom Chamene‘i befohlen worden war.

Der bekannte General der Pasdaran, Sardar Ghasimi, ist ein wichtiger Anhänger von Chamene‘i. Nach dem irakisch-iranischen Krieg konnte Ghasemi mit Unterstützung von Chamene‘i Professor an verschiedenen Universitäten des Irans werden. Er reist durch das ganze Land und hält Vorträge. Sein Publikum besteht im Wesentlichen aus Anhängern der Pasdaran und Basiji. Wer an seinen Vorträgen teilnimmt kann nicht nur direkte Vorteile aus Gutschein oder Geldgeschenken ziehen, sondern hat darüberhinaus die Chance direkt von Ghasemi protegiert zu werden und z.B. einen guten Job zu bekommen.

Vor einigen Tagen fand eine Veranstaltung mit ihm an der Universität Teheran statt. Es sollte die Frage diskutiert werden, ob die Aktion bei der Botschaft richtig war oder nicht. Für die Veranstaltung wurde im Fernsehen, im Radio und in Zeitungen viel Werbung gemacht.

Die folgenden Fotos der Veranstaltung zeigen uns, wie es war:


So sah der Eingang der Aula der Universität Sharif in Teheran aus.


Mit dem Projektor wurde eine Zeichnung der britischen Botschaft an die Wand geworfen, die mit einem „Ungültig!“ abgestempelt ist. Der Redner ist Saradr Ghasemi.


Mit Leidenschaft erklärt er, wie man gegen die alte Kolonialmacht Großbritannien kämpfen wird.


Hier ruft er Parolen gegen Israel, die USA und Großbritannien.


Hier sitzt Ghasemi im Publikum. Der Saal zeigt ungefähr 20 Personen. Bei der Botschaftsbesetzung hatten ungefähr 300 Basiji und Pasdaran teilgenommen.


Ghasemi, der wieder mit hochgereckter Faust Parolen ruft, findet nur wenige Unterstützer.

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Iran: Die nächste Explosion


Bei der Explosion kamen 12 Arbeiter ums Leben

Wieder ist von einer Explosion die Rede, diesmal in einer Stahlfabrik in Jasd. Bei der Explosion kamen 12 Arbeiter ums Leben, 12 weitere sollen schwer verletzt sein. Die ersten Erklärungen, die im Iran verbreitet wurden, stammen vom Management der Firma, das von der Explosion eines Gasbehälters sprach. Der Parlamentsabgeordnete von Jasd wurde dann in einem Interview konkreter. Aus dem Westen des Landes – sprich aus Kurdistan – seien Blindgänger in die Fabrik gebracht worden, die dort explodiert seien.
Dies weist darauf hin, dass derzeit im Westen des Irans größere militärische Manöver stattfinden, um einen möglichen westlichen Angriff über den irakischen Kurdistan zu simulieren. Seine Aussage weist weiter darauf hin, dass diese Stahlfabrik in Jasd auch Teil des Rüstungssektors ist. Vermutlich sollten die Blindgänger entschärft und dann wieder neue Munition gefertigt werden. Wer in Deutschland die Namen Krupp oder Thyssen hört, denkt an Panzer und Rüstungsindustrie, und auch im Iran werden aus Stahl Mordwaffen gefertigt.
Was auf den ersten Blick wie ein Arbeitsunfall aussieht, scheint tatsächlich im gleichen Kontext zu stehen wie die Explosion in Malard, wo offensichtlich Treibstoff von Trägerraketen in die Luft gegangen ist. Das Raketenprogramm ist ebenfalls Teil des staatlichen Rüstungsprogramms.

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Nachrichten aus dem Paradies

Seit 33 Jahren leben die Menschen im Iran in einem islamischen Paradies. Das Paradies hat mittlerweile 75 Millionen Einwohner. Hier eine kleine Auflistung der paradiesischen Zustände. Wir sind uns bewusst, dass die Liste nicht vollständig ist.

