Iran: Bald sind Wahlen


links: Dr. Welajati, ehemaliger Außenminister, rechts: Haddad Adel, ehemaliger Parlamentspräsident, beides einflussreiche Berater von Ajatollah Chamene‘i

In knapp drei Wochen sind im Iran Parlamentswahlen. Die demokratische Opposition ist sowieso ausgeschlossen, die Reformisten sind ohnehin nicht zugelassen, so dass nur die Fundamentalisten mit ihren Kandidaten antreten können. Wer glaubt, dass das keine große Wahl ist, unterschätzt, wie stark sich die Herren an der Macht zerstritten haben. Sie sind gleich mit fünf Listen angetreten, und als würde das nicht reichen, wurden so kurz vor den Wahlen noch drei weitere gegründet. Mahnende Worte des Religionsführers Ajatollah Chamene‘i zur Einigung halfen nichts, die Zersplitterung hält an, und viel zu sagen hat der Ajatollah offenkundig nicht mehr. Genauer – reden darf er noch, aber es hört keiner auf ihn. Lediglich in einem Punkt hatte er noch Erfolg – da die meisten Listen nicht genug eigene Kandidaten besitzen, nehmen sie auch noch Fremdkandidaten in ihre Listen auf. Und dort steht an führender Stelle Haddad Adel, ehemaliger Parlamentspräsident, enger Berater von Ajatollah Chamene‘i und Schwiegervater von Modschtaba Chamene‘i, also dem Sohn des Ajatollahs. Er steht wohl gemerkt nicht nur auf einer Liste, sondern auf den meisten. Er, sowie Dr. Welajati, der ehemalige iranische Außenminister, ebenfalls ein einflussreicher Berater von Ajatollah Chamene‘i, zählen zu den Drahtziehern der Politik des Religionsführers.
Kommen wir nun zur Aufzählung der antretenden Formationen:

  • Dschebheje mottahede ossulgerajan – Vereinigte Front der Prinzipialisten, unter der Führung von Ajatollah Mohammad-Resa Mahdawi-Kani, dem Vorsitzenden des Expertenrats
  • Dschebheje pajdarije enqelab – Front des Fortbestands der Revolution, unter der Führung von Ajatollah Mohammad-Taqi Mesbah-Jasdi,
  • Dschebheje istadegi – Front des Ausharrens, unter der Führung von Mohsen Resa‘i, ehemaliger Oberbefehlshaber der Pasdaran und jetzt Sekretär des Rats zur Wahrung der Interessen des Systems,
  • Sedaje Mellat – Stimme des Volks, unter dem Parlamentsabgeordneten Ali Mottahari, Sohn des bekannten, verstorbenen Ajatollahs Mottahari,
  • Dschebheje bassirat wa bidari – Front der Scharfsicht und der Wachsamkeit, unter Schahabe d-Din Satr, Parlamentsabgeordneter.

Jetzt sind noch drei dazugekommen:

  • Dschebheje hamijane welajat – Front der Verteidiger der Herrschaft des Rechtsgelehrten
  • Dschebheje hamijane doulat – Front der Verteidiger der Regierung (gemeint ist Ahmadineschad)
  • Dschebheje touhid wa edalat – Front der Vereinigung und der Gerechtigkeit.

Wie wir sehen, an „Front“ ist die häufigste Bezeichnung dieser Parteien, und das ist wohl zutreffend.
Front heißt Krieg, und der Krieg, den die Herren untereinander austragen wollen, wird wohl blutig verlaufen.
Beeindruckend ist auch, dass hier für den „Bestand“ der Revolution gekämpft wird, um nicht zu sagen, für den Stillstand, was wohl das Gegenteil von Revolution ist.
Für das Volk heißt es in so einer Situation, dass es am besten ist, sich vom Geschehen fernzuhalten, um nicht unter die Räder einer dieser Fronten zu geraten.

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