Nordiran: Fabrikdirektor im Klo eingesperrt

Im Iran kommt es immer häufiger vor, dass die Arbeiter über Monate oder gar ein Jahr hinweg ihren Lohn nicht ausbezahlt bekommen. Angesichts der hohen Arbeitslosigkeit haben die Betroffenen auch nicht einfach die Möglichkeit, den Arbeitsplatz zu wechseln. Da es im Iran keine unabhängigen Gerichte gibt, haben sie auch nicht die Möglichkeit, ihre Rechte auf diesem Weg einzufordern. Die Arbeiter einer Textilfabrik im Nordiran, in der etwa 400 Menschen angestellt sind, haben deshalb zu einer ungewöhnlichen Protestform gegriffen – sie haben den Direktor einen halben Tag lang im Klo eingesperrt und verlangt, dass der Lohn ausgezahlt wird, sonst würde er nicht freigelassen. Der Verwaltungschef dieser Stadt, dem auch die Polizei untersteht, hat darauf interveniert und den Arbeitern versprochen, dass ihre Löhne ausgezahlt würden, wenn sie den Direktor wieder freilassen. Der Direktor kam frei, die Löhne wurden immer noch nicht gezahlt.

Neues Arbeitsgesetz seit einem Jahr – kein Grund zum Feiern
Auch in Teheran kam es jüngst zu Protesten. Vor etwa drei Wochen versammelten sich rund 3000 Arbeiter vor dem Parlamentsgebäude, um gegen das vor einem Jahr verabschiedete Arbeitsgesetz zu protestieren. Artikel 112 und 115 dieses Gesetzes stuft Arbeiter, die keine formale Ausbildung durchlaufen haben, sondern ihr Fach im Betrieb erlernt haben, bis zum 60. Lebensjahr (!) auf die Ebene eines Lehrlings herab. Ein Lehrling erhält im Iran einen viel schlechteren Lohn als ein Arbeiter, er hat eine schlechtere Versicherung und kann jederzeit ohne Abfindung entlassen werden. Wenn man bedenkt, dass das Berufsausbildungssystem im Iran nicht so entwickelt ist wie in Deutschland oder der Schweiz, wo eine Ausbildung die Regel ist, trifft eine solche Regelung viel mehr Menschen als dies hier der Fall wäre. Angesichts der massiven Unterdrückung jeglicher Proteste unter Ahmadineschad ist eine Versammlung von 3000 Menschen beeindruckend. Viele von ihnen waren in Vertretung weiterer Arbeiter aus dem ganzen Iran vor dem Parlament erschienen. Man kann davon ausgehen, dass diese Arbeiter in den amtlichen islamischen „Gewerkschaften“ organisiert sind, aber offensichtlich kann selbst die Überwachung dieser Gewerkschaften durch die Pasdaran nicht mehr verhindern, dass sich der Protest sogar über diese staatsnahen Institutionen ausdrückt.

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