  • Laut Polizeiangaben beträgt die Zahl der Verkehrstoten im Iran 23.000 im Jahr.
  • 15 Millionen Jugendliche im Iran sind arbeitslos.
  • 778 Arbeitnehmer sind in den ersten sechs Monaten des laufenden iranischen Jahres an einem Arbeitsunfall gestorben, im letzten Jahr waren es im gleichen Zeitraum 655.
  • Jeden Monat werden vor den iranischen Zivilgerichten 12.000 Scheidungen eingereicht, das macht (wenn man die Feiertage abzieht) 500 Scheidungen täglich. Zehn Prozent aller Fälle, die von den Zivilgerichten bearbeitet werden, sind Scheidungsfälle.
  • Laut einer Veröffentlichung der Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Teheran ist das Eintrittsalter von Kindern in die Prostitution innerhalb der letzten zwei Jahren von 14 bis 15 Jahren auf 9 bis 10 Jahre gesunken. Dies ist auf die Entscheidung der Eltern zurückzuführen, die ihre Kinder zu diesem Zweck „vermieten“. Was die erwachsenen Frauen betrifft, ist der Anteil der Frauen mit Studienabschluss, die diesem Gewerbe nachgehen, stark gestiegen, auch dies eine Folge der hohen Jugendarbeitslosigkeit.
  • In den ersten sieben Monaten des laufenden iranischen Jahres sind 2169 Menschen im Iran am Drogenmissbrauch ums Leben gekommen, im Vorjahr waren es im gleichen Zeitraum 2084 Menschen. Die Zahl der Toten steigt in der zweiten Jahreshälfte, die im Iran sämtliche Wintermonate umfasst, stärker an, weil viele Drogensüchtige in Pappkartons im Park schlafen, keine gesunde Ernährung haben und dann auch an den Folgen von Erkältungen umkommen.
  • Die Zahl der AIDS-Kranken im Iran beläuft sich nach Schätzungen auf 100.000 bis 120.000 Menschen. Etwa 40% der Kranken haben sich durch Geschlechtsverkehr angesteckt.
  • 6 Millionen Iraner leiden an Diabetes, jedes Jahr kommen 200.000 hinzu.
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Iran: Verfolgung der arabischen Minderheit


Die Manabi-Brüder

Ghaleb Manabi Salehi (37 Jahre alt) sowie sein jüngerer Bruder Hassan Manabi Salehi, ein Geschichtsstudent, wurden am 28. November 2011 in Ahwas (Südwestiran) von iranischen Geheimdienst- und Polizeiorganen verhaftet und verschleppt. Die Angehörigen wissen bis heute nicht, wo sich die beiden befinden.
Die beiden Brüder sind im Volk bekannt für die arabischen Lieder, die sie selbst verfassen und vortragen. Aufgrund ihrer früheren „Bekanntschaft“ mit den Staatsorganen hatten sie es vorgezogen, in einen anderen Stadtteil von Ahwas umzuziehen, um ihre staatlichen Verfolger abzuschütteln.
Offensichtlich vergebens. Wie man sieht, nimmt der iranische Staat keinerlei Rücksicht auf ethnische und religiöse Minderheiten, so dass selbst die Verwendung der Muttersprache riskant ist.
Die Intoleranz trifft nicht nur Turkmenen, Aseris und Kurden, sondern auch kleinere Volksgruppen wie die Balutschen und Araber.
Wenn das Regime dann davon redet, die Amerikaner würden Unzufriedenheit unter den Volksgruppen anstacheln, lenkt das nur von seinem eigenen Verhalten ab.
Langfristig gefährdet so ein Vorgehen den Bestand des Irans in seinen heutigen Grenzen.

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Iran: Mordversuch im Krankenhaus

Wie Mehdi Chas‘ali auf seinem Blog berichtet, wurde Dr. Abbas Palizdar, ein hochrangiger Funktionär des iranischen Justizapparats, der begonnnen hatte, über die Korruption der iranischen Geistlichkeit (Rafsandschani, Mesbah Jasdi, Mahdawi Kani) auszupacken und dann von Ahmadineschad fallen gelassen wurde, jüngst aus dem Gefängnis in die Intensivstation des Modarres-Krankenhauses in Teheran verlegt. Dr. Abbas Palizdar (Palisdar gesprochen) sollte dort aufgrund eines Herzleidens behandelt werden. Statt einer Behandlung widerfuhr ihm dort ein Überfall durch Männer in Zivil, die von Krankenhauspersonal (vermutlich Bassidschis) unterstützt wurden. Die Männer wurden wahrscheinlich von denjenigen geschickt, denen seine Kritik gegolten hatte. Wäre der Gefängniswärter nicht dagewesen, hätten die Angreifer den Kranken wohl umgebracht, wie die Frau des Kranken gegenüber Mehdi Chas‘ali berichtete.

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Nordiran: Fabrikdirektor im Klo eingesperrt

Im Iran kommt es immer häufiger vor, dass die Arbeiter über Monate oder gar ein Jahr hinweg ihren Lohn nicht ausbezahlt bekommen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit haben die Betroffenen auch nicht einfach die Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu wechseln. Da es im Iran keine unabhängigen Gerichte gibt, haben sie auch nicht die Möglichkeit, ihre Rechte auf diesem Weg einzufordern. Die Arbeiter einer Textilfabrik im Nordiran, in der etwa 400 Menschen angestellt sind, haben deshalb zu einer ungewöhnlichen Protestform gegriffen – sie haben den Direktor einen halben Tag lang im Klo eingesperrt und verlangt, dass der Lohn ausgezahlt wird, sonst würde er nicht freigelassen. Der Verwaltungschef dieser Stadt, dem auch die Polizei untersteht, hat darauf interveniert und den Arbeitern versprochen, dass ihre Löhne ausgezahlt würden, wenn sie den Direktor wieder freilassen. Der Direktor kam frei, die Löhne wurden immer noch nicht gezahlt.

Neues Arbeitsgesetz seit einem Jahr – kein Grund zum Feiern
Auch in Teheran kam es jüngst zu Protesten. Vor etwa drei Wochen versammelten sich rund 3000 Arbeiter vor dem Parlamentsgebäude, um gegen das vor einem Jahr verabschiedete Arbeitsgesetz zu protestieren. Artikel 112 und 115 dieses Gesetzes stuft Arbeiter, die keine formale Ausbildung durchlaufen haben, sondern ihr Fach im Betrieb erlernt haben, bis zum 60. Lebensjahr (!) auf die Ebene eines Lehrlings herab. Ein Lehrling erhält im Iran einen viel schlechteren Lohn als ein Arbeiter, er hat eine schlechtere Versicherung und kann jederzeit ohne Abfindung entlassen werden. Wenn man bedenkt, dass das Berufsausbildungssystem im Iran nicht so entwickelt ist wie in Deutschland oder der Schweiz, wo eine Ausbildung die Regel ist, trifft eine solche Regelung viel mehr Menschen als dies hier der Fall wäre. Angesichts der massiven Unterdrückung jeglicher Proteste unter Ahmadineschad ist eine Versammlung von 3000 Menschen beeindruckend. Viele von ihnen waren in Vertretung weiterer Arbeiter aus dem ganzen Iran vor dem Parlament erschienen. Man kann davon ausgehen, dass diese Arbeiter in den amtlichen islamischen „Gewerkschaften“ organisiert sind, aber offensichtlich kann selbst die Überwachung dieser Gewerkschaften durch die Pasdaran nicht mehr verhindern, dass sich der Protest sogar über diese staatsnahen Institutionen ausdrückt.

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Iran: Die Armee des Schemr

Fasnacht im Iran?


Originelle Mäschgerle, würde da der Südkurier schreiben…


wie man sieht, man braucht keine Gummimasken, um ganz gruselig auszusehen


Pferde kann jeder, hier mal Kamele,
und was für ein stattlicher Teufel


da die Guggenmusik – mit Pauken


und Trompeten

Ja, so könnte ein uneingeweihter Besucher aus dem Westen denken, der in diese Art von Aufführungen gerät, die jetzt im ganzen Iran anlässlich der Trauerfeiern des schiitischen Aschura-Fests stattfinden.
Aber weit gefehlt, und wehe dem, der da Ho Narro! riefe.
Besagter Teufel ist kein anderer als der grausame Heerführer Schemr, der den Märtyrer Hossein samt seinen Getreuen und seiner Familie in der Wüste belagerte und dürsten ließ, alle Männer – bis auf einen – umbrachte und die Frauen in die Gefangenschaft verschleppte. So will es die schiitische Überlieferung, die vielen Menschen heilig ist.
Die rot gekleideten Männer symbolisieren die Armee des Schemr, die gelben ebenfalls, nur diejenigen, die Grün tragen, vertreten die Seite von Imam Hossein.

Hier die Bogenschützen von Schemrs Armee

Einer der Generäle von Schemr

der grausame Schemr sticht das Kind von Imam Hossein ab

hier tritt einer seiner Soldaten die Töchter des Imam und entführt sie,
und darunter gießt der teuflische Schemr das Wasser vor dem dürstenden Baby in den Wüstensand

die wüsten Männer von Schemrs Armee stecken Imam Hosseins Zelt in Brand.
Wie wird da wohl der einstimmige Ruf der Zuschauer lauten?
Kreuzigt ihn!

Und damit auch der Dümmste kapiert, wer heute gekreuzigt werden soll und in der Armee des Schemr marschiert, bitte sehr, ein Soldat der britischen Armee, vielleicht nicht mehr in der brandaktuellsten Uniform…
Vielleicht wird aus dem ganzen ja doch noch eine Fasnachtsveranstaltung, warten wir’s ab.

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Iran: Gefälschte Wahlen, gefälschte Studenten, gefälschter Tee


beim Teepflücken im Nordiran

Zumindest in einem sind die iranischen Machthaber gute Lehrmeister. Im Fälschen. Die entsprechende Koransure wird sich sicher noch finden. Während die gefälschten Wahlen von 2009 vielen Menschen das Leben und vielen Tausenden die Freiheit gekostet haben, während die gefälschten Studenten der Ajatollahs jüngst die britische Botschaft in Teheran verwüsteten, hat eine Nation von Teetrinkern nun mit einer weiteren Facette dieser Tugend zu tun, die einem allerdings den Appetit verderben kann. Bekanntlich wird im Norden des Irans, an der Küste des Kaspischen Meeres, ein Tee sehr geschätzter Qualität angebaut. Aber dieser Tee ist im Vergleich zur Importware teuer und der Staat unterstützt die Bauern nicht. So kommt es, dass der Iran heute fast seinen gesamten Verbrauch an Tee importiert. 5.000 Tonnen werden im Land produziert, 35.000 Tonnen werden legal importiert, und 60.000 Tonnen stammen aus dem Schmuggel, dem Wirtschaftsbereich, der am meisten von den Pasdaran kontrolliert wird. Da der importierte Tee nicht so gut schmeckt, greifen die Händler zu einem Trick. Sie mischen etwas iranischen Tee bei, um den Geschmack zu heben, und verkaufen das Ganze zu hohen Preisen als iranischen Tee.
So wie man im Mittelalter in Europa dem kostbaren Pfeffer Mäusedreck beigemischt hat, um den Gewinn zu erhöhen.
Wie man sieht, ob Christen oder Muslime, es gibt viele Gemeinsamkeiten.

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Iran: Gewerkschafter hinter Gittern


Resa Schahabi, Gewerkschafter

Resa Schahabi, ein Gewerkschaftsaktivist der Busfahrer in Teheran, ist seit 19 Monaten im Gefängnis. Ohne Anklage, ohne Gerichtsverfahren. Seine Gesundheit ist schwer angeschlagen. Die inneren Organe (Leber, Niere) funktionieren nicht mehr richtig, vier Wirbel seiner Wirbelsäule sind beschädigt, seine linke Körperhälfte kann er kaum noch bewegen, so dass die Ärzte davon ausgehen, dass er bald gelähmt sein wird. Trotz dieser Umstände bewegt sich in seinem Fall nichts. Er wird weiter in Untersuchungshaft gehalten. Deshalb hat er vor zwei Wochen einen Hungerstreik eröffnet, um die Behörden zum Handeln zu zwingen.


Resa Schahabi, Gewerkschafter

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